Lieber verschenken – als verschrotten

Nachdem klar war das die Stadt für jedes Sperrmüll-Möbelstück  Geld verlangt und auch für weitere Müllannahmen Geld möchte,  wurde ich langsam mutlos. Zuerst war ich einmal sauer….also in Hessen kann ich 2x im Jahr kostenlos Sperrmüll anmelden und abholen lassen….und es gibt jede Menge Sondertermine für alles Mögliche.

Bei derartig vielen schweren und wuchtigen Möbeln haben wir kurz durch gerechnet: DAS wird teuer….also haben wir einen Container bestellt….aber es ging ja nicht um nur um Möbel, sondern um eine komplette Haushaltsauflösung mit viel Müll und noch mehr nicht mehr zu benutzenden Dingen des Alltags.

Ich hab mich quasi mehr als 4 Wochen mit dem Thema beschäftigt, WAS gehört in WELCHE Art von Container…die telefonischen Beratungsmöglichkeiten der Container-Mieterservices  trugen leider auch nicht zur Klärung meiner Fragen bei:

Bei einem hieß es ein Metall-Regal aus dem Keller darf nicht mit in den Sperrmüll-Container, bei einem Anbieter war das kein Problem….Kleiderbügel sollten einmal mit in den Hausmüll….oder aber in den Sperrmüllcontainer – aber nur die Holzbügel, beim Nächsten sollte es dann doch besser der Baumischabfall-Container sein….Nur in einem waren sich alle einig: KEINE Lebensmittel!!!

Der Rat: Jedes Glas/jede Dose öffnen den verdorbenen Inhalt entsorgen und dann  in den Glascontainer bzw. den Gelben Sack. AHA !!!  -NEIN-das war nicht praktikabel….den gleichen Rat hab ich übrigens auch für die Medikamente erhalten: Jede Tablette aus dem Blister holen und in die Restmülltonne,  den Blister in den Gelben Sack, die Umverpackung in die Papiertonne….bei den Mengen von denen ich hier rede, hätte ich Jahre gebraucht um auf diese Art die Wohnung leer zu bekommen. Warum gibt es die Annahmestellen in den Apotheken eigentlich nicht mehr?

Und warum verpflichtet mich Deutschland noch nicht abgelaufene Medikamente zu entsorgen, anstatt diese einer Hilfsorganisation zu spenden? Es scheint in Deutschland schlichtweg verboten zu  sein Medikamente zu spenden—–DAS nenne ich mal echte Verschwendung.

Also bin ich so vorgegangen:

1.      Alle noch nicht abgelaufenen Lebensmittel hab ich der Tafel gespendet. Die haben sich gefreut

2.      Alle abgelaufenen Lebensmittel hab ich in der Restmülltonne entsorgt (das heißt ich habe wochenlang bei meinem Vater  Woche um Woche kleinere  Mülltüten in die kleine Tonne getan und die wesentlich größeren Mengen bei mir zuhause  nach und nach in die großen Restmüllcontainer gebracht…wir sind eine Wohnanlage mit großen Müllcontainern.

3.      Alle Medikamente hab ich ebenfalls in der Restmülltonne entsorgt (egal ob abgelaufen oder noch verwendbar…da hat mir das Herz schon geblutet)

4.      Alles was als Umverpackung anzusehen war, haben wir in die gelben Säcke verpackt und auch wochenlang  im Schlafzimmer gelagert, bis wir diese nach und nach entsorgen konnten.

5.      Jede Form von Papier haben wir in Säcken und Kisten gesammelt und haben diese nach und nach zum Wertstoffhoff gebracht und dort in der Papierpresse entsorgt…einschließlich aller nicht verkauften/ verschenkten Bücher

6.      Alle leeren Gläser haben wir in die Glascontainer gebracht und alle Pfandflaschen zum Supermarkt

7.      Und dann mein Lieblingscontainer:  „Kleinelektro und Metall“  So einen Container kannte ich bisher nicht…den gibt es bei uns nicht…..hier konnte man alle Kleinelektrogeräte, Kabel, jede Form von Metall – egal ob Werkzeuge oder Töpfe und Pfannen entsorgen….hahaha….ja den Container haben wir oft benutzt.

