Am Strand und im Meer

Am Strand und im Meer

Mittags hab ich an der Seepromenade im Schattenbereich eines Restaurant gesessen…es ging immer noch etwas Wind, das machte es angenehm. Es gab für mich gebratenes Schollenfilet mit einem Salat und Pommes.

Das Restaurant war nicht überfüllt….und die Atmosphäre war ruhig/ entspannt….ich bin dann noch eine Weile sitzen geblieben und hab mir die vorbei flanierenden Menschen angeschaut.

Ich finde es spannend wie Menschen miteinander umgehen und schon ganz lange hatte ich nicht mehr die innere Ruhe oder auch die Möglichkeit einfach mal entspannt nach dem Essen im Restaurantbereich sitzen zu bleiben. Hier hatte ich weder vorab reserviert und noch ein Zeitfenster genannt bekommen. Das war quasi Essen-gehen-wie früher….herrlich und für mich inzwischen fast ungewohnt.

Nach dem Essen bin ich langsam wieder zum Strandkorb geschlendert, dort hab ich mich noch etwas ausgeruht, bevor ich zu einem weiteren Spaziergang ins Wattenmeer aufbrach….der Treffpunkt für die geführte Wattwanderung lag ein ganzes Stück weit weg….also bin ich ca. 200-300m vom Strand weg ins Wattenmeer gelaufen, bevor ich mich parallel zum Strand entlang bewegte. Ich wusste nicht mehr ganz genau, auf welcher Höhe der Treffpunkt war, bin dadurch etwas zu weit gelaufen, dann zurück zum Strand und an der Promenade entlang, bis ich mein Ziel erreicht hatte.

Es war früher Nachmittag und die Sonne war inzwischen gnadenlos…es war heiß und wurde langsam auch etwas stickig…zumindest am Strand. Ich war immer noch etwas zu früh und hab am Rand, im Schatten, auf das Startsignal des Wattführers gewartet.

Eine Familie mit mehreren Kindern stand unmittelbar neben mir und ich musste laut auflachen als einer der Söhne, so ca. 9-10 Jahre alt, seine Mutter anschaute und dann meinte :

„Mami geht es dir gut? Du siehst so angestrengt aus. Entweder Du bist hochkonzentriert oder depressiv“. Die Mutter schaute ihren Sohn empört an und musste auch lachen…dann zog sie ihren Sohn beiseite und die Stimmung bei der Familie war auf einmal wieder locker.

Und dann ging es los und auf einmal wusste ich wieder, warum ich eigentlich keine geführte Wattwanderung mehr machen wollte. in der ersten 3/4 Stunde kamen wir nur ganz langsam von der Stelle, weil der Wanderführer jedes Lebewesen im Wattenmeer ausführlich erklärte und es war eine große Gruppe, bis da alle Fragen beantwortet waren, dauerte es eben….und dann ging es wieder ein Stück weiter ins Watt.

Ich dagegen interessiere mich eher für das Wasser und die Weite und eben das Laufen im Watt. die Gezeiten, die Gefahren, die Priele usw. Herumstehen und nach Wattwürmern buddeln oder Herzmuscheln beim eingraben zu beobachten finde ich dagegen nicht so spannend und außerdem spürt man beim Laufen auch den leichten Wind besser bei dieser Hitze….wieder hatte ich mich eingecremt und mein leichtes Sommertuch als zusätzlichen Sonnenschutz über Nacken und Arme gelegt…aber das war jetzt schon fast unangenehm…es waren mehr als 32 Grad.

Warum ich dann diese Tour gebucht hatte? Nun, das letzte Mal war ich vor 2 Jahren hier und ich wollte lieber noch einmal diese Tour machen, um kein unnötiges Risiko einzugehen, alleine der Flut entgegen zu gehen…und das war auch richtig so – denn er hat auf eine neue, sich gerade bildende Priele hingewiesen, die sich parallel zum Strand entwickelt, d.h. wenn man nicht aufpasst kann einem hier der Rückweg abgeschnitten werden…denn die Priele laufen bei Flut als erstes voll. Noch ist die Priele nicht tief…aber das kann in 1-2 Jahren bereits anders aussehen.

Ich habe also gelernt auch bereits bei Ebbe auf neue Priele zu achten und das man sich unmittelbar, wenn man die Flut erreicht hat, auf den Rückweg machen sollte…nur nicht zu lange warten. Die Flut kommt am Anfang mit einer Geschwindigkeit von ca. 3kmh, das ist eine moderate Geschwindigkeit mit der man locker mitgehen kann, und das Wasser reicht einem dabei bis max. bis zu den Knien.

Die Gefahr kommt aber nicht vom Wasser das vor oder hinter einem liegt (je nach Blickrichtung zum Strand oder vom Strand weg) , sondern von dem, welches sich fast unbemerkt von den Seiten nähert und einen dabei auch noch überholt.

Aber der Moment, wenn man knappe 1,50 – 2 km vom Strand entfernt auf die Flut trifft…die man bei dem gleißendem Licht, kaum vom Himmel und dem feucht glänzendem Watt unterscheiden kann …ist ein unbeschreibliches Gefühl. Gut erkennen kann man die Flut, wenn man auf die Möwen achtet, die sich in der Ferne sammeln…das wo sie sind, ist auch das Wasser.

Unvermittelt standen wir also im Wasser…und nach ein paar Minuten ging es dann langsam wieder zurück zum Strand- eben mit der Flut. Ich finde das Gefühl unbeschreiblich…diese Kraft des Wassers. Da fühlt man sich als Mensch auf einmal ganz klein und demütig.

