Das zehrt an den Nerven

Diese Woche ist mein Nervenkostüm sehr angegriffen. Das Krankenhaus hatte auf einmal den OP-Termin für meine Schwester vorverlegt…aber so schnell ging es dann doch nicht.

Anstatt Donnerstag, sollte sie schon Dienstag kommen…aber das ging dann nicht, denn für die Voruntersuchungen musste sie die Tabletten bereits einen Tag vorher absetzen…also ging es am Mittwoch nach Kiel ins Krankenhaus. Den ganzen Tag gab es Voruntersuchungen und Checks und vor allem jede Menge Aufklärungsgespräche, was bei so einer Bypass-OP alles passieren kann.

Mein Schwager war geschockt, weil ihm erst jetzt richtig klar wurde, das er am nächsten Tag seine Frau für immer verlieren könnte…ich war nicht dabei, aber wir haben später telefoniert und da war er immer noch sehr mitgenommen. Nach einem kurzen Telefonat mit meiner Schwester hab ich mich mit ihrer selbstgewählten „Henkersmahlzeit“: SUSHI, nach Feierabend auf den Weg ins Krankenhaus gemacht.

Unten in der Halle haben wir das Sushi gegessen und sind dann noch zusammen draußen spazieren gegangen…wir haben geredet und Beides zusammen tat ihr einfach gut…und mir auch…ich wurde ruhiger und das Krankenhaus macht einen sehr guten Eindruck: alles ruhig und gelassen, keine Hektik, keine Unruhe und alle sind bisher sehr freundlich.

Mir ist schon seit ein paar Monaten aufgefallen das meine große Schwester immer kleiner wird…sie war schon immer ein paar Zentimeter kleiner als ich…aber so langsam schrumpft sie (mit knappen 57 Jahren) immer weiter und ist mittlerweile fast einen Kopf kleiner..also ob das noch 1,60m sind? Sie wirkt dadurch sehr zierlich und zerbrechlich und doch ist sie körperlich stark und vor allem sehr Willensstark….DAS liegt in unserer Familie: unglaubliche Willensstärke – naja man kann es auch Sturheit nennen – da sind wir Beide ganz groß drin.

Auf der Rückfahrt war ich also beruhigt – und dann begann das Warten…und wie wir gewartet haben…Donnerstagmittag in etwa sollte die OP stattfinden. Das Handy und alle anderen Sachen waren bereits im Krankenhaus weggeschlossen worden, so gab es also keinen direkten Kontakt und wir (Schwager in Flensburg, ich in Quickborn) hörten nichts. GAR nichts.

Es wurde Nachmittag und später Nachmittag und wir hörten nichts. Die OP hätte so ca. 13 Uhr anfangen und zwischen 3-5 Stunden dauern sollen…mein Schwager wollte erst um 19 Uhr anrufen…das hab ich nicht ausgehalten und hab bereits um 17 Uhr angerufen. So haben wir immerhin erfahren, das die OP erst um 16.30 Uhr angefangen hat….also vor 22 Uhr brauchen wir gar nicht anzurufen und besuchen durfte ich sie ohnehin erst am nächsten Tag.

JA das wusste ich inzwischen schon…die haben ganz klar geregelte Besuchszeiten ab 15 Uhr Nachmittags…ich war nämlich bereits mittags ins Krankenhaus gefahren und als ich nachfragte wo ich den warten könne, haben die mich sehr freundlich aber auch sehr bestimmt wieder weg geschickt…das würde doch noch Stunden dauern, ich würde ihr damit nicht helfen wenn ich hier bliebe und nach der OP würde sie erst noch eine Weile im „Koma“ sein, bevor sie sie langsam aufwachen lassen usw….also bin ich wieder nach Hause gefahren und habe gewartet….hmmm etwas unrühmlich diese Aktion…ich hätte mich vorher informieren sollen, dann hätte ich mir die insgesamt 160km (hin und zurück) sparen können.

Okay – also wieder hab ich es nicht ausgehalten bis 22 Uhr zu warten, sondern hab schon um 21.30 Uhr angerufen…das war sie minutenvorher gerade auf der Intensivstation angekommen. Die OP wäre gut verlaufen und jetzt würde es noch ca. 2-3 Stunden dauern bis sie wach wird.

Nach dem Telefonat hab ich unmittelbar meinen Schwager angerufen: Sie lebt – alles wird gut. Wir waren beide sehr Erleichtert.

JETZT erst löste sich meine Anspannung. Mein ganzer Körper zitterte und bebte, ich schluchzte und heulte – alles vor Erleichterung….ich konnte mich lange Zeit gar nicht beruhigen, ich musste mich bewegen, zog meine Wanderschuhe an und hab noch meine 5km Walkingstrecke gelaufen: sie lebt – alles wird gut.

Erst am nächsten Tag haben wir dann erfahren, das sie keinen 3fach-Bypass bekommen hat, sondern gleichen einen 4fachen…na gut – auf einen mehr, kommt es jetzt auch nicht mehr an…Hauptsache sie kann damit gut weiter leben und uns auch noch die nächsten 30 Jahre im Besten Sinne: auf die Nerven fallen

Die ersten Tage im neuen Jahr

Ich hatte meinen Silvester-Urlaub um die beiden ersten Tage in dieser Woche, erweitert.

