Zwangsgemeinschaft

Für die Fahrt in die Firmenzentrale (400km eine Strecke) im Norden Dänemarks; haben wir Controller uns also zusammen in ein Auto gesetzt…unsere kleinen Koffer, Laptop-Rucksäcke, Jacken und einen Karton voller Post passten gerade so in den Kofferraum des Firmenwagens…gut das es Außenspiegel gibt.

Nun sind wir seit knappen 2 Monaten zu Viert in der Abteilung und damit noch kein wirklich eingespieltes Team. Die diversen Fahrten in den letzten Jahren, nur mit dem Controller, waren bisher immer gut…wir waren, trotz mancher beruflich unterschiedlicher Auffassungen, immer ein gut funktionierendes Team.

Die organisatorischen Abstimmungen, auf so einer mehrtägigen Dienstreise, liefen bei uns meistens ohne großen Aufwand routiniert ab…wir haben uns gut verstanden, hatten meistens angenehme Gespräche während der Fahrt, konnten auch mal schweigen. Es war möglich seinen eigenen Bedürfnissen entsprechend zu reisen. Diese Konstellation hat mir i.d.R. keinen oder nur ganz wenig Stress bereitet.

Jetzt in der Vierer-Konstellation war das natürlich nicht mehr so einfach. Es kann nämlich auch anstrengend sein, wenn nun KEINER mehr seine Bedürfnisse benennt, sondern alle aus lauter Rücksicht die Entscheidung der Gruppe überlässt.

Katrin hatte im Vorfeld die Befürchtung das die Fahrt „stumm“ abläuft, es also keine Gespräche geben wird und hat damit, ohne es zu wissen, bei mir ein über viele Jahre erlerntes Verhalten zu Tage gefördert, das ich so gar nicht mag…es aber trotzdem immer wieder mache.

Ich habe die Stille überbrückt und Gespräche angefacht oder aufrecht erhalten…sogar der Schweigsame war auf einmal dabei und hat mitgemacht: hat geredet und sogar auch gelacht. Die Fahrt nach Dänemark war damit locker und lustig und auf eine interessante Art unbeschwert.

Aber mir war bereits klar, das kann ich unmöglich für die nächsten 3,5 Tage auf diese Art durchhalten.

Aber ich habe im Laufe meines Lebens gelernt zu funktionieren…und meine eigenen Bedürfnisse für eine Weile zu ignorieren…wenn es sein muss. Geholfen hat mir dabei auch, das ich gerade noch in einer kommunikativeren Phase war und das der Vollmond sich in den nächsten Tagen seinem Höhepunkt näherte (da bin ich eh meistens aktiver- auch beim Sprechen).

Zusammen 400km im Auto, zusammen beim Abendessen im Hotel, zusammen beim Frühstück, zusammen bei den Schulungen usw. immer zusammen auf engstem Raum…jaaa es ging – aber es hat mich viel Kraft gekostet…und meine Nerven waren deshalb nicht nur wegen der neuen Software angespannt.

Aber ich habe versucht mir kleine Nischen zu suchen: bin mal zu meinen Controller-Kollegen gegangen für einen, kleinen Plausch, hab mit vielen anderen Kollegen aus der Zentrale kleine Unterhaltungen geführt, wir sehen uns ja nicht sooft.

Diese Art der Unterhaltung ist eine ganz andere, als  die innerhalb unserer kleinen Zwangsgemeinschaft

nicht jammern – funktionieren

…dieser Ausspruch stammt jetzt mal nicht von mir…sondern von einem Kollegen aus der alten Firma. Das war auch mein Spruch und ICH hab das viel zu lange mit gemacht…und der Kollege, Abteilungsleiter einer technischen Abteilung, macht es jetzt auch schon ein paar Jahre mit…

immer im Stress, immer unter Strom, immer zu wenig Mitarbeiter, diese Abteilung ist oft im Auto unterwegs – quer durch Deutschland…viel Verantwortung, kaum Privatleben – wenig Freizeit…

und jetzt hat er sich mal wieder per WhatsApp allen Frust von der Seele geschrieben u.a. eben auch auch das: nicht jammern…funktionieren….

Aber mal ehrlich: das ist doch viel zu wenig für das eigene Leben…nur zu funktionieren…Da geht bei mir sofort ein Signal im Körper an…und ich kann förmlich wieder spüren wie es mir ergangen ist…nur zu funktionieren:

…..und irgendwie ist es ja auch schön, und eigentlich macht man es ja auch gerne…wenn das und das nicht wäre, und das Leben ist eben nicht immer schön, und die Kollegen kann man ja auch nicht hängen lassen,…aber eigentlich sollte man so nicht arbeiten, aber anderswo verdient man ja weniger wegen der langen Zugehörigkeit und irgendwie haben wir hier doch immer noch ein tolles Klima und  überhaupt haben wir eigentlich viele Freiheiten….

Jaaaaa….diese endlos-Mantras kenne ich zur Genüge….Gedanken in der Endlos-Schleife.

Der Kollege ist in paar Jahre jünger als ich, Ingenieur und in einer gefragten Branche Spezialist und dazu noch eine Führungskraft….der würde bei jedem Konkurrenz-Unternehmen sofort einen Job bekommen….selbst innerhalb des Konzern hätte er kaum Schwierigkeiten zu wechseln…

Ich bin gespannt wie lange er das so noch weiter machen wird. Es wird über kurz oder lang noch einen weiteren gravierenden Wechsel geben….aber das ist nur eine Vermutung aufgrund der Erzählungen aus allen Richtungen: ich glaube mein Nachfolger ist schon dabei sich einen neuen Job zu suchen:

Er ist oft krank, kommt erst sehr spät ins Büro, geht früh, sagt nicht mal guten Morgen zum Team, spricht oft gar nichts am Tag mit den Kollegen in seiner Abteilung , kommuniziert überhaupt nicht mehr …. keine Abstimmung über die Arbeit … er lässt seine Mitarbeiter einfach im ungewissen….keine Anweisungen, keine Führung, er erfüllt seine Aufgaben nicht wie er soll…sagt aber nichts, fragt seine Kollegen nicht… ich glaube er ist überfordert…da er aber auch keine Initiative, kein Engagement zeigt glaube ich nicht, das er noch lange bleiben wird….