Aber immer noch blieb das Problem der Möbel,  Groß-Elektrogeräte, Haushaltsgegenstände und vor allem die Küchenmöbel, Bilder, die Deko usw. …WOHIN damit.

Ich hab mich dann letztlich für einen Baumischcontainer entschieden, da hier auch Mineralstoffe mit entsorgt werden durften….also auch Porzellan J

Aber die Idee mit dem Sozialkaufhaus hatte sich bei mir schon festgesetzt, lieber verschenken als entsorgen….aber bevor die tatsächlich gebrauchte Möbel annehmen, müssen diese echt in gutem Zustand sein…also hab ich die Möbel, Groß-Elektrogeräte usw. geschrubbt und gewienert….Stundenlang / tagelang….

Der Vorteil wenn Dinge nie geputzt wurden – Dreck und Schmier bilden eine Schutzschicht und sind nach dem Reinigen fast wie neu ….lach…und genau das war der Vorteil….Als dann endlich das Sozialkaufhaus zur Besichtigung kam, waren die von dem guten Zustand der Möbel und Geräte überrascht….Gekommen sind die auch nur, weil ich vorab Bilder gemacht und per Mail geschickt hatte….und tatsächlich die kompletten Küchenmöbel, incl. Aller Großgeräte und auch der Waschmaschine und des Gefrierschranks wollten die uns abnehmen. Dazu extra von mir vorbereitete Vasen/Plastikdosen/ Geschirr und ein paar Dekoteile und ein paar Lampen (Anekdote: ich dachte immer die Wohnzimmerlampe sei aus Messing….nach der Putzaktion war es jedoch einfach nur blankes Metall….durch den Nikotinschleier hab ich es nie bemerkt).

…hätten aber erst in 1 Monat Zeit…..DAS war ein Schock und ich hab klar gesagt, sorry das geht nicht…die Wohnung muss jetzt kurzfristig leer werden….Und der Mitarbeiter, so ein kleiner alter Kautz….war total nett und hat es in der Verwaltung durch gesetzt, das wir „dazwischen geschoben“ werden….prima die Küche war damit schon einmal gerettet…. trotzdem war ich deprimiert….wie soll das nur weiter gehen?

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So geht es mir heute

Leider geht es mir nicht so gut…nachdem ich mich 2 Monate nur um das Nötigste Im Job gekümmert habe, nur sehr wenig Überstunden gemacht und mich um den Nachlass meines Vaters gekümmert habe, bin ich nun wieder in der Realität meines eigenen Lebens angekommen.

Das Ergebnis: ich bin kurz davor alles hinzuwerfen, weil ich mich überfordert fühle. Da arbeite ich mal 2 Monate lang nicht mit 150% Arbeitseinsatz und schon schiebe ich soo eine Bugwelle vor mir her, das mir schlecht davon wird…und jeden Tag kommen  neue zusätzliche berufliche Dinge auf meinen Arbeitsalltag hinzu….immer mehr….und immer mehr neue Arbeit mit vielen Aufgaben die zusätzlich zu bewältigen sind.

Ich bin kurz davor durch zu drehen….und hab mich jetzt für 14 Tage in den Sommerurlaub gerettet….nicht ohne vorher mitten im Monatsabschluss für alle  mehr oder weniger sichtbar durchzudrehen…

Soll ich mir das tatsächlich noch 15 Jahre lang antun? Oder sollte ich mir nicht doch etwas anderes suchen, was weniger stressig ist- aber auch weniger Gehalt bedeutet? Finanzielle  Sicherheit ist mir sehr wichtig, aber nicht  wenn ich daran kaputt gehe.

Meine Hoffnung ist jetzt, das der Urlaub mich wieder etwas zurück ins Gleichgewicht bringt…ich hab darüber auch schon mit unser HR-Kollegin gesprochen, sie meinte ich solle mich im Anschluss zum Arzt gehen und mich krankschreiben lassen, damit es mal gesehen wird. Nein – das kann ich nicht.

Bevor ich vor meiner Chefin in Tränen ausbrach hab ich ihr bereits eine Woche vorher gesagt: Sorry- so geht es nicht weiter….es geht nicht NOCH MEHR…und sie meinte ja dann suchen wir eben noch einen neuen Mitarbeiter….ruderte aber bereits etwas später zurück, weil kein Platz mehr bei uns frei ist…ja prim.

