Der unverplante Tag

Jetzt werde ich mal faulenzen…hab noch einen Tag Urlaub und nach all den Aufregungen und Verabredungen der letzten Tage, möchte ich einen unverplanten Tag genießen.

Musste ja Samstag früh raus um nach St.Peter-Ording zu fahren, Sonntag früh raus für den Kajak-Kurs, Montag früh raus zum Reifenwechseln und später dann der Arzttermin. Hab mich in den Tagen mit meiner Familie getroffen, mit Freunden gechattet, telefoniert.

Heute habe ich dafür lange und gut geschlafen….bin im Bett liegen geblieben und habe lange gelesen….das Bad nur kurz aufgesucht und lümmele jetzt in Sweatshirt und Schlabberjeans auf der Couch….trinke meinen Kaffee, mit dem Laptop auf den Knien. Im Haus ist es absolut ruhig und es läuft weder das Radio, noch der Fernseher.

Aufregung und Kommunikation hatte ich in den letzten Tagen genügend…es wird Zeit für einen stillen Tag.

Ich surfe ein wenig durch das Internet, lese interessante Artikel, kleine Anekdoten…heute ist nicht der Tag für zielgerichtete Aktionen, keine Pläne, keine Termine, kein ich muss…heute lasse ich mich treiben….und falls ich heute Abend immer noch auf der Couch sitzen sollte, wäre das auch okay …

Das ist ein ICH-Tag: Ich möchte…, ich will…

Einfach machen….

Auch in diesem Jahr werde ich ein paar Tage Urlaub über meinen Geburtstag haben, denn ich unternehme immer gern etwas Besonderes an diesem Tag….es war schon immer mein ICH-Tag. Das war mir während meiner Beziehung sehr wichtig. Jetzt bin ich getrennt und ich kann jedes Wochenende zu ICH-Tagen machen. Trotzdem möchte ich Geburtstage immer besonders gestalten, auch wenn es nicht immer möglich ist.

2018: 50 Jahre – Zwei Tage vor meinem 50. Geburtstag war die Seebestattung unseres Vaters in Emden….als mein (heutiger) Ex-Freund und ich am Abend vor meinem Geburtstag wieder Zuhause in Hessen ankamen, lagen körperlich anstrengende und mental belastende Wochen hinter mir…und die Wohnungsauflösung in NRW (ich pendelte wochenlang die ca. 280 km pro Strecke) war auch noch immer nicht vorbei….so hab ich an diesem Geburtstag NICHTS gemacht. Selbst zu dem geplanten Restaurantbesuch am Abend fühlte ich mich nicht in der Lage …ich war einfach nur erschöpft – von Allem.

2019: 51 Jahre – Ich wohnte immer noch im Rhein-Main-Gebiet, hatte mich aber schon von meinem langjährigen Freund getrennt und bin mit dem Auto für ein paar Tage an den Gardasee gefahren, um den nächsten Schritt zu überlegen: ich plante meinen langjährigen und sehr stressigen Job zu kündigen und nach Schleswig-Holstein ziehen….und brauchte ein paar Tage Ruhe, um die Entscheidung zu überdenken…meinen Geburtstag hab ich dann bei strömenden Regen in Verona verbracht und es war ein so herrlicher Tag…es fühlte sich schon nach Freiheit an.

2020: 52 Jahre – pandemiebedingt ging ja fast gar nichts und außerdem hatte ich gerade erst erneut den Job gewechselt: Also war ich erst Arbeiten, später im Volkspark den Sonnenschein bei fast 24 Grad geniessen und dann hab ich zuhause auf dem Balkon den Grill angeworfen….das war ein schön relaxter Tag…..gaaaaaanz ohne Aufregung.

Und in diesem Jahr wäre ich gerne wieder mal ins Ausland gefahren….ein paar Tage fernab der Heimat…aber immer noch bestimmt die Pandemie unseren Alltag…trotzdem hab ich ein paar Tage Urlaub und ich habe vor ein paar Monaten bereits angefangen über ein Abenteuer nachzudenken. Wie sagt man so schön: man wird ja auch nicht jünger und die Hürden für sportliche Herausforderungen werden nicht leichter…wenn ich es jetzt nicht mache, mache ich es NIE.

Über das Thema hatte ich mich mit einem jungen Kollegen unterhalten der so begeistert davon berichtet hat und mich mit seiner Euphorie ansteckte und immer wieder flackerte die Abenteuerlust in mir auf….denn es war auch immer so ein unausgesprochener Wunsch von mir, aber jeden Gedanken daran hab ich gleich wieder zur Seite geschoben….das erfordert Mut und ich bin nicht so mutig….

Dann hab ich vor ein paar Tagen, einfach zum Laptop gegriffen und mich angemeldet… als es dann um die Terminauswahl ging musste ich lachen: aaaaach ECHT…direkt an meinem Geburtstag ist noch ein Termin frei? Prima – na den nehme ich doch…..

Bin ich jetzt nervös – NEIN, da ich nur ungefähr weiß, wie genau das abläuft und noch sind es ein paar Tage….im Moment überwiegt noch die Vorfreude auf das Abenteuer….aber noch kann ich nicht sagen, ob ich nicht doch im letzten Moment einen Rückzieher mache….Aber EINMAL im Leben möchte ich das jetzt machen.

Es fühlt sich aktuell so an wie damals, als ich unsportliches, pummeliges Kind eigenständig beschloss vom 5m Brett im Hallenbad zu springen. Das hatte ich vorher nicht lange geplant, das hab ich mit Niemandem besprochen…es gab Niemanden der gesagt hat, das ich das machen muss oder das Mitschüler es vorgemacht haben…es war mein freier Wille es einfach zu versuchen.

5m klingt nicht nicht so viel, aber wenn man oben erst einmal steht, ist das verdammt hoch….und mein Mut drohte mich zu verlassen. Ich konnte zwar schwimmen und vom Beckenrand sogar ein Köpper machen…aber das war es dann schon mit meiner Sportlichkeit…

…aber ich hab dann meinen Kopf einfach ausgeschaltet und bin gerade herunter gesprungen….Jawohl – ich hab es getan….und ich hab es noch 1x wiederholt. Spaß hat es mir auch beim 2.Mal nicht gemacht, aber ich habe meine Angst besiegt und es einfach gemacht…..

Diese Gewissheit reichte mir aus und danach hab ich nie wieder den Sprungsturm im Hallenbad betreten.1990 wurde das alte Soester Hallenbad dann abgerissen. Der Zahn der Zeit…..

Und ehe jetzt der Zahn der Zeit weiter an MIR nagt und inzwischen bin ich ja auch seit vielen Jahren sportlich aktiv….jetzt kommt ein etwas größeres Abenteuer….und ich hoffe es klappt genauso wie damals….Kopf aus und einfach machen….