Privatsphäre und Post-Geheimnis

Ich hab mir vorher nie Gedanken darüber gemacht, das ein Gemeinschaftsbriefkasten etwas mit fehlender Privatsphäre zu tun haben kann….und das ich das tatsächlich mal als unangenehm empfinden könnte.

Und dabei rede ich nicht von den obligatorischen Postkarten, die quasi jeder lesen kann….sondern schon von verschlossenen Umschlägen….Aber auch das sind Daten. Verraten die Absender doch eine Menge über mein Leben…bekomme ich Post von einer Lebensversicherung….oder vermehrt Post vom Finanzamt….oder als Autofahrer öfter Post aus verschiedenen Städten oder Gemeinden (z.B. Knöllchen)….bekomme ich Post von einem Anwalt oder von Banken…. von Vereinen oder öfter Post vom Arbeitgeber….bekomme ich private Briefe oder eben nicht….

Anfangs hat es mich nicht gestört….aber als ich dann auf einmal einen „gelben“ Umschlag, also eine förmliche Zustellung, von einer Stadt erhalten habe, die mir mitteilte ich hätte mein Knöllchen nicht bezahlt, da fand ich das unangenehm….zumal ich mich nicht erinnern könnte, ein solches überhaupt erhalten zu haben…. oder als meine Jahresabrechnung der Stadtwerke in einem unfrankierten, nicht beschrifteten weißen Umschlag bei mir landet. Wäre ja kein Problem, wenn sie ihn versehentlich aufgemacht hätte…kann ja passieren….aber dann ganz ohne einen kleinen Hinweis die Abrechnung in einem neutralen Umschlag hinzulegen. Ein kleiner Zettel mit einem „sorry, hab ich versehentlich geöffnet“….das wäre doch normal gewesen.

Bisher hat meine Vermieterin immer die Post aus dem Gemeinschaftsbriefkasten genommen und mir meine auf die Treppe gelegt….letzte Woche hat sie mir nun mitgeteilt, sie hätte ihren Postschlüssel verlegt und ich solle meine Post selber aus dem Briefkasten nehmen….allerdings finde ich immer nur meine Post darin….ihre nicht, also versteckt sich der Schlüssel nur, wenn es um meine Post geht. Warum immer diese so offensichtlichen Lügen….das ist so unnötig.

Bei dem Gedanken bald wieder über einen eigenen Postkasten verfügen zu können, fühle ich mich gleich ein Stück freier….auch wenn ich doch eigentlich nichts zu verbergen habe.

Paranoia lässt grüßen

Das Buch „Zero, Sie wissen was du tust“ von Marc Elsberg ist nach „Blackout“ das 2. Buch von ihm, welches mich fesselt.

Es ist ein Thriller um Privatsphäre, Internet-Daten, Aktivitätstracking usw. … mega-aktuell , ungeheuer spannend, erschreckend realistisch und damit läuft mir zumindest schon ein Schauer über den Rücken. Wie privat sind wir eigentlich noch?

Ich hatte schon vorher bei meinem Laptop die eingebaute Kamera zugeklebt…weil ich mich sonst unwohl gefühlt habe ….aber mit diesem Buch fühlt man sich verfolgt….oder zumindest wie ein Neurotiker…

Natürlich ist es nur ein Roman. Aber er stellt viele Dinge die wir inzwischen als Normal betrachten in einem anderen Licht da. Wie sorglos sind wir wirklich mit unseren Daten und wie selbstbestimmt treffen wir tatsächlich unsere Entscheidungen?

Bei jeder Suchanfrage im Internet wird uns von Google, Bing oder Yahoo eine Vorauswahl präsentiert. Bereits hier wird unsere Entscheidung beeinflusst, weil uns eben nicht alles angezeigt wird und da auch alles nur nacheinander dargestellt werden kann, beeinflusst die Reihenfolge der Ergebnisse noch einmal… und das ist nur der Anfang….

….wie gesagt: die Paranoia lässt grüßen!