Besorgt…aber nicht ängstlich

Nach dem Arztgespräch blieb ich erst einmal leicht verwirrt zurück…den Inhalt der Worte hatte ich gehört und verstanden…und nach dem Erschrecken über die Möglichkeit ernsthafter Konsequenzen für mein Leben, blieb alles erst einmal bei meinem Verstand hängen….es ist nur ein Verdacht…keine endgültige Diagnose…Aufregen bringt nichts…und selbst wenn es so wäre…bei 8mm besteht keine unmittelbare Lebensgefahr…das ist kein sofortiges Todesurteil.

Ich hab meine Schwester angerufen und ihr das erzählt, was der Arzt gesagt hatte…als sie anfing zu weinen hab ich sie sofort wieder beruhigt mit den Argumenten das es nur ein Verdacht ist…..Mist…warum hab ich es ihr gleich erzählt…sie hat doch echt genug um die Ohren.

und auch während ich meine Abendrunde drehte und es immer wieder halblaut aussprach, blieb ich immer noch auf dieser Ebene…aber indem ich es vor mir selber aussprach, verlor es etwas von seiner Unwirklichkeit…ich fiel danach wie ein Stein ins Bett und bin sofort eingeschlafen.

Aber kaum war ich am nächsten Tag im Büro überkam mich ein inneres Zittern und auf irgendetwas konzentrieren konnte ich mich auch nicht. Jetzt war es vom Kopf weiter runter gerutscht….bis in den Magen…und als ich es meinen beiden engsten Kollegen nacheinander erzählte, merkte ich selber wie tränen klüdderig sich meine Stimme anhörte und ich kämpfte es nieder.

Seitdem geht es mir wieder besser….dieses merkwürdige Gefühl mich von der Situation überfordert zu fühlen, ist seitdem wieder komplett verschwunden.

Ja, ich bin besorgt…aber ich bin nicht ängstlich oder panisch….ja, ich mache mir Gedanken was wäre wenn- aber ich weiß es ist momentan nur ein Gedankenspiel. Ja, ich will Klarheit – aber ich kann es nicht beschleunigen. Es ist eben, wie es ist…nicht schön…aber ich kann es gerade nicht ändern.

Davon lasse ich mir mein Leben aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht vermiesen….ich lebe jetzt weiter so, wie bisher…bis ich Klarheit habe…und DANN …dann schaue ich weiter…dann ist immer noch Zeit für Angst und evtl. auch für Panik.

Das Gespräch beim Kardiologen am Freitag war sehr positiv…er ist sehr zufrieden, wie mein Körper auf die Tabletten reagiert und was er im MRT gesehen hat…wenn das so stabil bleibt, kommt mein Herz noch eine ganze Weile ohne OP aus…nur bei einer Tablette wird die Dosis für ein paar Wochen verdoppelt, um zu schauen, ob damit meine Atemnot in bestimmten Situationen, abnimmt.

Als ich ihm von der dem Lungen-Befund erzählte, war er überrascht…und meinte, wenn ihn das beträfe bliebe er vermutlich nicht so ruhig….andererseits würde das eher langsame Wachstum von 1mm in knappen 6 Monaten in seinen Augen eher gegen einen bösartigen Tumor sprechen. Er hat sich viel Zeit für unser Gespräch genommen und möchte, das ich ihn über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halte…das Gespräch tat gut…ja so ein Arzt ist echt unbezahlbar…

Schlag auf Schlag….und ein leichter in die Magengrube

Montag ging es mit meinem Schwager los….der 2.Arzttermin wegen seiner Hüfte …..die OP findet bereits nächste Woche statt…..wow – also das ging ja mal super schnell. In der kommenden Woche bekommt er auf der rechten Seite eine neue Hüfte….und er freut sich darauf, das dann endlich die Schmerzen aufhören…seine linke Hüfte wurde schon vor ca. 15 Jahren getauscht…die funktioniert auch nicht mehr einwandfrei, macht aber nicht solche Probleme, wie jetzt die rechte Seite. Dabei ist er mit jetzt 57 Jahren ja noch echt „jung“ für solche OPs.

