wie betäubt…

…fühle ich mich seit Donnerstagnachmittag…gefolgt von einer körperlichen Erschöpfung, die mir vorher gar nicht bewusst war.

Wie schon vorher beschrieben, war Freitag endgültiger Abgabeschluss für die Quartalsabschlüsse, was auch bedeutet, das die Jahresabschlüsse (und damit die auf das neue System migrierten Daten aus dem Altsystem) ein gewisses Level an „fertig“ aufweisen mussten. Das eine bedingte also das Andere.

Und Donnerstagnachmittag hatte ich diesen Punkt erreicht.. Ich hatte zu dem Zeitpunkt 24 von 26 Firmen erfolgreich in unserem Konzern-Konsolidierungstool hochladen können. Bei den beiden noch Fehlenden, habe ich zwar von meiner Seite aus alles fertig, aber die Konzernabteilung muss da noch etwas Technisches anpassen. Das liegt aber außerhalb meines Zuständigkeitsbereichs.

Ich bin also fertig….und als ich nach 9 Arbeitsstunden (Pause bereits abgerechnet) dann Feierabend machte, fühlte es sich so an, als ob ich nur 1/2 Tag gearbeitet hätte.

Als der Adrenalinspiegel ganz langsam abnahm, kam diese große körperliche Müdigkeit und eine Art großer seelischer Leere, ich konnte mich nicht wirklich freuen (warte immer noch auf eine Art „Knall“), konnte es noch nicht begreifen, das es tatsächlich geschafft ist. Ich habe mich im Wohnzimmer auf den Boden gesetzt und in mich hineingehorcht…und im Kopf fühlte ich mich leer und benommen…eben wie betäubt.

Endlich – nach diesen vielen Monaten mit gefühlt hunderten von kleinen und größeren Tiefs und Katastrophen…mit jeder Menge Wut über die grottenschlechte Vorbereitung und und teilweise aufkommender Verzweiflung, wegen der noch schlechteren Umsetzung bei einer so umfassenden Transformation, ist es jetzt geschafft. Die meisten Probleme waren tatsächlich haugeemacht…hätten also mit einer vernünftigen Planung und einer besseren zeitlichen Vorgabe vermieden oder zumindest gemildert werden können.

Na klar läuft immer noch nicht alles rund im neuen System und es sind auch immer noch nicht ALLE Daten im neuen System…ein Rest von ca. 10% muss ich noch nacharbeiten, …aber dazu habe ich nun wieder mehr Zeit.

Immerhin hatte ich in diesen letzten Wochen beim Abarbeiten der Abschüsse teilweise massiv Informationen eingefordert, bin gerade den Verantwortlichen in DK auf die Nerven gefallen und habe verlangt, das man uns endlich mal mitteilt, was in den neuen Systemen, von uns verlangt wird…WAS sollen wir Wie machen. Bis zum Schluß kamen solche Anweisungen eher zögerlich und teilweise auch unvollständig…aber nach und nach ergab sich dann ein Bild. Führung wirklich einzufordern ist heikel und macht mir echt keinen Spaß.

Einer meiner größten Vorteile ist, das ich immer einen guten bis sehr guten Draht zur IT habe….die Kollegen dort sind mir immer wohlgesonnen und sie erklären auch gerne mal etwas ausführlicher…weil ich interessiert nachfrage. Dadurch habe ich immer ein bisschen mehr Wissen über das neue System, als so manch Anderer und kann mich schneller darin zurecht finden.

Wie auch jetzt wieder, hab ich tatsächlich einige Möglichkeiten des Systems ausgelotet, die mir langfristig das Leben ein wenig einfacher machen werden…und ich hoffe da auch noch auf einiges mehr. Aber dazu brauche ich etwas mehr Zeit.

Freitag fühle es sich auch immer noch unwirklich an und die körperliche Erschöpfung hatte da auch noch nicht nachgelassen…deshalb hab ich tatsächlich nur 1/2 Tag gearbeitet….hahahah.

Heute nun geht es mir körperlich wieder besser…aber ich glaube meine Seele braucht noch eine Weile um aus dem Krisenmodus ganz herauszukommen….ich hoffe meine Unbeschwertheit kommt dann auch bald zurück.

Aber die nächsten Wolken am Arbeitshorizont sind schon in Sicht….aber darüber denke ich jetzt nicht weiter nach. Eines nach dem Anderen…mehr geht nicht…jetzt genieße ich das Wochenende ….

Verschiebung? – ausgeschlossen, nicht verhandelbar

Mit insgesamt 5 Personen rückten die Kollegen aus der Firmenzentrale Dienstag an, um mit uns die sogenannten End-to-End-Tests durchzuführen. Davon waren 2 Personen allerdings Externe – die gehörten zu der Softwarefirma aus DK, von der wir das Programm erworben haben.

