Stille muss man aushalten können

…und damit meine ich nicht die Stille, über die ich sonst immer schreibe.

Wer öfter bei mir liest, weiß, wie sehr ich Stille mag und vor allem auch brauche. Ich bin gerne allein und möchte auch von meiner Umgebung nicht ständig mit Lautstärke belästigt werden. Ich kann sehr gut mit mir alleine sein…und halte diese „räumliche“ Stille sehr gut aus. Um es klar zu sagen, ich liebe diese From der Stille.

Aber die Stille, über die ich heute schreibe, das ist etwas anderes….ich weiß nicht genau, wie ich sie nennen soll…es ist die „beredete“ Stille…die, die entsteht, wenn sich Menschen (und ich meine nicht Paare) unterhalten und auf einmal bricht der Gesprächsfluss ab oder ein Gespräch kommt gar nicht erst in Gang.

Als früher sehr schüchterner und vor allem auch heute noch introvertierter Mensch, kann ich diese Art von Stille nur schwer aushalten, weil ich sie immer auf meine Unfähigkeit Smalltalk zu halten, zurück führe. Was ja so nicht stimmt, da es Anderen ja auch manchmal so geht.

Also hab ich mir im Laufe von mehr als 20 Jahren angewöhnt (davor bin ich einfach stumm geblieben), diese Stille proaktiv zu überbrücken, indem ich einfach rede, auch wenn ich es gar nicht mag…ich erzähle etwas von mir…bin locker und lustig und meistens bringt diese „Vorleistung“ auch genau den Effekt, das sich die Anderen entspannen und auch von sich erzählen: Ziel erreicht und ich kann mich im Laufe der Gespräche zwischen mehreren Personen dann wieder ausklinken. Was dann aber oft nicht funktioniert, weil ich als aktiver Gesprächspartner wahrgenommen werde und immer wieder in die Unterhaltung einbezogen werde.

Und da ich ja auch viel lese und höre, hab ich auch zu vielen Themen eine Meinung, wo ich dann nicht einfach stumm bleiben kann, wenn ein Anderer einseitig erzählt oder Fakten verdreht oder jemand etwas fragt und ich von schon mal gelesen oder gehört habe…also rede ich mit.

Ich bringe mich also auf diese Art immer wieder in eine Lage, in die ich eigentlich gar nicht möchte.

Richtig bewusst geworden, ist mir das in den letzten Wochen, das ich somit in Gesprächen oft im Fokus bin. Wie konnte das passieren, wo ich mich doch lieber im Hintergrund halten möchte. Aber ich kann bei Diskussionen fast nie stumm daneben sitzen, wenn es um Fakten geht.

Es ist aber wirklich wie verhext, wenn ich mit Kollegen spreche und frage wie es geht, bekomme ich oft ein kurzes „Danke gut und Dir?“ und wenn ich dann auch nur „ja danke, gut soweit“ antworte, ich das Thema meistens erledigt… nur wenn ich anfange ein paar Sätze mehr zu sagen, fangen die Anderen an auch zu Erzählen….das ist doch absurd. Warum muss ich immer in verbale Vorleistung gehen.

Zumal ich ja nie weiß, wann ich Jemandem mit meiner „Plauderei“, die ich ja eigentlich gar nicht will, auf die Nerven falle. Ich bin es mittlerweile so gewohnt, Unterhaltungen weiterzuführen, um betretendes Schweigen oder die Unsicherheiten der Anderen zu überbrücken, das es sich verselbständigt hat.

Ich habe also wieder Angefangen z.B. bei Anrufen von bestimmten Kollegen, nicht sofort weiter zu plaudern, sondern antworte auf die Frage: „Wie geht es?“ auch nur noch mit der üblichen Floskel und warte dann, das der Anrufer den Gesprächsfaden selbständig weiterführt…immerhin hat mein Gesprächspartner angerufen.

Und auch in Gruppenunterhaltungen versuche ich mich nicht zu sehr Reinziehen zu lassen, bzw. bleibe auch stumm, genau wie die Anderen….diese Stille muss ich eben aushalten können.

Interessant ist dann, wie sich die Anderen verhalten, je länger das Schweigen dauert….es ist fast lustig zu beobachten, wie unwohl sich eine Gruppe fühlen kann, wenn alle stumm bleiben.