Dienstagvormittag war ich dann dran…auf nach Norderstedt in die Klinik zum Herz-MRT. Hier war ich ja auch bereits im März schon zur Herz-Katheter-Untersuchung. So war mir der Weg zur Klinik und auch die Klinik selbst, nicht mehr fremd. Ich hatte mich auch rechtzeitig schlau gemacht, wie ich mit der AKN, bzw. dem Schienenersatz-Verkehr dorthin komme…Denn seit dem letzten Wochenende fährt die AKN bei mir im Ort ja wieder…allerdings nur bis Burgwedel…ab da dann der Schienenersatz-Verkehr…das hat alles gut geklappt und ich war, wie immer, viel zu früh dort….bin dann noch eine Weile durch die Gegend gelaufen…und hab mir etwas Sorgen gemacht.

So eine MRT-Röhre verträgt sich nicht so wirklich, mit meiner Klaustrophobie…der Arzt hatte das zwar auf die Überweisung mit geschrieben….aber trotzdem war ich nervös. Ich musste lange warten, weil mein Termin ja dazwischen geschoben worden war…so sah ich die Patienten der Klinik wie sie in ihren Betten hingeschoben wurden, und wieder weggebracht wurden und der Nächste wurde hingeschoben und später wieder weggeschoben…wie auf einem Rangierbahnhof war es ein ständiges Kommen und gehen und ich saß da…und wartete.

Dann endlich war ich dran. Die waren alle super nett und als ich auf mein Problem aufmerksam machte, schaute mich der Arzt zwar zweifelnd an (ich wirkte eben noch ruhig auf ihn, bzw. „lustig“ aber das ist bei mir ein Zeichen von hoher Nervosität, wenn ich anfange zu kalauern)…bekam dann aber ein „leichtes“ Beruhigungsmittel…und schon ging es los.

Alle waren ruhig und unaufgeregt…ich bekam Kopfhörer mit Musik auf die Ohren, weil das MRT ja sehr laut ist, einen Zugang für die Mittelchen die mir währenddessen noch verabreicht wurden, die Anweisung mich auf keinen Fall zu bewegen und den Anweisungen die gleich per Kopfhörer kommen werden, Folge zu leisten, ich bekam einen Notfallknopf in die Hand gedrückt und eine schwere dicke Platte auf den Oberkörper gelegt und schon fuhr ich in die MRT-Röhre hinein….natürlich hatte ich die Augen schon vorher geschlossen….es war zwar hell in der Röhre, aber auch echt eng… Aber durch das Beruhigungsmittel blieb ich einigermaßen ruhig und den Rest musste ich halt aushalten….und ja es ging auf diese Art besser, als erwartet. Dann wurde ein Mittel gespritzt, das mein Herz unter Stress setzen sollte…das verursacht plötzliche Hitze, Herzrasen und Atemnot. Der Arzt hatte mir erklärt, das diese Symptome nach ca. 2 Minuten vorbei wären und ich trotzdem die Atem-Anweisungen befolgen muss… Also – das war kein sehr schönes Gefühl.

Irgendwann war es vorbei….und ich erlöst…anschließend war mir schwindelig und ich fühlte mich wie betäubt…jetzt erst merkte ich auch die körperlichen Auswirkungen der Mittelchen (incl. Beruhigungsmittel)…und ich brauchte eine Weile, um wieder klar im Kopf zu werden….den Weg zurück nach Hause per SEV und Bahn ging dann wieder unproblematisch…aber ich fühlte mich ausgelaugt und müde…und jetzt erst begann das Nerven flattern und bin dann den Rest des Tages auf der Couch geblieben und habe geschlafen. Der Arzt im Krankenhaus meinte noch, er hätte jetzt nichts gesehen, was zum akuten Handeln zwingen würde…und mein Kardiologe würde sich mit mir in Verbindung setzen…aber bei dem hab ich ja eh am Freitag einen Termin.

Als um 20.30 Uhr allerdings der Lungenfacharzt anrief, war ich dann sofort alarmiert. Er hätte jetzt den Befund vom Lungen-CT gelesen und sich das alles angeschaut…und ob ich den Befund schon kennen würde…. JA – ich hatte ihn am Montagabend noch online abgerufen und da standen ein paar unschöne Dinge drin…aber ich als Laie weiß das natürlich nicht einzuordnen…und hatte es erst einmal ignoriert.

