Ein Kokon um das „Wir“

Ein wirklich schönes Wochenende geht nun zu Ende. Und anstatt leise auszuklingen, nimmt es wieder einmal abrupt den Charme eines gemütlichen Abends und endet am Bahnsteig.

Ich winke und bleibe zurück. Komme nach Hause in die jetzt leere Wohnung und muss mich erst mal wieder an die Stille anpassen. Zurück in der Wirklichkeit nach 2 Tagen Auszeit vom Leben drum herum.

Wir leben sehr auf uns bezogen…genießen den Kokon den wir um das „WIR“ errichten…und harmonieren in unseren Bedürfen mal mehr oder weniger….eben sehr unterschiedlich. Nicht jeder bekommt immer das, was er will oder braucht…. Und dieses Mal war ich Diejenige die gesagt hat, ICH bin dran…denn das brauch ich jetzt …

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Schuften bis zum Schluss

Erschreckend viele Rentner müssen auch im Ruhestand arbeiten, um über die Runden zu kommen.

Ja,ja – ich weiß. Das sind die Frauen die nur wenig gearbeitet haben, weil sie die Kinder großzogen oder die Männer, die in niedrig bezahlen Jobs immer fleißig gearbeitet haben und trotzdem reicht es nicht für eine Rente zum Leben.

Aber leider geht es eben nicht nur denen so…wir reden auch von Ingenieuren, Versicherungsmaklern und anderen Angestellten mit mittleren Einkommen. Es geht um den Mittelstand in unserer Gesellschaft.

Es reicht schon, wenn man mit 55 Jahren krank wird und ein paar Jahre nicht arbeiten kann…schon ist man in der Falle. Die Arbeitslosigkeit mit 63 Jahren ist auch keine Seltenheit und schon ist das ganze geplante Modell für den Lebensabend dahin.

Ein Angestellter macht sich selbständig und zahlt nicht in die private Rente weil er das Geld nicht hat…eine Frau hat ihr ganzen Leben immer in einer Bäckerei gearbeitet und trotzdem reicht es nach Abzug der Fixkosten nicht um in Würde leben zu können.

Das finde ich schon erschreckend…Jeder Cent wird umgedreht um ja niemandem auf der Tasche zu liegen….ich werde ab sofort mehr Sparen. Jetzt wo ich es mir noch leisten kann.

Heute macht ein Kleid weniger in meinem Schrank mein Leben nicht ärmer, aber vielleicht machen mir ein paar Euro mehr, später das Leben leichter.

Der Draht zum Überleben

Ich bin gerade verdrahtet und an ein Gerät angeschlossen und lerne gerade am eigenen Leib, wie dankbar wir der modernen Medizin mit den fortschrittlichen Geräten sein sollten.

Mein Kardiologe (hmmm „mein“ impliziert hier, das ich also in regelmäßiger Behandlung bin oder zumindest ab jetzt sein werde)hat mich an ein 3-Tage-EKG angeschlossen…. Das zeichnet alles auf also: Mobile Überwachung.

.Und prompt passe ich fast unmerklich meine Handlungsweisen etwas an….versuche mich mehr zu bewegen und ruhiger zu sein…ist ja eigentlich Blödsinn, immerhin soll der Ist-Zustand erfasst werden um es mit dem Soll-Zustand abzugleichen.

Aber mal ehrlich…es ist so beruhigend, dass es so etwas gibt. Denn es tut gut zu wissen da ist ein Arzt der mich ernst nimmt, den es interessiert, das ich noch lange gesund leben kann und der versucht alles zu tun damit es auch so kommt.

Meinem Vater wurde vor Kurzem einen Defibrillator eingepflanzt. Dieser ist an das Herz angeschlossen und überwacht den Herzschlag…das soll bei Kammerflimmern einen elektrischen Impuls auslösen, um das Herz anzuregen wieder normal zu schlagen….zur Vermeidung eines plötzlichen Herztod.

Und genau so ein Ding werde ich mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls benötigen, wenn auch erst in hoffentlich vielen Jahren…Bei meinem Vater kam es durch eine Herzschwäche und mehrere Herzinfarkte. Bei mir kann es durch die angeborene „Anomalie“ zu Herzrhythmus-Störungen führen.

