Besuch in Lübeck

Bei ihrer jährlichen Urlaubsplanung haben der Rentner und seine Frau beschlossen, wieder einmal für ein paar Tage an den Timmendorfer Strand zu fahren. Sein Vorschlag war, wir treffen uns auf halben Wege zwischen deren Urlaubsort und meinem Zuhause, um einen Nachmittag zusammen zu verbringen.

Gegenvorschlag meinerseits: Wir wäre es mit Lübeck. Das bedeutet für mich zwar einen etwas längeren Weg…aber immerhin hatten die Beiden schon die weite Anreise aus Hessen und für mich ist das Fahren kein Problem..damit waren sie dann einverstanden.

Und ja Lübeck besteht aus mehr als nur dem Holstentor, aber das Motiv hat eine fast magische Ausstrahlung für mich 😊

Als Treffpunkt hatten wir ein Parkhaus in der Nähe ausgemacht (das hatte einen Tageshöchstsatz von 7,50 EUR – ein nicht ganz unwichtiges Argument, denn Parken kann in Lübeck durchaus wesentlich teurer sein) und uns für 15 Uhr verabredet.

Ich hab meinen 1/2 Arbeitstag im Büro in Hamburg verbracht und konnte dann dann von dort aus, locker über die A1 nach Lübeck fahren. Vor der Fahrt hab ich mir noch schnell etwas von meinen Lieblingsrestaurant neben unserem Büro geholt, eine Bowl mit viel frischem Gemüse und chrispy chicken …wie immer sehr lecker.

Ich hatte mit wesentlich mehr Verkehr am Mittag gerechnet, so war ich viel zu früh in Lübeck – bin dann noch durch einen Supermarkt geschlendert und ein paar Kleinigkeiten sind dann tatsächlich in meinem Korb gelandet.

Als wir uns dann vor dem Parkhaus getroffen haben, war es wie immer: freudiges Begrüßen, herzliche Umarmungen und sofort waren wir dabei zu plaudern, als ob wir uns erst gestern das letzte Mal gesehen hätten. Dabei war es im letzten Sommer, als ich für ein paar Tage nach Frankfurt gefahren bin. Aber wir telefonieren ja regelmässig…im Moment so alle 14Tage und dann immer für etwa 1 Stunde.

Das Wetter sollt eigentlich nicht so dolle werden…und doch hatten wir Glück und es kam für eine Weile die Sonne raus, so das wir locker und entspannt durch das Holstentor schlendern konnten und weiter bis zum Arkaden-Cafè von Niederegger. Wir haben auch tatsächlich draußen noch einen freien Tisch bekommen und es gab lecker Kaffee und Kuchen.

Später sind wir durch die Altstadt-Straßen und Gassen gebummelt, haben uns die schönen alten Häuser angeschaut, sind in ein paar Geschäfte gegangen, haben uns in ein weiteres Cafè gesetzt und dann waren auch schon 3,5 kurzweilige und unterhaltsame Stunden rum.

Die Beiden haben sich dann auf den Rückweg zu Ihrem Urlaubsort gemacht (ca. 30 Minuten Fahrt) und ich hab auch ca. 1 Stunde bis nach Hause gebraucht.

Diese Freundschaft ist mir sehr wichtig und unsere Unterhaltungen tun mir immer gut.

Lübeck hätte mehr verdient

Lübeck hätte mehr verdient

…nämlich meine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Es ist wirklich eine tolle Stadt und um diese Stadt wirklich zu erkunden braucht es mehr als nur einen Tag…und auch mehr Aufmerksamkeit. Die Fahrstrecke war von mir blöd gewählt (durch Hamburg hindurch)….auf der Rückfahrt bin ich dann später über Bad Segeberg und Kaltenkirchen gefahren, das ging reibungsloser…mein Navi musste ich allerdings erst  zu dieser Strecke „überreden“.

In der Lübecker Innenstadt bin ich dann  am Holstentor vorbei direkt in ein Parkhaus gefahren. Es waren weniger als 7 Grad…also gefühlt 3-4 Grad höchstens, kalt und leicht windig…aber klare Luft und strahlender Sonnenschein…also erst einmal zurück zum Holstentor… aber schon kurze Zeit nach den ersten Aufnahmen, ich schlenderte entspannt durch die Straßen und an der Trave entlang,  kamen  wie auf ein geheimes Signal…

ständig WhatsApp-Nachrichten meiner Mädels, meiner Schwester, anderer Kollegen, meinem  Kollegen im Ruhestand, Kollegen die sich schon länger nicht mehr gemeldet hatten….ich weiß nicht wieso…aber jeder wollte wissen wie es mir geht und was ich mache…es war lustig und schön und ich konnte sogar bei einer aktuellen Sache helfen. Meine Mädels haben „geplaudert“ was gerade so los ist und sogar Fotos geschickt…und ich hab einen großen Teil meiner  Aufmerksamkeit auf die Nachrichten verwendet und nur zum Teil auf die Stadt.

Selbst beim Mittagessen und beim Kaffee trinken, war ich nicht voll bei der Sache… was den Genuss einfach schmälert. Einerseits hab ich mich gefreut…andererseits weiß ich, das ich beim nächsten Mal das Handy auf lautlos stelle und NICHT antworte, wenn Nachrichten reinkommen.

Es fehlt mir das, was meine Ausflüge normalerweise kennzeichnet: ich konnte die Stadt, den Hafen, die Sehenswürdigkeiten, den Kaffee im Niederegger-Cafe NICHTi in vollen Zügen geniessen…  nicht das Flair der Stadt aufsaugen…ich habe sie zwar gesehen…aber nicht …hmmm wie sage ich es…gespürt? (sorry – es soll nicht esoterisch rüber kommen, denn das meine ich nicht).

Und am Ende meines Ausflugs  war ich etwas enttäuscht. Nicht von der Stadt – aber von mir. .OKAY – also  Lübeck ich komme ganz bald wieder und dann werde ich das Handy nur zum fotografieren benutzen ….