(Achtung nur langweiliges Arbeitszeugs !!)
Dann hab ich auch unsere neue Finanzchefin kennen gelernt und an anderer Stelle auf mein Vorgesetzten-Problem aufmerksam gemacht. Den Teamleiter (unterhalb der Finanzchefin) mit dem ich seit dem Weggang meines bisherigen dänischen Chefs öfter zu tun habe, hab ich dann auch am Ende gefragt, ob er mich wohl als Mitarbeiter „übernehmen“ würde, damit ich nicht mehr so in der Luft hänge. Auf meine Mail an den GF habe ich nämlich bisher überhaupt keine Reaktion erhalten.
Er war sehr erfreut über meine Anfrage und meinte auch gleich, das er das mit seiner Chefin bespricht…er mag meine offene Art der Kommunikation und schätzt meine Meinung insbesondere zu unseren deutschen Besonderheiten und wäre erfreut, wenn ich organisatorisch zu seinem Team kommen würde. Aber es gibt da wohl noch die Überlegung, das für unser Hamburger Team evtl. bald Vorort ein eigener Teamleiter gesucht werden soll…denn unsere Abteilung soll in den nächsten Jahren noch weiter ausgebaut werden. Also mal sehen wie es damit weiter geht.
Alles in Allem war es also durchaus positiv….aber meine Teamkollegen gingen mir im Laufe der nächsten Tage gehörig auf die Nerven….jeder hat ja seine Eigenheiten und solche Systemschulungen sind ja auch nicht gerade Tagesgeschäft. Jeder hat dabei seine eigene Art mit den Veränderungen umzugehen. Manche lassen es stumm über sich ergehen (egal ob sie etwas verstanden haben oder nicht), manche schalten zwischendrin einfach geistig ab und machen andere Dinge.
Ich bin da ganz anders: Ich bin über Stunden hochkonzentriert und lausche genau auf das, was dort gesagt wird, schreibe teilweise mit und vor allem stelle ich Fragen…ich möchte wissen, wie das, was mir da gezeigt wird, in meinen Arbeitsalltag passt und ich möchte die Zusammenhänge wissen.
Z.B. bei der Aussage: Die Daten werden anschließend in das System übertragen und dann könnt ihr die Rechnungen verbuchen. Diese Aussage reicht MIR nicht. Ich muss dann fragen: WANN werden die Rechnungen übertragen? In welchen zeitlichen Intervallen? Können wir bei eiligen Rechnungen die Übertragung manuell anstoßen? Wir haben den ganzen Tag mit Rechnungen zu tun und wenn die durch den Freigabeprozess durchgelaufen sind, sind sie meistens schon ziemlich dringend….es reicht mir also nicht, wenn nur einmal am Tag die Daten synchronisiert werden. Das sind daher wichtige Informationen, die meinen Arbeitsalltag bestimmen.
Und auf meine Fragen bekomme ich auch Antworten. Die Daten werden alle 30 Minuten übertragen und ja man kann das auch manuell machen, falls es eilig ist. Und schon bin auch ich zufrieden. Damit kann ich arbeiten.
Ich nerve meine deutschen Kollegen aber auch, weil ich immer wieder Fragen stelle. Aber was kann ich dafür, wenn die Anderen es nicht machen. Je mehr ich über das Programm weiß, umso besser kann ich später damit umgehen.
Während meiner ganzen bisherigen beruflichen Laufbahn, wurde ich (bis auf wenige Ausnahmen) immer dazu angehalten selbständig zu denken, FÜR die gesamte Firma zu denken, dabei selbständig Probleme zu lösen wenn irgendwie möglich und auf etwaig größere Probleme für die Firma hinzuweisen….das heißt ich denke immer in größeren Zusammenhängen (abteilungsübergreifend) und versuche aber gleichzeitig bei Systemänderungen mein Tagesgeschäft im Kleinen wiederzufinden.
Mir reichen so zusammenhanglos gezeigte einzelne Schritte nicht, wenn ich nicht weiß wie die Daten vorher reinkommen und wie sie nach der Bearbeitung weiter verarbeitet werden. Ich benötige den Überblick.
Wir werden von einer Kollegin geschult, die seit vielen Jahren im Unternehmen eine Teamleiterfunktion ausübt und viele Bereiche im Controlling aus eigener Erfahrung kennt…sie macht die Schulung richtig gut und hat mir auch gesagt, es freut sie sehr, das ich die richtigen Fragen stellen würde…das würde ihr die Arbeit auch erleichtern.
Der Controller hatte am 1. Tag dann auch irgendwann die Lust an der Schulung verloren und sich mental ausgeklinkt. Er meinte später er hätte es „langweilig“ gefunden…dabei ging es zu dem Zeitpunkt darum ein paar praktische Übungen zu machen, um das vorher Gelernte anzuwenden.
Ich könnte jetzt schon Wetten abschließen das er sich später nicht mehr erinnert, wie er von A nach B kommt….aber das ist dann sein Problem und nicht meines. Und ich höre jetzt schon in meinem Kopf, wie er sich dann darüber beschwert, das uns das gar nicht richtig beigebracht wurde.
Der Schweigsame hatte es sogar vorgezogen am ersten Schulungstag komplett zu fehlen…er hatte sich nur ganz kurz beim Frühstück im Hotel abgemeldet: es ginge im nicht gut und er würde lieber im Hotel bleiben. Nein, er bräuchte nichts. Am Abend war er dann aber mit zum Abendessen im Restaurant und irgendwie später bekam ich dann mit, er selber hatte gar nichts Körperliches, was ihn vom Arbeiten abhielt…er hatte wohl etwas mit seinen Eltern zu tun.
Katrin war dann auch eher genervt an den Schulungs-Tagen weil sie oft nicht verstanden hat, wofür das Gezeigte denn benötigt wird…was ich sogar verstehen kann, sie hatte mit vielen Dingen noch keine Berührungspunkte, da sie noch keine eigenen Firmen betreut. Ich hab ihr dann geraten, das einfach als Englisch-Übungsstunden zu betrachten. Sie benötigt da noch einiges an Fachbegriffen.
jaaa und so waren dann die 2,5 Schulungs-Tage zähflüssig und anstrengend…aber letztlich kann ich für mich ein Resümee ziehen: so langsam bekomme ich eine Vorstellung, wie das Programm funktioniert.
Es ist nicht intuitiv oder selbsterklärend in der Handhabung…man muss sehr genau wissen, warum was wie vor eingestellt wurde, um es fehlerfrei bedienen zu können. Aber so langsam verliert es ein wenig seinen Schrecken für mich, weil viele Programmteile die ich benötige, um die Daten gewissenhaft zu verarbeiten, dann doch im neuen Programm irgendwie wiederzufinden sind. Nicht so, wie ich es mir wünschen würde…aber Hauptsache die Funktionen sind irgendwo vorhanden. Komfortable und einfache Bedienoberfläche wäre ja schön…aber man wird ja genügsam.
Klar ist aber auch, vieles funktioniert noch nicht reibungslos (und das lag nicht an unserem Test-Szenario)…es wird noch an vielen Stellen nach besseren Lösungen gesucht und die Umstellung wird uns noch vor so manch unfassbares Problem stellen und uns verzweifeln lassen…die nächsten Monate werden hart werden.