Chef geht – Alles ist im Fluss

Während meiner Gespräche mit den Kollegen aus der Zentrale waren alle überrascht, das ich am nächsten Tag einen Präsenztermin mit meinem Chef hätte haben sollen…und wirklich JEDER sagt: der Kommt nicht…der war seit Ostern nicht mehr Vorort in der Zentrale.

Auch der Controller sagte mir später, das unserer Chef nur online an dessen Meeting teilgenommen hat…und mir war sofort klar, also wegen mir wird er sicher nicht extra kommen…aber es war schwer für mich zu akzeptieren, das er das vorher nicht klargestellt hat.

Immerhin hab ich um ein Präsenztermin gebeten und bei seiner Meeting-Zusage wäre es ein leichtes gewesen mir zu sagen, das ich zwar gerne in die Zentrale kommen könne…wir das 1-to-1 Gespräch aber doch per Teams machen werden. Das wäre für mich doch auch okay gewesen…aber es so gar nicht zu erwähnen…das fand ich echt gemein. Zumal ich einige Zeit damit verbracht habe, im Vorfeld einen freien Meeting-Raum zu finden…und obwohl er es mitbekommen hat, hat er immer noch nichts gesagt….es hat echt eine Weile gebraucht, bis ich die Enttäuschung verknusen konnte.

Erst eine Stunde vor unserem Meeting hat er mich darüber informiert und gefragt ob das okay wäre…war es eigentlich nicht…aber nun gut…er hat mir dann auch eine Erklärung gegeben, das seine Frau schon seit Wochen krank ist und niemand weiß, warum sie so starke Schmerzen hat…an dem Tag sollte dann wohl endlich das Ergebnis der MRT-Untersuchung kommen. Das tut mir natürlich sehr leid, so kurz nach deren Umzug nach Kopenhagen.

Das Gespräch war – wie schon die Jahre zuvor – trotzdem richtig gut…er ist super zufrieden mit mir, meiner Arbeit, meinem Engagement, meiner verantwortungsvollen und offenen Art. Die Gehaltserhöhung war dann aber eher moderat… ich hab dann noch einen sehr kleinen Aufschlag raushandeln können, so das ich damit dann doch zufrieden bin.

Bei der Frage, wer dann zukünftig mein Chef sein wird, hat er mir sogar Jemanden genannt…und jaa das könnte ich mir vorstellen, auch wenn ich Den bisher nur flüchtig kenne.

Aber ich glaube, ich frage dann jetzt doch mal bei unserem deutschen GF nach, da wir durch interne Prozesse bei unseren diversen HR-Programmen organisatorisch ohnehin dem deutschen GF unterstellt wurden. D.h. bei Abwesenheitsanträgen wie Urlaub und Mobilem Arbeiten muss das der Deutsche GF über eine HR-App freigeben und nicht mein dänischer Chef…warum auch immer. D.h. ich muss immer 2 Freigaben einholen (einmal per Mail bei meinem Chef, und einmal über die App beim GF – ich sag es ja immer wieder, die dänischen Programme sind nicht sehr benutzerfreundlich).

Der Controller ist schon vor mehr als 1 Jahr komplett zu dem GF gewechselt…ich glaube jetzt ist es auch für mich Zeit, zu wechseln…die „Gute alte Zeit“ ist jetzt eh vorbei…und es beginnt eine Neue…Alles ist im Fluss und ich fließe halt mit…

lieber Gestalten – statt hinnehmen

(ACHTUNG – nur langweiliges Arbeitszeugs !)

Manchmal ist es schwierig seinen eigenen Gedanken zu entkommen.

Schon seit ich den Termin für mein jährliches 1to1-Gespräch mit meinem Chef bestätigt hatte, hab ich mir merkwürdigerweise Sorgen gemacht.

Warum bin ich z.Z. die Einzige, die schon ihren Termin hat? Und warum hat er mit mir den Termin freiwillig gemacht…normalerweise muss man ihn mehrfach bitten, endlich mal einen Terminvorschlag zu schicken. Selbst die Controller-Kollegen in der Zentrale haben noch nicht alle ihre Termine erhalten. Dazu noch der Hinweis vom Controller er hätte gehört, das unser Chef diese Verpflichtung zu den Gesprächen gerne an den Deutschen GF abgeben würde.

Ich war also besorgt und das nicht weil ich glaube schlechte Arbeit geleistet zu haben, sondern eher weil ich befürchtete er schiebt mich jetzt in eine der anderen Verantwortungsbereiche ab und genau DAS möchte ich auf keinen Fall. Ich mag seine lockere unkomplizierte Art und das er mir so viele Freiheiten lässt.

Ich brauche nicht viel Betreuung, eigentlich brauche ich nur jemanden der meine Urlaubsscheine abzeichnet, einmal im Jahr das Gespräch mit mir sucht und wenn irgend möglich, eine Gehaltserhöhung genehmigt. Ansonsten funktioniere ich ohne weiteres Zutun des Chefs. Wenn ich Fragen habe, frage ich per Mail (dann kann er schauen, wann er antwortet)….wenn er Fragen hat, ruft er an und fragt mich direkt. Was will ich mehr.

