Heute bin ich etwas ins Grübeln gekommen…die junge Studierende, die einmal in der Woche bei uns im Büro arbeitet, hat heute einen Satz gesagt…also…da hab ich im ersten Moment überrascht gelacht…und seitdem muss ich immer wieder darüber nachdenken, wie meine Arbeit nach Außen wirkt.
Heute war ich aus Corona-Gründen wieder im Besprechungsraum untergebracht…der hat auf allen Seiten Glaswände…und die junge Kollegin die nebenan sitzt, meinte so in etwa: Sie hätte schon mitbekommen, das immer dann, wenn ich in dem Raum sitze, ich viele Papiere zu sortieren hätte.
….ähmmm – jaaaa – neeee…..
Ich arbeite gerade sehr intensiv, betreue ja 27 Firmen….und meine Arbeit besteht in jeder der Firmen aus vielen verschiedenen Teilaufgaben…..ich SORTIERE also nicht irgendwelche Papiere, sondern ich arbeite konsequent eine Aufgabe nach der anderen ab.
WAS genau sieht sie also wenn sie mich arbeiten sieht: sie sieht wie ich Papiere hervorhole, gleichzeitig etwas in die Tastatur eingebe, handschriftlich etwas auf die Papiere schreibe und diese in verschiedene Klarsicht-Mappen stecke…andere Papiere aus andern Klarsichtmappen heraushole, etwas damit mache und wieder in noch andere Klarsichtmappen stecke. Für sie wirkt es also ,als ob ich den ganzen Tag nichts anderes mache als Papiere zu sortieren.
Während ich jedoch Eingangs-Rechnungen erfasse, diese durch die verschiedenen Stadien des Freigabe-Prozesses geleite, die Rechnungen verbuche, Bankzahlungen ausführe, Kontoauszüge abrufe, speichere, erfasse und alles querchecke, Geld disponiere, Rückstellungen bilde, Abgrenzungen auflöse, Ausgangs-Rechnungen schreibe, anhand festgelegter Regeln und Verträge produzierte Mengen abgleiche und die erlösten Preise überprüfe, Aufwandsrechnungen mit Verträgen abgleiche, Umsatzsteuer-Regeln umsetze, Statistiken melde, vorläufige Bilanzen und G+V erstelle…SIEHT die Kollege nur, das ich Papiere sortiere.
Das heißt der wirklich sichtbare Teil meiner Arbeit wirkt auf Außenstehende eher wie ein Hilfsjob. Meine eigentliche Arbeit findet im Kopf statt. Das Anwenden von internen Regeln, externen Rechnungslegungsvorschriften, Gesetzen, Grundsätzen ordnungsmässiger Buchführung, Bilanzierungsregeln usw. und das Ergebnis dieser Kopfarbeit findet sich dann direkt in den verschiedensten Programmen und Dateien auf dem Computer wider…die physischen Papiere sind da nur ein Vehikel…ein Hilfsmittel, um alle Firmen gleichzeitig unter Kontrolle zu halten und dabei nichts zu vergessen.
Das papierlose Büro ist bei uns leider immer noch ein Wunschtraum…dafür müssten wir mit einer vollintegrativen Software arbeiten, wie z.B. SAP….aber unsere verschiedenen Programme arbeiten zwar rudimentär zusammen…aber wir müssen noch zu oft manuell eingreifen….und auch die Zahlungen erstellen wir in den Bankprogrammen selber, anstand in der ERP-Software…weil jede Firma für sich zu klein ist, um einen automatisierten Zahlungslauf zu implementieren.
Nun gut….dann müssen wir uns auch nicht wundern, wenn der Beruf eines Bilanzbuchhalters ein so dröges Image hat 🤣…dabei finde ich das anregend und abwechslungsreich…