Muttertag – ohne mich!

Das der Muttertag für mich keine Bedeutung hat, hab ich bereits früher einmal erwähnt und so denke ich auch eigentlich nicht weiter über diesen Feiertag nach.

Ich habe keine eigenen Kinder. Das war eine selbst gewählte Entscheidung, die ich auch heute noch genau so, immer wieder, treffen würde. Ich bereue es nicht. Ich war und bin für die Mutterrolle nicht geschaffen.

Und meine eigene Mutter? Sie müsste jetzt so ca. 82 Jahre alt sein…und ich hab seit 42 Jahren keinerlei Kontakt zu ihr. Das war ihre Entscheidung – nicht meine.

Bin ich ihr noch böse, DAS sie weg gegangen ist? – Nein, das war ich nie. Auch als Kind war ich schon in der Lage zu erkennen, das es keinen Sinn macht, das sie gehen sollte, wenn es sich für sie besser anfühlt. Ihre Unzufriedenheit konnten wir Kinder durchaus spüren..auch wenn wir nicht wussten, warum das so war.

Bin ich ihr noch böse, WIE sie gegangen ist? – Na sagen wir mal so, alles kam ja nur durch einen blöden Zufall zu Tage und das anschließende Drama, hat ja auch mein Vater mit verursacht…jaa also als Kinder fanden wir das daraus resultierende Drama beängstigend..das hätte ich mir anders gewünscht.

Bin ich ihr noch böse, das sie den Kontakt zu uns Kindern abgebrochen hat? – Absolut! Aber auch das war ihre Entscheidung – nicht unsere..

Bin ich ihr noch böse, das sie auch spätere Kontaktversuche meinerseits nicht genutzt hat, eine Bindung aufzubauen? – Ja, Lange war ich ihr böse…denn es war sehr, sehr verletztend.

Irgendwann war es dann vorbei und es hat mich nicht mehr weiter verletzt und ich hab mir mein Leben auch so aufgebaut.

Bin mental stark geworden, glaube aber nicht an die natürliche starke Mutterliebe, die alles überwindet und verbindet.

Ich glaube an meine eigene Stärke und an meine Fähigkeit mich selber gut durch alle Stürme zu lotsen.

Und wenn ich von meiner Familie rede, gehören da mittlerweile nur noch meine Schwester und mein Schwager dazu.

JA – natürlich hatte all das massive Auswirkungen auf uns. Mein Vater ist nie damit klar gekommen..meine Schwester hatte in ihren Teenager-Jahren den Halt verloren und ich….ich zog mich schon als Kind immer weiter zurück in mein Schneckenhaus.

Alles was wir erleben beeinflusst uns. Jede Erfahrung kann uns schwer belasten und manchmal auch zerbrechen oder wir werden durch die Erfahrungen stärker.

Ich bin mental stark geworden und unabhängig…und vor allem ziemlich zufrieden mit meinem Leben….allen Widrigkeiten zum Trotz

Innere Stärke – auch ohne Familie

Dienstagabend sollte eigentlich der nächste Versuch für die Ballonfahrt über Flensburg stattfinden…aber schon Tage zuvor war klar: das klappt wieder einmal nicht, aufgrund der Wetterverhältnisse vor Ort …das war inzwischen der 4.Versuch, seit Juli letzten Jahres und einen weiteren wird es in diesem Jahr nicht mehr geben.

Leider ist meine Schwester extrem unflexibel bei der Terminsuche….nun gut – dann geht es im nächsten Jahr weiter. Ihre rigorose Absage, es doch noch mal innerhalb der Woche (außerhalb Ihres Urlaubs) zu versuchen hat mich getroffen, obwohl es bei ihr Vorort ist, sie durch den Frühdienst doch oft genug den Abend frei hat und sie auch zwischendurch immer wieder freie Tage bekommt…aber nein – sie will es einfach nicht in der Woche und pocht auf die ursprüngliche Planung an ihren freien Wochenenden, alle 14 Tage. Sturheit ist eine sehr ausgeprägte Eigenschaft in unserer Familie und bündelt sich nicht nur bei mir.

Inzwischen geht mir das Thema auf die Nerven und manchmal wünschte ich schon, ich hätte Ihnen das nicht zum Geschenk gemacht. Dieser kleine Disput, mit meiner Schwester, ging mir quer runter und hat mich leider so negativ getroffen, dass ich mich für die nächsten Tage komplett in mich zurück gezogen habe…so eine dieser leicht schwermütigen Verstimmungen, die mich manchmal überkommen. Aber gut…dadurch konnte ich meine Urlaubswoche jetzt ganz ruhig und zuhause verbringen.

Mir hilft dann viel Ruhe von außen, viel Bewegung an der frischen Luft, die Wohnung zu Putzen, Ordnung zu schaffen, leckeres Essen kochen und einfach die Sachen machen, die ich gerne tue. Dann dauert es maximal ein paar Tage und ich bin wieder raus aus dieser düsteren, gedämpften Stimmung.