Ich hab mir also mehr Sorgen gemacht, als dem Anlass entsprechend…weil ich etwas zu verlieren habe…meine Unabhängigkeit und Freude am Job. Im Nachhinein war es schon interessant, wie mich meine Gedanken immer weiter in das Thema reingezogen haben…Normalerweise bin ich bei solchen Gesprächen relativ entspannt: ich weiß was ich kann und ich weiß was ich leiste….und mein Chef weiß es ja auch.

Nun gut…an dem Tag war ich im Büro und hatte für das Teams-Meeting mit meinem Chef einen Meetingraum reserviert, alle Themen stichwortartig aufgeschrieben: was war gut, was war schlecht, was wird kommen, was liegt bei mir an, was brauche ich usw.

Worauf ich mich bei meinem Chef verlassen kann, sind die ca. 10 Minuten, die er immer zu spät ist…hahaha…aber dann hatten wir 1,5 Stunden ein wirklich tolles Gespräch. Vor allem ging es in in der ersten Hälfte der Zeit fast nur darum wie es mir geht (also gesundheitlich mit dem Herzen usw.) und wie ich mit dem aktuell ansteigendem Arbeitslevel und Druck klar komme und es bei mir mit der psychischen Gesundheit aussieht.

Er hätte wohl mitbekommen, das ein Teil der dänischen Kollegen mit dem gestiegenen Arbeitspensum so langsam auch der psyche Druck steigt und manche nicht so gut damit umgehen können. Da konnte ich ihn beruhigen…mir geht es körperlich z.Z. so gut, wie es mir eben mit der Diagnose und mit den Tabletten gehen kann und die nervliche Belastung während der ersten Monate ist zwar auch für mich deutlich spürbar, hat sich aber jetzt wieder einigermaßen normalisiert. Zumal der psychische Stress ja auch durch die OP meiner Schwester noch dazu kam.

Nichts anderes hatte er auch angenommen und er hätte von allen Seiten nur Positives über mich gehört und wie im letzten Jahr ist er hochzufrieden mit mir, unserer Kommunikation und unserer Zusammenarbeit….also eine volle Breitseite Lob – jaaa ich gebe zu, das tat mir mehr als gut….das tat mir sehr gut.

Ganz kurz vor Ende des Gesprächs kam dann noch das Thema Gehalt und sein Angebot einer 8%igen Gehaltserhöhung. Wow – das ist ja klasse. Ich hatte so auf 7% Inflationsausgleich gehofft, aber eher mit 5% gerechnet…immerhin bekommen wir ja auch noch einen Erfolgsbonus seit dem letzten Jahr. Also – alles ist gut – er bleibt mein Chef, ist zufrieden mit mir, ich zufrieden mit ihm und es gibt sogar mehr Geld als erwartet.

Ja es werden noch eine ganze Menge Änderungen auf uns zukommen….und ich hab angeboten bei dem bald anstehenden System-Wechsel unserer Buchhaltungs-Software den deutschen Teil zu testen, wenn es soweit ist…nicht weil ich soviel Zeit dazu habe, sondern eher aus Selbstschutz.

Wenn ich von Anfang an mit teste, kann ich noch Einfluss auf die Ausgestaltung nehmen, Bedenken äußern oder Vorschläge machen…immerhin hab ich schon so einige Software-Änderungen in anderen Unternehmen mit begleitet…ich weiß also genau, wo die Fallstricke liegen zwischen IT-Grundeinstellungen und den Anforderungen für die tägliche Arbeit der Buchhalter. Gerne hat er mein Angebot angenommen…der zuständige dänische Kollege, ist derselbe mit dem ich schon eng bei der Rechnungssoftware zusammen arbeite. Wir kommunizieren auf Augenhöhe und freundschaftlich. Das macht es für uns Beide einfach.

Außerdem erspare ich mir durch dieses Angebot noch weitere Firmen übernehmen zu müssen, die dann auch noch mit allen anderen gleichzeitig fertig sein müssen (der Chef hatte auf meine Frage schon abgewunken), gerne würde er mich mehr noch als zusätzliche Unterstützung für die dänischen Kollegen einsetzen, also das was ich jetzt schon außerhalb der Buchhaltungssoftware mache: Briefe auf Deutsch schreiben, Anrufe tätigen um Sachverhalte zu klären. Mails auf Deutsch schreiben.

Manchmal hilft so ein formell formuliertes Schreiben auf Deutsch echt dabei, bessere und schnellere Informationen zu bekommen. Englisch ist gerade in deutschen Ämtern eben oft nicht hilfreich und unsere saloppen Kollegen haben mit den formalen Beamten bei uns, so ihren Kultur-Clash.