Wir hatten vereinbart, das die 5 sich in unserem großen Meetingraum niederlassen und wir 3 Controller die Tests in unseren eigenen Büros durchführen. Büros und Meetingraum liegen dicht beieinander.

Wenn man mal von einer normalen Firma ausgeht, bedeuten End-to-End-Tests, das wir auf einem FERTIG vorbereiteten Testsystems mit einigen unser eigenen Firmen, die dort als Testfirma eingerichtet wurden, alle unsere Prozesse testen, um zu sehen ob wir als End-Nutzer auch alles abbilden können, was wir benötigen.

Soweit so normal…nur bei uns ist gar nichts normal. Das Testsystem war nicht mal ansatzweise auf solche Tests vorbereitet. Fast JEDE Aktion unsererseits, führte zu einem Fehler, weil etwas nicht oder nicht richtig eingestellt war. Wir hatten im Vorfeld auch keine Unterlagen bekommen, um zu sehen, ob die von er Zentrale aus eingestellten Restriktionen mit unserer Buchungswirklichkeit kompatibel sind. Waren sie natürlich nicht…und manches kam wirklich nur durch Zufall zu tage.

Ich habe mich müheselig durch Listen gewühlt um zu sehen welche Waren-/Servicenummern für welche Art von Firma genutzt werden dürfen, wenn sie bestimmte Leistungen an andere Firmen berechnen müssen und auf welche Sachkonten das dann verbucht wird. Einfacher wäre gewesen, man hätte uns im Vorfeld gefragt: was berechnet ihr eigentlich bei welcher Gesellschaft an wen. Aber so eine vorausschauende Vorbereitung kann man scheinbar nicht bei uns erwarten.

Die Leute waren nett und wir hatten echt lustige und wirklich nette Tage mit ALLEN. Aber das war ja nicht der Sinn…und das wir am Ende hinter den meisten Anforderungen der Tests ein: „erfolgreich absolviert“ gesetzt haben und nur wenige als „mit Fehlern beendet“, entspricht eigentlich nur der halben Wahrheit. Den die erfolgreich absolvierten Tests waren nur deshalb erfolgreich, weil ständig im Hintergrund noch etwas angepasst wurde oder auf eine Liste gesetzt wurde, damit das später noch geändert wird.

Ich habe meine Bedenken zu dieser Art von „erfolgreich absolviert“ auch laut mitgeteilt und auch später der Dänischen Finanzchefin und dem Teamleiter aus DK, die uns gefragt haben, wie es denn läuft noch einmal laut gesagt. Beide haben das aber nicht gelten lassen….und meinten ob es für den Start der Umstellung als kritisch anzusehen ist oder nicht…naja, für den Start ist es nicht kritisch, aber Arbeiten können wir so trotzdem nicht.

Meine Kollegen sind zwar derselben Meinung wie ich, haben sich aber bei dem Thema rausgehalten und nichts gesagt. Erst nach dem Gespräch am Freitag meinten sie: gut das Du es gesagt hast. Ja danke – aber warum habt ihr mich nicht unterstützt. Ihr hättet wenigstens mit Nicken meine Aussage bekräftigen können. So ist sie einfach verhallt.

Wenn ich auf den Kalender schaue wird mir inzwischen schlecht….heute in 4 Wochen ist quasi das Jahr vorbei…dann ist Weihnachten und damit 90 % aller Mitarbeiter im Urlaub. Bis dahin kommen noch END-END-Tests. und wir müssen noch weitere Listen für die Umstellung ausfüllen, und die laufenden Arbeit muss auch gemacht werden und die Vorbereitungen auf die Jahresabschlüsse und und und… ich habe immer noch 10 Urlaubstage für dieses Jahr.

Dabei hieß es vorher, wenn wir diese End-to-End-Tests fertig haben, dann sind wir vorbereitet…ich könnte fast hysterisch auflachen…guter Witz. Eine Verschiebung der Umstellung ist ausgeschlossen – nicht verhandelbar.

Dienstreise – 2.Teil – reden reden reden

Das Resümee über diese Dienstreise ist dieses Mal nicht eindeutig positiv.

Bei der Ankunft war es trotzdem, wie immer – ein großes Hallo…mit vielen Kollegen, hab ich ein paar Worte gewechselt…aber schon da merkte ich, die Unbeschwertheit war nicht mehr so unbeschwert und die gezeigte Sorglosigkeit fühlte sich etwas angestrengt an….so wie ich es bereits aus vielen Mails und Telefonaten entnehmen konnte: eine allgemein steigende Anspannung ist deutlich zu spüren und die Unzufriedenheit, auch (oder gerade) in kleinen Dingen wird größer.

