Von Wintersocken und Kontrolle behalten

Es ist schon lustig, wenn ich mich mit Kollegen, Nachbarn oder Freunden unterhalte und dabei erwähne, dass ich gerade meinen Vorrat an dicken Wintersocken / Kuschelsocken aufgestockt habe, bekomme ich von Allen das Gleiche zu hören: JA – darüber haben wir auch schon nachgedacht.

Es ist der „Klopapier-Effekt“ während der Corona-Krise….Ich als Normalbürger habe keinen Einfluß auf die Gesamtlage und kann eben auf eine Corona-Virus-Pandemie nicht staatsmännisch reagieren.

Da fühlt man sich als Einzelner nicht handlungsfähig….möchte aber handeln – immerhin ist es kein schönes Gefühl, das eigene Leben nicht mehr ganz allein unter Kontrolle zu haben, fremd bestimmt zu sein….

…den Psychologen zu Folge war es nur natürlich, dass viele Menschen, innerhalb ihrer Möglichkeiten, dann gehandelt haben, indem sie Dinge des täglichen Lebens gehortet haben, wie wir in Deutschland als Beispiel das Klopapier. Es kostet wenig und bringt das Gefühl von „ich tue aktiv etwas“ um die Kontrolle zu behalten.

Jetzt mit der drohenden Gaskrise für den kommenden Winter, haben wir den gleichen Effekt…es kommt etwas auf uns zu, das uns verunsichert: haben wir genug Gas und Strom um durch den Winter zu kommen?

Was kann der Einzelne tun, wenn uns auferlegt oder zumindest dringend angeraten wird, die Raumtemperaturen zu senken und sparsam mit den Ressourcen Strom, Gas und Wasser umzugehen.

Ja klar – viele fühlen sich gleich in ihrer Freiheit bedroht und reagieren aggressiv auf jeden Vorschlag, jede Anmerkung. Nehmen alles wörtlich und extrem persönlich. Ich finde solche Reaktionen kindisch und absolut unangebracht und gewöhne es mir gerade wieder einmal ab, die Kommentare zu den Artikeln zu lesen…das ist oft unterste Schublade, obwohl es sich um seriöse Zeitungen handelt, wo man solche Kommentare eigentlich von der Leserschaft nicht erwarten würde.

Aber die Empörungs-Neigung der Deutschen, wenn es um IHRE eigene Wohlfühl-Freiheit geht, ist seit der Pandemie in meiner Wahrnehmung, extrem stark angewachsen: nur ja keine Vorschläge ob es sinnvoll ist, täglich zu Duschen oder ein Waschlappen eine Alternative sein könnte…Also wo kämen wir denn dahin, wenn von uns VERLANGT wird, über unser eigenes Verhalten nachzudenken….Wer bitte maßt sich an, auch nur öffentlich darüber nachzudenken, wo der Einzelne sein Verhalten anpassen könnte. Nein, so etwas mögen die Kommentar-Schreiber ganz und gar nicht.

Ich nehme aber an, das die schweigende Mehrheit, es genauso macht, wie ich ….ruhig und mit einem Gefühl von „Was-kommt-da-wohl-noch-auf-uns-zu“-Unwohlsein sein eigenes Verhalten zu überdenken und mit kleinen Änderungen im Alltag, wieder ein besseres Gefühl von „das-schaffen-wir-schon-irgendwie“ zu bekommen..

Und so hab ich für das Wochenende, statt eines Blumen-Arrangements für den Balkon, als Mitbringsel für Schwester+Schwager, ein buntes Potpurri verschiedenster Winter-Socken zusammen gestellt. Wir sind zuhause alle Drei Sockenläufer: Dicke Wollsocken mit Anti-Rutsch-Noppung, Socken mit Alpaka-Wolle, gefütterte Outdoorsocken mit hohem Wollanteil, Socken als Hausschuh-Ersatz mit Plüsch und Kuschelsocken in Rosa-Tönen (also, die nur für meine Schwester…ich glaub mein Schwager war froh, das er keine davon in seiner Größe in meinem Geschenkkorb fand….hahaha).

