Kurz vorm Durchdrehen

(Achtung – nur langweiliges Arbeitszeugs)

Ich habe tatsächlich letzte Woche von Donnerstagmittag bis Sonntagabend nicht gearbeitet…ja das tat gut….auch wenn ich genau wusste: das wird mich wieder einholen…die Arbeit macht sich ja nicht von alleine.

Und genau so war es auch: von Montag bis Mittwoch war ich im Homeoffice und habe einen Abschluss nach dem nächsten durch das alte System gejagt….sooooo nun sind 25 von 27 Gesellschaften bei den Wirtschaftsprüfern…für einen Moment konnte ich durchschnaufen, bevor ich dann nach und nach die Rückmeldungen mit Fragen und mit den Abschlussberichten bekommen werde und dann auch noch die aller letzten Umbuchen im Altsystem machen muss, um das Jahr endgültig abzuschließen.

Ich dachte, das mit den Rückmeldungen dauert noch eine Weile, denn auch unsere Wirtschaftsprüfer ächzen unter der Last der vielen Gesellschaften…aber Pustekuchen…bereits bis Ende meiner Arbeitswoche am Donnerstag (Freitag hatte ich schon den nächsten Urlaubstag) hatte ich schon 5 Rückmeldungen bekommen…seufz.

Dabei wollte ich mich endlich auf die Migrationsdaten konzentrieren, die ersten Kontrollen hatten gezeigt, das da noch einiges nicht stimmt…aber wie immer, gab es Schwierigkeiten beim Anpassen…ich hatte also ein kleines Meeting mit unserer Kollegin aus dem Change Team, um die offenen Fragen zu klären…und bei der Suche im neuen System, nach einer Lösung für diese Schwierigkeiten, bin ich tatsächlich auf die Lösung für ein anderes Problem gestoßen.

Das war so absurd, das ich ausgerechnet in dem Programmteil die Lösung gefunden habe…wo ich es nie vermutet hätte. Auf meine Frage schon vor Wochen, ob man bei gebuchten Posten evtl. den Buchungstext ändern kann, hieß es von der Herstellerfirma und auch von unserem Change-Team immer …man wisse gar nicht, ab das gehen würde. Dabei ist ein Buchungstext kein „sensibles Feld“. Soll heißen es dürfte kein Problem sein, den Text zu ändern…solange man alles andere nicht ändern kann.

Ich wollte mich zwar nicht damit zufrieden geben, wusste aber auch nicht, wo ich das suchen sollte und bin durch Zufall darauf gestoßen. In einem Untermenü eines Untermenü-Punktes stand dann auf einmal „Change Text Voucher“. Nanu- genau so etwas suche ich doch. Ich hab den Programmpunkt aufgerufen, hab ein bisschen herumexperimentiert und juuup: ist zwar nicht wirklich logisch, funktioniert aber – und jede Änderung wird protokolliert, aber darin sehe ich kein Problem, ganz im Gegenteil.

Sooo also hab ich schnell eine Kurzanleitung geschrieben und meinen beiden Kollegen zur Verfügung gestellt.

Ich überlege allerdings noch, ob ich es dem Change-Team überhaupt mitteile…nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus der Erkenntnis vieler Jahre hinaus, das manches war (systemseitig) möglich, aber (intern) nicht wirklich gewollt ist…evtl. sollten wir die Funktion gar nicht finden und wenn ich das jetzt herausposaune, könnte es passieren, das dieser Programmpunkt für uns gesperrt wird – hahaha – hab ich alles schon erlebt.

Manchmal ist es besser, einfach das Wissen nicht hinauszuposaunen. Mal sehen ob die Kollegin aus dem Change-Team das Thema noch einmal aufgreift, bisher haben meine mehrmaligen Nachfragen zu keiner Lösung geführt…deshalb bin ich jetzt skeptisch.

Donnerstag war ich im Büro und das war seit längerem mal wieder ein Tag in dem ich durchzudrehen drohte Es prasselte so viel auf mich ein, das ich minutenlang vor dem Computer saß und nicht wusste, was MACHE ich jetzt als NÄCHSTES…vor allem für die beiden neuen Gesellschaften, die ich übernommen habe, gab es viel Anfragen von allen möglichen Kollegen, dazu viele allgemeine Meetings, wo man merkt, die anderen Abteilungen haben gerade so gar keinen Stress…und ich wurde nervöser und nervöser, habe mich, wie ein Terrier, in einige Aufgaben verbissen die aber zu Fehlern im System führten und kam in einen negativen Strudel aus Sorgen und Verzweiflung, weil einfach nichts funktionieren wollte.