Wie gerne gehe ich also jetzt zum Kardiologen und lasse mich verdrahten und „überwachen“ damit ich noch lange so leben kann, wie ich es jetzt mag

Erntedank – einmal anders

In unseren Zeiten sind wir meistens Städter und bauen nichts an. Das Erntedankfest war ein wichtiges Fest  bei den Bauern, um Gott für die reichhaltige Ernte auf den Feldern zu danken und je nach Ertrag wurden in den Kirchen prächtige  Erntedankkronen aus den Ähren geflochten…In ländlichen Gebieten ist das auch heute noch so.

In diesem Jahr feiere ich meine Art des Erntedankfests. Denn auch ich fahre jetzt meine Ernte ein…Den Erfolg. Einen ruhigen und für andere kaum sichtbaren Erfolg….
Vor fast 8 Jahren hab ich angefangen die Saat zu setzen und heute ernte ich die Früchte meiner harten Arbeit.

Das klingt so hochtrabend, aber ich fühle mich genauso…nach Jahren des Aufbaus, der Mühsal und auch der Rückschläge kann ich heute die Früchte meiner Arbeit ernten. Die Strukturen sind gefestigt und stimmen, das Team stimmt jetzt auch personell. Ich brauche nicht mehr alles selber machen…ich profitiere jetzt von den Strukturen, die ich von langer Hand mühselig aufgebaut habe…

Ich bin dankbar für das was ich schaffen durfte und das ich durch gehalten habe…

Das Herz und die Liebe

Diese Woche war echt hart für mich….die Fernbeziehung zeigt ihre Schattenseiten…meine Aversion gegen ständiges Telefonieren rieb sich an meinem Bedürfnis des Redens und der körperlichen Nähe.

Wir telefonieren täglich zwischen 1-2 Stunden pro Tag, verteilt auf 2 -3 Mal….und kommt doch nicht dem Redebedürfnis nahe, welches wir sonst eigentlich haben. Nicht Reden ist für meinen Süßen eher eine Strafe und wenn wir zusammen sind gibt es tausend Gesprächsthemen…

Am Telefon dagegen mag ich manche Themen überhaupt nicht ansprechen…und mir wäre ein Kuscheln in so einem Moment wichtiger… Vor allem Morgens wenn wir Beide gerade dabei sind wach zu werden, ist das nicht reden keine Lösung….meistens rede ich, damit er nicht wieder einschläft….ein Knuff in die Seite wäre eigentlich die besser Lösung…geht aber nicht.

Ich habe mich einsam gefühlt in dieser Woche…was evtl. auch an meinem Besuch beim Kardiologen lag…ich brauche körperliche Nähe, gerade wenn ich mich unwohl fühle. Diese blöde „Anomalie“ wie es die Ärztin nennt, ist nicht akut gefährdend, kann aber langfristig zu chronischen Herz-Rhythmus-Störungen führen.

Also eigentlich eine für den Moment positive Aussage, mein Herz schlägt kräftig und ist noch nicht durch den Bluthochdruck oder die „Anomalie“ geschädigt und doch hätte ich die Schulter meines Freundes benötigt.

Gestern kam er endlich mit dem Zug und wir haben einen kuscheligen Abend auf der Couch verbracht. Gerade diese innigen Zeiten sind sehr wichtig…

….also hab ich es erst heute erzählt…und alles was ich sonst noch nicht im Laufe der Woche nicht erzählt hatte. Es sprudelte nur so aus mir raus und schwuuupssss war die Hälfte des Tages schon wieder weg mit anregenden Unterhaltungen und Diskussionen.

Ein Sommerloch träumt vor sich hin

Ein Sommer ohne….ohne Aufregung und Stress

Beruflich hab ich das, was man ein „Sommerloch“ nennt…endlich mal keinen Stress!! Wie krass, ich hechte mal keinem Großprojekt zeitlich hinterher…kümmere mich um alle meine normalen Tagesarbeiten, um meine Mädels und die regulären kleineren Projekte…und um einen Jahresabschluss…. Aber alles lässt mir genügend Zeit zum durch atmen und auch, um mal einfach das zu tun, was andere auch machen…bei Kollegen stehen und quatschen.

Und ich nutze die Zeit um auch wirklich einfach früher Feierabend zu machen ….wie geil ist das denn.