Sie denkt tatsächlich immer noch alles lässt sich regeln und ich schaffe das dann schon….irgendwie.

Okay, ich weiß es nicht aber  – jetzt versuche ich erst einmal wieder emotional ins Gleichgewicht zu kommen und die letzten Monate aufzuarbeiten…deshalb schreibe ich mir mal wieder alles von der Seele und versuche dann mich wieder zu positionieren….allein die Logik sagt mir, das es nicht funktionieren wird….es geht ja jetzt schon nicht ohne permanente Überstunden.

Ich weiß das ich eine Tendenz zum Burnout-Syndrom habe….und ich versuche es abzubiegen…fühle mich aber gleichzeitig als Versager, weil ich es offensichtlich nicht mehr schaffe. Mit meinem tränenreichen Auftritt vor meiner Chefin hab  ich meiner Chefin aber signalisiert das es wirklich nicht mehr geht und ich glaube sie macht sich wirklich Sorgen….DAS zumindest wäre ein Fortschritt – auch wenn ich weiß das die Sorgen nicht meine Person gelten – sondern meiner Leistungsfähigkeit als Fach-und Führungskraft…lach….sorry aber so realistisch bin ich nun einmal.

Das Problem ist, mit jeder neuen Eskalationsstufe bin ich eher bereit mich von dieser Firma zu lösen, zumal die Zukunftsaussichten für uns auch nicht so rosig aussehen…falls wir tatsächlich vor einer  Fusion mit einem zum Verkauf stehenden Teilkonzern stehen, dann werden wir als der kleinere Standort davon negativ betroffen sein….Ich werde also doch einmal anfangen nach soooo vielen Jahren in dieser Gesellschaft meine Bewerbungsunterlagen zu aktualisieren….auch wenn das überhaupt nicht meine Intention war…..

Enttäuschungen

Die menschlichen Enttäuschungen, die mit dem Tod meines Vaters einhergehen, sind größer als gedacht. Und wieder einmal bewahrheiten sich gleich zwei gängige Sprüche: „Freunde sucht man sich aus, Familie hat man“ und „bei Geld hört die Freundschaft auf“.

1. Enttäuschung: die beiden noch lebenden Geschwister meines Vaters haben sich geweigert mit ihren Familien an der Beerdigung teil zu nehmen, weil wir keinen Gottesdienst mit Pfarrer geplant haben: nun gut, mein Vater hat sich schon vor Jahren von der freichristlichen und evangelischen Kirche los gesagt, nicht einmal zur meiner Konfirmation ist er mit in die Kirche gegangen. Ich finde es respektlos das die Beiden Ihren Glauben über den Willen meines Vaters gestellt haben. Persönlich ist es mir sogar lieber gewesen, das die nicht dabei waren.

2. Enttäuschung: die besten Freunde (ein Ehepaar)  meines Vaters seit mehr als 50 Jahren haben sich weder schriftlich, noch persönlich bei uns gemeldet, um ihr Beileid zu bekunden…sie haben schlichtweg nicht einmal auf unseren Brief geantwortet, nicht einmal um für die Beerdigung abzusagen…Dabei handelt es sich auch  um meine Patentante.

3. Enttäuschung:  ein heute sehr guter Freund meines Vaters hat versucht uns beim Verkauf einiger Bücher über den Tisch zu ziehen….Eine umfassende Bertelsmann-Lexikothek : über den Preis hatten wir uns vorab geeinigt, der war viel niedriger als mein Vater gedacht hatte – aber wir wollten nicht erst lange nach einem Käufer suchen und : er hatte mir am Telefon gesagt, dass er diese für seinen Sohn kauft. Als er dann kam um diese abzuholen, meinte er „sein Kunde“ sei nicht bereit den Preis zu zahlen und ER müsste ja noch seine Fahrt berechnen….also 100 EUR weniger …. NEIN! Da hab ich mich auf keine Diskussion eingelassen. Der Preis bleibt und wieso überhaupt sein „Kunde“ – ich dachte es wäre für den Sohn….da hat er mir irgendetwas erzählt….ich hab kaum zugehört – es klang mir sowieso zu konstruiert. Okay also der Preis blieb so und ich hab mit angepackt die schweren Bücher einzupacken…es waren viele schwere Bücher….und auf einmal sehe ich das er viel mehr einpackt, als dazu gehört….ACH – das ist ihm gar nicht aufgefallen…na, das sieht man doch – die Bücher habe eine ganz andere Größe und auch einen ganz anderen Umschlag…. Tztzttztz . Dann meinte er später noch, er wäre noch an weiteren Büchern interessiert…ich weiß – ich hatte seine gierigen Blicke gesehen und ihm gesagt ich würde mich in 1-2 Wochen bei ihm melden. Wusste aber genau – DAS werde ich nicht tun…lieber werfe ich alle weiteren Bücher in den Papiercontainer…ich war wütend über dieses Verhalten.

