Kollegen: Chaos und Kindergarten

(Achtung! nur langweiliges Arbeitszeugs)

Eigentlich war es doch klar, das es so nicht funktioniert…innerhalb von 1 Monat die Abteilung von 2 auf 4 Personen aufzustocken und das mitten in den Vorbereitungen für eine Systemumstellung UND um dann auch noch in dieser Phase viel Arbeit (neue Gesellschaften) aus der dänischen Firmenzentrale, zu uns nach Hamburg zu holen. Diese neuen Gesellschaften laufen bereits auf dem neuen IT-System, welches wir ja noch nicht kennen.

Mit dem NEUEN ist das auch so eine Sache….er sitzt bei mir im Büro, redet aber kein Wort mit mir, außer er hat eine Frage.

Auf meine freundliche Nachfrage wie es ihm geht, bekomme ich ein kurzes „GUT“ noch bevor ich überhaupt meine Frage beendet habe und dabei schaut er mich nicht einmal an und verhindert so, das ein Gespräch oder eine irgendwie nette Arbeitsatmosphäre entstehen kann. Ich bin irritiert.

Als Konsequenz habe ich also wieder meine Homeoffice-Tage aufgenommen….Einarbeitung hin oder her. Die Einarbeitung der Neuen liegt ja nicht in meiner Verantwortung…außer für einen kleinen Bereich und den hab ich auch gemacht und stehe immer parat wenn Fragen auftauchen, aber das geht auch prima online.

Wenn er mit mir online telefoniert, weil er eine Frage hat, dann sehe ich von seinem Kopf nur noch ein paar Haare, so sehr duckt er sich unter der Kamera weg (okay er ist jetzt auch nicht sonderlich groß, und wer weiß das ich ihn so nicht sehen kann). Er ist beim Sprechen nicht unhöflich, aber eben so extrem kurz angebunden, das ich es als unhöflich empfinde.

Er lächelt auch nicht, auch nicht wenn wir mal eine lustige Anekdote erzählen. Außerdem hat er bisher kein einziges Mal mit uns zusammen Mittag gemacht…wie wir da zu einem Team zusammenwachsen sollen, ist mir ein Rätsel….und ich bemühe mich wirklich nett, freundlich und aufmerksam zu sein. Pralle aber an seiner schweigsamen indirekt ausgedrückten Schroffheit ab.

In dieser Woche wurde es mir zu bunt, als wir zusammen im Büro saßen und meinte zu ihm, das er wohl nicht gerne mit mir redet…aber gut, dann nehme ich das jetzt so hin. Seine Antwort: Er redet nicht gerne.

Spätestens JETZT hab ich ein Dejavue. Genau das hat der vorherige Kollege auch gesagt und sich dann später darüber beschwert, wir hätten ihn ausgegrenzt.

Na klar werde ich weiter freundlich bleiben, akzeptiere das, finde es aber für mich schwierig…und na klar mag ich es, wenn nicht ständig geredet wird…aber wenigstens einmal für 1-2 Minuten am TAG, kann man doch ein paar Sätze austauschen. Ich hab ja bereits meinen „Fahrplan“ aufgestellt und gehe ab jetzt 3x in der Woche in Homeoffice.

Ab sofort nenne ich ihn hier „Den Schweigsamen“.

Unruhig ist es trotzdem bei mir im Büro und auch beim Controller…weil ständig beim Schweigsamen etwas nicht funktioniert, der Controller versucht zu helfen, es klappt aber nicht…dann fragen sie mich…und ich versuche zu helfen…dann diskutiert der Controller mit mir, was blödsinnig ist, weil wir Beide nicht wissen, wie das neue Programm funktioniert…aber ich höre hier und da aus der Zentrale etwas, was hilfreich ist…das sage ich dann und dem Controller passt es nicht….na gut, ich ziehe mich raus und lass sie tüfteln…ist ja nicht so, als ob ich nichts zu tun hätte.