Von diesem Urlaub hatte ich Schwester+Schwager extra nichts erzählt. Ich wollte Vermeiden, das mich die Beiden in Ihrer letzten Urlaubswoche auch noch vereinnahmen…und prompt kam auch die Frage, ob ich an diesem Wochenende nicht doch zu Ihnen kommen möchte….ähm – Nein…ich hab dafür ein anderes Wochenende vorgeschlagen, wir treffen uns dann in zwei Wochen.

Ich hab meiner Schwester gestern erst geschrieben, in welcher seelischen Verfassung ich mich in den letzten Tagen befunden habe und es kam nur die Antwort: „kein Problem – jeder hat mal einen Durchhänger“.

Es ist wie immer: schreibe ich von körperlichen Problemen, ist sie sofort zur Stelle mit Anteilnahme und Ratschlägen…schreibe ich davon, wie es um meine seelische Verfassung steht- nimmt sie es kaum zur Kenntnis und kommt sofort zum nächsten Thema. So war es schon immer. Schade!

Wie immer, bin ich in diesen Dingen meine eigene beste Hilfestellung…ich weiß ja mit solchen Phasen bei mir umzugehen und ich hatte auch nicht wirlich mit einer Unterstützung ihrerseits gerechnet.

Meine Stärke ist es, mich selber aus solchen Momenten zu befreien – ohne Hilfe von Außen. Und mit jeder überwundenen kleinen oder größeren Krise werde ich stärker und fühle mich freier, unabhängiger – aber auch noch mehr desillusioniert von Konstrukt der Familie.

Wenn ich jetzt meinen Beitrag lese, bin ich selber überrascht über das Ergebnis und über die tieferen Einblicke, die ich hier in meine Seele gewähre….eigentlich sollte es ein Beitrag über die schönen Dinge werden, die ich in dieser Woche noch unternommen habe…stattdessen schreib ich darüber, was mich belastet hat – ohne das ich es vorher so richtig wahrgenommen habe.

Aber auch das Schreiben hilft mir immer wieder mich von Ballast zu befreien und so geht es mir auch wieder richtig gut….ich wünsche Euch allen einen schönen Sonntag.

Flucht in ein neues Leben

Mit Beginn meiner Balkon-Gärtnerei hab ich mich mit einem meiner Team-Mitglieder immer über Garten, Gartenarbeit, Blumen-Zucht und Gemüse-Anbau unterhalten. Sie hat mir viele Tipps gegeben….ich mag ja Gärtnern, habe aber keine natürliche Begabung…muss mir alles anlesen.

Sie ist etwas älter als ich, ein herzensguter Mensch…hatte nach einer schwierigen Ehe  2 Kinder alleine groß gezogen und hat es im Leben nie leicht gehabt.  Der Vater der Kinder ist seit der Trennung (da waren die Kinder noch ganz klein)  im Ausland geblieben, aus dem sie sich bei Nacht und Nebel geflüchtet hat – nachdem sie ihre Pässe vom Ehemann hatte stehlen müssen. 

Ich habe vor vielen Jahren mal ein sehr populäres Buch gelesen: „ Nicht ohne meine Tochter“ von Betty Mahmoody, darin ging es um die Flucht einer deutschen Frau, verheiratet mit einem Perser, die mit ihrer Tochter aus dem Iran flüchten muss, weil der Ehemann das Kind nicht zurück nach Deutschland lassen wollte.. So dramatisch wie in dem Buch war die Flucht meiner Kollegin NICHT, aber auch ihr ausländischer Ehemann wollte sie und die Kinder nicht gehen lassen, hatte ihre Pässe an sich genommen und sie eingesperrt.

In Deutschland ist sie erst einmal in ein Frauenhaus geflüchtet, bevor sie anfing ihr Leben mit den Kindern neu zu ordnen. Seitdem hat sie immer gearbeitet, wollte nie jemandem auf der Tasche liegen, nicht dem Staat und nicht ihrer Familie…und sie hat es geschafft.

Beide Kinder sind inzwischen Ende 20…beide haben studiert…stehen im Leben und sie kann stolz sagen, das hat SIE möglich gemacht.

Sie hat auf schmerzhafte Art gelernt sich durch zu boxen, auf eine stoische, ruhige Art…irgendwie MUSS es ja weiter gehen…sie MUSSTE ja immer funktionieren…schon alleine für ihre Kinder. 

Sie ist in ihrer ganzen Art sehr ehrlich, manchmal etwas verpeilt (bei uns Zuhause hiesse das: dappich)… und manchmal  etwas zu gutmütig ….so, dass ich ihr in den letzten Jahren immer wieder den Rücken gestärkt habe, um sich nicht zu viel gefallen  zu lassen, egal ob von Kollegen oder ihrem Lebensgefährten.