Vorher hatte er uns nämlich noch wissen lassen, das so einige der Bücher über Pilze IHM gehören…da ich weiß das mein Vater schon seit Jahrzehnten im Besitz einiger sehr alter Pilzbücher ist  und ich gerade eines dieser alten Bücher behalten wollte, war ich empört, ….als er dann wegen der Lexikothek kam und wieder meinte er hätte meinem Vater ja viele Bücher geliehen, hab ich ihm quasi ALLE Pilzbücher vor die Nase geworfen und gesagt er solle einfach alle nehmen, damit er endlich Ruhe gibt….mit so einer Reaktion hatte er nicht gerechnet und wenigstens einen Moment war es ihm unangenehm…gut so. Also so eine Gier ….unglaublich

4. Enttäuschung: der Nachbar über ihm, ungefähr so alt wie ich …. Hat sich gut mit meinem Vater verstanden, die haben viel Zeit und so einige Biere zusammen vernichtet….und ebenfalls ein Freund von Enttäuschung Nr. 3. Nun dieser  hier – also Nr. 4 hat den Wohnungsschlüssel meines Vaters gehabt, genau wie die Nachbarin schräg drüber.

Bei einer meiner ersten Räumaktionen hab ich ihm Barfach meines Vaters eine noch versiegelte Flasche Eierlikör gesehen….hatte mich noch gewundert und die Flasche untersucht, es war keine mir bekannte Marke und ich hab kein Mindesthaltbarkeitsdatum gefunden…gesucht und gesucht – nichts…und dann hab ich die Flasche wieder ins Barfach zurück gestellt….na lieber nicht öffnen ….wer weiß wie alt das Zeug schon ist. Beim nächsten Mal als ich das Barfach dann tatsächlich leerräumen wollte, fand ich eine ½ volle Flasche Eierlikör einer sehr bekannten Marke… Stutz…..NANU….wo kommt die denn her….und wo ist die volle Flasche? Und zusätzlich hatte ich mich beim Reinkommen in das Wohnzimmer gewundert, das ein Fach vom Schrank leicht geöffnet war…ich war mir sicher alle Fächer waren geschlossen als ich gegangen bin…immerhin hatte ich als letzten Akt den Schrank fotografiert und bin dann gegangen…und auch auf den Bildern waren alle Fächer geschlossen…na gut…aber komisch ist das schon.

Irgendwann meinte er dann, das Auto meines Vaters würde nicht anspringen…Ach ja? Woher weisst Du das denn…er hätte es probiert….WARUM? ….darauf wusste er nicht wirklich etwas zu sagen…ich hatte den Wagen eine Woche zuvor problemlos anbekommen und mein Schatz hat es auch geschafft…ich hab dem Nachbarn gesagt, was wir uns schon um das Auto kümmern…das bräuchte er nicht.

Aus dem anfänglich sehr anhänglichen Nachbarn wurde ein scheuer Geselle…er hat es vermieden uns zu begegnen….und als ich ihn nach ein paar Wochen nach dem Wohnungsschlüssel fragte (das war schon ganz am Ende unserer Räumaktion) da hat er beide Hände nach vorne gehalten und gesagt: Iiiiichh?  Ich hab überhaupt keinen Wohnungsschlüssel, nur den  Autoschlüssel und den könnte ich ja gerne wieder haben…Ja Bitte. Als er mir ein paar Minuten später den Autoschlüssel brachte…was baumelte da mit dran….GRINS ….na klar – der Wohnungsschlüssel. 