Dieser für mich fast paradiesische Zustand wird noch genau eine Woche anhalten….dann geht meine Chefin in Mutterschutz…das bedeutet für die nächsten Monate…inklusive Jahreswechsel, es wird wieder stressig…aber das haben wir schon einmal durch gemacht und auch das wird jetzt wieder klappen.

Die ganzen Stessmacher meines Lebens sind also gerade fort: Vereinsarbeit, Training und Arbeitsstress. Sogar in meinen Träumen macht es sich bemerkbar…noch nie bin ich in meinen Träumen mit meinem Freund durch die Gegend geschlendert. Sonst träume ich von Terminen, die ich nicht einhalten kann, vom Auf-der-Stelle-rennen, von Turnieren bei denen ich zu spät bin, von Prüfungen auf die ich nicht vorbereitet bin von Abgründen die ich hinunter stürze usw….

Man muss kein ausgebildeter Traumdeuter oder Psychologe zu sein um die negativen Aussagen in meinen Träumen zu erkennen …

Ich bin reich…und Deutschland?

…neiiinn nicht an Geld, aber an Leben.

Am Frankfurter Bahnhof bin ich heute durch eine großen Menge Flüchtlinge gegangen. Helfer boten Essen und Trinken und Kleidung an…das ist schon ein komisches Gefühl.

ICH auf dem Weg nach Hause. In MEINE Welt.
Ich durfte in einem Land aufwachsen, welches jetzt 70 Jahre ohne Krieg erlebt. Ich hatte immer so viel zu essen, dass ich den Luxus habe auswählen zu können und werfe weg, was ich zu viel habe, weil es vergammelt. Ich habe so viel Wasser, das ich 10Minuten unter der Dusche stehen kann ohne ein schlechtes Gewissen zu haben und mein Auto wasche ich, ohne darüber nach zu denken.
Ich gehe zum Arzt und brauche nicht direkt zu bezahlen, denn das macht meine Versicherung und ich merke nicht einmal wie teuer das ist.

Ich habe Arbeit die mich ernährt und es reicht für ein relativ sorgloses Leben. Während meiner Arbeit sitze ich in einem Einzelbüro, arbeite im Warmen und bin auch gegen die Sonne geschützt. Und wenn ich abends kaputt bin, hat das nichts damit zu tun das ich körperlich zu schwer arbeiten musste.

Ich habe meine Heimat, die mir trotzdem manchmal fremd ist, durch die vielen unterschiedlichen Bundesländer, mit vielen unterschiedlichen Landstrichen und ihren Eigenheiten. Ich habe meine Sprache, die ich gerne differenziert einsetze und ich kann so viel Bildung erhalten wie ich möchte. Denn auch nach 10 Schuljahren, können wir uns Ausbildung, Studium, Fernstudium, Zusatzausbildung, private Bildung ermöglichen…okay nicht für umsonst, aber immerhin wir haben Zugang zu fast allen Bildungsangeboten.

Wir haben so viel Freiheit, das wir vergessen was das eigentlich heißt und so viele Wahlmöglichkeiten, das wir schon wieder darauf verzichten… Wir dürfen wählen gehen, aber viele tun es nicht. Wir leben in einer Demokratie in einem Land in Frieden…wir haben die Möglichkeit uns frei zu bewegen, frei unsere Meinung zu sagen. Wir sind so frei, dass auch jeder Depp seine noch so verqueren Meinungen vertreten darf, solange es seine Meinung ist (und keine Hetze)….

Mit einem deutschen Pass darf man fast in jedes Land reisen, um es zu besuchen und selbst wenn man ein Visum benötigt, bekommt man es relativ leicht. wir sind es so gewohnt uns frei auf der Welt zu bewegen, das es fast unglaublich erscheint, das anderen das nicht möglich ist.

Wir haben einen Rechtsstaat, auch wenn unsere Gerichte sich mit Nachbarschaftsstreits und Unterhaltsklagen auseinander setzen müssen und wir haben eine Exekutive, die versucht zu helfen und zu beschützen…bei uns wird Niemand willkürlich von der Polizei erschossen oder ohne den Grund zu kennen inhaftiert.

Ich bin reich…auch wenn ich es manchmal vergesse…manchmal bin ich zu reich um dankbar zu sein, aber dann erinnere ich mich und bin unendlich dankbar. Denn Niemand hat es sich aussuchen können, wo er geboren wird….