Nur innerhalb der alten Software kann ich die Kollegen nicht unterstützen, da die Versionen so weit auseinander liegen. Die deutsche Software hat noch einen Stand von 2009 und die dänische ist bei 2016….und wir arbeiten mit komplett unterschiedlichen Kontenplänen….Das alles soll sich ja bald ändern…Ein Konzern, eine Software für alle Landesgesellschaften, ein Kontenplan, eine Struktur….DAS wird spannend. Und bevor ich das passiv über mich ergehen lasse, arbeite ich lieber aktiv daran mit.

Personalgespräch

Nach so vielen Monaten mal wieder in der Firmenzentrale zu sein, war schon komisch….hier hat sich viel verändert….nicht nur, das der geplante Anbau jetzt schon fertig gebaut und bezogen ist….auf dem Parkplatz herrschte jedes Mal wenn wir da waren, gähnende Leere…jetzt waren fast alle Plätze belegt.

Die Mitarbeiter-Zahl steigt und steigt…die Kollegen aus dem Controlling-Department sitzen immer noch auf der gleichen Etage in einem Großraum-Büro. Zusätzliche kleine Büros wurden auf der großen Fläche einfach abgetrennt und anderen Abteilungen zugewiesen…so das die Controller jetzt auf kleinerem Raum mit mehr Kollegen sitzen müssen….aber immerhin ist der gesamte Raum optimal Schall-isoliert und jeder Arbeitsplatz ist auch mit kleinen Schallschutz-Wänden von den anderen getrennt.

Keinem gefällt die Situation….es wird zwar nicht laut gesagt, aber ist deutlich zu spüren und auf meine Fragen bekam ich dazu auch die ehrlichen Antworten. Das Konzern-Controlling ist auf einer anderen Etage, aber auch hier ist die Sitzplatz-Situation nicht besser geworden.

Und gleich fühle ich mich wieder in meinem 2er Büro in Hamburg wieder doppelt so wohl….hahaha. Man sind wir privilegiert.

Das erste Gespräch des Tages hatte ich mit der Leiterin der Teil-Abteilung zu der ich organisatorisch zur Hälfte gehöre…ich hatte um den Termin gebeten, weil wir 400km entfernt, einfach immer vergessen werden, wenn es um Informationen oder Änderungen im Arbeitsablauf geht. Es war also eher ein freundlicher Beschwerde-Termin meinerseits….Führung erwarte ich ja gar nicht von ihr, Informationen schon. Schlimm fand ich: sie gibt es selber zu uns regelrecht zu vergessen – das soll sich jetzt ändern.

Das für mich wichtigere Gespräch war das mit meinem Chef, zu dessen Abteilung ich mit meiner Arbeitskraft zur anderen Hälfte gehöre. Mit ihm hab ich ja doch öfter Teams-Meetings wenn es Themen zu klären gibt.

Unser Gespräch war für 1,5 Stunden angesetzt….letztlich waren es fast 2 Stunden. Mein Chef redet gerne und ich ja auch….und dadurch erfahre ich immer eine Menge was gerade so in der Pipeline ist…welche Änderungen anstehen, wohin die Abteilung steuert, wo die Probleme liegen.

Und dann kommt das obligatorische: wie war mein vergangenes Jahr…was waren die Hauptthemen, was war gut, was war schlecht, wie zufrieden bin ich, was werden die Themen des nächsten Jahres sein….wie immer nehme ich kein Blatt vor den Mund….hab meinen Teil des Protokolls schon vorher ausformuliert und resümiere sachlich wo ich stehe.

Der Chef mag direkte klare Worte und das Gespräch lief richtig gut…hab eine Top-Bewertung von ihm erhalten und auch eine angemessene Gehaltserhöhung ohne große Überraschungen. Ich bin also zufrieden mit dem Gespräch und dem Ergebnis…denn jetzt hab ich es im Protokoll schriftlich, das ich auch weiterhin mindestens 1-2 Tage in der Woche vom Homeoffice aus arbeiten darf…und mündlich, das es auch ruhig mehr sein können…ihm ist es egal….er sieht ja, das ich meinen Job richtig gut mache, mich gut organisieren kann und sogar freiwillig noch mehr Arbeit übernommen habe.

Und das bedeutet mir mehr, als nur mehr Geld zu verdienen…denn, wenn es mir nur darum gehen würde, wäre ich in Hessen bei meinem Stressjob geblieben, da lag mein Jahresgehalt ja noch wesentlich höher.

Aber jetzt hab ich zu einem guten Gehalt, eben noch ein gutes Leben dazu bekommen…und das möchte ich auf keinen Fall mehr missen. Ich bereue es keinen Tag auch mit über 50 mich von Freund, Stress-Job und Bundesland getrennt zu haben.

Auch die restlichen Gespräche mit Kollegen waren erfolgreich und schön….und als wir am Nachmittag, alle unsere Meetings erledigt hatten haben wir uns auf den langen Heimweg gemacht, nicht ohne im Hafen noch ein original Dänisches Softeis in der Sonne zu genießen… dann ging es auf die Autobahn, wieder bin ich den größten Teil der Strecke gefahren…kleiner Zwischenstopp in Flensburg zum Tanken und Fahrerwechsel….und um 20.30 Uhr war ich dann wieder zuhause.