Mittags im Cafè

Mit dem Einhalten meiner beruflichen Abgabetermine und der massiven Flucht in den Urlaub in der dänischen Zentrale, ist in den letzten Tagen auch bei mir wieder mehr Ruhe eingekehrt. Ab jetzt kann man wirklich für ein paar Wochen NICHTS mehr klären und keine Arbeit wirklich abschließen (weil immer an einer Stelle eine Kollege ,den man benötigt, gerade im Urlaub ist)

Nur mein dänischer Chef schreibt aus dem Urlaub eMails….NACHTS, wenn alle schlafen… dann bekomme ich die notwendigen Freigaben. Er ist aber wirklich die Ausnahme.

Und mit der einkehrenden Ruhe, komme auch ich wieder in geordnetes ruhiges Fahrwasser…es fehlen jetzt noch bis Monatsende 6 Halbjahresabschüsse….den Rest hab ich bereits erledigt. Und so hab ich überhaupt kein schlechtes Gewissen meine Mehrstunden gleich mal wieder zu reduzieren.

An den noch sehr schwülen Tagen bis Donnerstag hab ich immer früh Feierabend gemacht….und Freitag Mittag hab ich mich mit der jungen Kollegin aus NRW auf einen Kaffee verabredet. Sie wohnt in Ottensen und war im Homeoffice, ich im Büro in Bahrenfeld…..Also haben wir uns auf dem Marktplatz zur Mittagszeit verabredet und haben uns im Aussenbereich des Café „Liebes Bisschen“ niedergelassen.

Das Kuriose ist, sie hat in NRW in der Stadt gearbeitet, in der ich groß geworden bin und ist in der Stadt geboren, in der ich viele Jahre gearbeitet habe….nur ist sie noch in ihren Zwanzigern und ich bin schon fast 20 Jahr dort weg. Sie ist nicht bei uns fest angestellt, aber es gibt eine Kooperation mit Ihrer Firma….und so fühlt sie sich immer ein wenig als Außenseiter….und Corona macht es auch nicht leichter für sie.

Sie hatte mich gefragt, ob wir uns nicht Mittags treffen wollen….hab mich sehr darüber gefreut.

Ich bin also um 12 Uhr in die Mittagspause gegangen….hab zuerst einen schönen Schlenderspaziergang bis zum Marktplatz gemacht, auf dem gerade noch statt findenden Wochenmarkt hab ich mich gleich mal fürs Wochenende mit Obst eingedeckt und dann saßen wir über eine Stunde gemütlich zusammen und haben uns angeregt unterhalten.

Dadurch ,das es seit Freitag endlich keine schwüle Hitze mehr gibt, sondern nur normales schönes Sommerwetter, fühlte ich mich auch richtig wohl….wir sind dann zusammen noch ein ganzes Stück wieder in Richtung Büro gelaufen, bevor sie sich wieder auf ihr Fahrrad schwang und zurück ins Homeoffice fuhr…..während ich noch im Büro eine Weile weiter gearbeitet habe.

Wir waren heute nur zu Viert auf unserer Etage und bis auf den GF hatten die anderen beiden Anwesenden auch Zeit für etwas Plausch….und trotzdem war es ein wirklich erfolgreicher Tag….ich bin sehr zufrieden mit dem Erreichten.

Nach Feierabend war ich sogar noch im Großhandel um uns wieder mit fehlendem Büromaterial, Masken und dem was laut unserer Einkaufs-Tafel sonst noch so fehlte einzudecken…immerhin hab ich nicht nur die entsprechende Einkaufsberechtigung, sondern hab auch ein Auto, das ich jetzt für die nächsten Tage sogar in der Tiefgarage unseres Bürogebäudes parken kann.

Was mir besonders bei dem Cafè-Besuch auffiel, war meine komplette Gelassenheit…..normalerweise bin ich ja immer aufgeregt, wenn ich mich mit Menschen treffe….aber das hier….das passte so schön mit der Kollegin…und zeigt mir auch, das ich mich aktuell wieder mehr daran gewöhne….

Und noch etwas war sehr auffällig: Auf dem Wochenmarkt trugen nur wenige Menschen einen Mund-Nase-Schutz und Abstand war ein absolutes Fremdwort….es war so voll, wie man es von „früher“ her kennt…..Nein -der Mensch wird sich nicht ändern….und wenn, dann nicht freiwillig.

Pause – beendet

Mein internes Reparaturprogramm hat gewirkt und so konnte ich meine Kommunikationspause beenden OHNE  gleichzeitig meine Beziehung zu beenden. 

Nicht dass es mir jetzt schlagartig gut geht, aber es geht mir besser….und ich hab wieder das Gefühl zu Leben. Das ist mir gerade sehr wichtig.

Vor ein paar Wochen hab ich erfahren das eine liebe Kollegin mit 52 Jahren gestorben ist…ich wusste zwar das sie krank ist, nicht aber das es dieses Mal etwas anderes ist. KREBS ….und es hat nur 4 Wochen gedauert von der Diagnose bis zum Tod….

Es traf mich unvorbereitet und hat mich erschüttert.

Sie arbeitete an einem anderen Standort der mehr als 2 Stunden mit dem Auto entfernt ist und wir haben uns vor ein paar Monaten zum Weinfest im Taunus verabredet und es war ein schöner Abend. Obwohl wir uns nur selten getroffen haben,  haben wir uns immer  gut verstanden.

ABER ….ich hab auch ein echt schlechtes Gewissen…sie hat mir noch eine firmenbezogene E-Mail geschickt…und ich hab diese nicht beantwortet….hab nur gedacht…jaaaaa – das mache ich noch…und dann ist es unter gegangen. Und nun ist es zu spät. Das tut mir im Nachhinein sehr leid, wenigstens DANKE hätte ich sagen können, das sie mir diese Mail weiter geleitet hat, obwohl sie schon krank war.

Sie hat mir bei unserem letzten Zusammentreffen einen „Sorgenfresser“ geschenkt …so ein Kuscheltier mit riesigem Reissverschluß als Mund.

Ich würde den Sorgenfresser hoffnungslos überfüttern, wenn ich all meine Sorgen auf Zettel schreiben und das Kuscheltier damit füttern würde…

Von Tag zu Tag werde ich unausgeglichener, reizbar wie zu meinen „Besten Zeiten“ und reagiere impulsiv agressiv auf meine Umgebung. Nun konnte ich mich endlich in den Urlaub retten…