Inzwischen fühlt sich Katrin (unser 1.Neuzugang vom August) vom Controller missachtet, weil er sich auf den Schweigsamen konzentriert. Anstatt sich konsequent um ihre Einarbeitung zu kümmern (sie soll ihn ja entlasten), zeigt er ihr zwischendurch unstrukturiert und ohne Zusammenhang einzelne Dinge, verwirft sie wieder, ist nicht stringent in seiner Logik und verhaspelt sich in den Themen.

Seine Aufmerksamkeits-Spanne liegt bei wenigen Sekunden und sobald er etwas anderes sieht, bricht er mitten im Erklären ab, um schnell etwas anderes zu machen, daraus ergibt sich wieder etwas anderes und inzwischen hat er schon vergessen, was er ihr zeigen wollte….während sie neben ihm sitzt und sich bemüht ihm irgendwie zu folgen…und sie weiß am Ende immer noch nicht, wie seine Abläufe sind…es ist gelinde gesagt: chaotisch.

Katrin tut mir leid…ich hatte mir ja während des Urlaubs vom Controller etwas Zeit genommen und ihr bei einigen Themen gezeigt, wie wir arbeiten…und sie sagt, das war bisher die einzige zusammenhängende Einarbeitung, die sie bekommen hat….das ist nach 1,5 Monaten eher eine traurige Bilanz und ich kann ihren Frust verstehen…kann ihr jetzt aber auch nicht weiterhelfen, weil es sich um die Arbeit des Controllers handelt…das sind Themen-Schwerpunkte die ich so nicht habe und er hat seine eigene „Logik“.

Der Controller ist gereizt, lässt alle anderen Kollegen mit Fragen z.B. zum Reisekostenprogramm und zu Rechnungen auflaufen, d.h. er lässt Telefonate ins Leere laufen oder haut Sätze raus wie: „ich bin nicht die Hotline“.

DOCH, lieber Kollege, das bist Du…wenn ein Kollege ein Handling Problem hat, dann ist es Deine Aufgabe den Kollegen dadurch zu helfen…genau wie ich es bei unserem Rechnungsprogramm mache…es ist eine Dienstleistung die wir für die Kollegen erbringen und keine Gefälligkeit.

Das Ende vom Lied, die Kollegen rufen bei mir an…jaaa sie wissen das sie sich an den Controller wenden müssen…aber er antwortet nicht…und sie kommen jetzt nicht weiter. Also versuche ich zu helfen, wo ich kann und bügele ein paar Fehler aus die bei der Vorbereitung der Rechnungen passiert sind, wo nötig und gebe Tipps, wie ich es machen würde (auch wenn ich mit dem RK-Programm kaum zu tun habe). Und Ja – das kostet meine Arbeitszeit und macht es auch nicht einfacher mich auf meine Themen zu konzentrieren…aber ich kann die Kollegen doch nicht hängen lassen.

Ich frage mich, wie das weiter laufen soll, zumal der Controller auch bockig reagiert, wenn es um die Aufbereitung der Stammdaten für die Daten-Migration auf das neue System geht. Er WILL einfach nicht…und sagt sogar z.B.: „Was gehört denn eigentlich zu den Stammdaten für Kreditoren, das soll mir mal JEMAND erklären“…also sag mal: wer 30 Jahre in der Buchhaltung arbeitet, sollte DAS nun wirklich wissen. Als ich zu einer Antwort ansetzte, hat er mich sofort abgeblockt…nein, das will er nicht von mir hören, das sollen „DIE“ machen… er WILL es einfach nicht verstehen und vor allem auch nicht machen. Was für ein Kindergarten.

Die IT fragte bei mir schon letzte Woche nach, wann wir die Daten fertig haben werden…ich hab mitgeteilt, das ich bis Ende dieser Woche alle Stammdaten (Debitoren, Kreditoren, Eigene Daten, Intercompany-Verknüpfungen usw.) für meine Gesellschaften fertig haben werde (hab ich auch geschafft mit vielen Überstunden)….auf seine Nachfrage und was ist mit „den Anderen“…Frag doch bitte selber beim Controller nach.

