Bei uns geht es ja nicht nur um die neue ERP-Software für die Buchhaltung, die ab Januar 2025 eingeführt wird, auch unser Daten-Management-System soll am 1.1. wechselt werden…und noch weiß keiner, wie das aussehen wird.
Mittwoch kam dann aber erst einmal ein ganz großer Knall für unsere Deutsche Gesellschaft.
Wir Controller und die 5 Kollegen aus Dänemark waren gerade in einem Online-Meeting mit unseren Wirtschaftsprüfern, um einiges zu klären…da kam ein Kollege herein und versuchte sich Gehör zu verschaffen…ich hab es bemerkt und bin zu ihm hin.
Seine Aussage: Wir sollen SOFORT – ALLE – in unseren Haupt-Meetingraum kommen. Sorry lieber Kollege wir sind in einem Meeting.. DOCH wir müssen kommen – JETZT unmittelbar – er weiß zwar nicht warum, aber der Firmenchef ist da und ALLE deutschen Mitarbeiter sollen kommen.
Ich hab also laut in den Raum und zu unseren Wirtschaftsprüfern auf dem Bildschirm gesagt, das wir unser Meeting jetzt leider unterbrechen müssen…ich wüsste zwar nicht was, aber es muss wohl etwas passiert sein.
Wir deutschen Mitarbeiter sind also alle rüber ins andere Gebäude gelaufen und dort warteten bereits die Mitglieder der Dänischen Geschäftsleitung auf uns. ALs alle Kollegen vom Hamburger Büro anwesend waren, begann unsere Nr.1 mit den Worten: Es gibt Tage mit schlechten Nachrichten…
Ganz ehrlich, in dem Moment dachte ich: unsere Deutsche Firma wird aufgelöst – so düster klangen seine Worte in meinem Ohren.
Dann wurde uns mitgeteilt, das man sich mit sofortiger Wirkung von unserem Deutschen Geschäftsführer getrennt hätte (also von meinem momentanen direkten Vorgesetzten). Es gab einige vorsichtige Erläuterungsversuche, aber keine wirklichen Infos…nur das man sich auf die Werte der Firmengruppe berief und das man uns nun für die kommenden Monate, bis es einen neuen Geschäftsführer für Deutschland geben wird, nicht alleine lässt usw….also eigentlich viele Worte für wenig Inhalt.
Das hat dann auch gesessen…gerade die Kollegen aus der Projektentwicklung und den angegliederten Abteilungen, waren sprachlos. Gerade den oft noch sehr jungen Kollegen stand der Schock ins Gesicht geschrieben. Aber ganz besonders Svea, die Assistentin des GF, die ja davon unmittelbar von so einer Entscheidung betroffen ist und mit der ich ja einen guten engen Kontakt pflege, versuchte ausdruckslos zu schauen, aber ich konnte so einiges in ihren Augen lesen.
Auch für uns Controller hat das Auswirkungen…denn der deutsche GF muss ja viele Rechnungen, Urlaubsanträge usw. freigeben. Auf MEINE Tagesarbeit hat es kaum Auswirkungen und doch war auch ich schockiert…aber mehr wegen der Art und Weise, wie wir zu dem Meeting geordert wurden und mit welcher klaren Härte das Ganze durchgezogen wurde.
Normalerweise erlebe ich die dänischen Chefs immer zurückhaltend freundlich, es wird selten offen etwas kritisiert, eher nett und freundlich umschrieben.
Die anderen deutschen Büros wurden nach uns dann per Teams informiert….und wir, wir gingen zurück an die Arbeit. Aber seitdem herrscht eine permanente Unruhe im Hamburger Büro…wie so ein unruhiges Hintergrund-Rauschen.
Das machte für mich diesen schlechten Tag, mit den blöden nicht funktionierenden Systemtests, noch schlechter…ich konnte mich kaum auf etwas konzentrieren.
Erst am späten Nachmittag konnte ich dann mit Svea sprechen…wir waren in ihrem Büro und haben mehr als 30 Minuten gesprochen. Wie es ihr mit der Entscheidung geht, konnte sie noch nicht einmal sagen…so sehr der Schock, weil der GF sich nicht einmal von ihr verabschieden durfte, sondern das Gebäude unmittelbar verlassen musste. DAS hat die Kollegin am Meisten schockiert…aber es steht ja auch ihre Zukunft auf dem Spiel…die hat sehr gut mit dem GF zusammengearbeitet.
Ich hatte durch das Gespräch mit der Kollegin Svea unser tägliches update-Meeting für die Systemumstellung verpasst…und hab mich später entschuldigt…aber eine der dänischen Kollegin meinte dann später, das unser „Change-Manager“ es sehr gut fand, das ich mich um Svea gekümmert habe …er war auch derjenige der uns 3 Controller als erstes gefragt hat: wie geht es auch jetzt mit dieser Entscheidung. Soviel Aufmerksamkeit sind wir ja gar nicht gewöhnt.
Letztlich waren wir alle froh, als der Tag dann endgültig vorbei war…