Zufällige Begegnung und Wohlbefinden

Was für ein schönes Wochenende…so ruhig und entspannend…so stressfrei. Keine Termine – keine Verpflichtungen und auch keine Sorgen….zumindest keine Eigenen, aber dazu später mehr.

Gefühlt habe ich mich so ein wenig abgekoppelt von der Welt…vom Krieg, von den vielen schlimmen Nachrichten, den Streitereien in den Medien über die richtige Politik, den richtigen Weg in Bezug auf Klima und Inflation. Ich höre es – aber ich denke jetzt mal für einen Moment nicht weiter darüber nach.

Denn ich will mich nicht ärgern und auch nicht noch weiter beunruhigen lassen. Dieser Dauer-Alarm in den Medien geht mir auf die Nerven. Alles ist nur noch schlimm und noch schlimmer…wenn ich das alles an noch weiter an mich heranlassen würde, könnte ich mich auch gleich selbst begraben. Ja der Mensch ist scheinbar nicht dafür gemacht, friedlich miteinander auszukommen.

Eine Nachricht ist immer die Information über eine Ausnahme, über etwas Besonderes und i.d.R. ist das etwas Schreckliches, etwas Bedrohliches und Einschneidendes ..sonst wäre es keine Nachricht. Damit ist klar, das Nachrichten nur selten unser normales Leben widerspiegeln…was gäbe es da schon zu berichten. Kein Wunder das manche Glauben, sie hätten keine Zukunft, wenn sie die Nachrichten, als Abbild unseres Alltags sehen. Und bevor jetzt ein falscher Eindruck entsteht: nein, ich verweigere Nicht die Realität vor dem Klimawandel, Flüchtlingsströmen, Kriegen, Leid und Elend, ich verschließe nicht die Augen vor der Inflation, Wohnungsnot und Kinder- sowie Altersarmut in Deutschland usw….aber ich möchte einfach auch mein Leben leben…mit schönen Dingen.

Also: Blutdruck, Ruhepuls und mein gesamtes Empfinden sagen mir: ich bin entspannt, schlafe gut und freue mich über die Sonne und das wachsende Grün draußen. Ich, in meiner kleinen eigenen Welt, bin absolut zufrieden damit.

Aber während immer und überall davon geredet wird, das ein Mensch der nicht aktiv neue Bindungen zu Menschen eingeht, krank wird und vereinsamt, bin ich da ganz anderer Meinung. JA das mag so stimmen – aber es gilt eben nicht für alle Menschen gleichermaßen.

Ich bin der Meinung und lebe auch so: Ja soziale Kontakte braucht man, um ein gesundes Leben zu führen…aber für manche Menschen ist es eben ausreichend nur Wenige davon zu haben. Nicht die Menge macht einen zufrieden, sondern die Richtigen. Muss ich mir einen Partner suchen, um glücklich zu sein – Nein, muss ich nicht.

Ich hätte selber nie gedacht, wie zufrieden mein Leben sein kann…so alleinlebend. Allein – aber eben nicht einsam. Ich habe wenige Menschen, die mir sehr nahe sind…und die, die es sind, reichen mir absolut. Ja zugegebenermaßen fällt es mir sehr schwer, neue Kontakte so zu stärken, das sie zu diesem kleinen Kreis dazustoßen. Aber eigentlich will ich das auch gar nicht.

Aber die meisten neuen Kontakte, die ich durch den Job und die Nachbarschaft habe, sind trotzdem extrem wertvoll…weil sie es mir ermöglichen, für eine kurze Zeit locker zu plaudern und dann wieder meiner Wege zu ziehen…ohne Verpflichtung. Und beim nächsten Zusammentreffen plaudert man dann wieder oder eben nicht…gerade so, wie es passt, ohne das einer böse ist.

Einen lustigen wortlosen Kontakt, hatte ich mit dem Fahrer eines kleinen LKW. Der stand direkt vor der Einfahrt zum Parkplatz vor der Wohnanlage…er konnte nicht weiter fahren, weil vor ihm einer parkte. Ich kam aus der Gegenrichtung und hab es zu spät gemerkt, ich blockierte also seinen Weg, er blockierte meine Einfahrt. Und während ich den Blinker setzte machte er ein „Warte“ Handzeichen und ich strahlte ihn an, als ich merkte das er mit dem LKW zurücksetzte…dann hob ich die Hände, wie zum Gebet und hoch und formte das Wort DANKE schön….er lachte und zog galant einen imaginären Hut für eine tiefe Verbeugung (soweit das Lenkrad es zuließ)…wir lachten Beide und machten noch eine grüßende Handbewegung, dann fuhr ich auf den Parkplatz und er konnte jetzt auch weiter fahren.

Solche kleinen Begebenheiten finde ich immer wieder erfrischend und schön. Diese ungezwungene Leichtigkeit einer spontanen Begegnung.

Scheu vor Menschen

Meine Scheu vor den Menschen nimmt gerade mal wieder viel Raum ein….und der Fluchtreflex ist groß, vielleicht sollte ich den Kurs heute doch lieber absagen?

Dabei freue ich mich seit einem Jahr darauf, das es endlich los geht…wenn da nur nicht die fremden Menschen wären.

Dabei bin ich im „Erst-Kontakt“ super…bin dann meistens super locker, schlagfertig und lustig…kann das Schweigen der Masse durchbrechen und Menschen zum Reden bringen. Aber wenn ich den gleichen Menschen dann mehrmals begegne werde ich von mal zu mal zurückhaltender und stiller…und unsicherer.

Das ist schon ein sehr merkwürdiges Verhalten, erklärt sich aber dadurch, das ich mich bei einem fremden Erst-Kontakt i.d.R. nicht wirklich öffnen muss…wenn ich aber Menschen öfter treffe, wie z.B. in einem Verein, dann muss ich die ja ein Stückweit in mein Leben lassen…muss mich öffnen – und das hab ich in den letzten Jahren verlernt. Bin ja auch sehr zufrieden mit meinem Leben, wie es ist.

Wie anders sind doch meine alten Kontakte, die – die mich schon seit Jahren kennen….so wie ich vor ein paar Wochen meinen ehemaligen Tanzpartner zu Besuch hatte…da hatte ich keine Scheu mich zu öffnen…der kennt mich ja ziemlich gut und weiß, wie ich ticke, da brauche ich mich nicht zu erklären…das war ein tolles Wochenende.

Aber neue Menschen in mein Leben lassen will ich eigentlich nicht…oder doch, ja schon…wenn da nur nicht diese Hürde wäre… Ich bin 54 Jahre alt, eine gestandene Frau, selbstbewusst und stark, stehe mitten im Leben, bin unabhängig und hatte bisher immer viel Erfolg im Leben…..und doch kommt da immer noch das kleine, pummelige, extrem schüchterne und introvertierte Kind zum Vorschein und übernimmt die Regie in meiner Gefühlswelt.

Natürlich gebe ich dem Fluchtreflex nicht nach…obwohl er dieses Mal schon sehr stark ist, seit ich weiß, das der Kurs heute insgesamt über 8 Stunden geht. Ich dachte die Stunden würden sich besser auf die beiden Tage verteilen.

Wie heißt es so schön: Auch dieser Tag wird vorüber gehen.

Und heute Abend weiß ich dann hoffentlich mehr, ob ich es mir vorstellen kann ein paar der Menschen dort in mein Leben zu lassen. Denn das war ja der ursprüngliche Plan: ich suche mir einen Sport der mir gefällt, gehe damit in einen Verein und baue hier neue Sozialkontakte auf….seufz….wenn da nur die Menschen nicht wären…..