Es blieb somit genügend entspannte Zeit, um mich weiter um den Keller zu kümmern…Das letzte Holzregal hab ich noch einmal umgestellt, meine Vorräte neu sortiert und die Kisten neu gepackt und dabei, wieder einmal viele Dinge als inzwischen überflüssig eingestuft. Auch bin ich erneut durch die Schränke in der Wohnung gezogen – mit jedem Mal fallen mir Dinge auf, die ich JETZT loslassen kann…also weg damit. Das gibt immer etwas mehr Platz in Schrank und Schubladen und ich habe nicht vor den gewonnenen Raum wieder mit Dingen vollzustellen.

An einer Stelle im Keller, hab ich all das Zeug hingestellt, das ich beim Sozialkaufhaus in Hamburg abgeben wollte…und an anderer Stelle den Kram, der zum Wertstoffhoff sollte…nur ein kleiner Teil ist dann in der Mülltonne gelandet.

Wie immer tat das Ausmisten gut…das mache ich ja inzwischen 2-3x im Jahr und mit jedem Mal fallen mir Dinge in die Hände, von denen ich weiß, also die würde ich jetzt nie wieder in die Wohnung stellen…vor allem Dekokram und Lampen.

Für die vorherige Wohnung, wo es nur wenig Möglichkeiten für Deckenlampen gab, hab ich mittels Stehlampen Gemütlichkeit in die Ecken der Dachgeschoß-Räume gebracht…die meisten Lampen waren nach dem Umzug im Keller gelandet…jetzt habe ich nur ganz wenige ausgewählte Stücke in der Wohnung stehen, die – die mir wirklich wichtig sind. Aber warum die anderen im Keller weiter verstauben lassen.

Auch so einige Fehlversuche mit Vorhangschienen, Plissee-Rollos und Gardinen liegen unnütz herum…haben ja immerhin Geld gekostet…nun hab ich endlich die für mich „Richtigen“ in der Wohnung…also auch damit: ab zum Sozialkaufhaus.

Nach der Fahrt zum Wertstoffhof, das ging schnell -war nicht so viel – bin ich gleich weiter nach Elmshorn gefahren. Auf dem Parkplatz wollte ich gerade den Parkschein ziehen, da kam ein älteres Paar freudestrahlend auf mich zu und schenkte mir Seinen, mit noch knappen 1,5 Stunden Parkdauer. Hab mich vielmals bedankt und mich sehr über diese nette Geste gefreut.

Ich hatte eigentlich nichts Besonderes vor…außer mich für ein verspätetes Frühstück in ein Deli/Cafe zu setzten…das war gemütlich und der Kaffee erstaunlich gut….erst als es voller und lauter wurde, hab ich noch einen Spaziergang durch die Innenstadt gemacht.

Die Sachen für das Sozialkaufhaus „Stilbruch“ hab ich erst Mittwoch nach Feierabend abgegeben…aber auch das ging zügig und die haben alle Sachen auch tatsächlich angenommen…das hat mich sehr gefreut.

Ich bin bisher, bis auf einen Tag in dieser Woche, jeden Abend meine Walkingrunde gelaufen, auch wenn es nass und irgendwie ungemütlich wirkte…aber sobald ich draußen, die mir inzwischen so vertrauten Wege, lief, musste ich jedes Mal unwillkürlich lächeln…mit jedem Tag wurde der Mond am Himmel voller und leuchtete so intensiv, das ich nur selten die Taschenlampe brauchte und das Wetter machte mir nichts aus.

Die freien Tage waren richtig schön so….und helfen mir bei der nun kommenden herausfordernden Zeit…denn kaum war ich Mittwoch wieder im Büro (nicht nur geistig – sondern auch physisch) kam schon die Mitteilung, was jetzt bis Ende Januar tatsächlich schon fertig sein muss, obwohl ich für einige der Firmen eigentlich Zeit bis Mitte/Ende Februare hätte haben sollen. Es geht also schon los, mit dem Zusammenstauchen der Abgabetermine.

Aber noch bin ich guter Dinge: das kriege ich schon irgendwie hin. Irgendwie!

Zuversicht

Zuversicht

Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht, bin ich recht früh wach geworden…zum Glück hat die Feuerzangenbowle keine Kopfschmerzen verursacht…ich blieb also im Gästezimmer und hab etwas gelesen und hing noch meinen Gedanken nach…

Um 7.30 Uhr bin ich dann aber doch aufgestanden, während meine Familie noch schlief…hab mich fertig gemacht und mich um die Portionierung der Brötchen-Teige auf die mitgebrachten Backformen gekümmert. War aber erst einmal irritiert, das ich den Weizenmehl-Teig, optisch nicht vom Dinkelmehl-Teig unterscheiden konnte…nur am Geruch konnte ich die Unterschiede „erschnüffeln“…aber nur, weil ich beim Dinkelteig noch einen Hauch Gewürz beigefügt hatte. Beide Teige waren perfekt aufgegangen und die gebackenen Ergebnisse waren toll.

