Gendergerechte Formulierungen?

Ich lese Online Zeitung, ich lese im Internet Artikel über  verschiedenste Themen, ich lese Kommentare, ich lese in verschiedenen Blogs und dann lese ich auch das, was ich selber so schreibe.

Bisher habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, ob ich mich beim Schreiben gendergerecht verhalte…und ich werde es auch nur heute einmal tun…also mir Gedanken darüber zu machen.

Meine Meinung zu diesem Thema ist schon da,  auch wenn diese  vielleicht nicht populär ist. Jeder Versuch in einem fließenden Text gendergerecht zu formulieren, hemmt das Lesevergnügen…es stockt einfach und das mag ich nicht. Gerade wir Deutschen versuchen uns oft übertrieben korrekt zu verhalten…und das wirkt oft angestrengt und ist auch anstrengend zu hören und zu lesen.

Bei einigen Artikel wird jetzt für eine gemischte Gruppe nur noch die weibliche Form genutzt: z.B. Ärtzinnen..manche regeln es durch die Groß-Schreibung mitten im Wort: ÄrztInnen…manche schreiben Ärzte/Ärztinnen.

Bringt uns das tatsächlich mehr Gleichberechtigung…mir bringt es eher den Wunsch es nicht zu lesen… Er/Sie/Es  oder männlich/weiblich/divers

Was ist so schlimm daran  in unserer über Jahrhunderte gewachsenen Sprache eine oft männliche Bezeichnung für eine Gruppe zu akzeptieren? Die Ärzte….reicht es nicht aus um eine bestimmte Gruppe von Menschen zu beschreiben die einen gewissen Beruf ausüben? Dabei muss ja nicht jeder in einer Gruppe einzeln benannt sein, das ist ja das Wesen einer Gruppe.

Haben wir alle so wenig Selbstbewusstsein, das wir Angst davor haben innerhalb einer Gruppe als Individuum unterzugehen.

Ich werde oft gefragt: Als was arbeitest Du? Als Buchhalter….ich bin eine Frau, aber ich muss doch in so einer Beschreibung meines Berufs nicht auf mein Geschlecht hinweisen…1. weil man mir mein Geschlecht ansieht  und 2. weil es doch ganz egal ist ob ich als Mann, Frau oder Sonstiges diesen Beruf ausübe. Mein Geschlecht sagt doch nichts über meine Qualität als Buchhalter aus.

Auch hier würde es uns gut zu Gesicht stehen einfach entspannter mit der Sprache umzugehen und nicht aus jedem und allem ein Drama zu gestalten.

 

 

 

Die Schönheit der Sprache

Der Samstag plätschert so vor sich hin…..sonnig, warm, entspannt, unaufgeregt und ruhig…..naja bis gerade….

Zum ersten Mal seit wir hier wohnen, hat die Kirche nebenan doch tatsächlich eine Art Klimaanlage angeworfen und es gibt jetzt permanent ein Grundrauschen dieser Anlage….hmmmm blöd, aber das kann man noch einigermaßen ignorieren.

Schlimmer sind für mich die Telefonate auf der gegenüberliegenden Seite der Kirche….da telefonieren ein paar der Flüchtlinge….sie lehnen sich aus den Fenstern und sprechen in ihrer Landessprache schnell und hart in die Handys….laut und lange und noch lauter….

Trotz der vielen Bäume und Büsche scheint der Schall fast ungebremst bis zu uns zu kommen…aus ist es mit der schönen Ruhe.

Der Klang dieser Sprache ist ähnlich wie bei den slawischen Sprachen: für meine Ohren sehr durchdringend und hart im Klang….Dabei sagt man ja auch der deutschen Sprache nach hart in der Aussprache zu sein. Wahrscheinlich hält jeder seine Muttersprache für lieblich im Klang…lach….

Der irische Komödiant Dylan Moran schrieb über den Klang der deutschen Sprache: „ Wie eine Schreibmaschine die Alufolie frisst“ und auch Mark Twain hielt unsere Sprache für „unordentlich und systemlos“…..und da hat er gar nicht mal Unrecht. Ich bewundere heute Kinder in den Schulen und Erwachsene die unsere Sprache lernen.