Ohne fertige Stammdaten, gibt es keinen „Sandkasten“ (IT-Testumgebung) und keine Schulungen…und die benötigen wir jetzt endlich dringend, damit es mit dem 01.01.2025 klappt…denn der Termin für den Start der neuen Software ist nicht verhandelbar. Friss oder stirb: entweder es klappt oder wir gehen unter.

Ein paar Tage später wurde ich vom Migrations-Team der IT gefragt, ob ich die Projekt-Koordinierung übernehmen würde, also als Schnittstelle zwischen Buchhaltung und IT. Das ist eine Arbeit die mir liegt und die ich gerne mache, trotzdem habe ich dem IT-Kollegen mit Hinweis auf meine Gesundheit abgesagt…denn das schaffe ich weder zeitlich, noch emotional…und mich nun ständig mit dem Controller anzulegen? Oh nein Danke.

Ich werde jetzt anfangen mich langsam aber konsequent weiter abzugrenzen, damit ich meine Arbeit erledigen kann…mir läuft einfach die Zeit davon mit diesen sinnlosen Diskussionen innerhalb unserer Abteilung…und ich habe nur noch 1 Woche für die Vorbereitungen der Quartalsabschlüsse…und bin noch kaum voran gekommen.

Veränderungen und Kommunikation im Überfluss

Da ist es endlich – dieses kleine Sommerloch, auf das ich gehofft hatte. Eine Woche in der ich endlich mal nichts Unerwartetes, Eiliges, Dringendes oder sonstwie Ungewöhnliches zu erledigen hatte….okay etwas Ungewöhnliches gab es schon, aber der Teil der mich betraf, war dann auch in ca. 2 Std. erledigt.

Nächste Woche wird es wieder vorbei sein mit dieser kleinen Pause.

Glücklicherweise war ich auch in einer extrem kommunikativen Phase, so das ich sie genutzt habe, um mich mal wieder länger mit den Kollegen Vorort zu unterhalten und es kamen durch diverse Meetings so einige Kollegen aus den unterschiedlichen Standorten nach Hamburg.

Noch wichtiger, ich habe auch den Kontakt zu unserem neuen 3. Teammitglied gesucht. Sie ist Anfang 50 und scheint echt gut zu uns zu passen…die Chemie stimmt.

Sie ist vom Wesen eher ruhig, aber sie kommuniziert gerne – stellt die richtigen Fragen, aus denen man erkennt, sie weiß wovon wir sprechen…und ich bin sehr erleichtert…es ist schon jetzt eine Interaktion zwischen uns Dreien erkennbar: wir reden miteinander, tauschen uns aus und es kommt Feedback. Genau SO soll es sein.

Ich habe sogar schon ausgelotet ob wir büro-kompatibel sind und ich wage mal ein vorsichtiges: ja – ich könnte mir vorstellen mit ihr zusammen ein Büro zu teilen….aber noch warten wir auf unseren nächsten Zuwachs Anfang September und dann werden die Karten neu gemischt…also die Büroplätze in unseren beiden 2er Büros endgültig aufgeteilt.

Lustig ist auch, das die Homeoffice-Regeln für unsere Firma neu formuliert wurden. Damit haben wir jetzt ein vertragliches Recht unsere Arbeit an einem anderen Ort (innerhalb Deutschlands), als an unserer zugewiesenen Arbeitsstätte, auszuüben, sofern es nicht die Effizienz der Arbeitserledigung oder die Team-Zusammenarbeit beeinträchtigt.

Natürlich behält sich die Geschäftsleitung das „Direktionsrecht“ vor…d.h. sie kann etwas anderes verfügen, wenn sie es für erforderlich hält.

Ich bin sehr zufrieden mit dieser neuen Regelung, auch wenn es im täglichen Arbeitsalltag eigentlich nichts für mich ändert. Durch diese neue Formulierung wird nur der betrieblichen Praxis Rechnung getragen…denn bisher galt: es gibt das Recht auf 1 Tag Homeoffice pro Woche, aber mehr sind nach Absprache mit dem Vorgesetzten möglich.

Ich bin bisher ja regulär an 2 Tagen im Homeoffice und erweitere diese Tage, je nach Bedarf, während der Abschlusszeiten.