Normalerweise biegt sich der Frühstückstisch fast, bei all dem war wir üblicherweise zuhause auffahren, wenn wir zusammen frühstücken…dies Mal hatten wir jedoch verabredet auf all die übermässigen Auswahlmöglichkeiten zu verzichten…also gab es neben den Brötchen mit Butter, Lachs, Mett und frisch gekochten Eiern nur je eine Sorte Käse und Wurst….und trotzdem war es viel zu viel…aber mein Schwager war schon etwas überrascht….meinte ständig es würde doch noch etwas fehlen, weil es so übersichtlich aussah…aber letztlich war ALLES auf dem Tisch, was wir gerne Essen. Keiner wollte Marmelade oder Honig oder Quark, oder mehr Käse..und da macht es ja keinen Sinn den Tisch zu überladen, nur um dann doch nicht gegessen zu werden.

Bis wir mit dem Frühstück fertig waren war es schon fast 11 Uhr…ich hab mich dann auf den Heimweg gemacht. Die Reste vom Abendessen, Mitternachts-Snack und Frühstück haben wird dann geschwisterlich unter uns Dreien aufgeteilt…auch eine effiziente Form der Reste-Verwertung…ich hab Zuhause gleich einiges eingefroren, damit nichts verschwendet wir.

Ich bin jedoch nicht auf direkten Weg nach Hause gefahren. Bei der Autobahnabfahrt: Bordesholm hab ich die A7 verlassen und bin zur Klosterinsel gefahren. Und um den Bordesholmer See gibt es einen schönen Spazierweg…eine Runde ist knappe 5km lang.

Schon seit längerem wollte ich hier mal wieder laufen, aber wie schon geschrieben, fahre ich nicht mehr einfach so unbedarft drauflos…überlege mehr, immerhin ist Bordesholm auch ca. 50km von meinem Zuhause entfernt…aber nun kam ich auf der Rückfahrt ja quasi daran vorbei.

Sonntagmittag am Neujahrstag…und das Wetter spielte einigermaßen mit…meine Regenjacke war immer noch vom Vortag nass, aber darunter hatte ich ja trockene und warme Kleidung an…

Das Wolkenspiel am Himmel war schon grandios…und der Weg um den See war ruhig und angenehm…manchmal etwas zu windig, aber mit Mütze und Kapuze der Jacke war es top…ich fühlte mich einfach herrlich entspannt (nicht ausgelaugt, wie sonst öfter mal, wenn ich auf der Rückfahrt von Schwester+Schwager bin) und diese freudige Entspanntheit muss ich wohl auch nach Aussen gezeigt haben. Als ich einer entgegenkommenden Dame ein frohes Neues Jahr wünschte meinte sie, ich würde so freudig und strahlend ausschauen…das sähe man in der letzten Zeit nicht sooft. Oh – danke schön.

Ja der Rundgang um den See hat mir genau das gebracht: freudige Entspanntheit und das starke Gefühl von ich bin fit und munter und alles andere wird sich schon finden und richten. Mit einem Wort: Zuversicht.

Ich starte das neue Jahr voller Zuversicht und dem Vertrauen, das ich mein Leben wieder und weiter gestalten kann. Ich bin gesund, mir geht es gut, ich habe einen tollen Job der gut bezahlt ist, eine Wohnung in der ich gerne lebe, Ich habe meine kleine Kernfamilie in der Nähe, lebe relativ frei und selbstbestimmt und lasse mich von den Sorgen um die Gesundheit meiner Schwester, Jobproblem meines Schwagers, Krieg durch Russland in der Ukraine, allgemein steigende Preise und der Energiekrise, nicht die Freude am Leben nehmen…Mir geht es so gut, wie schon länger nicht mehr…und mit der körperlichen Gesundheit, kann ich allem Anderen, das mich besorgt, entgegentreten.

Und mit diesem Gefühl und dem schönen Ausblick auf den See, ging es dann auch endlich wieder nach Hause

Kleine Rückschau

Für Silvester ist alles vorbereitet…es gibt ein „Weihnester“… ein kombiniertes Fest aus Weihnachten und Silvester.

Ich hab die Info, das die Gans bereits im Ofen ist. Ich kümmere mich dafür um das Mitternachts-Essen …also kleine gekaufte mediterane Snacks und dazu selbstgemachte Partyfrikadellchen und Schnitzelchen..und für das morgige Frühstück gibt es zwei Brötchen-Teige.

Dazu hab ich die kleinen Geschenkschachteln fertig (jaja, wir wollten uns ja nichts schenken…) und meine Übernachtstasche ist auch gepackt.

Nun ist alles fertig vorbereitet und ich hab noch 1 Stunde Zeit bevor ich mich auf den Weg mache.

Zeit genug für eine kleine Rückschau auf das ausklingende Jahr:

Das Jahr war insgesamt gar kein so Schlechtes…aber an einigen Stellen schon sehr herausfordernd.

Gesundheitlich war ich noch nie so oft angeschlagen: 3x mit grippalem Infekt, dann der verstauchte Knöchel im Sommerurlaub, die insgesamt schleppende Genesung über Wochen…ständig überhöhter Puls und viiiel zu hoher Blutdruck trotz der Tabletten.

Doch letztlich bin ich jetzt wieder hergestellt und es war nichts Dramatisches.

Ich war mental öfter mal wieder gestresst, schaffe es aber zum Glück mich einigermassen zügig wieder zu fangen….

