Im Norden unserer Republik ist heute ein Feiertag: Reformationstag und ich bin dankbar für die heutige Auszeit. Morgen müssen wir dafür wieder Arbeiten, wenn in anderen Bundesländern „Allerheiligen“ gefeiert wird. Viele nehmen sich bei uns Freitag einen Tag Urlaub, um mit diesem Brückentag ein langes Wochenende zu bekommen.
Ich werde Morgen zwar arbeiten, bleibe aber im Homeoffice. Dafür hab ich mir Montag einen Tag Urlaub genommen und bekomme auf diese Art eben auch ein etwas längeres Wochenende.
Der Stresspegel in unserer Abteilung nimmt gerade rapide zu…und das färbt auch immer mehr auf mich ab, werde ich doch mit Themen konfrontiert, die eigentlich nicht meine sind. Aber sobald der Controller und der Schweigsame mir davon erzählen, werde ich noch nervöser…es tut mir auch nicht gut, das ich neuerdings bei all ihren Themen per Mail auch immer in cc gesetzt werde.
ich habe schon versucht es den Beiden abzugewöhnen…aber es funktioniert nicht…also versuche ich solche Mails zu ignorieren…klappt nur nicht so richtig bei mir.
Ja der Schweigsame ist tatsächlich seit Montag wieder im Büro und „arbeitet“. Ich hatte ihn während eines 2er Teams-Meeting auf seine unentschuldigte Abwesenheit angesprochen….angeblich wäre alles ein Missverständnis zwischen dem Controller um ihm. Der hat mir das auch später so gesagt. Na gut – wenn ihr meint…ich finde es trotzdem mehr als seltsam.
Seitdem ich ihn auf sein Kommunikationsverhalten angesprochen hatte, spricht er tatsächlich etwas mehr mit mir. Er hat mich sogar einen Tag per Chat-Nachricht darüber informiert, das er gerade Probleme mit dem Schienenersatzverkehr hat und etwas späterins Büro kommt…und fragt mich mittlerweile sogar in ganzen Sätzen, ob ich ihm kurz helfen kann oder ob wir mal etwas testen können. Ich bin erstaunt, bleibe aber skeptisch.
Mein Entgegenkommen auf die Kommunikations-Offensive seinerseits, ist, das ich ihm helfe, wenn er fragt, ihn aber ansonsten nicht weiter anspreche. Ich muss aber gestehen, das ich weiterhin der Meinung bin, das er nicht die richtige Person für diesen Job ist.
Er ist bestimmt ein guter und zuverlässiger Buchhalter, wenn er klar definierte und gut strukturierte Firmen mit standardisierten Abläufen betreut. Aber für diese chaotische Übernahme von neuen Firmen, die noch im Aufbau sind, wo externe Kooperationspartner mit an Bord sind, die in alles involviert werden wollen, wo nichts Standard ist, wo die Fehler aus der Anfangszeit erst noch behoben werden müssen, wo die neue Software noch nicht immer gut funktioniert und das in einem Unternehmensumfeld, welches er noch gar nicht kennt…er sich also vieles selber erarbeiten muss….das ist nichts für ihn. Das tut weder ihm, noch unserer Firma gut.
Dafür ist er zu defensiv und fragt nicht an den richtigen Stellen (Zentrale in DK) obwohl es ihm von dort immer wieder angeboten wurde, sich bei Fragen zu melden. Er hat tatsächlich nicht ein einziges Mal den Kontakt zu der Kollegin gesucht, die ihm das (sogar in unserem Beisein) mehrfach angeboten hat.