Durch die Team-Erweiterung von 2 auf 4 Mitarbeiter, scheint der GF uns auch endlich als SEIN Team anzuerkennen…denn es sollen wohl bald monatliche Team-Meetings mit dem GF stattfinden. Dann hätten wir tatsächlich mal so etwas wie eine Führung und wir würden nicht sooft in einem luftleeren Raum hängen.

Aber natürlich bin ich Realist und weiß, das er nicht unsere Alltagsprobleme hören möchte…ich denke es geht eher um „das-Große-Ganze“…organisatorische Änderungen, Fortschritte der Migration auf das neue IT-System usw. und evtl. möchte er auch sehen, ob es im Team Probleme gibt.

Es hat ja noch einigen Ärger gegeben, weil der inzwischen ehemalige Zuarbeiter des Controller sich auf einem Firmen-Bewertungsportal derartig negativ über die gesamte Firma ausgelassen hat (noch während er zwei Wochen mit dem Controller zusammenarbeiten musste), das sich die Firma genötigt sah, dagegen vorzugehen. Seine Bewertungen waren nur boshaft und grob falsch, mit dem Ziel maximalen Schaden anzurichten. Wir waren alle überrascht und teils schockiert über seine Äußerungen, er hat die Tatsachen einfach umgedreht und sich so als Opfer dargestellt.

Dabei wollte er nicht mit uns und den anderen Kollegen kommunizieren und hat auch alle Angebote zur Weiterbildung ausgeschlagen, er hatte nie Zeitdruck oder Abgabestress wie der Controller oder ich, er brauchte nie Überstunden machen, wurde nie vom Controller kontrolliert oder gegängelt, konnte HO machen wann er wollte – also so frei muss man auf der Arbeit erst einmal sein und letztlich hat er selber gekündigt – selbst Schuld kann ich da nur sagen.

Auf jeden Fall brechen jetzt neue Zeiten an. Mit der NEUEN sind wir nun 3 gleichwertige Bilanzbuchhalter im Team und haben erstmalig die Chance unsere Arbeit so aufzuteilen, das wir uns auch gegenseitig wirklich vertreten können…ich werde ihr auf jeden Fall zwei meiner Windparks abgeben, so das sie auch diese Seite unseres Geschäfts beherrschen lernt…der Rest wird sich finden und etwas Unsicherheit bleibt ja noch wegen unseres nächsten Zuwachses, der ja Gesellschaften von den dänischen Group-Controllern übernehmen soll.

Durch die Ruhe in dieser Woche und auch durch meinen Urlaub zuvor, hab ich inzwischen wieder etwas mehr Gelassenheit und sehe nicht mehr nur die Probleme durch diese unerwartete Erweiterung von 3 auf 4 Controller. Aber nein, ich freue mich immer noch nicht auf den Team-Zuwachs – sehe es aber nicht mehr so negativ.

Mit meiner liebsten Kollegin aus Brandenburg hatte ich am Dienstag nun unser letztes Teams-Meeting…wir haben noch letzte Dinge vor ihrem Weggang geklärt und ich werde ab jetzt die Rechnungen, die sie immer, in Abstimmung mit mir, für einen Teil der Gesellschaften geschrieben hat, selber schreiben. Das sind die Alt-Projekte, die jetzt langsam zum Ende kommen.

Dann hab ich mich bei ihr für die letzten 4 Jahre, für diese tolle Zusammenarbeit auf so schön lockere und menschliche Art bedankt und natürlich flossen ein paar Tränen auf beiden Seiten des Bildschirms. Wir bleiben beruflich auch noch ein wenig verbunden, durch ein paar Uralt-Projekte, bei denen ihr Arbeitgeber noch mit unserer Firma verbunden ist….und privat wollen wir ja eh in Kontakt bleiben.

