Ruhe im Moor und eine Begegnung

Auf die Fahrt ins Pietzmoor hab ich mich echt gefreut.

Er dauert mit dem Auto nur ca. 1 Stunde und der Weg durch den Elbtunnel am Mittag war trotz des vielen Verkehrs unkompliziert.

Bei dem schlechten Wetter (bedeckt, leicht windig und eisig kalt) war der große Parkplatz am Schäferhof leer.

Ich hab mich im Auto erst einmal wetterfest umgezogen…und mit den letzten Vorbereitungen kam ein weiteres Auto auf den Parkplatz, fuhr ein paar Meter an mir vorbei und ein Mann – so Ende 50 – stieg aus.

Ich hatte die Mütze tief ins Gesicht gezogen, meinen Rucksack geschultert und machte mich auf den Weg. Der Mann blieb an seinem Wagen stehen, sah zu mir. Ich grüßte mit einem Moin und ging an ihm vorbei…höflich, wie ich nun einmal bin.

Er richtete das Wort an mich: Ich käme wohl aus Hamburg um hier im Moor meinem Stress zu entfliehen.

Eine merkwürdige Art ein Gespräch anzufangen…ich schaute ihn kurz an und entgegnete: So in etwa – möchte nur einen schönen Nachmittag hier verbringen…und lief weiter…so langsam kam ich dann auch in meinen Lauf-Rhythmus und eigentlich wollte ich mich nicht weiter unterhalten.

Aber der Mann war, trotz meines schnellen Schrittes, nicht weit hinter mir und als ich für ein Foto stehen bliebe holte er mich ein….und richtete wieder das Wort an mich….über das Eis auf dem Moorsee – welches ich gerade versuchte im Bild einzufangen:

hmmm…neee so hatte ich mir meinen Nachmittag hier nicht vorgestellt…ich versuchte es mit längerem wegdrehen und Stehenbleiben, um weitere Motive auszuloten….aber der Mann ging nur ein paar Schritte weiter…stellte sich dann an ein Geländer und sah auf den Moorsee und schien nicht die Absicht zu haben, weiter zu gehen.

Neee – also so wird das nichts mit meiner Ruhe hier …ich hab also den Turbo eingelegt und bin noch schnelleren Schrittes wieder an ihm vorbei gegangen…und den schnellen Schritt behielt ich für die nächsten 1-2 km bei… ich blieb nicht mehr stehen und schaute mich auch nicht um.

Ich hab lange Beine und kann große Schritte machen….irgendwann hatte ich das Gefühl, wieder alleine zu sein…und so war es auch…ich hab also meine Schrittgeschwindigkeit wieder auf Normalmaß verlangsamt und nun endlich konnte ich den Weg, die langsam aufklarende Aussicht und vor allem die Ruhe und kalte Luft so richtig geniessen…warm war mir inzwischen auch.

Nach der ersten Runde mit knappen 5 Km, kam ich wieder am Parkplatz an….der war wieder leer…also bis auf mein eigenes Auto. Prima – der Mann von vorhin hat also irgendwann kehrt gemacht und ist dann wohl weiter gefahren.

Irgendwie hat es mich erleichtert, der Mann wirkte zwar nicht unsympathisch…aber ich wollte eben keine Unterhaltung führen…ich war bei dem Wetter hierhin gekommen, um meine Ruhe zu haben…und mit Ruhe, meine ich wirklich Ruhe….ich wollte mich nicht unterhalten…ich wollte keine Gesellschaft.

Leider wird manchmal meine im allgemeinen freundliche Art zu anderen Menschen, mit echtem Interesse verwechselt.

In der Gewissheit nun wirklich alleine meinen Weg weiter gehen zu können, hab ich mich für eine zweite, kleinere Runde entschieden….und hab, wie immer, die vereinzelten Menschen, die mir dann doch begegneten, freundlich im Vorbeigehen gegrüßt – wie man das eben so macht, wenn man sich im Wald oder im Moor begegnet…das habe ich schon als kleines Kind gelernt. Man geht nicht wortlos aneinander vorbei.

Nach insgesamt knappen 8km kam ich dann wieder an meinem Auto an…jaaa das hatte gut getan…die Lüneburger Heide macht auch bei schlechtem Wetter Spaß…ich liebe die Landschaft, diese Ruhe und Weite….wenig Menschen….soooo fängt Erholung für mich an.

Wieder an meinem Auto angekommen, steckte am Türgriff auf der Fahrerseite ein großer Zweig mit zarten Blütenknospen von einem Strauch in der Nähe…da hat mir wohl der Unbekannte einen kleinen Gruß dagelassen.

Meine Fahrt ging dann weiter zu meinem 2. Zielort: Soltau….das war nur noch ein paar Km entfernt.

zäher Start in den Kurzurlaub

Der Weg bis zum tatsächlichen Urlaubsstart am Donnerstag, war dann noch zäh.

Kaum hatte ich das Gefühl, das es mal wieder im Job besser läuft, gab es Rückschläge…keine Großen, dafür viele Kleine.

Donnerstagmorgen wollte ich dann noch ein paar Dinge erledigen – so für ein besseres Gefühl von „ich kann jetzt getrost mal ein paar Tage aufhören mit Arbeiten“….