Ich habe tatsächlich fast 2 Wochen gebraucht, mehrere Geschäfte durchforstet und auch noch extra im Internet bestellt, bis ich alles für uns zusammen hatte, was ich als sinnvoll und schön empfand.

Fazit: Das war eine Aktion…ich habe gehandelt und halte das Ergebenis nun in meinen Händen. Ich (wir) sind nun vorbereitet. Ich fühle mich gut damit…und während ich das schreibe, hab ich ein paar Socken aus Allpaka-Wolle an den Füßen und eine Strickjacke an, die Baumwolldecken liegen in Griffweite, die Steckdosenleisten haben alle Ausschalter, die Fenster schließen richtig und mir …mir ist bei 18 Grad in der Wohnung gut warm und ich fühle mich wohl….also der Winter kann kommen…ich bin vorbereitet.

Warum nicht?

Alle Welt regt sich auf…… aber warum nur? Die Bundesregierung schlägt vor, dass sich die Bevölkerung  einige Vorräte anlegt, um in einem Krisenfall für ein paar Tage unabhängig zu sein.

WARUM führt das zu solch einem Aufschrei?

Es sagt ja keiner das es Morgen zu einem Zwischenfall  kommt, der es nötig macht, aber denkt denn niemand mehr z.B. an die Krise in Zypern vor drei  Jahren, als es zu einer Bankenkrise kam…da waren die Supermärkte auf einmal leer, weil keine neuen Waren mehr gekauft werden konnten und auch die Bankautomaten spukten nur noch spärlich Geld aus….DA haben die Menschen sich erst zu diesem Zeitpunkt bevorratet, wo es gerade noch ging. Oder denkt an New Orleans vor ein paar Jahren, als die öffentliche Ordnung in den USA nach dem Wirbelsturm Katrina 2005 für Tage zusammen brach.

Aber ist es nicht normal, dass man immer mehr an Vorräten in den Schränken hat, als man gerade braucht?  Ich bin der Meinung gerade von den (Trocken-) Grundnahrungsmitteln: Zucker, Mehl, Nudeln und Reis  sollte man immer einen Vorrat zuhause haben. Auch Speiseöl  und gewisse Dosen  und Wasser in PET-Flaschen kann man unterbringen OHNE das man dafür zuviel Geld ausgibt.

Ich habe mich vor ein paar Jahren bereits mit dem Thema beschäftigt. Nein, ich bin keiner von den extremen Typen die sich für den nächsten Weltkrieg vorbereiten und Vorräte für 1-2 Jahre haben. Aber ich denke man sollte für 14 Tage unabhängig von jeder Versorgung sein.

Überlegt mal, wie schnell es in Zypern zu Panik kam und wie sehr wir am europäischen Stromnetz hängen…fällt der Strom aus gibt es nicht nur keinen Strom, sondern vor allem auch kein WASSER und auch kein Benzin…denn alle Pumpen laufen elektrisch. Und ohne Strom können die Geschäfte nur eingeschränkt öffnen, denn die Türen, Kassen und Kühltheken benötigen alle Strom…und auch Notstromaggregate benötigen Benzin/Diesel…laufen also auch nur 2-3 Tage ohne Nachschub.

Also warum erscheint es dann so ungewöhnlich zu sagen, ich hab ein paar Liter mehr an Wasser im Keller…wenn so ein 5l-Pet-Flasche nur  etwas mehr als 1 EUR kostet ist es doch kein finanzieller Ruin.

Und für alle die glauben nur Kriege oder Terror können eine Vorratshaltung nötig machen empfehle ich das Buch „Blackout“ von Marc Elsberg. Es geht um eine fiktive Sabotage am europäischen Stromnetz…und den sich daraus entwickelnden Konsequenzen…das nimmt einem ein wenig die Naivität zu glauben wir haben alles im Griff….Unsere Zivilisation funktioniert nur, weil es Strom gibt…nimmt man uns den Strom weg, was sind wir dann? Eben….