Kapriolen mit Koffein und Endorphinen

Seit einiger Zeit darf bei uns jeder Standort in Deutschland einmal im Monat ein allgemeines Frühstück für alle Mitarbeiter, auf Firmenkosten, ausrichten. Es geht um ein zwangloses Miteinander für 1-1,5 Stunden.

Dabei gibt es nichts Überkandideltes…wir sitzen im großen Meetingraum und auf den Tischen stehen jede Menge Brötchen, Butter, Wurst , Käse, Marmeladen, Honig, Nutella, andere Aufstriche und für all das natürlich auch vegane Alternativen, sowie frische Tomaten, Gurken usw….dazu ein paar Säfte, Tee und natürlich Kaffee in großen Mengen. Dann sitzen wir alle an dem großen Meeting-Tisch, schneiden Brötchen auf, belegen diese und unterhalten uns quer Beet.

Wir versuchen dabei, uns immer so neben Kollegen zu setzen, das es eine gute Durchmischung gibt und man dann mit den Kollegen sprechen kann, mit denen man im normalen Berufsalltag nicht viel oder gar nichts zu tun hat. Früher haben dazu unsere Mittagspausen gedient…aber bei so vielen Mitarbeitern bekommt man nicht mehr alle unter einen Hut. Auf ein Firmenfrühstück können wir uns alle einigen.

Diesen Mittwoch war es mal wieder soweit und was mich echt schockiert hat: der Meeting-Raum platzte dabei aus allen Nähten…jaaa man merkt wir werden mehr und mehr im Hamburger Büro..und von denen waren fast alle auch Anwesend.

Ich trinke ja seit fast 1,5 Jahren fast ausschließlich koffeinfreien Kaffee…ins Büro bringe ich meinen Kaffee in Thermobechern mit. Aber bei unserem Frühstück habe ich mich mal wieder für die koffeinhaltige Variante entschieden.

Bei den Gelegenheiten wo ich die Voll-Variante getrunken hatte, spürte ich die Wirkung des Koffeins sehr deutlich und ich verstehe wieder, warum dieser Stoff als Wachmacher gilt.

Wenn man ihn jedoch über Jahre sehr regelmäßig trinkt, spürt man die Wirkung nicht mehr bewusst (man nennt das auch: eine Toleranz entwickeln). Erst wenn man sich davon entwöhnt, erkennt man, das da tatsächlich eine Wirkung war….Jaaa bei der Entwöhnung habe ich es dann auch wieder gemerkt….hahaha die hat ein paar Tage gedauert.

Und auch dieses Mal habe die Auswirkungen der 2 Tassen Kaffee auch noch Stunden später gespürt. Ich war auf eine (inzwischen) unnatürliche Weise wach…leicht aufgekratzt…aber es war dazu sowieso ein extrem kommunikativer Tag:

Erst das Kollegen-Frühstück, dann 2,5 Stunden unser wöchentliches Jour Fixe mit unserem Chef, dann noch berufliche Klärfälle mit Kollegen und ein sehr langes Telefonat mit dem externen Investor. Ich habe zu einigen Problemfällen Stellung beziehen müssen, Daten zusammen gestellt, Begründungen ausformuliert …gefühlt habe ich an dem Tag kaum ruhig am PC gesessen. Ich glaube sogar, der Kaffee hat es mir wahrscheinlich auch etwas leichter gemacht, diese Sabbel-Termine zu überstehen.

Normalerweise wäre ich nach so viel Kommunikation dann am Abend erschöpft in mich zusammengesunken und hätte die Couch nicht mehr verlassen….aber der ungewohnte Koffein-Kick und ein paar Endorphine dazu (Es gab ein paar Gute Nachrichten zu meinen Problemfällen) ließen mich einfach nicht zur Ruhe kommen….ich war immer noch aufgekratzt und sprühte vor Energie.