Ich habe schöne Ausflüge gemacht, wenn ich auch wesentlich weniger neue Ziele ins Visier genommen habe. Ich bin viel seltener mit dem Auto unterwegs gewesen, war dafür öfter auch im Homeoffice und liebe inzwischen meine kleinen Ausflugsziele in der Nähe.

Ich war 3x in diesem Jahr in Urlaub, das ist viel für mich: Einmal in Ostfriesland im Frühjahr, Sommerurlaub in Cuxhaven und ein Wellness-Urlaub in Boltenhagen.

jaaa – das ist schon mal eine ganz gute kurze Bilanz..

Die Ruhe vor dem Kahlschlag und die Wärme nach dem Regen

Sie kommen näher – ich hab sie schon gesehen – also nicht die Baumfäller selber – aber das Ergebnis ihrer Arbeit – noch ca. 1.5 km und sie sind auch hier bei mir.

Seit dem 1. Dezember warte ich ja quasi täglich darauf, das die Bäume hinter dem Haus und damit vor meinem Balkon, gefällt werden. Die Privatbahn hatte es angekündigt…und papiergläubig wie ich nun einmal bin, war ich der Meinung die stehen am 01.12. im Garten mit ihren lauten Kettensägen und nach 2 Tagen ist der Spuk vorbei und ich habe freie Sicht auf Alles, was ich gar nicht sehen will. Aber so war es nicht.

Inzwischen muss ich über meine Naivität lachen. Die Privatbahn hat diese Zettel an Alle Anwohner entlang der Strecke verteilt…und die fangen natürlich an einem Ende an und arbeiten sich dann langsam entlang der Strecke voran. Ich habe auf freiem Feld gesehen wo Bäume und Büsche bereits fort sind und auch die tiefen Furchen drumherum, wo Trecker mit Anhänger oder LKW mit Ladefläche die Bäume aufgenommen und abtransportiert haben.

Und da es auf dieser Seite nahe am Rande der Stadt wo ich wohne, keine direkte Zuwegung zu den Bahngleisen gibt, um die Bäume abtransportieren zu können…werden die wahrscheinlich erst gefällt, wenn die Bahnstrecke ab dem 16.01.23 stillgelegt wird….dann können die Bäume über die Bahnschienen hinweg, auf der anderen Seite, zu der dort parallel verlaufenden kleinen Straße gebracht und abtransportiert werden.

Wenn man darüber nachdenkt, ist es eigentlich auch logisch. Richtig erschlossen hat es sich mir aber erst gestern, als ich im strömenden Regen ,noch vor Sonnenuntergang, meine große Walkingrunde lief und auf den Kahlschlag traf.

Im Moment bedeutet jede Walkingrunde einmal komplett durchnässt zu sein oder sagen wir mal lieber so: ich teste gerade die Wind- und Regentauglichkeit meiner Winter- und Regenjacken. Die Windstille zu Heiligabend, wo der Regen ausschließlich von oben kam, ist inzwischen zu einer Art November-Schmuddelwetter geworden…es gibt heftige Windböen und jede Menge Regen ich werde also von allen Seiten naß….was ich vor allem daran merke, das meine Jeans schwer und nass an mir zerren. Warum hab ich eigentlich nicht die Thermohosen angezogen? Ach jetzt weiß ich es wieder: ich fand es zu warm dafür. Na meine eiskalten nassen Beine waren da hinterher ganz anderer Meinung.

Aber was gibt es Schöneres als nach so einer Tour unter die heiße Dusche zu gehen und anschließend in Kuschelklamotten und mit einem heißen Glühpunsch auf der Couch zu sitzen und dazu die Reste von Ente, Rotkohl und Klößen zu verputzen. Als Nachtisch gab es noch selbstgemachtes Popcorn und einen kleinen Schoko-Weihnachtsmann, den ich geschenkt bekommen habe.

Und ich sitze da und mache mir Gedanken über all die Veränderungen die noch kommen werden….hinterm Haus ohne Bäume, meine Schwester mit Bypass-Operation voraus und anschließender REHA danach, meinem Schwager ohne Job und mit der laufenden Kündigungsschutzklage, meiner liebsten Kollegin deren Mann erneut einen sehr schweren Bandscheiben-Vorfall kurz vor Weihnachten hatte und mit der ich zukünftig nur noch wenig gemeinsam Zusammenarbeiten kann, meine eigene Arbeit die sich auch gerade gravierend verändern soll. Ich denke über ein paar Menschen aus meiner Vergangenheit nach und über deren Zukunft. Ich denke nach über die Welt die mehr und mehr aus den Fugen gerät und ich es nicht fassen kann, dass es Menschen gibt, die einfach nicht friedlich nebeneinander leben wollen…über die steigenden Preise, über die fragile Energie-Versorgung, über die Pandemie und deren Folgen…in meinem Kopf ist selten Ruhe…

…aber trotz all der schweren, beunruhigenden und mitfühlenden Gedanken, fühle ich mich damit gerade nicht überfordert, wie so oft in letzter Zeit, sondern ich merke, das ich mich dem Leben körperlich und mental wieder richtig stellen kann.