Dabei geht es mir überhaupt nicht um eine Flasche Eierlikör oder ein paar Bücher…wir wollten ja sowieso die Wohnung so unkompliziert wie möglich leer bekommen…und verschenken wäre mir für die meisten Teile die liebste Lösung gewesen…aber klammheimlich oder uns für dummverkaufend….neee das geht gar nicht.

5. Enttäuschung ist die Enttäuschung über meine Schwester und meinen Schwager….bereits vor Eintritt des Todes meines Vaters haben wir die Schränke durchforstet um die Papiere zusammen zu bekommen…so war zumindest mein Plan …es wurde jedoch durch die Äußerungen von Schwester und Schwager klar was DIESE eigentlich suchten: Wertsachen: Geld, Münzen und Briefmarken…Mein Vater hat uns erzählt, das er sein Geld nicht auf der Bank aufbewahrt…aber mir war klar, mein Vater erzählt gerne mal Seemannsgarn und darauf verlassen kannst Du dich einfach nicht…meine Schwester hat jedoch daran geglaubt und hat gesucht wo mein Vater gesagt hat …und nichts gefunden…und war enttäuscht….und so wurde gesucht und gesucht…und ich musste immer wieder darauf aufmerksam machen, WAS wir eigentlich suchen sollten : PAPIERE !!!!!! Geburtsurkunde / Stammbuch / Scheidungsurteil / Schwerbehinderten-Ausweis / Vereinbarung mit dem Bestatter usw. mein Schatz war extrem genervt von dem ausgebrochenen Jagdfieber …und über die primitiven Freudenausbrüche meines Schwagers wenn wieder ein paar Münzen zum Vorschein kamen „Jackpot“ oder „Hier ist der Schatz“. Geld haben wir an diesem Tag keines gefunden.

 

 

Papierberge

Habt Ihr Euch schon mal überlegt wie es wäre alle Unterlagen, die man so im Leben besitzt (Rechnungen, Verträge, Bescheide, Versicherungsunterlagen, Medzinberichte, Zeugnisse, Urkunden, Rezepte, Notizen, Fotos usw.) NICHT in Ordner oder Kisten zu lagern…sondern einfach so irgendwie irgendwo in die Schränke zu packen.

ICH kann es mir jetzt vorstellen…denn ich habe es erlebt.  Mein Vater ist 78 Jahre alt geworden und besaß keinen einzigen Ordner…KEINEN. Alles an Papierkram war entweder wild in irgendwelchen Klarsichthüllen grob sortiert oder (und das war es hauptsächlich) einfach zurück im Umschlag und dann auch noch Umschlag in  größere Umschläge zusammen gefasst, verteilt auf 3 verschiedene Schränke im Wohnzimmer…

Jetzt sollte man an dieser Stelle noch wissen, mein Vater war Beamter…es also von berufswegen gewohnt mit Papieren und Bescheiden zu hantieren…alles noch im „Vor-Computer-Zeitalter“,  also als es noch üblich war,  einzelne Vorgänge in Hängeregistraturen oder Aktendeckeln zu ordnen,  zu beschriften und abzulegen.

Warum mein Vater es mit seinem eigenen Kram nicht geschafft hat ,ist mir unerklärlich, zumal er immer etwas anderes erzählt hat…alle Papiere wären zusammen getragen und für den Falle seines Todes leicht und geordnet an einer Stelle gesammelt…. Hier merkt man wieder den Anspruch den er eigentlich an sich selbst hatte und die mangelnde Ausführung auf der anderen Seite.

Dabei war mein Vater durch seine vielen Krankheiten und als Privatpatient mit Papieren schon durch die Arztrechnungen und Krankenkassenbescheide und Beihilfebescheide schon mehr mit Papieren gesegnet, wie ein normaler gesunder Mensch es üblicherweise ist.

Wir hatten zu viert (mit meiner Schwester und meinem Schwager) alle Papiere zusammen zu tragen und ich hab dann sortiert…es hat Tage gedauert alles grob zu sortieren …denn so kam es das  Arztrechnungen aus 2008, neben einem Mietvertrag aus 1966 und einer Versicherung aus 2014 nebeneinander lagen. Und jedes Stück Papier hat den Geruch von Qualm ausgedünstet….Ich bin Nichtraucher und manchmal ist mir schlecht davon geworden.