Früher in meinem Team, hab ich mit meiner Plauderei oft die Brücke zwischen Team und Leitung überwunden und auch die Schwierigkeiten, die manche innerhalb des Teams hatten…aber hier bin ich kein Team-Leader…hier brauche ich solche Techniken nicht anzuwenden. Ich bin nicht für das Wohlbefinden der Gruppe zuständig.

Muss ich doch tatsächlich wieder lernen, mich mehr zurück zu nehmen, obwohl das ja genau das Gegenteil war, was ich früher lernen musste…eben nicht stumm zu bleiben. Wie immer kommt es auf das richtige Verhältnis an…nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig.

Ich konzentriere mich somit mit meinen Plaudereien auf die Kollegen, mit denen ich sowieso über Gott-und-die Welt reden kann und die mir von sich aus, mehr als nur die Tageszeit sagen.

Smalltalk ist mir bis heute ein Rätsel, das ich nicht lösen kann und auch nicht beherrsche…ich kann nicht oberflächlich reden…bei mir geht es immer um faktisches Wissen oder Erlebtes.

Mich kann man auf Partys in einer Ecke abstellen und ich beobachte staunend wie sich Menschen stundenlang über irgendetwas unterhalten und sich dabei köstlich amüsieren…Worüber reden die nur? Und jeder scheint mit nahezu jedem Themen zu finden, über die sie stundenlang sprechen können.

Mir ist das schleierhaft und ich fühle mich wieder wie früher als Kind, wie ein Mängel-Exemplar, das emotional nicht so funktioniert, wie die meisten Menschen, allen erlernten Techniken zum Trotz.

zufrieden und einfach stumm

In meinem Zuhause lebe ich alleine…und schon zu früheren Zeiten, wenn ich alleine zuhause war, hab ich immer das Radio oder den Fernseher angemacht, damit es nicht zu still ist.

Diese Angewohnheit hab ich in den letzten Jahren vestärkt durch Infosendungen und Dokumentationen und durch den Einsatz von Funkkopfhörern.

So höre ich oft ununterbrochen Nachrichten, wissenschaftliche Sendungen, politische Diskussionen, Informationen über Länder, Forschungen, sozio-ökonomische Entwicklungen…Wissenschaft und Wirtschaft….oft nebenbei während ich putze, koche, bügel. Wenn ich lese oder schreibe stelle ich das jedoch aus…und vor allem wenn ich raus gehe…also in der Natur will ich weder Musik noch Infos hören…da will ich nur die Natur hören.

Oft hab ich die Kopfhörer genutzt , um mit den Infosendungen Umgebungsgeräusche zu übertünchen, z.B. die meiner Nachbarn, oder der Kirche nebenan ..und noch öfter um meinen nicht enden-wollenden Gedanken über den Job und die Beziehung zu entgehen…aber natürlich auch, weil ich an so vielen Dingen interessiert bin.

Dadurch hab ich natürlich auch zu vielen Themen eine Meinung und neige dazu diese auch kund zu tun….lach – was nicht jedem gefällt….und oft wenn ich sage: „ich hab vor kurzem gehört das…“….oder  „ich hab vor kurzem gelesen das…“ habe ich Augenrollen geernet….aber dieses Wissen bleibt oft nur mittelfristig i meinem Kopf haften….aber es kommt ja ständig Informations-Nachschub…. hahaha.

Worauf ich eigentlich hinaus will: in der letzten Zeit in der es ja durch Corona noch viiieeel stiller geworden ist und ich sowieso auch noch innerlich viel ruhiger geworden bin (ich male ja sogar manchmal Mandalas mit Buntstiften aus – echt langweilig hihi – aber total entspannend)…mache ich weder Fernsehen, noch Radio an….manchmal lese ich auch keine Nachrichten über das Notebook oder Smartphones…oft lasse ich alles aus, wenn ich nach Hause komme…und ich bleibe einfach zufrieden stumm.

In stressigen Zeiten hab ich dann öfter mal mit mir selber geredet…das laute Aussprechen von Problemen oder wie ich mich fühle, hat mir dabei geholfen besser mit Situationen klar zu kommen…, mich besser zu fokussieren und Wege zu Lösungen zu finden.

Aktuell mache ich das nicht…also das mit mir selber reden usw. Mit anderen Worten es geht mir gut und diese Stille innen und außen ist sehr schön.