Nach Abschluss der Tour bin ich dann wieder am Strand entlang, zurück zum Strandkorb gelaufen…dieses ich bin im Sand gelaufen und nicht im Wasser…vor 2 Jahren hatte ich eine sehr schmerzhafte Erfahrung als ich mit einem Fuß in ein gebuddeltes Loch geraten bin, welches ich durch das Wasser nicht sehen konnte…die Erfahrung wollte ich auf keinen Fall wiederholen.

Als es langsam Zeit wurde mein Hotelzimmer zu beziehen, hab ich den Strandkorb verlassen und bin an Strand und Promenade entlang zurück zu meinem Auto gelaufen…das Hotel lag nur knappe 10 Minuten Fahrzeit entfernt. Insgesamt bin ich an diesem Tag 14,3 km gelaufen (die Strecke kommt auch daher, das ich bei der Wattführung Nicht stand wie alle anderen, sondern mich ständig in der Nähe der Gruppe bewegt habe…bin immer weiter gelaufen, um die Gruppe herum, hin- und her gelaufen, hab mich etwas entfernt und dann wieder zurück…ich stehe nun mal nicht gerne still).

Ich war dann aber auch froh, als ich im Hotel ankam…mein Zimmer war zwar alt, aber sauber und vor allem war es angenehm kühl…

Das erste Mal im Watt

Das erste Mal im Watt

Die Wattführungen richten sich natürlich nach den Gezeiten….in der Regel starten die Führungen ungefähr 2-3 Stunden vor Erreichen des Niedrigwassers. Ebbe und Flut finden 4x am Tag statt und dauern je zwischen 6-7 Stunden…je nach Windstärke und MondPhase.

Doch von all diesen Infos hab ich aber erst später – während der Wattführungen – erfahren. Als ich ankam wusste ich nur, an diesem Donnerstag ging es um 17.30 uhr los. Die Parkplatzsuche gestaltete sich bei diesem tollen Wetter und den dadurch ins Watt strömenden Menschenmassen, als ziemlich schwierig….Aber bereits am nächsten Tag wusste ich, wo ich am Besten kostenfrei und sogar im Schatten parken konnte…für den ersten Abend kostete es mich dafür 8 EUR Parkgebühren….aber okay – hinterher ist man immer schlauer.

So war ich aber immerhin pünktlich am Treffpunkt und es war eine große Gruppe von ca. 50 Personen inclusive vieler Kinder….die staatlich geprüfte Wattführerin war sehr nett und mitteilsam…so das wir viel über die tierischen Bewohner des Watts gelernt haben, dabei aber nicht einmal die Hälfte der vorher angekündigten 4 km weit gelaufen sind….es ging immer nur ein paar Meter vorwärts….dann blieben wieder stehen und es gab die nächste tierische Exkursion.

Das Weltnaturerbe Wattenmeer bei Cuxhaven ist riesig und man kann kilometerweit ohne Probleme laufen….also könnte….ich blieb natürlich auch stehen, wenn alle stehen blieben…. aber langes Stehen mag ich nicht und kann ich nicht so gut, ich blieb also meistens in leichter Bewegung, wähend ich aus dem Hintergrund den ausführlichen Erläuterungen der Wattführerin lauschte.

So hatte ich es mir allerdings nicht vorgestellt…aber okay …gelernt hab ich eine Menge über den Artenreichtum im Boden des Meeres. Die für mich spannenderen Infos, worauf man im Watt achten muss, wo und wie man gefahrlos laufen kann…wie weit die Fahrrinne entfernt ist, wo die Priele anfangen usw. das hab ich zum Teil erst bei der 2. Wattführung am Samstag mit bekommen….denn da gab es die wesentlich spannendere Führung „mit der Flut zum Strand“ …und die Tour war wirklich aufregend und aufschlußreich zugleich.

Aber jetzt hab ich erst einmal nur die Grundlagen über das Watt mitbekommen….es ist schon beeindruckend wenn man hört, das sich das Wasserr hier bei Cuxhaven bis zu 25km zurückzieht ( es gibt andere Teile des Watt wo es 40km sind)….und man kann hier gefahrlos 3,5 km geradewegs in Richtung Wasser laufen, bevor man überhaupt zur ersten Priele kommt….

und die Schiffe, die man in weiter Ferne trotz Ebbe vorbei fahren sieht,sehen kann, sind mindestens 10km entfernt….und die Insel Neuwerk ist ca.13km entfernt, kann also auf keinen Fall auf dem direkten Weg durch das Watt angesteuert werden…dafür gibt es ausgewiesene Wege die bei Ebbe durch die sogenannten Pricken (Priggen) gekennzeichnet werden. Das sind Baumzweige die gebündelt in regelmässigen Abständen im Wattboden stecken und zeigen, wo man gefahrlos durch das Watt laufen kann…am Ende solcher Wege gibt es auch Rettungsbaken.

Ich bin fasziniert vom Wasser und als Kind hab ich mich nicht um Ebbe / Flut gekümmert…aber hier und jetzt, war ich begeistert. Jaaaaa auch die Tiere im Watt sind interessant, aber sorry, aber ich finde die Kraft des Wassers und die Kraft von Erde und Mond wesentlich spannender….und Laufen auf dem Meeresboden…barfuß ….einfach klasse….

…nach Abschluss der 2stündigen Tour bin ich noch dort geblieben und bin noch etwas weiter gelaufen…und für den nächsten frühen Morgen hab ich gleich mal den Gezeiten-Kalender geprüft….ja um 6.30 Uhr passt es prima um mit einer richtigen Wanderung durch das Watt zu starten…