…doch es kamen jede Menge neue Dinge rein, die alle „mal eben“ hätten erledigt werden sollen

Und mit jedem neuen Ding wurde ich unruhiger und kam gar nicht so richtig in einen Arbeitsflow…

In dem Moment hab ich den Computer runtergefahren…das muss jetzt einfach mal warten. Immerhin ist heute bereits mein 1.Urlaubstag.

Den restlichen Vormittag hab ich also meine Reisetasche gepackt, die Wohnung etwas aufgeräumt und noch die Reste aus dem Kühlschrank in ein Mittagessen verwandet.

Immer noch total aufgedreht von der Arbeit, bin ich dann losgefahren: 1. Ziel das Pietzmoor bei Schneverdingen für eine schöne Wanderung durch das Moor.

Auf der Suche nach Ruhe und Erholung.

Im Moor

Im Moor

Nun gut, der verschwunde Sack Blumenerde hat mich nicht lange aufgehalten. Weg ist nun mal weg….ich bin also Sonntagvormittag losgefahren. Die Kaffee-Becher waren gefüllt, Wasserflasche auch, Butterbrote geschmiert….hahahaha ich könnte ja unterwegs verhungern so in der weitern Prärie über deutsche Autobahnen.

Kurz noch der Stopp um meine Bürgerpflicht bei der Wahl zu erfüllen und dann ging es in Richtung Süden…bis kurz vor Hamburg ging es dann auch flott…aber dann gab es einen Unfall noch vor dem Elbtunnel….Stau! und zwar mit Stillstand…..und auch hinter dem Elbtunnel später ging es durch die Baustellen nur langsam weiter…alles zusammen hat das dann ca. 2,5 Stunden anstatt 1 Stunde gedauert ..mir aber trotzdem kaum etwas ausgemacht…ich war ja versorgt.

So war es dann gegen Ende der Mittagszeit, als ich im Pietzmoor bei Schneverdingen ankam. Tolles Wetter, Sonntag, Muttertag = der Parkplatz war brechend voll….aber meine Hoffnung trog mich nicht, die meisten hatten sich um diese Zeit in das Wald-Restaurant begeben…das hatte ich für diesen Tag erst gar nicht in Betracht gezogen…obwohl das Essen im Schäferhof sehr gut ist. Gute Qualität, regional und saisonal. Dafür gab es ja meine Butterbrote.

Die Rundtour durch das Moor ist knappe 5 km lang und zuerst waren noch einige kleinere Familientrupps vor mir auf dem Weg..aber die hab ich dann schnell ein- und überholt und dann hatte ich tatsächlich wieder die Ruhe, die ich so mag…es war zwar nicht menschenleer, aber viel weniger Menschen auf den Wegen, als gedacht und vor allem war es meistens schön ruhig.

Sofort fühlte ich mich ruhig und zufrieden…die Landschaft ist einfach herrlich hier…locker und leicht lief ich die Wege und hätte gefühlt ewig so weiter laufen können

Am Ende des Rundwegs wollte ich noch nicht zurück zum Auto…bin dann einen etwas kleineren leicht versteckten Weg gegangen…hab mich dann irgendwann ins Gras gesetzt und einfach nichts weiter gemacht als bei meinen Problemfuß die Schmerzen weg zu kneten und die Umgebung zu geniessen.

Als ich wieder am Auto ankam waren es knappe 8km und das bei dieser schönen Umgebung. Ich war schon mittendrin im Urlaubs-Feeling.

Kurzurlaub – halbwegs spontan

Sooo die grobe Planung steht….noch sitze ich auf dem Balkon und erfreue mich an der ersten Tasse Kaffee des Tages.

Gleich packe ich dann meine Tasche für eine Übernachtung, incl. Wanderrucksack und -schuhen, schnappe mir dann meine Wahlbenachrichtigung und fahre als Erstes zum Wahllokal (Kommunalwahl).

Anschließend geht es auf die Autobahn in Richtung Schneverdingen…ich war schon lange nicht mehr im Pietzmoor zum Wandern. Reine Fahrtzeit von hier etwas mehr als 1 Stunde.

Später geht es dann weiter nach Celle, das sind noch einmal knappe 60 km…dort hab ich ein Hotelzimmer reserviert, also bleibt mir genügend Zeit mir diese schöne, alte Stadt etwas genauer am Abend und am nächsten Tag anzuschauen. Montagnachmittag geht es dann wieder nach Hause.

Und obwohl es nur eine Übernachtung ist, hatte ich seit der Reservierung gestern Mittag schon mehrmals das Bedürfnis, das gleich wieder zu stornieren…..das wird echt immer krasser….ich schlafe eben am Liebsten zuhause. Warum soll ich auch woanders schlafen wollen…hier hab ich doch alles genau so, wie ich es möchte. hahaha

Aber dem Impuls hab ich bisher nicht nach gegeben. Es wird mir gut tun, mal wieder raus zu kommen. Es ist ein schönes Hotel mit guter Bewertung und zu einem akzeptablen Preis.

Auf jeden Fall werde ich heute vor 11 Uhr meinen Ort hier verlassen haben, dann nämlich fängt das Bürgerfest an und da ja auch noch Kommunalwahl und Muttertag ist, wird hier überall viel Unruhe sein….bereits seit ein paar Minuten schallt Musik vom Rathausplatz herüber und die Nachbarn drumherum richten ihre Terrassen für die Besucher her….also Zeit für mich, aufzubrechen.

Ich wünsche Euch einen tollen Sonntag …