Aber auch ohne meine moralische Unterstützung  würde sie sich nicht unterkriegen lassen, aber meine  Unterstützung macht es ihr heute leichter 🙂.

Sie hat eine unglaubliche innere Stärke, da man bei ihr nicht vermuten würde, denn nach außen wirkt sie mit ihrer sehr korpulenten  Statur, der ruhigen Art und den manchmal stockenden Sätzen eher unsicher.

Sie  ist in einem Kleingarten-Verein und hat einen großen Garten mit vielen Obstbäumen, vielen Büschen, Blumenbeeten, Gemüsebeeten,  mit einem Gewächshaus, einem Gartenhäuschen…mit etwas Rasen und soooooooo viiiiieeel Arbeit. Der Garten ist in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung und es ist ihr Rückzugsgebiet, ihre Trutzburg…und ich kann es verstehen…ihr Garten ist so abgeschirmt, so gemütlich verwildert…so  liebevoll verwildert…da hab ich mich gleich wohl gefühlt.

Freitag haben wir um 15 Uhr Feierabend gemacht, wir hatten  uns verabredet das sie mal schaut,  welche der Pflanzkübel und sonstigen Planzgefäße  sie  für  ihren Balkon und Garten gebrauchen kann… ich hab zu viele und kann nicht alle mit in die neue Wohnung nehmen…und  ehe ich die weg werfe, gebe ich sie lieber meiner lieben Kollegin.

Zuerst die Arbeit: die hat sich für die großen Planzgefäße entschieden…dazu noch ein paar der Kleineren…und mein riesiges Schwerlast-Regal aus Holz….ich bin froh das ich es nicht zum Sperrmüll geben muss, sie ist froh sich kein neues kaufen zu müssen…also ist uns beiden geholfen.

Nachdem wir alles in unsere  beiden Autos verfrachtet hatten (sie hat nur so einen wirklichen Kleinwagen…lach.. da passte das Regal nicht hinein)….haben wir uns auf meinem Balkon mit Kaffee und Kuchen niedergelassen und  uns ausgiebig unterhalten. Im Büro hat man ja nicht immer die Zeit dazu…wir  gehen zwar öfter auch Mittags zusammen in die Pause…aber auch da ist es zeitlich limitiert oder die Anderen sind dabei.

Fast erschrocken haben wir dann fest gestellt wie schnell die Zeit vergangen ist….und es war schon nach 20 Uhr als wir dann  zu ihrem Garten gefahren sind  um die  Sachen dort auszuladen.

Das war ein schöner Nachmittag und Abend…

leicht philosophische Gedanken zum Wochenende

Innere Stärke zu besitzen  ist ein Glücksfall, macht aber nicht automatisch glücklich.

Die Stärke allen Widrigkeiten des Lebens begegnen zu können…damit umzugehen und zu „überleben“ ist eine Gabe. Schön wer diese Stärke besitzt. Es bedeutet in erster Linie das Leben wie es einem widerfährt anzunehmen….und dann  stoisch dafür zu sorgen, das daraus etwas Gutes wird….

Ich nehme das Wort „stoisch“ weil es für mich bedeutet,  es nicht zu hinterfragen WARUM etwas passiert,  sondern  zu begreifen DAS etwas passiert und ich die Chance habe durch meine Stärke diese Situation zu überwinden und im Besten Fall es in etwas Positives zu verwandeln.

„Nur wer scheitert  kann, kann auch siegen“ hab ich mal gelesen (sorry wenn ich nicht sagen kann wo und von wem das stammt).

Die Kraft zu haben aus dem Scheitern heraus sich wieder neu zu erheben…seinem Leben eine neue Richtung zu geben ist toll und es fühlt sich gut an. Aber es macht uns nicht automatisch zu glücklicheren Menschen.

Zuerst ist die erleichternde Erkenntnis: Ich hab die Situation gemeistert, ich hab überlebt, ich hab es verändert und es geht mir gut…..Aber meistens hinterlässt so ein stark sein auch Spuren auf der Seele.

Zum Tode von Christine Kaufmann haben wir eine Dokumentation gesehen und es war offensichtlich das sie viel Kraft hatte ihr Leben immer wieder neue Richtungen zu geben, sie hat es geschafft…aber sie wirkte  trotzdem davon  gezeichnet das das Verhältnis zu ihren Kindern nicht unbelastet ist und sie trotz aller Erfolge auch das Gefühl hatte ein Getriebene zu sein, erfolgreich sein zu müssen.

Ich glaube der wirkliche Erfolg ist nicht nur innere Stärke zu besitzen und sein Leben positiv zu verändern, sondern dieses veränderte Leben als schön und angenehm zu empfinden.  Was nutzt es mir zu sagen ich hab überlebt, heute geht es mir gut…aber letztlich kann ich es nicht geniessen weil wegen….

Das Glück liegt wie immer eher im Kleinen….