Soooo und nach all diesen Veränderungen und der vielen Kommunikation war ich gestern Abend so platt, das ich bereits um kurz nach 20 Uhr auf der Couch eingeschlafen bin, bevor ich dann irgendwann ins Bett gekrochen bin.

noch mehr Änderungen angekündigt

noch mehr Änderungen angekündigt

(Achtung – nur langweiliges Arbeitszeugs)

Diese Woche war sowieso schon herausfordernd, um ALLE 1/2-Jahres-Abschlüsse bis zum 05.07. fertig zu bekommen. Da hätte es die weiteren Neuigkeiten gar nicht bedurft, um mich aus der Spur zu bringen.

Also erst einmal: na klar hab ich die Deadline geschafft….dafür habe ich ja wochenlang vorgearbeitet und mich in dieser Woche auch für 4 Tage ins HO zurückgezogen. Trotzdem war es zum Schluss dann doch extrem unruhig, weil auf einmal soviel unerwartete Anfragen bei mir ankamen…aber ich hab die Arbeiten priorisiert und bin meinem Ordnungsprinzip : „vom Eiligsten zum Wichtigsten“ gefolgt und es hat funktioniert und ich war Freitagnachmittag stolz und froh, das es doch so gut geklappt hat – trotz der Unruhe.

Und dann kamen in der Woche noch die nächsten Änderungen: zum 1.Juli wurde unser Online-Rechnungs-Freigabeprozess auf eine komplett neue Freigabe-Matrix umgestellt …das wurde uns 2 Tage vorher in einer kurzen Online-Präsentation mitgeteilt und kurz erläutert. Mehr nicht.

Die Umstellung gilt für den gesamten Konzern, ALLE gleichzeitig und das mitten in der stressigsten Woche. Die Anfragen der Kollegen, kommen jetzt natürlich bei mir an, weil eben einiges anders läuft. Ich hatte zwar eine Rundmail geschrieben und auf die Änderungen hingewiesen, wusste aber ja selber nur wenig über das ,was uns jetzt im Hintergrund das Denken abnehmen soll…noch so etwas wo wir Controller und auch alle Anderen nicht mehr denken sollen…einfach alles so lassen….immerhin ist es Voreingestellt.

Aber manches ist eben nicht logisch und manches sogar faktisch falsch. Aber das soll angeblich genau so gewollt sein. Aber unser Konzern hat eben an manchen Stellen keine klaren und eindeutigen Strukturen und das führt bei dieser eindimensionalen Logik nun einmal nicht zum eigentlich anvisierten logischem Ergebnis.

Denn schon nach den ersten Minuten der Präsentation war klar, das kann für mich gar nicht funktionieren…und ich habe gefragt, ob es für Controller die wie ich unterschiedliche Typen von Gesellschaften betreuen, eine gesonderte Lösung gibt, da diese sehr eindimensionale Vorgehensweise bei mir zu Fehlern führen würde…doch der Kollege meinte das würde sich dann finden….wir gehen jetzt live und schauen was passiert.

Natürlich kam es wie es kommen musste..es funktionierte bei mir so eben nicht und seine anvisierte Lösung auch nicht…aber immerhin hab ich jetzt eine manuelle Zwischenlösung genannt bekommen und der Kollege aus der Zentrale klärt das mit dem Software-Hersteller.

Es ist schon erstaunlich, das erlebe ich jetzt bereits seit 4 Jahren: Anstatt die Software an unsere Bedürfnisse anzupassen, sollen wir unsere Arbeitsweise (und die der Lieferanten und Kunden auch) eben an das IT-System Anpassen. Das finde ich vermessen.

Die nächste Neuerung war dann, das unser Archivierungssystem bereits zum 31.12.2024 abgeschaltet wird und das Neue funktioniert eben nicht mehr mit Ordnern und Unterordner…sondern „anders“. Echt jetzt? Am Ende des Jahres, wenn wir (falls sich nichts ändert) auch auf das neue ERP-System umstellen sollen UND im Jahresabschluss stecken werden….super – ich freue mich….immerhin ist das ein von uns täglich genutztes Tool auf dem unsere wichtigsten Arbeitsdateien liegen.

Den Knaller hat dann mein jetziger Vorgesetzter (noch sage ich nicht Chef…das Attribut muss er sich erst noch verdienen ) gebracht. Als GF hatte er das endgültige Recht zu entscheiden, wer denn nun von den Bewerbern als Drittes Teammitglied zum Controller und mir kommen soll: und hat uns einfach mal, kurzerhand ZWEI davon als „total tolle Buchhalter“ für unser Team ausgesucht.