Ich bin kein Meister in Grammatik…spreche und schreibe intuitiv…so wie ich es früher einmal gelernt habe…kann aber nur wenige Regeln „runter-beten“….ich weiß wann es „dem“ oder „den“ heißt, wann sich der Artikel eines Wortes wie verändert…..aber das könnte ich keinem so richtig erklären…

Aber ich selber liebe die unzähligen Möglichkeiten  im Deutschen etwas auszudrücken… Es gibt unzählige Arten ein und dasselbe zu beschreiben und immer ist es eine Nuance anders in der Beurteilung der Situation des Satzes und in der Beurteilung des Erzählers…..Herrlich.

Diese Möglichkeit sich differenziert auszudrücken und dabei auf einen riesigen Wortschatz (egal ob Ur-Deutsch, Dialekt oder angepasste Fremdwörter) zurückgreifen zu können ist schon beachtlich und fehlt mir z.B. in der englischen Sprache….

Unsere Sprache kann kalt, beschreibend und distanziert sein, blumig , schnörkelig und warm….und all das wird unterstrichen vom jeweils eingesetzten Mittel der Stimme….schmeichelnd und zart, rau und grob, fordernd  oder mitfühlend…..

Vorurteile für die Identität

Gestern hab ich mal wieder interessante Ansichten zum Thema „Vorurteil“ gehört, die mich echt verblüfft haben.

Es ging um das Thema ob Deutschland einen Ruck nach Rechts macht und insbesondere um das Thema Vorurteile gegen Ausländer. Dabei  hat eine Dame sinngemäß folgendes gesagt:

Vorurteile von Menschen kann man nicht mit logischen Argumenten und Tatsachen ausräumen, denn wenn vorurteilsbehaftete Menschen das zuließen, müssten sie sich ja von ihren Vorurteilen verabschieden….Aber ohne Vorurteile bliebe vielen Menschen nichts an Identität übrig ….und DAS  macht ihnen Angst.

Also Vorurteile sind ein Ausdruck der Angst vor dem Unbekannten…denn wenn man etwas nicht kennt, dann macht es  Einem Angst. Dort wo man das Unbekannte kennenlernt, verliert man die Angst und hat zumindest die Möglichkeit das anderssein zu akzeptieren.

Auch ich bin in vielerlei Hinsicht mit Vorteilen behaftet, auch wenn ich eine liberale Grundeinstellung habe…und ich denke das wir alle Vorurteile haben und sei es nur  gegen dem Punk auf der Straße oder den Snob-Schlipsträger im Bankenviertel …

Mein Vorteil, ich kann viele Ansichten vom logischen Standpunkt aus teilen…und akzeptiere die Einstellung vieler unterschiedlicher Menschen…warum sie etwas tun oder wie sie etwas tun.

Aber auch ich möchte nicht in meinem täglichen Leben in meinem Sein Veränderungen hinnehmen…ich möchte nicht von Nachbarn in meiner Ruhe gestört werden (egal ob durch Volksmusik, Rock-Pop oder arabische Gesänge)….und ich möchte in meiner eigenen Sprache angesprochen werden und finde es inakzeptabel  wenn ich irgendwo anrufe oder in ein Geschäft gehe und werde mit schlechtem oder falschem Deutsch angesprochen (egal ob extremes Bayerisch, Sächsisch, radebrechendes spanisch-Deutsch  oder gewohnheitsmäßigem Türk-Deutsch).

Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen und war mit vielen Ausländern in einer Klasse. Die Türken, Portugiesen und Italiener und  Menschen aus noch ganz anderen Nationen waren alles Kinder aus der 2. Generation. Also die Eltern sind als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen, die Kinder waren noch klein oder sind sogar in Deutschland geboren….auf jeden Fall sind sie hier aufgewachsen und haben zuhause kein Deutsch gesprochen.

Wieso spricht  diese  2. Generation heute aber  besseres Deutsch, nämlich genauso richtig/falsch  und selbstverständlich wie ich auch, als die späteren Generationen?  Dieses Türk-Deutsch ist für mich eine Art selbstgemachtes Erkennungszeichen, eine Art  Identitätsmerkmal….aber das ist ein anderes Thema….aber die Frage beschäftigt mich.