kreative Anwandlungen

Seit ein paar Wochen mache ich mir Gedanken, was ich meiner Schwester zum Geburtstag schenken könnte.

Schon seit einiger Zeit hatten wir die Idee mal wieder zusammen an einem Wochenende für einen kleinen Wellnesstrip weg zu fahren, so wie wir es früher öfter gemacht hatten, als wir noch beide in NRW wohnten. Unsere Männer hatten wir damals zuhause gelassen und dann gab es Shopping-Trips, Städtetouren oder kleinere Wellness-Einheiten…wir waren viel unterwegs…und über manche lustige Anekdote auf diesen Reisen muss ich heute noch schmunzeln.

Dann zog sie vor 25 Jahren zurück nach Schleswig-Holstein, an die Küste und ich vor 20 Jahren nach Hessen. Entfernungen um die 650 km waren so nicht mal eben zu überbrücken….da gab es dann nur Besuche untereinander und später dann gar nichts mehr, was aber dann auch gar nicht mehr an der zu überbrückenden Entfernung, sondern an schwer zu überbrückenden Differenzen, lag.

Nun trennen uns räumlich nur noch 140km und keine Differenzen mehr. Dann kam die Pandemie…aber jetzt ist ja wieder alles möglich.

Nun als erstes fiel mir das Tropical Islands in Berlin ein….das hatte uns Beide schon mal gereizt….hmmm aber das ist echt zu weit für ein Wochenende….das müssen wir mal machen, wenn wir ein paar Tage länger zusammen Zeit haben und dann nehmen wir auch meinen Schwager mit.

Als nächstes fiel mir das wirklich grandiose Palmenparadies in Sinsheim ein….quasi direkt gegenüber vom Technikmuseum, wo auch eine Concorde zu besichtigen ist…. neee das ist ja noch weiter weg….das hab ich von Hessen aus mal besucht.

Also okay, dann doch keinen Badetempel im Vordergrund mit Hotel suchen, sondern andersherum…und da hab ich die Idee von Monika aufgegriffen und nach Wellness-Hotels gesucht, an Nord-oder Ostsee…und ich habe eines gefunden: im Ostseeheilbad Boltenhagen, in MeckPom, ein 4Sterne-Hotel mit großem Wellness-Bereich.

Zum Glück hatte mir meine Schwester schon vor einiger Zeit ihre freien Wochenenden bis Ende des Sommers schriftlich mitgeteilt….wir mussten ja einen Termin für unsere Ballfahrt zu Dritt abstimmen. Der Termin in 2021 wurde ja wegen des schlechten Wetters am Ende der Ballonsaison auf 2022 verschoben und findet jetzt im Juli statt.

Nur durch diesen Zettel mit den Terminen, konnte ich überhaupt die Überraschung buchen….also hab ich uns für August einen 3tägigen Wellness-Aufenthalt in dem 4Sterne-Hotel gebucht: es sind große Zimmer mit Meerblick und Balkon.

Im Gegensatz zu früher hab ich uns getrennte Zimmer gebucht….hahahaha…so ist gewährleistet, das es wirklich eine Erholung wird….denn wir haben unterschiedliche Auffassungen von Erholung und Schlaf und ich möchte auch mit Niemandem mehr ein Zimmer teilen müssen.

Ja klar wäre ein Doppelzimmer günstiger, aber hier hab ich jetzt mal nicht auf den Preis geachtet, sondern auf unseren Komfort. Und das Geld wird auf der Bank, durch die Inflation, auch nicht gerade mehr…also raus damit.

Dann hab ich einen großen Korb mit Deko zusammen gestellt. Zusätzlich am Computer einen Gutschein in einer altertümlich anmutenden Sprache und im Stil eines „Marsch-Befehls“ als „Reise-Bewilligung/Erlaubnisschein“ verfasst und auf ein Pergamentpapier gedruckt….Einzelheiten zum Hotel gab es dann auch noch auf einem Extrablatt. Das Pergament zusammengerollt und mit einer großen Schleife gebunden kam es ganz nach unten in den Korb…

Mir war schon klar, das ich diesen Korb so nicht per Post verschicken kann….da meine Schwester aber an ihrem Geburtstag und überhaupt über das ganze Pfingst-Wochenende arbeiten muss, war kein Besuch geplant.

Hmmm…so hab ich meinen eigenen Plan gemacht…mein Tages-Ausflug geht an die Ostseeküste nach Langballigau, mit einem Abstecher nach Flensburg…dort stelle ich den Korb vor die Wohnungstür (einer der Nachbarn wird mich schon ins Haus lassen).

…aber es kam dann doch ganz anders…

Normalität und Veränderungen

Mein Arbeits-und Lebensrhythmus pendelt sich langsam wieder ein….es ist eine neue Normalität aus den letzten 2 Pandemie-Jahren heraus entstanden und auch aus den insgesamt fast 3 Jahren, die ich hier lebe. Und ich finde es auch deshalb erwähnenswert, weil ich erst jetzt, wo ich mich wieder kraftvoll und gesund fühle, merke wie gerne ich auf diese Art und Weise lebe.

2 Tage Homeoffice, 1 Tag zusammen mit dem Controller gemeinsam im Büro, 2 Tage alleine im Büro. An den Homeoffice-Tagen gehe ich Morgens wieder walken…an den Bürotagen eben Abends…oder auch mal gar nicht.