Ohne mit uns vorher darüber zu sprechen werden es jetzt also 2 und nicht 1..und nicht etwa, weil er uns etwas Gutes tun wollte…nein, weil er mit einer der dänischen Controller-Kollegin so seine Probleme hat…und nicht das er das mit der Teamleiterin der Kollegin oder dem Abteilungsleiter vor Ort vorher geklärt hätte…NEIN er hat sich entschieden diese eine spezielle Gesellschaft von der Kollegin von DK weg zu nehmen und nach DE zu holen und geht gleich bis ganz oben in der Hierarchie, um eine weitere Stelle genehmigt zu bekommen und es hat wohl mittels eines Telefonats kurzfristig gefruchtet und Beide sollten am 01.08. anfangen und der Controller geht im August noch für 2 Wochen in Urlaub. Okay inzwischen fängt einer jetzt zum Glück erst am 01.09. an.

So – das hat gesessen!

Wir sollen also mitten in der Umstellung auf ein neues ERP-System, eine Gesellschaft aus einem alten Sytstem in DK in ein noch älteres System in DE übernehmen (dabei müssen alle Konten neu definiert und umgestellt und die Gesellschaft manuell eingerichtet werden…um dann gleichzeitig diese Gesellschaft aus unserem Uralt-System für die Übertragung in das neue System vorzubereiten, welches Wiederum einen ganz anderen Kontenplan hat. DAS macht mich sprachlos und auch wütend.

Es ist jetzt echt nicht der richtige Zeitpunkt für so einen Wechsel…Vor allem weil der neue Kollege, ja auch erst einmal das Geschäftsmodell und unsere bisherigen Anforderungen verstehen und lernen muss…und soll dann gleich eine bisher komplett in dänisch geführte Fima übernehmen. Unsere deutschen Gesellschaften führen wir in Deutsch und Englisch…aber wenn eine Firma komplett von der Zentrale ausgeführt wird, wird alles komplett in Dänisch gemacht.

Außerdem reicht ja eine Firma dieser Größe gar nicht aus, um den Arbeitstag auszufüllen…und der wird dann auch noch zu mir ins Büro kommen…na ok – damit hab ich mich ja schon letzte Woche beschäftigt…das ist okay. Geklärt war mit dem Controller vorher das ich ein paar meiner Gesellschaften an den 3. Controller abgebe, sobald dieser eingearbeitet ist, damit wir als 3er Team uns auch gegenseitig vertreten können…nun müssen wir neu denken.

Ich bin mir noch nicht sicher ob mir diese Änderungen alle gefallen….und ich habe beschlossen zumindest schon mal meine Bewerbungsunterlagen auf einen neuen Stand zu bringen…das hab ich auch bereits erledigt..es fehlt nur noch ein neues Foto.

Ich brauche jetzt erst einmal den Urlaub und dann schaue ich, wie es weiter geht…ob ich mich mit all dem anfreunden kann oder ob ich mich doch mal auf dem aktuellen Arbeitsmarkt umschaue….ich weiß es noch nicht…denn eigentlich mag ich meine Arbeit…und zwar genau so, wie sie jetzt ist….nur das drumherum ist echt nervig geworden.

Veränderungen – ich bin nervös

Schon seit ein paar Tagen bin ich nervös, das steigerte sich dann bis Donnerstag. Ich bin früh ins Büro gefahren, denn heute gab es das, inzwischen wieder übliche, „Begrüßungs-Frühstück“ für die neuen Kollegen. In der Coronazeit war ich die Letzte, für die es das gab…fast 2 Jahre fand es dann nicht mehr statt….und nun, seit ein paar Monaten, dürfen wir das wieder und die Assistentin der Geschäftsleitung kümmert sich um den Einkauf und die Vorbereitung im großen Meetingraum. Na klar helfe ich dabei und andere Kollegen auch.