Nun erklärte mir der Arzt auf ruhige und sehr freundliche Weise (ich hab echt Glück mit meinen Ärzten, das sie alle so nett und zuvorkommend sind)….das der Zufallsbefund beim Herz-CT auf dem Lungenlappen, tatsächlich ein 8mm großes „Ding“ ist, das da nicht hingehört und das ein „Bronchial-Karzinom“ nicht ausgeschlossen werden könne. Das wäre dann ein bösartiger Tumor, auch bekannt als Lungenkrebs.

WUMS – das hatte erst einmal gesessen.

Aktuell ist es nur ein Verdacht und der muss jetzt ausgeräumt werden…ob ich jemals geraucht hätte. NEIN….hab ich nicht…aber ich bin mein ganzes Leben von starken Rauchern umgeben gewesen…mein Vater, mein Ex-Mann, mein Ex-Freund…..immer wurde zuhause geraucht. Erst seit ich wieder allein lebe, tue ich das in rauchfreier Umgebung.

Also – noch es ist es nur ein Verdacht…aber ich muss jetzt zügig zu einem sogenannten PET-CT.

Der Arzt hat mir erklärt, das es eine moderne und schnelle Methode ist, um herauszufinden, ob das kleine Ding auf meinem Lungenlappen bösartiger Krebs ist oder nicht. Laienhaft ausgedrückt: Ich bekomme ein Mittel gespritzt, dann werden Positronen auf meine Lungen geschossen und wenn das 8mm-Teil aufleuchtet ist es wahrscheinlich Krebs, leuchtet es nicht, ist es kein Krebs. Um diese nicht ganz billige Diagnostik von der Krankenkasse bezahlt zu bekommen, müssen das aber 2 Ärzte befürworten…was in meinem Fall der Radiologe vom Lungen-CT und der Lungenfacharzt getan haben.

Die PET/CT kombiniert die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und die Computertomographie (CT) in einem Gerät. Sie ist das derzeit modernste bildgebende Diagnoseverfahren in der Onkologie zur frühzeitigen Entdeckung und Ortung bösartiger Tumorerkrankungen.

Eine sichere Diagnostik ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie von Tumorerkrankungen. Ein eindeutiger Befund bringt Sicherheit bei der Planung der weiteren Behandlungsschritte.

Die PET/CT ermöglicht die Erstellung eines präzisen Bildes, in dem Körperstruktur und -funktion vereint dargestellt werden. So kann die exakte Position, Größe, Aktivität und Ausbreitung einer Tumorerkrankung im gesamten Körper bestimmt werden. Um die Krebszellen im Körper „sichtbar“ machen zu können, wird vor der Untersuchung eine kleine Menge einer schwach radioaktiven Substanz als sogenannte „Tracer“ verabreicht.

https://www.petct-zentrum-hamburg.de/

Jetzt brauche ich also einen Termin in einem PET-CT-Zentrum, und zum Glück gibt es eines in Hamburg. Mittwochvormittag hatte ich mich also um einen Termin bemüht….aber bevor ich den Termin bekomme, muss ich erst einmal die Überweisung vom Lungenarzt übermitteln. Okay – das schaffe ich heute nicht mehr…immerhin ist Mittwoch…da haben die Ärzte am Nachmittag i.d.R. geschlossen.

Donnerstag nach Feierabend also wieder nach Norderstedt zum Lungenarzt die Überweisung abholen und dann zusammen mit dem Befund vom Lungen-CT an das Zentrum per Mail schicken. Jetzt will der Arzt in dem Zentrum sich das alles noch einmal anschauen (es geht noch einmal um die Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse…die haben sonst Angst auf den Kosten sitzen zu bleiben) und seitdem warte ich auf eine Rückmeldung mit dem Terminvorschlag. Eine Antwort bekam ich in dieser Woche aber dann nicht mehr…ich warte also jetzt auf einen Termin…immer mit dem unschönen Gedanken im Hinterkopf es könnte sich doch um Krebs handeln. Das ist kein schöner Gedanke.