Bisher konnte ich mich immer auf meine eigene Leistungsfähigkeit verlassen, aber das Jahr 2022 hat mir ein paar Mal ganz ordentlich Grenzen aufgezeigt …und nun endlich, fühle ich mich wieder leistungsstark. Das ist eine gute Basis dem kommenden Ende dieses Jahres zu begegnen.

Wie schön öfter am Ende eines Beitrags bin ich überrascht darüber, was für eine gedankliche Schleife ich da gedreht habe…manchmal ist es mir gar nicht so bewusst, was mich eigentlich sonst noch so bewegt….aber dann fließen meine Gedanken locker in meine Fingen und finden ihren Weg auf den Bildschirm.

Weihnachts-Magie selber erschaffen

Weihnachts-Magie selber erschaffen

Jeder hat ja seine eigenen Vorstellungen von einem gelungenen Weihnachtsfest. Jeder hat eigene Rituale, die sich nach Familientraditionen, regionaler oder religiöser Zugehörigkeit und ja nach Land unterscheiden.

Das ist nun mein 4. Weihnachtsfest in Schleswig-Holstein und damit die Freiheit meine eigenen Rituale zu festigen…weitab von Familienzwängen und Erwartungshaltungen in einer Beziehung. Okay – da ich nicht auf einer einsamen Insel lebe, fahre ich normalerweise am 1. Weihnachtsfeiertag zu Schwester+Schwager und wir hatten die letzten Jahre auch echt schöne Weihnachten. Dieser Besuch fällt nun durch deren aktuelle Corona-Infektion aus.

Aber der Rest von Weihnachten gehört mir und auch Silvester. Das hab ich von Anfang an klar kommuniziert, ich brauche und will meine eigene stille Zeit haben und ich nehme sie mir auch.

Und das führt mich zu meinen eigenen neuen Ritualen zu Weihnachten.

Am Vormittag des 24.12. hab ich tatsächlich meinen Balkon sauber gemacht…durch das Füttern der Vögel entsteht schon einiges an Dreck und das war tatsächlich der einzige Bereich, den ich am Vortag nicht sauber gemacht hatte…So – auch erledigt.

Gegen Mittag hatte ich, für den Abend, eine Ente in den Backofen geschoben und Rotkohl aufgetaut. Gleichzeitig mit viel frischem Gemüse und einer Rinderbeinscheibe eine Suppe gekocht. Für das Mittagessen noch frische Schnitzel geklopft, paniert und gebraten…und anschließend die Küche wieder sauber gemacht.

Mit regenfester Kleidung und einem Thermobecher voll Kaffee hab ich mich am Nachmittag ins Auto gesetzt…Mein erklärtes Lieblings-Ziel an Heiligabend ist die Stadt Lüneburg. Sie ist nur etwas mehr als 80km entfernt und hat eine für fast mich magische Weihnachtsstimmung.

Die Autobahn war voll, aber der Verkehr staute sich nicht..aber ich war überrascht wie viele Menschen unterwegs waren auch in Lüneburg selber war viel Verkehr auf den Straßen, obwohl es schon anfing dunkel zu werden. Ihr solltet doch jetzt mal langsam hinter all den beleuteten Fenstern zur Ruhe kommen…Es wird Zeit anzukommen.

Wie die Jahre zuvor, hab ich an derselben Stelle einen Parkplatz gefunden, bin bei untergehender (aber verdeckt-diesiger) Sonne über den Wall und durch die Gräfte gelaufen…

….um dann nur minutenspäter in der Dunkelheit des beginnenden Abends gemütlich durch die erleuchtete Stadt zu schlendern….langsam, ruhig atmend und bedächtig auf die immer wieder faszinierende Beleuchtung zuschauen.

Und pünktlich mit der Dunkelheit, setzte dann auch der Regen ein…wie auch schon die Jahre zuvor…da es aber nicht kalt und auch überhaupt nicht windig war, hat mich die Nässe nicht abgeschreckt.

Ich laufe quer durch die Stadt, in diesem Jahr sind es tatsächlich weniger Lichter…aber das macht nichts…wie im Vorjahr hab ich am Marktplatz einen heißen Glüh-Punsch (ohne Alkohol) getrunken, bin kreuz und quer durch Gassen und Straßen gelaufen

Die Stadt, die Lichter und ja auch der Regen strahlen zusammen ein so gemütliche und auf merkwürdige Weiese magische Weihnachtsstimmung aus, das ich unmittelbar ruhig werde und diese mich auf eine sehr stille Art gefangen nimmt. Meine besondere Form des Weihnachtsfriedens direkt in mir.

Nach knappen 2 Stunden fühlt sich mein Herz leicht und die durchnässte Winterjacke sehr schwer an…ich mache mich auf den Rückweg und freue mich auf mein Abendessen, einem gut gekühlten Glas Cremant (mit Alkohol) und einen entspannten Heiligen Abend.

Vorbereitungen

Aufgrund der unglücklichen Konstellation der Weihnachtsfeiertage und meinem immer noch beträchtlichen Restbestand an Urlaubstagen, hatte ich bereits am 23. Dezember frei und brauche auch nur noch die beiden letzten Tage in diesem Jahr zu arbeiten. Insgesamt sind es mit Wochenende und Feiertage ganze 6 freie Tage. und die ersten beiden Arbeitstage im Januar hab ich auch noch frei.

