Entscheidungen und Routinen

Wir treffen jeden Tag hunderte von Entscheidungen….oft bewusst, die meisten jedoch ganz unbewusst. Stehe ich jetzt auf oder bleib ich noch ein paar Minuten liegen, gehe ich erst ins Bad oder schalte ich zuerst die Kaffeemaschine ein, ziehe ich die blauen Socken an oder die Schwarzen..entscheide mich für die Blauen, nur um fest zu stellen, das ich mich am Ende für ein komplett schwarzes Outfit entschieden habe. Wenn ich mich nun noch für die schwarzen Boots entscheide, können die blauen Socken bleiben (sieht dann keiner), nehme ich die Sneaker, muss ich die Socken noch einmal wechseln.

Und so geht es den ganzen Tag. Was uns dabei hilft unseren Geist zu entlasten sind Routinen. Meine Routine hilft mir mich nicht jedes Mal bewusst entscheiden zu müssen…Also stehe ich auf und schalte erst die Kaffeemaschine an und dann gehe ich ins Bad. Darüber brauche ich nicht nachzudenken…das passiert quasi automatisch.

Entscheidungen zu treffen fällt mir aber meistens ziemlich leicht….ich treffe sie zügig und dann mache ich es auch. Egal, ob es um leichte Entscheidungen geht (Socken) oder um Lebensverändernde (Wohnortwechsel). Sobald ich mich entschieden habe, hinterfrage ich diese Entscheidung nicht mehr, sondern steuere mein Ziel direkt an.

Und deshalb finde ich es auf der anderen Seite ziemlich lustig (also im Nachhinein), das ich gestern so einen Tag hatte, wo ich mich überhaupt nicht entscheiden konnte…ich stand mir quasi ständig selbst im Weg und dabei ging es doch bloß um eine Walkingrunde in Hamburg.

Ich hatte mich bereits mittags entschieden: ich fahre am später Nachmittag mit dem Auto bis zum Fähranleger Teufelsbrück, stelle das Auto ab und laufe mal wieder in der beginnenden Dunkelheit an der Elbe entlang. Solche Entscheidungen treffe ich ja quasi täglich….ob ich raus gehe, wann ich raus gehe, wo ich meine Runde drehen möchte.

Aber dann ging es los….och nööö, ist so ungemütlich Draußen, boa extra bis zum Teufelsbrück fahren, geht doch auch in Wedel am Schulauer Fähranleger, warum überhaupt ins Auto setzen und bis Wedel fahren, geht doch auch hier im Ort…neee möchte aber doch nach Hamburg….okay mein Kompromiss mit mir selber: ich nehme den Elbhöhenweg in Wedel.

Aber ich kam nicht wirklich los, hab immer noch anderes gemacht und inzwischen war es schon weit nach 20 Uhr und komplett dunkel draussen….hmmm soll ich jetzt noch fahren oder nicht….ich bin dann tatsächlich gefahren und in kompletter Dunkelheit den Elbhöhenweg entlang gelaufen…also gut, so mit Taschenlampe hier entlang zu laufen war jetzt nicht viel anders, als wenn ich bei mir im Ort meine Standardrunde genommen hätte. Einziger Unterschied hier in Wedel konnte ich die Elbe in der Dunkelheit schemenhaft erkennen.

Die Ernüchterung kam dann schnell: die Strecke war mit 3km deutlich kürzer als meine Runden hier im Ort (irgendwie hatte ich sie länger in Erinnerung), ich war auf der Rückfahrt hundemüde und musste mich stark auf die Fahrt über die Landstraße konzentrieren und dann hab ich zuhause auf den Kalender geschaut und festgestellt, dass ich MORGEN sowieso an die Elbe fahren werde….na das hätte mir ja auch mal früher auffallen können, das war ja eine echte Glanzleistung….hahahha

Egal – immerhin bin ich draußen gewesen und hatte eine kleine Walkingrunde…und anschließend hab ich extrem gut geschlafen.

Und heute am Sonntag werde ich dann tatsächlich nach Hamburg fahren…einen Abstecher in die Innenstadt machen…ich möchte endlich mal wieder in ein Cafè gehen und anschließend gehts an die Elbe…seit ich hier lebe, gehe ich am Geburtstag und am Todestag meines Vaters an die Elbe, mit einem kleinen Blumengruß und einer stillen Zwiesprache mit ihm.

Ich mag diese Routinen, über die brauche ich nicht nachzudenken…ich mache es einfach…und es fällt mir dann auch leicht, solchen Tagen zu begegnen…denn ich kenne meine Abläufe und mir tut es gut, genau das zu wissen.

Fast wie ferngesteuert

Trotz der Kälte draußen, hab ich es geschafft in den letzten Tagen jeden Tag meine Walking-Runden zu drehen, an manchen Tagen war ich sogar Morgens und Abends unterwegs.

Bei den Minus-Graden war ich mir zwar nicht so sicher ob das eine gute Idee ist…aber inzwischen ist es mir so zur Gewohnheit geworden, das ich trotz der zaudernden Gedanken ganz automatisch nach Thermohose, Wanderschuhen, Winterjacke und Mütze greife und fast wie ferngesteuert losgehe…ohne auf die Einwände und Ausreden in meinem Kopf zu hören.

An den Homeoffice-Tagen gehe ich schon seit Wochen vor dem Arbeitsstart 45-60 Minuten laufen…also irgendwann zwischen 6 und 7.30 Uhr….so das ich spätestens um 7.30 Uhr mit der Arbeit beginne….

Und an den Wochenende variieren meine Zeiten….mal Morgens früh, mal Abends spät….mal irgendwann dazwischen….

Zum Thema Rituale schaffen oder Routine verändern hab ich im Internet gesucht:

Fragestellung: Wie lange dauert es, bis etwas zur Routine wird?

Anwort: 66 Tage (laut einer Studie von Phillippa Lally vom University College in London)