Einen Geschäftsführer zu verlieren, mitten in einer Systemumstellung ist jetzt doch gar nicht so einfach. Der Controller und Katrin, waren gerade dabei mit dem GF ein paar Themen angehen zu wollen, um mit der Systemumstellung auch ein paar Prozesse zum Positiven zu verändern.
Jetzt kann es Monate dauern, bis es einen neuen GF gibt. Jaaa interimsmässig werden 2 der Mitglieder aus der dänischen Geschäftsführung, auch für Deutschland zuständig sein…aber die kümmern sich dann eher um die großen Themen, nicht ums Controlling.
Wieder einmal fällt das deutsche Controlling hinten runter. ABER dafür wollen jetzt die Finanzchefin und der dänische Teamleiter (dem ich schon vor 1 Monat mein Leid geklagt hatte, das der deutsche GF mich nicht als Mitarbeiter haben möchte) etwas mehr Führung übernehmen.
Offiziell wird jetzt auch nach einem deutschen „Finanzchef“ gesucht…wir bekommen also demnächst einen Teamleiter – wogegen ich gar nichts habe…das ist überfällig und gut…solange dieser auch selber mit arbeitet und nicht nur delegiert.
In unserem Online-Meeting am Freitag haben uns die Beiden aber auch ihre Vision für die nächsten Jahre noch einmal klar und deutlich aufgezeigt. Wo ich in der letzten Woche noch meine Bedenken zu ein paar Änderungen sagen durfte, wurde uns nun mitgeteilt, was alles geändert wird.
Sie warben quasi um Zustimmung für ihre Zukunfts-Ideen, die ich nicht geben wollte…es dann aber mit leichten Einschränkungen doch tat, damit dieses ständige (freundlich verpackte) Nachbohren und auf mich Einreden endlich aufhört, aber in der Gewissheit: das war es jetzt für mich. Der Controller und Kirstin waren dabei eher ruhig…ich bin scheinbar die Einzige, die ihre Meinung klar äußert.
Ja es ist ein modernes, KI-gestütztes ERP-System, das tolle Möglichkeit bietet…wenn es denn mal läuft und soweit war ich auch bereit mit zugehen…trotz der Restriktionen, die von der Zentrale aus für uns ausländische Gesellschaften vor eingestellt wurden.
Wir können also nichts mehr selbst entscheiden…jeder Handgriff, jede Buchung wird exakt vorgegeben. das hätte ich als Kröte gerade noch schlucken können, solange ich noch die für mich wichtigen Infos mit z.b. einem aussagekräftigen Buchungstext doch noch bekommen kann.
Aber im nächsten Schritt werden uns auch diese Möglichkeiten genommen, denn die Lieferanten-Rechnungen sollen nicht mehr von Deutschland aus vor kontiert werden…sondern von Dänemark…wo die Kollegen dort schon heute Probleme haben, den Inhalt einer deutschen Rechnung überhaupt zu verstehen.
Na klar Standard-Rechnungen sind kein Problem, aber bei unseren großen Firmen ist vieles eben nicht Standard. Wenn der Inhalt nicht verstanden wird, kann man auch nicht das richtige Buchungskonto oder den richtigen Text eintragen. Und ohne HGB-Kenntnisse kann man eine Anlage-Rechnung auch nicht richtig kontieren. Wir müssen uns in Deutschland beim Verbuchen von Sachverhalten an das Handelsgesetzbuch (HGB), GmbH-Gesetz, AG-Gesetz, Umsatzsteuer-Gesetz, die Abgabenordnung, an die GOBD (Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung) , an die Datenschutzgrundverordnung und noch an viele weitere Verordnungen und Gesetze usw. halten….ich meine nicht umsonst gilt Deutschland als kompliziert.
Wir sollen uns nicht mehr um diese Sachen kümmern müssen, damit wir mehr „controllen“ können. Ja sorry, wenn die Basisdaten nicht korrekt erfasst sind, verbringt man mehr Zeit damit alles zu korrigieren und wenn keine vernünftigen Texte erfasst wurden, weiß man nicht einmal ob es falsch oder richtig verbucht wurde.
Meinen Vorschlag doch wenigstens in HH einen Kreditorenbuchhalter zu haben, damit wir überhaupt noch Einfluss auf die Kontierung nehmen können, wurde uns nur für den Übergang gewährt…aber mittelfristig geht das alles nach Dänemark.
D.h.: wir dürfen weder Kreditoren- und Debitoren-Stammdaten selber anlegen, dürfen keine Sachkonten anlegen, dürfen keine Kreditoren-Rechnungen erfassen und müssen uns bei Debitoren-Rechnungen mit den Einschränkungen herumärgern, weil wir nicht mehr selber die Verbuchung beeinflussen können. Einzig Sachkonten-Buchungen dürfen wir noch selber machen…NOCH…weil auch hier vieles automatisiert werden soll.
Wir sollen uns auf die wichtigen Dinge, wie dann zukünftig monatliche Abschlüsse konzentrieren (bis jetzt machen wir nur per Quartal Abschlüsse), die dann auch noch schneller fertig sein sollen….ach ja und dann sollen wir auch noch die internationalen Buchungsstandards (IFRS-Regeln) in einem zusätzlichen Ledger verbuchen.
Ne danke – das ist genau die Art von Buchhalter, die ich nicht sein möchte.
Ich möchte kein dressierter Affe sein, wie es meine frühere Chefin mal genannt hat.
Ich habe nichts gegen Regeln…wir haben da gesetzlich eine ganze Menge davon. Aber den Gestaltungsspielraum, den uns das Gesetz und normalerweise die Geschäftsleitung gibt, möchte ich behalten und sinnvoll einsetzen….aber das hier bietet nur noch eon ganz eng geschnürtes Korsett.