Die Sorgen der Anderen

Während es mir also gut geht, höre ich aus meiner engeren Umgebung nicht ganz so Gutes:

  • Meine liebe Kollegin in Brandenburg ist geradezu verzweifelt, weil ihre Mutter in dieser Woche nachts einen Schlaganfall bekam. Zum Glück konnte sie noch ihre Tochter anrufen….und kam noch rechtzeitig ins Krankenhaus. Sie hatte wohl noch 2-3 kleinere Schlaganfälle direkt im Krankenhaus und leidet jetzt unter ihrer halbseitigen Lähmung…aber sie lebt …mit ihren erst 65 Jahren ist sie auch noch jung. Meine Kollegin hat ein super enges Verhältnis zu ihrer Mutter und leidet entsprechend stark. Vor allem macht ihr Angst, das die Ärzte das auslösende Gerinnsel bisher nicht lokalisieren konnten. (Boa hab ich Glück, das ich jetzt mit meiner Arterien-Verkalkung unter kardiologischer Kontrolle bin. Hoffe das bleibt mir längerfristig erspart).
  • Eine ehemalige Kollegin aus Hessen macht sich Sorgen um ihre fast erwachsene Tochter, weil diese bei einem Krebstest einen positiven Befund hatte…Der Test sagt aber noch nichts genaues aus, sondern nur, das vermehrt Zellen mutiert sind, nicht aber ob die Veränderungen bösartig sind…Das wird noch 1/2 Jahr dauern bis hier mehr Klarheit rein kommt. Was für eine zermürbende Situation für die gesamte Familie.
  • Meine andere liebe Kollegin, mit der ich viel Kontakt habe, wurde von ihrem Mann verlassen. Wir hatten uns vor ein paar Tagen mal wieder im Büro getroffen und konnten etwas reden. Die Beiden haben keine Kinder, wollten immer gerne welche haben, aber es hat nicht geklappt. Der Mann ist seit Anfang des Jahres jetzt unter der Woche ein paar Hundert Kilometer entfernt tätig und wohnt dort auch. Sie meint es ist die Midlife-Crisis bei ihm, denn so ganz lösen will oder kann er sich dann doch nicht von ihr…er weiß wohl selber nicht, was er möchte oder braucht. Die Beiden waren fast 20 Jahre zusammen und sie leidet jetzt nicht nur unter der Trennung, sondern auch daran das er so zerrissen ist und nicht weiß, was er will,…sie liebt ihn noch immer und natürlich macht sie sich doch noch etwas Hoffnungen, das alles wieder gut wird.
  • Und meine Schwester hat sich gestern ganz fürchterlich mit ihrem Mann gestritten, so das sie ihn der Wohnung verwiesen hat…also nur für den Moment. Es ging mal wieder ums liebe Geld. Er möchte jetzt einen Teil seiner gerade vor Gericht erstrittenen Abfindung ,für einen neuen großen 3D-Fernseher ausgeben. Obwohl er immer noch arbeitslos ist, meine Schwester immer noch im Krankenstand und ich die Beiden finanziell unterstütze. Meine Schwester möchte, das Geld als Rücklage anlegen. Immerhin weiß Niemand, wie sich das bei den Beiden noch so entwickelt. Ich unterstütze den Plan mit der Rücklage. Mein Schwager muss irgendwann noch seine 2.Hüfte operieren lassen, das sind auch wieder mehrere Monate, die er dann nicht arbeiten kann…und bei den niedrigen Gehältern, die Beide ohnehin haben, wenn sie denn arbeiten, führen solche „Ausfälle“ sofort zu existenzieller Not…wie in den letzten Monaten.

Na zum Glück haben sie sich gestern wieder vertragen und mein Schwager hat eingesehen, das jetzt nicht der beste Zeitpunkt für so eine Investition ist. Ich hoffe, das klappt jetzt bald mit einem neuen Job für ihn.

Es sind die Sorgen der Anderen, aber die lassen mich ja nicht kalt. Immerhin sind das Menschen, die ich mag und die mir auch nahe oder näher stehen.