Immer noch kommen mir diese freien Tage über Weihnachten und Neujahr ungehörig vor. Wie geht das denn? Einfach frei machen? – aber ja, es geht tatsächlich und so langsam, nach 4 Weihnachten ohne, erkenne ich die Absurdität meiner früheren Arbeitsweise im Stressjob.

Das ist genau das, was ich jetzt brauche…Einfach freie Zeit. Und da die familiäre Weihnachtsfeier krankheitsbedingt ausgefallen ist, habe ich diese Tage ganz für MICH. Keine Verpflichtungen, keine Termine….einfach Zeit.

Den 23. Dezember habe ich genutzt zum Putzen, Wäschewaschen, Leergut wegbringen. Ich habe das Bett frisch bezogen und dem Staub in jeder Ecke der Wohnung den Garaus gemacht.

Dabei hatte ich die drahtlosen Kopfhörer in den Ohren, um das Hörbuch „Die Cum-Ex-Files: Der Raubzug der Banker, Anwälte und Superreichen…“ weiterzuhören. Das ist spannend wie ein Krimi, naja – also spannend für Menschen, die Bücher von Investigativ-Journalisten überhaupt gerne hören. Ich bin ein Fan dieser Art von Büchern.

Während ich also meinen Geist auf das Buch lenkte, erstrahlte meine Wohnung so langsam wieder in einem leichten Glanz von Sauberkeit und Ordnung. Meine innere Unruhe verflog dabei recht zügig, als ich mal wieder alles, was nicht unbedingt herumstehen oder liegen muss, forträumte. Meine in diesem Jahr sehr reduzierte Weihnachtsdekoration kommt somit noch besser zur Geltung. Wie schon öfter beschrieben, brauche ich diese Art der Ordnung, um mich innerlich wieder ausgleichen zu können.

Am Abend zuvor hatte ich ein langes Telefonat mit meinem ehemaligen Tanzpartner…sein Schwiegervater war vor kurzem Verstorben und die Geschwister seines Mannes sind seit dem Tod der Mutter komplett zerstritten und der Tod des Vaters macht es jetzt auch nicht einfacher….puhhh. Und dazu noch die Info, das unsere ehemalige Trainerin mit einer defekten Herzklappe über Weihnachten ins Krankenhaus muss…irgendwas funktioniert wohl mit der OP nicht….auch das bringt mich etwas aus der Bahn.

Nach diesen Nachrichten drängte sich mein Tinnitus noch einmal unangenehm in den Vordergrund….seitdem hat er sich verzogen….na hoffentlich bleibt das jetzt eine Weile so…ich hab aber verstanden: das Ohr bleibt meine Schwachstelle. Zeitgleich mit meinem unaufgeregtem Putz-Fitness-Tag, sinken endlich auch wieder Blutdruck und Ruhepuls in meinen normalen Bereich ..ich hab schon letzte Woche angefangen die Dosis der Blutdrucktablette langsam auf Normalmaß zu reduzieren. Jetzt passt alles wieder zusammen. Ich fühle mich körperlich fit und gesund und das Gefühl von emotionalem Stress ist auch größtenteils verschwunden…aber noch nicht gefestigt.

Die letzten Einkäufe habe ich noch erledigt, hab den Inhalt meiner Vorratskammer neu sortiert und am Abend kam noch das Bügeleisen zum Einsatz, um den Berg Wäsche schrankfein zu machen. Alles ganz locker und ohne Zeitdruck. Am Ende des Tages war ich sehr zufrieden mit mir und dem Tag, auch wenn ich an dem Tag dann keine Walkingrunde mehr gedreht habe. Bewegt hatte ich mich aber echt genug.

Fahrt in den winterlichen Norden – abenteuerlich

Die Temperaturen in Dänemark waren ähnlich kalt, wie in Deutschland…aber -15Grad waren dann doch mehr, als die Winter in den letzten Jahren. Auch die dänischen Kollegen waren über diesen Kälteeinbruch verwundert. Direkt hinter der Landesgrenze war auf einemal nur noch die rechte Spur der Autobahn geräumt…auf der linken Spur lag Eis und Schnee, so waren wir teilweise nur noch mit 60 Kmh unterwegs….ich bin dann zwar ein paar Mal auch links gefahren….aber das war nur auf kurzen Abschnitten gefahrlos möglich.

Dafür sahen wir viele liegengebliebene Autos am Rand, aber auch ein paar Autos nach Unfällen auf der linken Spur….Wir haben also beschlossen, lieber langsam und sicher ans Ziel zu kommen. Dabei war die Atmosphäre mit dem vielen Schnee auf den Bäumen, Nebel, Sonne und dann wieder heftigem Schneefall schon malerisch…aber eben auch gefährlich.

Kollegen erzählten am nächsten Tag, es hätte am Morgen einen Groß-Unfall in der Nähe gegeben, mit vielen Autos, LKW und 2 Toten…puhhhh .

Wir kamen dann, mit einer Pause in Flensburg, nach knappen 5 1/2 Stunden in der Zentrale an….Während meine beiden Kollegen zu einem fest geplanten kleinen Meeting gingen, hab ich auf gut Glück meine Gesprächspartner direkt an ihren Arbeitsplätzen besucht und tolle Gespräche gehabt, bevor ich mich im Controlling-Department an einem freien Tisch niederlassen und noch etwas arbeiten konnte.