Ja ich weiß, das Koffein kann es am Abend schon nicht mehr gewesen sein: das baut sich nach 4-6 Stunden wieder ab….wahrscheinlicher ist eher, das die Endorphine erst nach dem Koffein den Booster gezündet haben…ich musste also dringend Energien abbauen.

Bei meiner üblichen Walkingrunde war ich so schnell wie nie und am Abend gab es noch einen Wäsche-Marathon, Treppauf-Treppab zum Wäschekeller, zum Keller und zurück und dann stand ich auch noch lange am Herd und und und….Die Nacht war kurz und mein Ruhepuls immer noch viel zu hoch.

Der Donnerstag fing auch super an…und meine Energie reichte genau bis zur Mittagspause….nach dem leichten Essen (im Büro)…konnte ich spüren, wie die Energie meinen Körper verließ wie die Luft aus einem undichten Luftballon.

JETZT fiel ich zusammen….ich war auf einmal unglaublich müde und kraftlos. Ich wollte nur noch  nach Hause.

Ich habe auch nur kurz überlegt, mich dann aber entschlossen den Arbeitszeit an dieser Stelle tatsächlich zu beenden…ich wollte auf meine Couch und schlafen.

Das war eine gute Entscheidung….und beim nächsten Mal versuche ich 1.) nicht mehr als 1 Tasse Kaffee mit Koffein zu mir zu nehmen und 2.) nicht alle Probleme in meinem Beruf an einem Tag lösen zu wollen

Mein Ruhepuls ist zwar inzwischen wieder gesunken, aber immer noch 2-3 Schläge höher als gewöhnlich…das dauert wieder ein paar Tage bis sich alles normalisiert hat.

Ohne Kaffee geht nicht – oder doch?

Vor fast 14 Tagen hatte meine Schwester mich zu Ihrem Geburtstags-Kaffee eingeladen…also hab ich mir 1/2 Tag Urlaub genommen (und den anderen 1/2 Tag brauchte ich ein paar Tage später für das, länger geplante Treffen, mit dem Rentner und seiner Frau aus Hessen) und bin mal wieder nach Flensburg gefahren.

Unser Verhältnis hat sich weiter normalisiert und es war, zusammen mit ihren Freunden, ein netter Nachmittag.

Ich jedoch war extrem angespannt, was aber nicht an ihr lag, sondern an den beruflichen Veränderungen, die ich die Tage zuvor mitgeteilt bekommen habe….es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich das abschütteln konnte und dann war es auch für mich ein lustiger Nachmittag. Hab mich am frühen Abend schon wieder auf die 140km Heimreise gemacht.

An allen Tagen in dieser Woche habe ich abends meine Walkingrunden gedreht und so manch schönes Wolkenspiel und Sonnenuntergänge beobachten können:

Ich war allerdings permanent müde. Das konnte ich aber meinen geändertem Kaffee-Konsum zuschreiben.

In der letzten Zeit hatte ich oft morgens leichte Magenschmerzen und dann hab ich gelesen, das es evtl. am Koffein liegen könnte. Und weil ich meinen Kaffee ja immer bis in den frühen Abend hinein trinke, hab ich kurzerhand beschlossen mal ein paar Tage ganz auf Koffein zu verzichten und trinke seitdem nur noch 2 Becher entkoffeinierten Kaffee am Tag.

Da ich damit am Anfang des Wochenendes anfing, war diese Müdigkeit gut zu überbrücken. Und weil das so gut funktionierte und ich tatsächlich seitdem keine Magenschmerzen morgens mehr habe, möchte ich das mal für ein paar Wochen so machen…

… und siehe da, es gibt noch einen unerwarteten anderen Effekt: Ich fühle mich seit ein paar Tagen auf eine merkwürdige Art und Weise wach und ruhig (mein durchschnittlicher Ruhepuls ist um 3 Punkte runter gegangen)…also irgendwie wacher als sonst und auch ausgeglichener (und das trotz des beruflichen Stresses). Das fühlt sich sehr gut an – aber auch ungewohnt.