In großen Einkaufstaschen hab ich die Papiere mit nach Hause gebracht und sortiert wie beim Goldwaschen….grob sieben, feiner sieben, noch feiner sieben ….genau so hab ich sortiert….und noch einmal und noch einmal….immer feiner den Wust an Papieren der notwendig ist, noch benötigt wird oder aufhebenswert ist geordnet…ich hatte mich ja bereit erklärt den Nachlass  unseres Vaters zu übernehmen…also den ganzen Verwaltungskram.

Nach 2 Monaten mit so manchem verzweifelten Abend auf dem Boden vor den Unterlagen hockend,, hab ich fast alles geschafft…Anträge über Anträge gestellt, mich um die Bankkonten gekümmert, Rechnungen  bezahlt, Geldeingänge überwacht, Einsprüche eingelegt und mit Versicherungen und Vereinen kommuniziert, Briefe geschrieben…Jetzt sind so ca.80% aller Dinge erledigt…. Und immer noch werden Dinge abgebucht, die schon längst bestätigt hatten dass  alles gestoppt wurde…jajaja…

Zwanghafte Disorganisation (Messi-Syndrom)– oder das Leben meines Vaters

Je mehr ich mich mit der Wohnung meines Vaters beschäftigen musste, umso sicherer kommt die Erkenntnis…es kann nicht sein, das ich zu diesem Teil der Familie gehöre. Ich bin ein Mensch der Ordnung nicht nur liebt, sondern einfach zum Leben benötigt….für mich bedeutet Ordnung eine Struktur zu haben die mich beschützt und mir Vertrauen für mein Leben gibt.

Innere Ordnung durch äußere Ordnung…also wenn ich Stress hab oder ich klar denken muss, räume ich erst einmal ein paar Dinge auf meinem Schreibtisch gerade…ich mag dabei große freie Flächen. Dann kann ich gut Denken. Wenn ich emotional durchdrehe, dann räume ich erst einmal meine Wohnung auf…

Nun bei meinem Vater dagegen kommt man in die Wohnung und wird erst einmal davon gefangen genommen, das es unendlich nach Zigarillo-Qualm riecht…also eher stinkt und das er überall große schwere Eiche-Rustikal-Möbel stehen hat…und das überall so kleines Nippes-Zeug rum steht….Ansonsten sieht es erst einmal aufgeräumt aus….

Was ich nicht wusste ist, dass mein Vater eine Art „Schrank-Messi“ war… Mit jedem Schrank den ich geöffnet habe, mit jeder Schublade die ich ausgeräumt habe, kamen Unmengen von Sachen zum Vorschein die ein normaler Mensch eigentlich eher im Müll erwarten würde. Und das waren nicht nur appetitliche Sachen….

Vor allem in der Küche kamen Dinge zum Vorschein die belegen, dass er  – TROTZ PUTZFRAU – schon längst nicht mehr hätte alleine leben sollen…er ist quasi vermüllt und hat es nicht mehr geschafft der Dinge Herr zu werden….er hat immer wieder gleiche Sachen neu gekauft, aber die alten nicht verbraucht, oder nur teilverbraucht und auch nichts weg geschmissen….so hab ich nicht nur erst kürzlich abgelaufene und verdorbene Lebensmittel entsorgt, sondern auch wirklich alte Sachen gefunden.

Mein Vater war stolz darauf, das in den Haus die Müllmengen sooo niedrig waren und sie deshalb Entsorgungskosten sparen konnten….lach…..nun weiß ich auch warum die Mengen so klein waren…weil er einfach alles in den Schränken aufbewahrt hat….eine meiner ersten Maßnahmen war also unendlich viele Müllsäcke zu kaufen……

Bisher hieß es bei ihm immer: ich habe im Krieg gehungert und deshalb wird nichts vergeudet und weggeworfen….Nun das kann ich jetzt so nicht mehr stehen lassen…Dinge wurden gekauft und nicht verbraucht, das ist massive Vergeudung.

Und ich rede dabei nicht davon das ein paar Lebensmittel ein paar Wochen oder ein paar Monate über dem Mindesthaltbarkeitsdatum lagen…ich rede davon das viele Lebensmittel bereits viele Jahre abgelaufen waren…und direkt daneben die gleichen Lebensmittel fast neu standen….

