Buchhaltung – Kaffeesatzleserei?

(Achtung – nur langweiliges Arbeitszeuges !!)

Buchhalter generell sind ja spezielle Wesen…wer sich lieber mit Zahlen, als mit Menschen beschäftigt und einen so ungeliebten Beruf ergreift, wird entweder mild belächelt oder aber auch argwöhnisch beäugt.

Für manche sind wir Anhänger einer okkulten Vereinigung, die eine wirre Geheimsprache sprechen, aber mindestens aus der Zahlenpanscherei ominöse Aussagen zur Gegenwart und Zukunft treffen können, scheinbar Kaffeesatz-Leserei… hahahaha.

Die meisten Menschen wissen wirklich nicht, was wir den ganzen Tag eigentlich so machen, in unseren ruhigen Büros, mit dem staubtrockenem Thema und den endlosen Zahlenkolonnen auf verschiedenen Monitoren….das Einzige was sie sehen ist: wir bezahlen Rechnungen oder wir bezahlen Rechnungen eben nicht und dann ist das Geschrei groß.

So ging es mir dem dem Geschäftsführer einer unserer externen Investoren für ein Projekt. Er teilte mir mit, das er immer noch eine Frage hat, obwohl ich ihm schon seit Monaten jede seiner Fragen aus dem Jahr 2022 beantwortet habe. So langsam war ich ziemlich frustriert, denn er verstand meine Erklärungen „nicht wirklich“.

Und so blieben die beiden wichtigsten Fragen, aus seiner Sicht, unbeantwortet: WARUM war das Bankkonto beim Einstieg als Investor denn (scheinbar) vertragswidrig nicht auf 0,00 EUR und warum wurde noch nach dem Stichtag noch eine Ausschüttung an die bisherigen Gesellschafter getätigt.

Das ein „Bankkonto“ (Aktiva in der Bilanz / Teil des vorhandenes Vermögen), nicht das „Kapitalkonto“ (Passiva in der Bilanz/ welche Mittel wurden für das aktive Vermögen verwendet: Eigenkapital/Fremdkapital) ist, hatte ich ihm schon vorher erklärt. Denn im Vertrag stand, das das Kapitalkonto zum Stichtag auf 0,00 EUR sein soll…nicht das Bankkonto

Das „Stichtag“ z.B. 30.06. aber nicht bedeutet, das am 30.06. die Zahlen fest stehen, sondern das noch nachträglich zum Stichtagsdatum rückwirkend alle entsprechenden Geschäftsvorfälle verarbeitet werden müssen, um überhaupt eine korrekte Stichtags-Bilanz erstellen zu können, schien im auch nicht klar zu sein.

Beim Telefonat letzten Donnerstag war er dann auch ziemlich ratlos und er meinte er hätte es nicht so mit den Bilanzen. Eine Aussage die ich erstaunt zur Kenntnis nahm, denn ein Geschäftsführer sollte schon Bilanzen verstehen. Er bat mich, es noch einmal „anders“ zu formulieren.

So langsam hatte ich aber auch verstanden, wie ich es am Besten schreiben sollte, so wie ich es früher neuen Azubis erklärt habe.

Freitagnachmittag setzte ich mich also an die Antwort und habe versucht kurz und mit einfachen Worten das Prinzip der doppelten Buchführung in Deutschland zu erläutern. Habe dazu Ausschnitte aus der Bilanz beigefügt, Auszüge aus dem Vertrag ebenfalls, und auch den zeitlichen Ablauf zwischen dem Stichtags-Datum, den Zeitraum wann Lieferanten-Rechnungen kommen, den Zeitraum wann die Gutschriften der Direktvermarkter bei uns ankommen, wann wurde die Zwischenbilanz rückwirkend zum Stichtag erstellt und wann ist dann das Geld geflossen um die Kapitalkonten zu bereinigen.

Habe auch noch einmal erläutert warum das Bankkonto nicht auf 0,00 sein kann und das es auch gar nicht gefordert ist. Dabei habe ich größtmöglich auf fachspezifische Ausdrücke verzichtet.

Ich hoffe ich habe jetzt den richtigen Ton und die richtigen Worte gewählt….der Investor ist zwar echt nett, aber auch leicht zu beleidigen, wenn er das Gefühl hat er wird nicht ernst genommen. Bin mal auf seine Reaktion gespannt

Ein Gedanke zu “Buchhaltung – Kaffeesatzleserei?

  1. Ich drücke dir die Daumen.

    Buchhalter gehen in meinen Augen sogar noch. Die mir völlig rätselhaften Wesen arbeiten bei uns in der Betriebswirtschaft.

    Habe mich nach der Ausbildung mit Händen und Füßen dagegen gewehrt in diesen Bereich zu kommen. Der dortige Hauptabteilungsleiter war so begeistert von mit …

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