Baustellen-Chaos und ein schleichender Abschied

Nach den hektischen Wochen seit Jahresanfang, hat sich in dieser Woche wieder alles weitestgehend normalisiert. Das wurde aber auch Zeit….es bleibt viel zu tun, aber der Druck ist vom Kessel…und in dieser Woche war es ruhig und ich hab viel geschafft und mich wieder mehr mit den Kollegen Vorort unterhalten und war mittags mit zum Essen außer Haus.

Donnerstagabend hab ich mich in Hamburg mit der ehemaligen Kollegin Kim getroffen. Im Dezember hatte es ja leider nicht mehr geklappt mit unserem Weihnachtsmarkt-Besuch…aber nun waren wir im Stadtteil St.Georg bei „Frau Möller“…..eine urige Bierkneipe mit guter einfacher Hausmannskost….das Publikum ist von jung bis alt, sehr gemischt. Ich hatte Labskaus, für Kim gab es Grünkohl…beides war sehr lecker…das waren ordentliche Portionen und vernünftige Preise.

Einen Tisch für 2 Personen zu reservieren, war irgendwie nicht mehr möglich, aber wir sollten kommen: für 2 Personen würde sich wohl immer ein Tisch finden….so wurden wir an einen 6er Tisch platziert…und mit uns noch 2 weitere Personen….das war lustig und nett.

Um überhaupt bis dahin zu kommen, war es jedoch eine Odyssee…ich dachte es wäre ausreichend wenn ich um 15:15 Uhr losfahre, unsere Verabredung war um 18 Uhr….37km und 2 3/4 Stunden klingt nach massig Zeit…und genau so hatte ich geplant…ich fahre früh los, suche mir in Ruhe einen Parkplatz und schlendere dann noch ein wenig, um ein paar Blümchen zu besorgen….denn Kim hatte inzwischen ihren langjährigen Freund geheiratet.

Der Plan war gut…ging aber nicht auf. Angekommen bin ich um 18.03 Uhr – ohne Blumen und teilweise im Laufschritt.

Es scheiterte als erstes einmal daran, das ich in Quickborn überhaupt nicht auf die A7 in Richtung Hamburg kam….es ging im Schneckentempo voran, bis ich endlich nach 40 Minuten vor der gesperrten Auffahrt stand, mitten im Chaos, weil andere das gleiche Problem hatten. Davon war in den Verkehrsnachrichten gar nichts berichtet worden. Leider sind 2 meiner Schleichwege seit mehreren Wochen gesperrt und so musste ich den gleichen Weg zurück…das hat sehr lange gedauert…bin dann über die Bundesstraße 4 gefahren…das ging dann auch einigermaßen gut.

Hamburg ist für mich aktuell die Hauptstadt der Baustellen. Ich immer wieder Straßen ausweichen und es ging nur noch gaaaaaanz langsam voran…um 17:44 Uhr hatte ich dann endlich einen Parkplatz gefunden, 1.3 km vom Ziel entfernt…aber vor mir lag eine, viele Straßen-und Kreuzungen lahmlegende Riesenbaustelle…also bin ich zu Fuß weiter…aber auch so, musste ich einige Straßen weitläufig umrunden…ohne „Maps“ wäre ich wohl nie am Ziel angekommen…weil ich sooft die Richtung wechseln musste und ich war ja noch nie in dieser Gegend hier.

Ich war also um 18:03 Uhr am Eingang…aber meine ehemalige Kollegin war noch nicht da….ihr Bus kam nicht und so hat sie sich mit U-Bahn und ebenfalls zu Fuß auf den Weg gemacht…aber irgendwann sassen wir uns dann gegenüber…hatten leckeres Essen vor uns und für die nächsten Drei Stunden haben wir uns ausführlich unterhalten.