Es ist eine schöne Geste des Arbeitgebesr die neuen Kollegen damit zu begrüßen, sich locker und ungezwungen für ca. 1-1,5 Stunden mit allen Kollegen des Standortes zusammen zu setzen und zu plaudern – egal aus welcher Abteitung. Essen verbindet doch immer noch. Es ist kein Zwang, jeder kann – keiner muss anwesend sein….und durch Messen, Homeoffice und andere Auswärts-Termine, sind wir auch nie wirklich alle da…das würde inzwischen auch unseren „großen“ Meetingraum sprengen, der ist nur für 14-16 Personen ausgelegt. Wir stellen ja laufend immer mehr Kollegen ein und im November waren es damit 2 neue Gesichter.

Normalerweise machen mich neue Kollegen nicht nervös und auch nicht, dass ich mit einer Kollegin zusammen das Frühstück vorbereitete…aber ich war so nervös, weil einer der beiden neuen Kollegen zu uns ins Büro kommt…endlich hat der Controller seine Entlastung. Jemand der ihm die zeitraubenden Routine-Arbeiten abnimmt…damit wird aus unserem 2er Team in einem kleinen Büro, ein 3er Team.

Ich finde es toll das der Controller jetzt jemanden hat, der ihm hilft, mag die Vorstellung aber überhaupt nicht, jetzt zu Dritt in dem kleinen Büro sitzen zu müssen. Ich habs ja nicht so mit Veränderungen…und ich bin ja auch etwas speziell was Geräusche angeht und hab gerne meine Ruhe beim Arbeiten. Mit Klaustrophobie und Misophonie ist es eben nicht so einfach für mich.

Ja gut, in unserem Büro stehen schon 3 Schreibtische. Den Dritten haben wir aus Platzmangel eben immer auch so mit genutzt. Der Controller ist jetzt auch, was Ordnung angeht, das genaue Gegenteil von mir: Ich arbeite nach der „Clean-Desk-policy“ d.h. wenn ich nach Hause gehe, steht und liegt nichts herum und auch tagsüber herrscht Ordnung auf meinem Schreibtisch…alles wohl geordnet in Klarsichthüllen, auf maximal 3 Stapeln sortiert. Stifte, Stempel, Kaffeebecher und andere oft genutze Dinge haben ihren genau zugewiesenen Platz auf dem Tisch und Handy und Schlüssel müssen nicht offen herum liegen.

Beim Controller liegt alles breit gefächert auf Fensterbank, Sideboards, seinem Schreibtisch und dem 3.Schreibtisch quer durch einander. Der Laptop bleibt auch über Nacht aufgeklappt und die Bildschirme leuchten im Standby-Modus. Alles ist kreuz und quer verstreut und ich versuche nur in den gemeinsam genutzten Bereichen, sein Chaos zurück zu drängen. Damit kann ich inzwischen gut umgehen – ich hab mich daran gewöhnt.

Natürlich fragen mich die Kollegen schon seit Wochen: UND – wo wird der Kollege platziert? grrrrrr – na wo wohl – in unserem Büro. Da mich ja alle kennen, sind sie überrascht…und wie geht es Dir damit? grrrrrr – falsches Thema..ich bin hypernervös.

Wer weiß, ob der zusätzliche Kollege auch chaotisch veranlagt ist, den ganzen Tag vor sich hinmurmelt, ständig Nüsse oder Äpfel knabbert, permanent die Nase hochzieht und auch noch laut ohne Headset telefoniert .. Alles Dinge die ich nur schwer ertrage.

Neu-Start im Job

Ich bin jetzt bereits 4 Tage im neuen Job und es geht mir richtig gut.

Der dänische Konzern aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien hat in Hamburg einen ziemlich eigenständig agierenden Zweig, von dem aus eine ganze Menge kleinerer Firmen betreut werden.

Der größte Teil der Mitarbeiter in Hamburg kümmert sich um Projektplanung und Technischem Service, die Verwaltung bestand bisher nur aus 1 Person und hat durch meine Ankunft eine Steigerung um 100% ehrfahren.

