Bin ich verkehrt?

Seit gestern Abend bin ich ins Grübeln gekommen.

Ich hatte mit einem meiner Ex-Kollegen für gestern Abend eine Telefon-Verabredung. Er musste in Hessen ja arbeiten…und da er als Abteilungsleiter gerade ein Teammitglied verloren hat und ein Zweites sich gerade offen nach einem anderen Job umschaut, war der Kollege in der letzten Woche ziemlich deprimiert…und ich hab mir Sorgen gemacht das er alles einfach hinwirft (er hat inzwischen auch seine Bewerbungs-Unterlagen aktualisiert).

Wir haben also eine ganze Weile telefoniert…und irgendwann meinte er, er würde sich Sorgen um MICH machen. Ähmm WARUM? Mir geht es doch blendet… das schreibe ich ja auch und schicke Bilder meiner Ausflüge, erzähle von meinem Leben….und ich hab aktuell bestimmt mehr Spaß am Leben als er…

Ja – das schon, aber ich würde eben immer „ich“ schreiben., so als ob ich immer alles alleine machen würde und er hätte die Sorge das ich vereinsame.

Er kennt mich, er kennt mich auch eben als Jemanden der Menschen emotional nicht so leicht an sich heran lässt, der mit physischer Enge Probleme hat und eben auch als einen Menschen der im Sozialverhalten öfter mal dazu neigt sich zurück zu ziehen…

Und trotzdem bin ich gerade in den letzten Monaten viel lockerer und entspannter geworden, lache und rede gerne, unternehme viel … ja fast immer unternehme ich etwas alleine, aber ich bin nicht einsam.

Im Gegenteil ich genieße das Alleine sein…und hoffe das ich rechtzeitig merke werde, wenn es mir nicht mehr gut tun. Ich persönlich bin also rundherum zufrieden mit meinem Privatleben…und hätte nicht gedacht, das trotz meiner aktuell sehr positiven Art mein Kollege Angst um mich hat, das ich in die Einsamkeit abrutsche.

Bin ich verkehrt, weil ich aktuell zufrieden bin, so wie es ist?

Ich hab versucht ihm zu vermitteln, das ich schon genug damit zu tun habe meine neuen Kollegen und neuen Chefs kennen zu lernen…und meine neue Arbeit und meine neue Umgebung. In dieser Phase auch noch neue Bekanntschaften oder Freundschaften zu schließen, wäre mir schlichtweg zu viel…zu anstrengend für meinen Kopf.

Denn eigentlich fühle ich mich wie ein Rekonvaleszent…ich regeneriere meinen Geist und Körper von einer über Jahre andauernden stressbedingten Überlastung. Auch wenn ich offiziell nie krank deswegen war…aber es fühlt sich einfach so an.

Meine gesamte Freizeitgestaltung ist ein Ausdruck von: ich kann, ich will, ich darf….mich einfach so entspannt fühlen und einfach machen was ich möchte…

Aber seit mein Ex-Kollege das so gesagt hat, fühle ich mich schon wieder etwas unter Druck…so als ob ich Freundschaften schließen MUSS um anderen zu zeigen, das es mir gut geht….aber das ist natürlich Quatsch….

Ich muss Niemandem beweisen das es mir gut geht…Hauptsache es geht mir tatsächlich gut! … und das kann man eben nicht an der Anzahl von Freundschaften ablesen. Es ist sogar so, das ich jetzt ohne Beziehung und enge Freunde MEHR mit anderen Menschen kommuniziere, als während meiner langjährigen Beziehung.

Orangerie

Wir waren heute in der Orangerie in Darmstadt…es gab dort eine Modeleisenbahn-Börse…und beim Spaziergang durch den Saal und durch den Park, musste ich an die Orangerie in Kassel denken.

Die  Orangerie in Kassel ist groß und liegt in großen Volkspark….am Rande der Fulda. Und direkt dahinter liegt der Bugapark. Der Volkspark ist mitten in der Stadt, trotzdem ist es dort so herrlich ruhig…der Park liegt tiefer als die Stadt.

Von der Orangerie aus bin ich stundenlang im Winter durch den Park gelaufen….fast jeden Tag…der Park dort ist riesig…an den Rändern ist es fast ein Wald …und an einem Ende ist ein See mit einer Blumeninsel….

Im Winter war es oft sehr kalt, zugig und herrlich einsam…..und trotzdem waren oft Boulespieler dort und spielten friedlich und zufrieden …und auch bei Eis und Schnee hatte der Park immer etwas Tröstliches für mich…und im Laufe der Monate wurde mir der Park sehr vertraut. Endlich ein Ort an dem ich mich nicht mehr so verloren gefühlt habe.

Mit beginnendem Frühling kamen die wärmeren Sonnenstrahlen und das Wetter wurde angenehmer…und meine Aufenthalte im Park wurden noch länger. Später im Sommer bin ich nicht mehr durch den Park gelaufen, sondern bin mit meinem Fahrrad gefahren und hab den Radius erweitert….erst durch den Buga-Park und dann entlang der Fulda bis nach HannMünden…

Das waren die Stunden  am Tag die ich genießen konnte und sooft es meine Zeit erlaubte bin ich lang und länger geblieben…Es war der Jahrhundertsommer 2003 – der Hitzesommer…ich hab sogar im Spätherbst auf dem Rasen vor der Orangerie bis nachts gesessen….das kann man sich bei den Sommern der letzten Jahre gar nicht mehr vorstellen.

Das Herz und die Liebe

Diese Woche war echt hart für mich….die Fernbeziehung zeigt ihre Schattenseiten…meine Aversion gegen ständiges Telefonieren rieb sich an meinem Bedürfnis des Redens und der körperlichen Nähe.

Wir telefonieren täglich zwischen 1-2 Stunden pro Tag, verteilt auf 2 -3 Mal….und kommt doch nicht dem Redebedürfnis nahe, welches wir sonst eigentlich haben. Nicht Reden ist für meinen Süßen eher eine Strafe und wenn wir zusammen sind gibt es tausend Gesprächsthemen…

Am Telefon dagegen mag ich manche Themen überhaupt nicht ansprechen…und mir wäre ein Kuscheln in so einem Moment wichtiger… Vor allem Morgens wenn wir Beide gerade dabei sind wach zu werden, ist das nicht reden keine Lösung….meistens rede ich, damit er nicht wieder einschläft….ein Knuff in die Seite wäre eigentlich die besser Lösung…geht aber nicht.

Ich habe mich einsam gefühlt in dieser Woche…was evtl. auch an meinem Besuch beim Kardiologen lag…ich brauche körperliche Nähe, gerade wenn ich mich unwohl fühle. Diese blöde „Anomalie“ wie es die Ärztin nennt, ist nicht akut gefährdend, kann aber langfristig zu chronischen Herz-Rhythmus-Störungen führen.

Also eigentlich eine für den Moment positive Aussage, mein Herz schlägt kräftig und ist noch nicht durch den Bluthochdruck oder die „Anomalie“ geschädigt und doch hätte ich die Schulter meines Freundes benötigt.

Gestern kam er endlich mit dem Zug und wir haben einen kuscheligen Abend auf der Couch verbracht. Gerade diese innigen Zeiten sind sehr wichtig…

….also hab ich es erst heute erzählt…und alles was ich sonst noch nicht im Laufe der Woche nicht erzählt hatte. Es sprudelte nur so aus mir raus und schwuuupssss war die Hälfte des Tages schon wieder weg mit anregenden Unterhaltungen und Diskussionen.