Das war lustig und schön und auch etwas traurig, wenn sie wandert jetzt wohl im April endgültig nach Shanghai aus. Ihr Mann hat seinen Dr.-Titel (ist aber kein Arzt) jetzt offiziell und ist schon dort. Sie haben also bereits eine Wohnung, er arbeitet auch schon und sie folgt ihm jetzt. Als gebürtige Hongkong-Chinesin freut sie sich darauf, nach 13 Jahren in Deutschland, wieder zurück in den asiatischen Lebensraum zu gehen….sie meinte aber, wenn sie dort ist, fällt ihr immer auf, wie Deutsch doch ihre Ansichten geworden sind.

Jetzt macht sie erst einmal 3 Wochen Urlaub mit Ihrem Mann und irgendwann so im März wollen wir uns noch einmal treffen.

Das war ein schöner Abend, wir sind später noch ein wenig durch die Straßen gelaufen, bevor wir uns in entgegengesetzte Richtungen auf den Heimweg gemacht haben. Wir den Rückweg hab ich weniger als 1 STunde gebraucht…aber da war es auch weit nach 21 Uhr…

Vom Auswandern und sich eingesperrt fühlen…

Bremerhaven und das Auswanderer-Museum waren dann leider das absolute Kontrastprogramm zum schönen entspannten Morgen im Wattenmeer….um nicht zu sagen…das war für diesen Tag keine so gute Idee.

Die Fahrt nach Bremerhaven war noch ganz entspannt…aber durch Bremerhaven hindurch, bis zum Hafen, war schon stressig. Es war gegen Mittag, strahlend blauer Himmel, pralle Sonne mit mehr als 30 Grad, kaum ein Lüftchen wehte, viele Autos und noch mehr Menschen.

Ich hatte mir im Vorfeld wenig Gedanken darüber gemacht, das es an einem Freitagmittag voll sein könnte…war es aber…und kaum war ich im Museum (mit angenehmer Kühlung der Räume) kam ich mir tatsächlich vor, wir einer dieser bedauernswerten Menschen, die nur mit einem 3.Klasse Ticket versuchen der einzwängenden Obrigkeit ihrer Zeit zu entkommen, aber erst einmal die Hürde der Überfahrt überwinden müssen.

Ich fühlte mich schon beim Eintritt gegängelt (obwohl es im Foyer noch gar nicht voll war) ….gehen sie hier hin…nein dort hin, den Rucksack müssen sie abgeben…hier …ach ne gehen sie damit zu den Schließfächern auf der anderen Seite…dann kommen sie zurück.

Mit kurzen klaren Sätzen wurde ich durch die Halle getrieben……mein Widerstand stieg sprunghaft als dann die nächsten Kommandos kamen…mit dem Ticket gehen sie jetzt dort hin, bleiben da stehen und warten…. Ja aber, ich will mich doch keiner Führung anschließen – Sie müssen dort warten, bis sich die Türen öffnen – dann gibt es dahinter eine kurze Einweisung… Ja aber, ich will doch nur durch die Ausstellung gehen…. Nein – Sie müssen hier warten.

Da hatte ich schon echt genug und wäre auch beinahe wieder gegangen…aber die 18,50 EUR hatte ich nun einmal bezahlt….und ich wollte ja auch hinein.

Na klar machte das keiner aus Bösartigkeit um mich zu ärgern…die müssen die Menschenmassen eben vorschriftsmässig durch den Eingang schleusen…machen das zig-hundertmal am Tag und sie machten es ja auch noch einigermaßen freundlich…aber bei mir kam es nur noch als Kommandos an…und ich mag mich nicht rumkommandieren lassen, schon gar nicht im Urlaub…da schalte ich ziemlich schnell auf stur.

Aber gut…ziemlich verärgert hab ich also meinen Rucksack verstaut, mich genau auf den cm genau da aufgestellt und habe gewartet, bis eine Traube von Menschen zusammenkam…habe die Eingangsprozedur mit einigen Erläuterungen hinter der 1.Tür grummelig über mich ergehen lassen und dann endlich ging die nächste Tür auf und es konnte los gehen…. Hätte losgehen können…

Denn dort stand immer noch ein Pulk Menschen, aus der Gruppe vor uns…und alle Multimedia-Stationen, mit denen man mit seiner am Eingang zugewiesenen Auswander-Identität allgemeine und spezielle Infos über Kopfhörer anhören konnte, waren noch besetzt.

