Die Frauen aus „Schnöselhausen“

Ich habe ja Urlaub und auf dem Weg in ein Café in meinem Wohnort bin ich durch die Straßen, einen Park und einen Supermarkt gelaufen. Und obwohl es der Ortskern ist, war es unglaublich  leer. Es ist ja eine Stadt, aber wo sind denn alle? Alle auf der Arbeit  oder Zuhause?

Jetzt weiß ich zumindest wo sich die Frauen des Ortes Freitag gegen Mittag aufhalten…In einem französischen Café der etwas teureren Art….Ein Stück Kuchen für 4,50 EUR  aber die Qualität ist sehr  gut….das Café kenne ich aus dem Ort wo ich arbeite….und ein Besuch ist für mich immer etwas Besonderes.

Nun wollte ich dieses Café jetzt auch hier einmal ausprobieren…kam rein und zuckte gleich wieder zurück:

Ein großer Raum mit halboffenem Nebenraum. Fast alle Tische waren um diese Zeit  (11.30 Uhr) besetzt und an jedem dieser Tische saßen exakt 2 Frauen…Eine Lautstärke wie auf dem Flughafen…der ganze Raum war erfüllt von Frauenstimmen und Gelächter.

Zum Glück fand ich noch einen freien Tisch. Die Speisekarte bot zusätzlich zu den französischen Kuchen auch jede Menge Frühstücksgerichte und Mittagessen an….Nun gut also hab ich mich für Kartoffelrösti mit Räucherlachs entschieden, dazu eine Cola und ein Glas Chardonnay.

Und dann hab ich die Atmosphäre des Raumes erst einmal auf mich wirken lassen, beim Rundblick ist mir aufgefallen: ALLE Frauen (egal ob jung oder älter) waren „gut“ gekleidet und gepflegt. Also das entspricht genau dem Eindruck von „Schnöselhausen“…eine kleine Stadt mit vielen teuren Wohnungen, vielen teuren Häusern. Ein etwas gehobener Lebensstandard ist schon notwendig um sich hier auch nur kleines Haus leisten zu können. In dem Café hatte jede Frau nicht nur einfach Haare auf dem Kopf, sondern auch eine Frisur dazu…Es gab tatsächlich auch 2-3 Frauen mit Hüten oder Pelz…nicht alle sahen mit der „Guten“ Kleidung auch gut auch, aber Geschmack lässt sich eben nicht kaufen.

Dazu  hatten  ALLE nur ein Glas Wasser und/oder eine Tasse Kaffee vor sich stehen….KEINER hatte eine Cola, Saft oder gar einen Wein vor sich,…Fast ALLE Frauen  hatten einen Salat oder nur eine Suppe vor sich….KEINE hatte ein fettiges Essen .

Ich fühlte mich wie ein Alien und musste unweigerlich an den Film „Die Frauen von Stepford“ denken…eine amerikanische Komödie aus dem Jahr 2004 mit Bette Midler und Nicole Kidmann. ..in dem die Frauen alle einen Microchip eingepflanzt bekommen hatten die sie zu „perfekten“ Haus und Ehe- Frauen machten.

Okay – also ganz so schlimm meine ich es jetzt  hier nicht ….lachen musste ich aber trotzdem.

Was ich zumindest sehr angenehm fand war, das trotz aller Lautstärke es sich um eine gleichmäßig den Raum füllende Geräuschkulisse handelte…keiner stach unangenehm  mit der Stimme oder der Lautstärke heraus…

Also war alles gut…naja, bis auf mein Kartoffelrösti das mehr einem fettigen dicken Kartoffelpuffer auf dem Jahrmarkt erinnerte….ich hab es zurück gehen lassen und bekam danach tatsächlich ein knusprigeres dünneres Exemplar…..es war okay….aber das geht auch besser.

Zumindest waren es 1,5 Stunden angehnehme Atmosphäre…ich habe meinen Wein genossen, dazu das Essen und mein Buch. Danach hab ich einen entspannten Spaziergang nach Hause gemacht.

Frankfurt – und nun?

So nun war ich also in Frankfurt, das Fahrrad  war bereits abgegeben und nun? Ohne Auto? Also erst einmal laufen….bei dem schönen Wetter kein Problem….bis nur nächsten U-Bahn-Haltestelle und dann auf nach Bockenheim, in mein Lieblings-Cafe dem Extrablatt.

Das Wort „Lieblings-Cafe“ muss ich jedoch bald streichen….sooo dolle ist es nicht mehr….aber es ist meine liebgewonne und gewohnte Routine wenn es um einen Kaffee und eine Kleinigkeit zu Essen geht….dazu eine Zeitung oder Zeitschrift…und ich fühle mich (eigentlich) pudelwohl.

Aber diese Routine verliert ein wenig an Charme, weil auch hier der Egoismus Einzelner an meinem Wohlfühlen kratzen…Eine junge Bedienung die in den höchsten Quietschtönen halblaut mit gesunden hat, was die Musikanlage laut zum Besten gab…eine Mutter mit Kleinkind und zwei Freundinnen….Das Kind und die beiden Freundinnen hat man kaum reden gehört, aber die Mutter hat sooo laut gesprochen das es durch den ganzen Raum schallte. Schwerhörig kann sie aber nicht gewesen sein, weil sie auf alle  (leisen) Fragen unmittelbar geantwortet hat….

Aber das ist mir schon ein paar Mal  bei anderen Gelegenheiten aufgefallen…das machen oft junge Mütter die sich profilieren wollen, wie toll sich ihr Kind doch entwickelt und wie toll und organisiert sie ihr Leben und das Kind meistern….nach dem Motto seht her wie gut ich das mache…jeder Hinweis der Freunde, jedes Beispiel wurde lauthals beiseite gewischt und ihre Methoden und Ansichten dafür eindrucksvoll dargelegt…erst nach einer ganzen Weile (als das Essen der Mutter kam) konnte ich dieser Stimme etwas entgehen und mich auf meine Zeitung konzentrieren….

Und dann hatte ich auch schon genug und wollte nach Hause…also rein in die U-Bahn, dann S-Bahn und zum Schluss noch ein kleiner Spaziergang und jetzt bin ich auf der Couch….hier kostet mich der Kaffee viel weniger und ich hab meine Ruhe.