Hygge (gemütlich, entspannt) ist hier nur noch wenig, wenn selbst das Anstellen in der Kantine, mehr als 10 Minuten dauert und nicht mal mehr Alle geemeinsam Platz dort finden, weil es einfach immer mehr Mitarbeiter werden und auch die neue Erweiterung des Gebäudes, nach der gerade erst fertig gewordenen zweiten Erweiterung, noch nicht fertig ist und wenn deshalb die Schreibtische immer enger zusammen gestellt werden und so jetzt schon 2 Arbeitsplätze auf der offenen Treppenhaus-Empore eingerichtet werden mussten. Auch hier in der Zentrale weiß nicht mehr jeder wer nun eigentlich wer ist…ich fragte nach „meinem“ contruction manager …da kannten die Controller nicht einmal den etwas ungewöhnlichen Vornamen des jungen Mannes. Antwort: und Du bist sicher, der sitzt HIER? hahahaha – jaaaaaa ganz sicher…

Da einige Kollegen in Urlaub waren, fand ich jedoch schnell einen freien Platz zum Arbeiten bei den Kollegen….und dann ging es den ganzen Tag Schlag-auf-Schlag… wie vorher gehofft, hatte ich die Möglichkeit mit einigen Kollegen sehr spontan Gespräche zu führen um Themen zu klären…das war sehr positiv. Reden, reden, reden…erst am Nachmittag fand ich dann mal Zeit für ein paar stille Arbeiten…dann als die Meisten schon Feierabend machten.

Aber ausgerechnet mein Chef erschien am Vormittag nicht zum fixierten Meeting…also ging ich auf die Suche und zusammen mit der Kollegen vom Empfang fanden wir ihn dann in einem Sorgengespräch…etwas mit der System-Umstellung funktionierte wohl nicht so, wie gehofft. Mein Chef war erstaunt mich zu sehen, hatte er doch gedacht, ich wäre auch krank (wie der Controller) ….die letzten Mails hatte er wohl gar nicht richtig gelesen.

Dann nahm er sich widerstrebend aber doch die Zeit und ich hab wieder einmal eine Menge erfahren und vor allem verstand er mein wichtigstes Problem mit den internen Weiterbelastungen und dem neuen Vertrag (den er nur vom hören-sagen her kannte). Wir haben uns auf eine Vorgehensweise geeinigt, solange, bis er es mit dem CFO klären kann, weil sich Vertrag und seine Anweisungen widersprachen…dann schauen wir weiter. Ich hoffe für den Controller und mich nun, das wir jetzt eine endgültige Lösung finden werden.

Ein weiteres Problem auf das ich ihn aufmerksam machte, fand er nicht „materiell“ genug …..da war ich sprachlos, immerhin reden wir hier von einigen hunderttausenden EURO (nicht DKK), die falsch zugeordnet waren….also, das als nicht materiell genug zu betrachten, um es in der Zentrale korrigieren zu lassen, fand ich schon sehr speziell…wo ich sonst jede 2,75 EUR am Umsatz korrigieren muss. Als ich es später meiner Kollegin in Brandenburg erzählte, war sie noch schockierter, als ich es war.

Aber gut … ich hab ihn als meinen Chef informiert, das ich die Kollegen aus der Konzernbuchhaltung schriftlich um Klärung gebeten habe….was die daraus machen, ist mir dann eben jetzt egal. Ich hab es erwähnt und wenn es niemand korrigieren möchte – ist das nicht mehr mein Problem.

Am Ende hatte er sich dann doch noch Zeit genommen, um mich zu fragen, wie es mir (gesundheitlich) geht und wie ich mit den Veränderungen in unseren Abläufen klar komme…Alles prima soweit – noch komme ich gut zurecht.

Leider hab ich nur wenig über unser neues ERP-System erfahren, der entsprechende Kollege war im Krisenmodus und hatte dann doch überhaupt keine Zeit für mich, obwohl er vorher gesagt hatte, ich kann jederzeit kommen…aber na klar – seine Arbeit hat jetzt absoluten Vorrang. Aber auch einige andere Gesprächspartner waren dann doch nicht, wie gehofft, im Büro. Das kläre ich dann eben zu einem späteren Zeitpunkt.

Trotzdem war ich froh über den teilweise sehr erfolgreichen Tag und noch mehr freute ich mich, als dieser dann auch endlich vorbei war. Hurra – geschafft und jetzt ist Feierabend.