Vom Auswandern und sich eingesperrt fühlen…

Bremerhaven und das Auswanderer-Museum waren dann leider das absolute Kontrastprogramm zum schönen entspannten Morgen im Wattenmeer….um nicht zu sagen…das war für diesen Tag keine so gute Idee.

Die Fahrt nach Bremerhaven war noch ganz entspannt…aber durch Bremerhaven hindurch, bis zum Hafen, war schon stressig. Es war gegen Mittag, strahlend blauer Himmel, pralle Sonne mit mehr als 30 Grad, kaum ein Lüftchen wehte, viele Autos und noch mehr Menschen.

Ich hatte mir im Vorfeld wenig Gedanken darüber gemacht, das es an einem Freitagmittag voll sein könnte…war es aber…und kaum war ich im Museum (mit angenehmer Kühlung der Räume) kam ich mir tatsächlich vor, wir einer dieser bedauernswerten Menschen, die nur mit einem 3.Klasse Ticket versuchen der einzwängenden Obrigkeit ihrer Zeit zu entkommen, aber erst einmal die Hürde der Überfahrt überwinden müssen.

Ich fühlte mich schon beim Eintritt gegängelt (obwohl es im Foyer noch gar nicht voll war) ….gehen sie hier hin…nein dort hin, den Rucksack müssen sie abgeben…hier …ach ne gehen sie damit zu den Schließfächern auf der anderen Seite…dann kommen sie zurück.

Mit kurzen klaren Sätzen wurde ich durch die Halle getrieben……mein Widerstand stieg sprunghaft als dann die nächsten Kommandos kamen…mit dem Ticket gehen sie jetzt dort hin, bleiben da stehen und warten…. Ja aber, ich will mich doch keiner Führung anschließen – Sie müssen dort warten, bis sich die Türen öffnen – dann gibt es dahinter eine kurze Einweisung… Ja aber, ich will doch nur durch die Ausstellung gehen…. Nein – Sie müssen hier warten.

Da hatte ich schon echt genug und wäre auch beinahe wieder gegangen…aber die 18,50 EUR hatte ich nun einmal bezahlt….und ich wollte ja auch hinein.

Na klar machte das keiner aus Bösartigkeit um mich zu ärgern…die müssen die Menschenmassen eben vorschriftsmässig durch den Eingang schleusen…machen das zig-hundertmal am Tag und sie machten es ja auch noch einigermaßen freundlich…aber bei mir kam es nur noch als Kommandos an…und ich mag mich nicht rumkommandieren lassen, schon gar nicht im Urlaub…da schalte ich ziemlich schnell auf stur.

Aber gut…ziemlich verärgert hab ich also meinen Rucksack verstaut, mich genau auf den cm genau da aufgestellt und habe gewartet, bis eine Traube von Menschen zusammenkam…habe die Eingangsprozedur mit einigen Erläuterungen hinter der 1.Tür grummelig über mich ergehen lassen und dann endlich ging die nächste Tür auf und es konnte los gehen…. Hätte losgehen können…

Denn dort stand immer noch ein Pulk Menschen, aus der Gruppe vor uns…und alle Multimedia-Stationen, mit denen man mit seiner am Eingang zugewiesenen Auswander-Identität allgemeine und spezielle Infos über Kopfhörer anhören konnte, waren noch besetzt.

Soo jetzt war der erste düstere Raum also voll mit wirklich toll gestaltenten menschlichen Puppen und Gepäck und jede Menge echter Menschen aus mindstestens 2 Gruppen….und traff ungebremst auf meine steigende schlechte Laune und die Befürchtung, das ich nicht mehr weit von einem klaustrophobischen Anfall entfernt bin.

Ich hab die ersten Räume, daher fluchtartig übersprungen….was schade ist…denn so konnte ich mich zurerst gar nicht darüber informieren, was für eine Auswanderer-Biographie man mir beim Einlass als Identität gegeben hatte….zum Glück haben sich die Meschenmassen dann im Laufe der Ausstellung etwas besser verlaufen…es kamen wohl über Mittag nicht mehr so viele Menschen hinzu.

Ich hab ein paar Schleifen gedreht, so das ich mittendrin, wieder zum Anfang zurück gehen konnte. Das Museum ist schon echt toll….ein Erlebnismuseum, bei dem man DABEI ist…und es nicht nur platt sieht und hört.

Über diese Multimedia-Stationen gab es sehr viele Informationen über die unterschiedlichen Gegebenheiten für Auswanderer ….mit toll gestalteten Kulissen, man konnte sich auch immer wieder mit dazu hinsetzen, und daß dann mit den lebensechten Puppen gemeinsam dort….während man den Erläuterungen über die Kopfhörer lauschen konnte.

Es wurde nicht nur die Auswanderung aus Deutschland, sondern auch die Einwanderung in Amerika und was es für die Menschen für Hürden gab, beleuchet und gegen Ende gab es dann auch Informationen, was aus den Einwandern in Amerika später geworden ist…hier drängte sich dann wieder alles zusammen und staute sich auf engtem Raum….und nach einigen Irrungen durch nur spärlich beschilderte Türen hab ich es endlich geschafft in das Foyer zurück zu finden….jetzt nur noch schnell meinen Rucksack holen und raus hier….

….nein, ich hatte jetzt leider überhaupt keine Lust mehr, mich noch weiter in Bremerhaven aufzuhalten – ab ins Auto und zurück ging es nach Cuxhaven.