STOP und tief durch atmen…so geht das nicht. Ich habe mich dann selber aus der Schusslinie genommen, hab mir kleine Auszeiten genommen…mit Kollegen gequatscht, länger Mittagspause gemacht….hab ein paar einfache Nebensächlichkeiten abgearbeitet, bevor ich mich dann wieder an die eiligen und wichtigen Sachen gemacht habe. Da ist zwar auch nicht wirklich logisch, aber ich brauchte das…dann müssen die Anderen eben warten…muss ich ja auch oft genug. Mehr als arbeiten geht nicht.

Eine Entscheidung – viel zu spät für mich

Die gesamte Woche im Job kann ich unter dem Begriff „merkwürdig“ zusammenfassen und da will ich mich auch gar nicht ausnehmen…ich habe auch merkwürdig reagiert.

Seit nunmehr fast 8 Monaten renne ich meinem Chef die Bude ein, um ein Problem gelöst zu bekommen, welches nicht in meine Entscheidungsbefugnis fällt. Ich habe also meinen dänischen Chef Mails geschrieben und das Problem erklärt, wir hatten Teams-Meetings (mal zu Zweit, mal zu Viert) und er hatte ja versprochen sich darum zu kümmern. Es tat sich jedoch nichts.

Ich habe wieder und wieder geschrieben, mit noch höheren Vorgesetzten in cc…wir haben weitere Team-Meetings gehabt und es tat sich immer noch nichts. Da das Thema inzwischen zeitkritisch wurde, hat eine Kollegin (die am anderen Ende des Problems sitzt) auch mehrfach um Lösung gebeten – nichts ist passiert….und dann hat mein Chef Ende Mai 2024 das Unternehmen verlassen und mich an seinem letzten Tag darauf verwiesen, ich solle es mit den höheren Chefs klären.

Ich hab also noch einmal die höheren Chefs informiert das ich hierzu eine Entscheidung brauche, bzw. meinen Handlungsvorschlag unterbreitet und um ein okay gebeten. Geschehen ist immer noch nichts. Keine Antwort.

Ziemlich frustriert hatte ich vor fast 2 Wochen Jemanden angeschrieben, der seit ein paar Monaten meinem (nunmehr ehemaligen) Chef unterstellt war, aber auch eine Leitungsfunktion in DK innehat…er war sogar einmal bei einem unserer Meetings dabei. Trotzdem hab ich mich noch einmal per Mail vorstellt, wer ich bin, um welche Firmen es geht, wie die gesellschaftsrechtlich und vertraglich miteinander verbunden sind und WO genau uns jetzt das Problem drückt…und das wir demnächst mit weiteren Firmen dasselbe Problem bekommen werden. Ich brauche daher dringend eine Handlungsanweisung.

Danach hab ich eine Woche gewartet und weil ich auch von dort keine Antwort bekam, ein Teams-Meeting eingestellt…und siehe da: er hat zugesagt und wir haben das Gespräch diese Woche Dienstag geführt. Ich habe noch einmal die komplexen Zusammenhänge und das Problem erklärt (meine Mail hatte er nur überflogen).

Das Thema hat er schnell erfasst, aber erst als ich ihn darauf hinwies, das es da einen Externen Beteiligten gibt, der seit Monaten auf die Entscheidung wartet, weil er sein Geld nicht bekommen kann, wenn das Thema vorher nicht vertraglich gelöst wird…wurde er hellhörig und versprach sind darum zu kümmern, er würde sich mit einem Kollegen aus der konzerneigenen Steuerabteilung besprechen…..

….knapp 1 Stunde später hatte ich eine Mail mit Lösungen und exakten Handlungsanweisungen für mich und unseren Syndikus…alles klar und strukturiert aufgelistet. Super – genau so mag ich es.

Und was mache ich: ich sitze nur stumpfsinnig vor der Mail und denke: super. Mehr nicht.

Normalerweise freue ich mich, wenn ein langfristiges Thema endlich gelöst ist…ich fange an zu jubeln, freue mich auch lautstark und bin voller Energie und Tatendrang…denn es fällt ja eine Last von mir ab, wenn ein großes Thema endlich erledigt ist.

Nicht so dieses Mal…eigentlich sitze ich nur da und denke: okay, die Lösung ist super und für mich auch einfach umzusetzen. Aber warum musste ich darauf fast 8 Monate warten? Warum konnte oder wollte mein Chef das Thema nie ernsthaft angehen?

Mich hat es die letzten Monate wirklich belastest…und jetzt bin ich einfach nur enttäuscht, fühle mich bei dem Thema derartig erschöpft, das ich mich über die Lösung gar nicht wirklich freuen kann. Dieses Gefühl so lange in der Luft hängengelassen worden zu sein, ist echt nicht schön und hallt noch in mir nach.

Als Konsequenz daraus reagiere ich, wie ich immer reagiere : mit Rückzug in mein Schneckenhaus….das muss ich jetzt erst einmal in Ruhe verarbeiten.