Nach Sonnenuntergang ging es ins nahe Hotel….das ist quasi mitten im Wald und nur wenige Hundert Meter vom Fjord entfernt. Wir hatten uns für 19 Uhr im Hotelrestaurant mit einem anderen deutschen Kollegen verabredet, der schon seit ein paar Tagen hier weilt…und so haben wir, bei gutem Wein und gutem Essen, einen schönen Ausklang des Tages gehabt.

Mir war das allerdings noch nicht Ausklang genug, so bin ich später in Wanderstiefel, dick eingekuschelt und mit Taschenlampe durch den verschneiten Wald runter zum Fjord gelaufen und dann entlang der Wasserlinie….mit knirschendem Schnee unter den Schuhen, die Umgebung durch den Schnee erhellt (Die Taschenlampe brauchte ich schon nach ein paar Minuten nicht mehr) der Fjord lag dunkel und ruhig, bis auf ein paar Wasservögel die noch laut riefen…es war sooo himmlisch, so friedlich…ein richtiger Weihnachtsmoment.

Ich bin langsam und vorsichtig gelaufen und war mit 3.4 km durch den Schnee und die Dunkelheit sehr zufrieden mit dem Tag….hab mich gut erholt gefühlt und bin dann auch später schnell eingeschlafen.

Nach dem großen Meeting am nächsten Tag, das fand im selben Holtel statt, bin ich in der freien Zeit nach Ende des Meetings und vor der Abendveranstaltung, noch einmal bei Tageslicht runter zum Fjord gewandert:

Und wieder diese schöne stimmungsvolle Ruhe…und der Blick über das teilweise zugefrorende Wasser…..mit dem beginnenden Sonnenuntergang über der Ortschaft….leider hatte ich nicht so viel Zeit und musste schon bald wieder umkehren:

Ich hab den Kollegen schon mal gesagt, also falls die Hamburger mich irgendwann nicht mehr haben wollen, komme ich direkt in die Zentrale – also bei dieser Natur drumherum. Bisher war jede Jahreszeit hier echt toll…..hahahha – na gut – ich würde aber nur kommen, wenn ich die Sprache bis dahin auch wirklich sprechen kann hahaha.

Anekdote am Rande: Wir hatten auf dem Hinweg die leere Scheibenwaschanlage mit einem Fertig-Gemisch: Reinigung+Frostschutz aufgefüllt und dann auch genutzt.Trotzdem konnten wir auf der Rückfahrt die Scheiben damit nicht sauber halten…Das Zeug war eingefroren, obwohl es bis -20 Grad funktionieren sollte. Leider stand einen Großteil der Fahrt die Sonne so tief und schien direkt auf die immer dreckiger werdende Frontscheibe, das mein Kollege am Steuer nichts mehr sehen konnte…wir mussten anhalten…Der Neue und ich sind also mehrmals ausgestiegen haben das restliche Mittel direkt auf die Windschutzscheibe gegeben und mit Lappen die Scheibe gesäubert, sonst hätten wir gar nicht weiter fahren können. Erst kurz vor der Grenze zu Deutschland lag die Temperatur bei -1 Grad…und die Scheibenwaschanlage funktionierte wieder.

Zum Glück haben mich die Kollegen direkt vor meiner eigenen Haustür eingesammelt und auch wieder abgesetzt, brauchte ich nicht noch die 25km bis nach Hamburg rein fahren und konnte so Freitagnachmittag noch etwas produktiv arbeiten.

Im Wintermodus

Endlich hat auch mein Körper in den Wintermodus gewechselt. Nach dem Sommer gibt es immer eine Phase bei mir, in der ich den Herbst tatsächlich als kalt und unangenehm empfinde…vor allem als ich im Herbst ja 2x mit so einem Schnupfen-Virus kämpfte.

Und mit jedem Tag den es mir seitdem gut geht und gleichzeitig die Temperaturen draußen sinken, fühle ich mich wieder in meinem Element. Schon die ganze Woche hat es immer mal wieder leicht geschneit…Straßen und Gehwege sind frei, aber die Felder und Wiesen haben noch eine Frostschicht und Schnee.

Mit dicker Jacke, Schal, Mütze und Handschuhen bin ich auf jeden Fall mindestens 1x am Tag für meine Walkingrunden draußen, meist im Dunklen…klare kalte Luft, gedämpfte Geräusche, Schnee auf den Feldern….oft ist es diesig und der Himmel wolkenverhangen…und doch finde ich es herrlich. Ich atme tief und bewusst die kalte Luft ein und fühle mich großartig (noch großartiger würde ich mich fühlen, wenn mein Fuß dabei nicht ständig schmerzen würde)…draußen in der Natur, außerhalb des Ortes hat sich eine 5,2 km lange Strecke als meine Wohnfühlstrecke etabliert…abseits der größeren Straßen.

Manchmal gehe ich auch durch etwas abgelegenere Wohnstraßen, inzwischen leuchtet es an vielen Stellen in Fenstern und Gärten, mehr als ich gedacht hätte…Aber die meisten Beleuchtungen sind dezent. Natürlich gibt es immer auch die Anderen, bei denen es gar nicht grell, blinkend und bunt genug sein kann…naja – lassen wir Ihnen den Spaß.