Ein Beispiel gefällig? Honig hat einen sehr hohen Zuckeranteil und ist quasi fast nicht zum Verderben zu bringen….aber ein 1/2  verbrauchtes Glas Honig aus dem Jahr 2007 (wir leben in 2018) war schimmelig …Daneben Zuckerrübensirup der von der Konsistenz eher Teer glich….Speck im Kühlschrank aus Anfang 2017…..dabei ist der Kühlschrank in 2017 ausgetauscht worden. Asiatische Lebensmittel  noch originalverpackt aus dem Jahr 2010-11….Im Mehl und anderen Dingen hatten sich mal die Motten durch gefressen….überall  klebte es in den Schränken und der Schmier war Zentimeterdick….Um die Schränke zu säubern half mir nur noch ein Metallschrubber…was man normalerweise für Edelstahltöpfe benutzt…. Aber zuerst ging es um die Mengen in den Schränken….er scheint seit den 60er Jahren NICHTS mehr an Tassen, Teller und Plastikdosen weg geworfen zu haben….dabei ist er Anfang der 90er Jahre erst in diese Wohnung gezogen und ich weiß das wir damals einen Müllcontainer hatten weil er sich ja mit dieser Wohnung verkleinert hatte. 

Es ist ja gar nicht schlimm, wenn man etwas aufbewahrt…aber wenn man es dann verrotten lässt…in den Schränken dann kann das auch kein Liebhaber alter Stücke gewesen sein…die Gläser und Tassen im Wohnzimmerschrank waren derartig vergilbt, die sind bestimmt seit seinem Einzug nicht mehr benutzt worden…und wurden seitdem auch bestimmt nicht mehr gesäubert…und wozu benötigt er 10 Pfannen….eine älter und dreckiger als die Andere.

Allein um den Kleiderschrank im Schlafzimmer auszuräumen brauchte ich 18Stück 120l-Mülltüten nur für die Kleidung  und das war noch nicht alles ….dabei  hab ich Dinge in den hinteren Teilen des Schrankes gefunden, die bestimmt seit dem Einzug vor 23 Jahren nicht mehr benutzt worden sind und das Schlimmste waren 3 Kopfkissen im Schrank die verschimmelt waren…wozu ein einzelner Mann 8 Bettdecken und 5 Wolldecken benötigt ist mir auch ein Rätsel…..aus dem Schrank hab ich allein 103Paar Woll-Stricksocken gefunden…und das waren nur die, die ich gezählt habe….es gab noch viel mehr….aber die lagen nicht  ordentlich in einer Schublade oder einer Ecke…nein quer über den ganzen Schrank verteilt….Ich habe Handtücher gefunden, die waren sooo dünn das man fast durchsehen konnte, die stammen tatsächlich aus MEINER Kindheit und ich bin gerade  50 Jahre alt geworden.

Und immer wieder dazwischen einige moderne neue Stücke,  aber alles war im Schrank wild durch einander gewürfelt… Ich hab die Aufnahmekapazität der städtischen Kleidersammelcontainer gesprengt…musste quer durch die Stadt fahren um überhaupt noch Platz zu finden….Auch die Glascontainer haben Unmengen von Zeugs aufnehmen müssen…weil mein Vater auch leere Einmachgläser gehortet hat ….

Nach meiner ersten Räumaktion 3 Tage am Stück um das Schlafzimmer mit allen Schränken leer zu bekommen, hat mein Schatz bei unser nächsten Aktion erst einmal die Schlafzimmermöbel zerlegt, so dass wir einen Raum hatten um all die Dinge die ich nicht sofort weg werfen konnte dort zu lagern.

Da mein Vater ja fast 300km entfernt von mir wohnt, haben wir2 Monate gebraucht….jedes Wochenende und auch ein paar der Feiertage genutzt…hinfahren, räumen, putzen, räumen, putzen…aussortieren, putzen, zurück fahren und dann war das Wochenende auch schon vorbei….haben jede Menge Geld für Sprit und Übernachtungen ausgegeben um voran zu kommen….aber erholen oder gar trauern…nein – Fehlanzeige.

