Emden – Laufen und viel Wasser

Emden – Laufen und viel Wasser

Nach diesem skurrilen Frühstück bin ich die paar Kilometer bis Emden gefahren und habe in der Innenstadt einen Parkplatz in einer kleinen Wohnstraße, in der Nähe des Emder Stadtgrabens gefunden.

Stadtgraben klingt jetzt eher nach einem Straßengraben, als nach einem mit Booten befahrbaren Kanalsystem….hier kann man Tret- und Ruderboote mieten…und auch Kajaks….hmmm, das wäre ja schon schön….immerhin fühle ich mich schon wieder ziemlich wohl….nur manchmal überkommt mich noch ein Husten…und die Kurzatmigkeit lässt auch nach. Soll ich? …na mal sehen.

Zuerst ging es jedoch zu Fuß in Richtung Innenstadt und zum Binnen-Hafen….es war ja noch früh am Morgen und so bin ich kreuz und quer durch die Stadt gelaufen, hab mir alles angeschaut….hab mich in einem Cafè ausgeruht, bin dann weiter gelaufen….hab den Hafen umrundet.

Im April vor 4 Jahren haben wir in Emden die Asche meines Vater im Dollart (einer 90km2 großen Bucht südlich von Emden) beigesetzt. Allerdings startete das Schiff etwas weiter entfernt, am Außenhafen und ja ich hab mich noch einmal in die Zeit versetzt gefühlt und habe etwas Zwiesprache gehalten, aber ohne das es mich runter gezogen hat…ich bin inzwischen mit ihm und mir und unserem schwierigen Verhältnis im Reinen…das Thema hab ich tatsächlich abgeschlossen.

Mittags hab ich an einer Bude einen frischen Backfisch am Hafen gegessen. Das Wetter war unverhofft sonniger und wärmer als angekündigt, so das ich mir ein Ticket für die Hafenrundfahrt in einem der Grachtenboote besorgt hatte…es wurde immer wärmer und die einstündige Hafenrundfahrt war ganz okay…wusste gar nicht das Emden für die Verschiffung von Autos eine so große Bedeutung hat.

Nach der Bootstour hab ich dann überlegt: Sollte ich tatsächlich am Burggraben ein Kajak für eine Stunde ausleihen? Ja klar – warum nicht….auch wenn ich kräftemäßig innerhalb der letzten Wochen stark nachgelassen habe, ich kann es ja einfach ausprobieren. Immerhin ist es kein fließendes Gewässer…und ich kann jederzeit umkehren…muss ja keine große Runde paddeln.

Mein Ego bekam aber einen kleinen Dämpfer, ich brauchte tatsächlich Hilfe beim Ein-und aussteigen….als ich erst einmal drin saß, ging es wieder super mit dem Gleichgewicht…und so paddelte ich langsam und still-genießend den Graben entlang…und spürte wieder diese unbändige Freude, während ich das Paddel gleichmäßig durch das Wasser zog…wie gut es sich anfühlte…und so leicht…

Nach einer 3/4 Stunde ließen meine Kräfte in den Armen merklich nach, aber da war ich eh schon fast wieder am Bootsverleih angekommen. Ach, das war schön und ich bin froh, das ich es gemacht habe….auch wenn ich am Ende des Tages merkte, das die Sonne, das viele Laufen durch die Stadt und dann noch die Kajaktour doch etwas zu viel für einen Tag war….

….ich war froh als ich am Abend wieder im Hotel ankam…bin bereits um 20.30 Uhr ins Bett gefallen und fast unmittelbar eingeschlafen.

3.Todestag

Gründonnerstag, der 01.04. – Mein Urlaubstag und die Schwester zu Besuch….sehr schön.

Nach der unruhigen Nacht haben wir etwas länger geschlafen und ich hab ein schönes, vor-österliches Frühstück für uns bereitet: mit frisch gebackenem Brot, Butter, weichgekochten Eiern, Nordseekrabben, jungem Gouda mit Weintrauben, magerem Serano-Schinken, Quark und einer köstlichen Blut-Orangenmarmelade (gekauft in Altonaer Volkspark bei dem „Bauernhaus“ wo ich Tage zuvor Kaffee und Kuchen to-go gekauft hatte) ….

Und nach dem entspannenden Frühstück haben wir 2 kleine Sträuße aus orangenen Rosen und Tulpen gebunden und sind an die Elbe gefahren…auf Höhe der Wittenbergener Heide…immer schön am Ufer entlang …es lag noch das Gefühl eines leichten Morgennebeln über der Elbe

und an einer Stelle, die direkt bis zum Wasser führte, haben wir in kurzem Gedenken an unseren vor 3 Jahren verstorbenen Vater innegehalten und die Blümchen ins Wasser geworfen (durch die Seebestattung gibt es ja keinen festen Ort des Gedenkens.) ….gesprochen haben wir schon seit gestern eine Menge über die Vergangenheit…

Wir sind dann noch ein paar km weiter gelaufen und uns erst gegen Mittag voneinander verabschiedet.Sie hatte am frühen Nachmittag noch einen Termin in Flensburg und ich ja noch zur Mittagszeit den Termin im Test-Zentrum.

Es war schön sie hier zu haben, aber am Nachmittag war ich dann auch wieder froh alleine zu sein….und wie immer nach solchen Treffen, mit ununterbrochener Kommunikation, freue ich danach wieder auf stumme und stille Zeiten….nur das ich dieses Mal noch zusätzlich nach etwas Schlaf lechzte.

Also den Rest des Tages hab ich dann auf der Couch verbracht…aber jetzt bin ich wieder ruhiger, Ruhepuls/Blutdruck sinken langsam wieder und in der darauf folgenden Nacht hab ich zum ersten Mal in dieser Woche richtig gut geschlafen…..

2 Jahre schon

2 Jahre schon

Seit 2 Jahren schon ist mein Vater tot….gestorben in den ganz frühen Stunden des 1.4.2018. …eigentlich war es noch Nacht.

Rückblickend hat dieses Datum in meinem Leben eine Linie gezogen…ein davor und ein danach. Das diese Linie sich dann zu einer Spaltung meines Lebens entwickelt hat, dafür kann weder mein Vater etwas, noch ist sein Tod dafür verantwortlich…

…aber alles was mit seinem Tod geschah und wie sich mein Leben in Job und Beziehung seitdem entwickelt haben, hat ursächlich nicht mit seinem Tod angefangen…aber ist mir seitdem viel bewusster geworden.

Mit meinem Vater hab ich, nach seinem Tod, meinen Frieden geschlossen…mit meiner Schwester ebenfalls….(sie hat mich gefragt ob wir uns Freitag irgendwo in der Mitte Schleswig-Holsteins treffen wollen) und mit meinem alten Leben? Meiner gescheiterten Beziehung? Hab ich auch damit meinen Frieden gemacht? JA – das hab ich.

Und so sehe ich den Tag Morgen, ohne Groll, als Erinnerung an meinen Vater…der es nicht geschafft hat, immer ein Vater zu sein…aber er ist eben nicht abgehauen…sondern hat uns dann eben alleine weiter groß gezogen.

Ich werde Morgen irgendwo an die Elbe fahren und eine kleine Blume ins Wasser lassen. Immerhin hat er eine Seebestattung bekommen, wenn auch nicht in der Elbe…sondern viel weiter weg.