Als ich in der Firma anfing und sofort einen ganzen Schwung bestehender Firmen übernommen habe und dazu noch einen Stapel gerade dazu gekaufter Firmen implementieren sollte, hatte der Controller auch keine Zeit mir alles einzeln zu erklären…also hab ich eine rudimentäre Einweisung bekommen und dann stand ich da…hab mir alles mit Hilfe von Logik und vielen Fragen an die unterschiedlichsten Stellen selber erarbeitet…hab alle Kollegen (auch den Controller) mit Fragen gelöchert, wo es notwendig war und hab mir die Strukturen, wie ich mit so vielen Firmen gleichzeitig umgehen kann, ohne etwas aus zu den Augen zu verlieren, selber geschaffen. Musste mir ja sogar die Logik (oder auch Unlogik) unserer Buchhaltungssoftware immer wieder durch Fragen erklären lassen. Mal vom Controller, mal von den dänischen Kollegen.
Na klar sind mir im Laufe der ersten Jahre einige Fehler unterlaufen, weil ich Dinge fehlinterpretiert und erst mit der Zeit verstanden habe, wie das Geschäftsmodell bis in die letzte Ecke funktioniert. Hab dann Stunde und Stunde meine eigenen Fehler ausgemerzt, mich tierisch darüber geärgert…und bin dadurch in der Lage heute meine Firmen vollumfänglich zu betreuen, auch wen sich etwas ändert, weil ich es komplett überblicke.
Beim Schweigsamen scheitert es aber nicht nur an der Kommunikation, sondern er behält auch nur wenig von dem, was ihm erklärt wird. Er macht dadurch immer wieder die gleichen Fehler…weil er sich auch nichts aufschreibt. Der Lerneffekt bleibt daher klein und überschaubar…aber so kommen wir nur extrem langsam voran…während der Berg vor ihm immer größer wird. Nächste Woche kommt der GF zurück…bin mal gespannt, ob es dann zu einer Entscheidung kommt.
Der Controller hat mir mitgeteilt, das er Kontakt zu einem Personalvermittler aufgenommen hat…nicht um einen neuen Buchhalter zu finden…sondern um für sich selbst einen anderen Job zu suchen. Ja super – noch eine Sorge mehr, die meinen Schlaf stört und meinen Blutdruck in die Höhe treibt.
Innerhalb der letzten Wochen ist meine Ruhepuls um 10 Schläge die Minute hochgegangen…mein Herz pocht so unangenehm, das es mir fast weh tut und meine Schlafqualität nimmt immer weiter ab.
Deshalb bin ich froh über den freien Tag heute….hab mir heute Vormittag eine Meditationsstunde verordnet…letztlich waren es nur 50 Minuten die ich mit leisen und ruhigen Klängen, auf meinem Kissen am Boden sitzend, meine Aufmerksamkeit nur auf Atmung, Herzschlag und den sanften Tönen der Musik fokussiert habe.
Da ich das länger nicht gemacht habe, hat es eine Weile gedauert, aber so konnte ich zumindest nach einiger Zeit meinen Herzschlag wieder beruhigen.
Jetzt schreibe ich einfach mal wieder darauf los und merke, das ich das Thema mal wieder verselbständigt hat…was mir immer gut tut, wenn ich aufschreibe, was mich gerade umtreibt. Dann verliert es seine Bedrohlichkeit und ich fühle mich besser – im wahrsten Sinne des Wortes: entlastet.
Manchmal merke ich aber erst beim Schreiben, was mich wirklich umtreibt, wenn es aus meinen Fingern fließt und die Worte ihren Weg auf die Tastatur finden.
Wie sagt Trude immer so schön: mein Blog – meine Regeln 😉 Ich schreibe einfach das auf, was mir gerade im Kopf herumgeistert.
Ich habe dabei immer noch die Kopfhörer auf und sanfte Klänge begleiten mich beim Schreiben…Der Fernseher bleibt heute aus, ebenso die Nachrichten Apps…Das Wetter draussen ist windig und trübe bei 11 Grad, später werde ich noch eine Walkingrunde machen und evtl. gehe ich später noch Schwimmen…denn Bewegung und Sport ist, neben dem Schreiben, das was mir immer gut tut.
Ich wünche Euch einen schönen Feiertag (für alle Norddeutschen) oder zumindest einen schönen Donnerstag (für alle die heute keinen Feiertag haben) .