An den Wochenenden sitze ich morgens früh auf dem Balkon (auch jetzt bei 10 Grad ) und schaue den Meisen, Dompfaff und einem Rotkehlchen an den Futterstellen zu, während ich mit Jacke und Decke und meinem obligatorischen dampfenden Kaffeebecher die Morgenstille genieße.

Diese Arbeitswoche war richtig gut….viel zu tun, viel zu klären und zu erklären…ich hab telefoniert, gemailt, gechattet, war in Teams-Meeting und hab im Büro unglaublich viel gequatscht, gelacht und mich ausgetauscht und das nicht nur beruflich. Es war mal wieder die richtige Zeit dafür, weil ich aktuell eine sehr kommunikative Phase habe….das muss ich nutzen….das ist ja nicht immer so bei mir.

Unsere GF-Assistentin meinte dann auch zu mir, dem Controller würde es gut tun, das wir jetzt wieder einen Tag in der Woche zusammen im Büro sitzen und ja, es war spürbar…überhaupt sind wieder mehr Kollegen im Büro und eine positive Stimmung zieht durch die Räume…es geht wieder voran.

Mitte der Woche hat mich dann eine Nachricht aus der Firmenzentrale angeschossen…mitten in der recht schwierigen Phase der Terminfindungen für alle Halbjahres-Abschlüsse im FastClose (allein das ist schon nervenaufreibend genug) hab ich erfahren, das meine liebste DK-Kollegin gekündigt hat und bereits Ende des Monats geht. Neeeiiiiiiiiiiiin – heul….nicht auch noch sie.

Bereits bei unserem Besuch im letzten Jahr und seitdem immer wieder, haben wir darüber gesprochen, wie sehr sie sich überlastet fühlt, das sie immer mehr Firmen bekommt und an jede Firma immer mehr Anforderungen gestellt werden. Das merke ich ja auch selbst….und durch den Weggang anderer Kollegen aus dem Controlling-Department und Neue die angelernt werden müssen, ist es auch immer unruhig. Und die Sitzplatz-Situation in der Zentrale ist auch schlechter geworden, was wohl auch Spuren im Miteinander hinterlassen hat.

Bei meinem Besuch vor ein paar Wochen hab ich sie gefragt, ob sie denn jetzt endlich ein paar Firmen an die Neuen Controller abgeben konnte…da hat sie mit dem Kopf geschüttelt und weil alle anderen drumherum saßen, wollte sie auch nicht weiter darauf eingehen….sie schaute nur sehr traurig.

Nun hat sie einen Job gefunden, mit weniger Stress und mehr Gehalt….und sie ist mit Anfang 30 noch jung und ich gönne ihr einen tollen Job in toller Atmosphäre mit einem schönen Leben. Ich weiß ja nur zu gut, das ein Wechsel immer auch die Möglichkeit ist, sein Leben zu verbessern…und sei es das man eingefahrene Strukturen und eigene Verhaltensweisen anpassen kann…das geht eher, wenn man woanders neu startet.

Sie meinte auch, sie wird mich vermissen…noch bevor ich es aussprechen konnte….seufz ich hab so viel von ihr gelernt und ich mag ihre ruhige und konzentrierte klare Arbeitsweise und unsere kleinen Unterhaltungen über Gott und die Welt..aaach menno.

An der steigenden Fluktuation und den vielen Neu-Einstellungen, den vielen neuen Standorten in Europa und einer großen Beteiligung an einem weiteren Konzern, merkt man, das sich das Wesen der Firma verändert.

Ich hab gerade noch die Ausläufer der Mittelständischen Unternehmer-geführten Firmengruppe mitbekommen, wo eine ganz besondere familiäre Arbeitsatmosphäre herrschte, jeder jeden kannte, egal an welchem Standort. Aber dieser „Spirit“ des Aufbruchs und Wachstums, weicht mehr und mehr einer bemüht funktionalen Konzernstruktur, die zu schnell wächst und ihre Mitarbeiter auf diesem Weg nicht adäquat mit nimmt. Ich schreibe „bemüht“ weil die Strukturen zwar das sein sollen…aber es hakt noch überall an den Schnittstellen.

Zum Glück ist das bei uns im Hamburger Büro noch nicht ganz so stark spürbar…und wir scheinen überhaupt wieder etwas mehr zusammen zu rücken.

Was mir zusätzlich viel Spielraum und das Gefühl von Unabhängigkeit gibt, ist, das ich fachlich von den anderen abgekoppelt bin…d.h. die Firmen die ich buchhalterisch betreue, haben mit dem Hamburger Büro nichts zu tun und organisatorisch bin ich ja zu 100% an die DK-Firmenzentrale angeschlossen….aber gleichzeitig weit genug davon entfernt. Ich befinde mich also in einer komfortablen Situation, aber auf gute und nette Kollegen in der Zentrale bin ich schon angewiesen, weil wir ja zusammen arbeiten müsssen…

….und hier ist es extrem schade, das ausgerechnet diese Kollegin geht….aber das Leben ist kein Ponyhof….außer man kümmert sich selber darum und macht das Beste daraus….und genau das macht sie jetzt….und ich? – Ich finde mich mit der Gegebenheit ab (kann es ja nicht ändern) und mache meinen Job weil er mir Spaß macht und hoffe das Vorort schnell eine neue nette Kollegin oder Kollege gefunden wird….