Deutschland und die Bürokratie

In den letzten 1,5 Monaten habe ich viel gelernt…über die Bürokratie in Deutschland.

Wenn ALLES normal funktioniert merke ich die Bürokratie nicht wirklich, ich lebe in geordneten Bahnen und bin mit einem gewissen Maß an Bürokratie groß geworden…bin es gewohnt das alles klappt, weil ich mich an Alles halte…Ich KENNE also meine notwendige Bürokratie (nicht bei Rot über die Ampel fahren, Steuererklärung jährlich abgeben, Personalausweis beantragen wenn dieser abläuft) und fühle mich nicht davon eingeengt.

Aber wenn ein Pensionär stirbt, bekommt man die volle Breitseite an Bürokratie zu spüren…und als Kind eines Beamten im Ruhestand ist man doppelt gestraft, vor allem wenn man weder selber Beamter ist, noch Privatpatient.

Ich hab mich also mit dem Prinzip Private Krankenkassen-Abrechnungen, Beihilfe, Testamentseröffnung, Erbschein, Sterbegeld, Bankvollmacht und die Folgen im Erbfall beschäftigt. Und mit jedem weiteren Formular, mit jeder weiteren Bescheinigung, mit der nächsten beglaubigten Abschrift aus dem Stammbuch, den Scheidungsurteilen, Geburts- und Heiratsurkunden wächst in mir die Frage wozu besitze ich eigentlich einen Personalausweis der doch meine Identität bescheinigt, wenn die Echtheit meines Daseins doch nur über beglaubigte Abschriften von allen Urkunden bewiesen werden kann?

Krass finde ich auch wie man als Kind eines verstorbenen Beamten an das Sterbegeld kommt. Jeder Deutsche Rentner der stirbt bekommt 3 Monate seine Rente weiter gezahlt….Bei einem pensionierten Beamten läuft das anders. Der bekommt nur den aktuellen Monat seine Rente und dann noch 2 Monate Sterbegeld…die müssen aber beantragt werden …UND  !!!! alle Erben müssen sich einig sein und schriftlich zustimmen das das Sterbegeld an einen der Erben ausgezahlt wird….!!!!! UND dieser Erbe – der das Sterbegeld ausgezahlt bekommt muss das mit Steuerklasse 6 auch noch versteuern. (Steuerklasse 6 ist für Nebenjobs und hat einen sehr hohen Steuerabzug)….und das was dann dabei übrig bleibt muss dann ja auf alle Erben aufgeteilt werden….

Seufz….ja,ja die Bürokratie hört aber da noch lange nicht auf. Weil die Erben für den Verstorbenen auch noch bis zum Todestag die Steuererklärung abgeben müssen….und das Recht auf Erstattung der Arztrechnungen wir mit vererbt, d.h. wir müssen bei Krankenkasse und Beihilfe die Rechnungen zur Erstattung reinreichen….Was ja positiv ist, weil wir nicht auf den Kosten sitzen bleiben….

Nun inzwischen fühle ich mich etwas sicherer im Umgang mit diesen Themen und reagiere auch etwas gelassener und routinierter beim Ausfüllen der Anträge…lach….aber geheuer ist mir das Ganze immer noch nicht. Es geht um viel Geld… (solche Krankenhausrechnungen gehen schnell man in die Tausende und wenn dann die Beihilfe oder auch die Krankenkasse Beträge kürzt, dann muss man Widerspruch einlegen, Begründungen schreiben….manchmal dachte ich, ich verliere den Überblick und an einigen Tagen war ich einfach nur noch verzweifelt, weil nichts voran ging. Immerhin verbringen wir auch noch die Wochenende in der Wohnung meines Vaters und eigentlich brauche ich auch noch viel mehr Zeit für meinen Job….zum Glück kann ich gut organisieren…und noch hab ich alles im Griff.

Aber es kostet eine Menge Zeit und Lauferei und ich hab so viel telefoniert, wie in den letzten Jahren nicht….

Abschied

Sein ganzes Leben war mein Vater Fan des Hamburger SV…und kaum ist er tot, steigt der HSV erstmals aus der 1. Bundesliga ab.

Natürlich bin ich mir bewusst, das es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen gibt….und trotzdem….nehme ich es so wahr…