Die Büroetage bietet Platz für insgesamt ca. 15-17 Personen, von denen ich bisher nur 5 kennen gelernt habe. Ich teile mir das Büro mit meinem Buchhaltungs-Kollegen. Die Firma ist gerade erst hierhin gezogen, da es am alten Standort nicht mehr genügend Platz gab und so ist hier tatsächlich alles auf dem neuesten Stand der Technik. Auch die Ausstattung der Arbeitsplätze mit Laptop und Smartphone ist top….und für alle sind sogar die Schreibtische höhenverstellbar (das empfinde ich als Luxus, ist in dänischen Firmen allerdings Pflicht – das wusste ich vorher auch nicht) und modernstem Bürostuhl der sich optimal einstellen lässt.

Es gibt frei verfügbar Kaffee,Tee, Wasser und Obst, eine voll ausgestattete Küche incl. Kochplatte und 2 Mikrowellen und einen Dachgarten auf dem wir mittags schon draußen gesessen haben.

Was aber viel wichtiger als diese Top-Ausstattung ist, die Kollegen sind entspannt und nett…es gibt durch die flachen Hierarchien keine direkten Vorgesetzten am Standort und sehr wenig Druck…jeder arbeitet eigenverantwortlich und von Dänemark gibt es nur wenige Vorgaben. Bisher sind mir noch keine Spannungen untereinander aufgefallen.

Und jetzt kommt das BESTE: es gibt KEINE monatlichen oder quartärlichen Abschlüsse, es gibt KEINEN Zeitdruck. Es gibt nur 1/2-jahres und Jahresabschlüsse nach HGB und Steuerrecht…damit entfällt das Prinzip der gleichzeitigen Ledger-Buchungen…. also keine IFRS-Abschlüsse (oder noch schlimmer US-GAAP).

Mit dem Buchhaltungskollegen komme ich klar, er ist eher still und hat ähnliche Ansichten über Strukturen und die Art zu Arbeiten. Es ist offen und direkt und mir fiel es von Anfang an leicht mich mit ihm zu Unterhalten…auch über das Arbeiten hinaus. Wir sind in einem ähnlichen Alter … also Buchhalter vom alten Schlag…immer noch etwas papierlastig aber auf dem Weg ins papierlose Büro hahahha….okay also halbwegs papierlos….so ganz wird es bei uns nie klappen.

Mein Kollege ist niemand der anderen seine Arbeitsweise überstülpen will und er merkt, das ich nichts adhoc umkrempeln werde…es ist sogar so, das er gerne seine Strukturen ändern möchte, wo ich dann schon mal bremse, da es vielleicht keine gute Idee ist gleich zu Anfang alles zu ändern. Ich hab ihm signalisiert das ich gerne erst einmal gerne seine Strukturen übernehme und wenn ich merke wir könnten es uns einfacher machen, wir es dann besprechen. Da wir uns ja gegenseitig vertreten sollen, ist es sinnvoll die Firmen auch nach den gleichen Strukturen zu bearbeiten.

Wir waren uns sofort einig, wie die Arbeit aufgeteilt werden kann und ich hab ein paar Vorschlage gemacht, z.B. wie wir den Fortschritt der Arbeiten für jede Gesellschaft besser nachverfolgen können.

Ich lerne von ihm das Geschäftsmodell und die Strukturen innerhalb des Konzerns kennen, und zusammen suchen wir nach Strukturen um die Arbeit so effektiv wie möglich zu gestalten.

Schon nach 4 Tagen fühle ich mich hier wohl, bin schon produktiv in die Arbeit eingebunden. Innerhalb von 2 Tagen waren trotz Corona und der Einschränkungen in der Arbeitswelt, fast alles Zugänge für die verschiedenen Programme funktionstüchtig….und gestern war ich sogar alleine im Büro und hab fleissig gearbeitet

…und hier darf ich geanu so arbeiten, wie ich es gerne mag: Als Allrounder – von allem etwas: Banken, Kreditoren, Debitoren, Sachkonten, Anlagevermögen, Zahlläufe, Abschlüsse…..

…bei so viel Glück bin ich fast schon wieder verunsichert…