Soo jetzt war der erste düstere Raum also voll mit wirklich toll gestaltenten menschlichen Puppen und Gepäck und jede Menge echter Menschen aus mindstestens 2 Gruppen….und traff ungebremst auf meine steigende schlechte Laune und die Befürchtung, das ich nicht mehr weit von einem klaustrophobischen Anfall entfernt bin.

Ich hab die ersten Räume, daher fluchtartig übersprungen….was schade ist…denn so konnte ich mich zurerst gar nicht darüber informieren, was für eine Auswanderer-Biographie man mir beim Einlass als Identität gegeben hatte….zum Glück haben sich die Meschenmassen dann im Laufe der Ausstellung etwas besser verlaufen…es kamen wohl über Mittag nicht mehr so viele Menschen hinzu.

Ich hab ein paar Schleifen gedreht, so das ich mittendrin, wieder zum Anfang zurück gehen konnte. Das Museum ist schon echt toll….ein Erlebnismuseum, bei dem man DABEI ist…und es nicht nur platt sieht und hört.

Über diese Multimedia-Stationen gab es sehr viele Informationen über die unterschiedlichen Gegebenheiten für Auswanderer ….mit toll gestalteten Kulissen, man konnte sich auch immer wieder mit dazu hinsetzen, und daß dann mit den lebensechten Puppen gemeinsam dort….während man den Erläuterungen über die Kopfhörer lauschen konnte.

Es wurde nicht nur die Auswanderung aus Deutschland, sondern auch die Einwanderung in Amerika und was es für die Menschen für Hürden gab, beleuchet und gegen Ende gab es dann auch Informationen, was aus den Einwandern in Amerika später geworden ist…hier drängte sich dann wieder alles zusammen und staute sich auf engtem Raum….und nach einigen Irrungen durch nur spärlich beschilderte Türen hab ich es endlich geschafft in das Foyer zurück zu finden….jetzt nur noch schnell meinen Rucksack holen und raus hier….

….nein, ich hatte jetzt leider überhaupt keine Lust mehr, mich noch weiter in Bremerhaven aufzuhalten – ab ins Auto und zurück ging es nach Cuxhaven.

Die Verabschiedung – auf der Dachterrasse

Das mit dem Kuchen und den Törtchen zur Verabschiedung ist gut angekommen….der zu verabschiedende Kollege hat sich gefreut, weil er eh nicht so gerne backt…und er hat noch Klein-Gebäck (Hessen: Stückchen/ NRW: Teilchen) besorgt…so war ausreichend für alle Geschmäcker etwas dabei.

Für die Verabschiedung haben wir uns am Mittag, bei dem strahlendem Wetter, auf der Dach-Terrasse zusammen gefunden…Neun Kollegen in Winterjacken und Mützen gehüllt (bei gefühlten 3-4 Grad) haben in einem weit gezogenen Kreis auseinander und doch beisammen gesessen, …jeder hatte sich vorher drinnen Kuchen und Kaffee geholt.

Zugeprostet haben wir mit Kaffee und dann war es eine lustige 3/4 Stunde….schön wars….

Ach ja und meine veganen Torteletts sind gut angekommen….der vegane Kollege hat auch gleich 2 davon gegessen und mich gelobt…puh – bin ich erleichtert, das es ihm geschmeckt hat…insgesamt sind 4 der 6 Törtchen verputzt worden….und dazu die komplette Blitzkäse-Torte…Das Backen hat sich gelohnt und ich kann zufrieden sein.

Der junge Kollege, der uns jetzt verlässt, wandert mit seiner Freundin in ein osteuropäisches Land aus….aus familiären Gründen….Als ich vor einem Jahr anfing, war er einer Derjenigen, die mich in den Wochen des 1.Lockdown freundlich und unkompliziert in ihre Gemeinschaft aufgenommen haben….Mit ihm Zusammen haben der Controller und ich angefangen in diesem gerade neu bezogenen Bürogebäude die Dachterrasse für Mittagspausen zu erobern…hach ja….