Ich jedenfalls mag lieber die dezenten warmen Lichterketten in einem Baum im Vorgarten, einen beleuchteten Stern oder Schwibbogen in einem Fenster….überall ein bisschen eben…so das die Dunkelheit hier heimelig und gemütlich wirkt.

Ich laufe durch die kalte Luft und genieße diese Ruhe, versuche dabei meine innere Unruhe und Nervosität zu besänftigen, was mir leider gar nicht gelingen will.

Dann komme ich nach Hause und empfinde, nach der Kälte draußen, meine Wohnung als warm und kuschelig und gemütlich..mit einer kleinen Lichterkette im Fenster und dezenter Beleuchtung durch echte Kerzen im Wohnzimmer….Und obwohl es inzwischen nur noch um die +2 bis -2 Grad draußen sind, hat das Wohnzimmer, auch ohne das die Heizung läuft, immer noch angenehme 17 Grad. Jetzt schalte ich sie doch schon manchmal abends an….

Inzwischen habe ich an allen Fenstern Thermovorhänge und 2x am Tag lüfte ich quer durch die ganze Wohnung, bei weit geöffneter Balkontür. An meinen Homeofficetagen läuft die Heizung auch leicht im Arbeitszimmer. Durch das stille sitzen vor dem PC, fühlt es sich sonst schnell kühl an.

Meine Kuschelsocken kommen regelmässig zum Einsatz und ich mag meine Wolljacken und im Wohnzimmer auf der Couch hab ich Wolldecken liegen…ich finde es überhaupt nicht kalt oder ungemütlich…eher das Gegenteil….ich liebe diesen Wintermodus und auchauch schon vor der Energiekrise habe ich meine Wohnung nicht über 20-21 Grad temperiert…ich bin der Wintertyp….mag es lieber etwas kühler, als zu warm.

Und genau in diesem Wintermodus, finde ich den Gedanken an Temperaturen im Sommer über 27 Grad als gruselig…im Winter bin ich draußen…im heißen Sommer bin ich antriebslos und verkrieche ich mich lieber.

Das Leben und die Risiken

Montag im Homeoffice wartete ich also auf Nachricht, wie meine Schwester die Herzkatheter-Untersuchung überstanden hat, ob die tatsächlich Stents gesetzt haben oder was dabei herausgekommen ist.

Aber es kam keine Nachricht. Dabei hatte sie am frühen Morgen den Termin…ich wurde unruhig…Erst nach dem Mittag kam von meinem Schwager die Nachricht: Ihr geht es gut – aber es wurden keine Stents gesetzt…sie kann gleich nach Hause – alles andere später.

Nun – ich kann nicht behaupten, dass mich diese Aussage beruhigt hat…und bereits 2 Stunden später sollte sich das auch bestätigen…denn es kommt noch schlimmer.

Wir hatten bereits vor Tagen ausgemacht, ich komme auf jeden Fall an diesem Tag nach Flensburg, egal ob sie Zuhause oder im Krankenhaus ist….und so hab ich später nur kurz mit ihr telefoniert und mich bereits am frühen Nachmittag ins Auto gesetzt und mit knappen 1,5 Stunden war ich dann auch Vorort.

Auf den Bildern vom Herzen, kann man eindeutig erkennen, bei ihr ist eine der Herzvenen komplett verkümmert und an den beiden Anderen gibt es Engstellen…wahrscheinlich alles schon seit ihrer Geburt….da können Stents nicht mehr helfen. Es geht wohl nur über eine 3fach Bypass-Operation. Die Wahrscheinlichkeit das es am offenen Herzen und nicht minimal-invasiv gemacht wird, ist relativ hoch – aber noch ist es nicht ganz entschieden….jetzt wartet sie auf einen freien Termin im Krankenhaus.

Einer der Ärzte meinte dann auch zu ihr, sie kann froh sein, eine so gute körperliche Fitness zu haben und einen so guten Lebensstil zu führen, ansonsten wäre sie wohl schon längst tot. Na das ist ja eine tolle Aussage.

Wir waren alle Drei geschockt und jetzt mit ein paar Tagen, die bereits ins Land gegangen sind, gewöhnen wir uns an den Gedanken. Ja klar, auch das ist inzwischen eine Routine-Operation, aber trotzdem ist es eine Operation, die gefährlich werden kann. Ca. 1% stirbt bei der OP (das heißt aber auch 99% überleben), und ca. 5% bekommen während der OP einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Auch wenn die Chancen also sehr gut aussehen, dass sie anschließend die nächsten 20 Jahre gut und fast ohne Einschränkungen damit leben kann, muss man sich bewusst sein, das es auch anders kommen könnte.

Jetzt heißt es also abwarten und Ruhe bewahren, bis die Klinik sich meldet wann es einen OP-Termin gibt.

Wir hatten uns am Abend Essen kommen lassen und gemütlich im Wohnzimmer zusammen gesessen und einfach nur geredet…das tat uns Dreien gut….meine Schwester versucht sich ihrer Angst zu stellen, indem sie wieder und wieder darüber redet, meinem Schwager tut es gut, sich überhaupt einmal darüber zu unterhalten, auch über seine Kündigung und auch mir tat das Reden gut.