Drei auf einen Streich

So und jetzt könnte ich sogar schon wieder Bäume ausreißen…also zumindest die Bäumchen in meinen Blumentöpfen. Mir geht es wieder richtig gut. Nervlich war ich jedoch in dieser Woche bisher weiter angespannt….

….aber auch da, ist heute bei mir ein Knoten geplatzt…NICHT das mein Software-Problem gelöst wäre…hahaha der zuständige nette Kollege aus dem Helpdesk, der das Programm selber entwickelt hat, ist ratlos und schreibt mir allen Ernstes auf meine Frage ob er inzwischen schon weiter gekommen ist: Er weiß es auch nicht. Also – eigentlich sollte es laufen..

und danach kam nichts….während sich bei mir der Magen zuzog und mein Blutdruck anstieg. JA….UND….wie soll es jetzt weiter gehen? Ich bin verpflichtet diesen Report zu nutzen. WAS soll ich seiner Meinung nach jetzt machen? Und während er noch darüber nachdachte, hatte ich bereits an alle meine inzwischen auf 4 Personen angewachsene Schar diverser Chefs eine E-Mail vorformuliert – aber noch nicht verschickt.

Ich hab mich dann erst einmal selber aus der Schusslinie genommen, weil ich auf einmal erschrocken feststellen musste, wie stark ich mich in diese Sache drohte zu verbeißen. Dieses extreme fokussiert sein auf eine Sache, die einen dann nicht mehr loslässt…alle Gedanken kreisen nur noch um dieses eine Problem, auf das ICH ja keinen Einfluß habe….(beim Schreiben fängt sogar mein Puls schon wieder an zu steigen hahaha)…

Also STOP – ich verfalle jetzt nicht wieder in alte Gewohnheiten. Ich bin nicht dafür verantwortlich – es ist ein IT-Problem und nicht meines. Und im Zweifel eben ein Problem für eine höhere Etage. Also hab ich den Kollegen nur noch einmal eindringlich und freundlich gebeten, doch weiter nach der Lösung zu suchen und er hat dann auch gleich angeboten die Reports zu erstellen, bis es soweit ist. Die Mail an die Chefs hab ich dann auch wirklich nicht abgeschickt. Das kann ich immer noch machen…

Heute im Büro konnte ich all den seit 1 Woche angestauten Frust auch endlich abschütteln….ich hatte viele nette längere Unterhaltungen mit einigen Kollegen und zu dritt hatten wir auch eine lustige Mittagspause ( jeder hat in einer Ecke des Frühstücksraumes gesessen…also gaaaaaanz weit auseinander)…

…und gleichzeitig bin heute gut voran gekommen…ich hatte meine Arbeit jetzt extra so umgeschichtet, das ich gleich 3 Jahresabschlüsse an einem Tag machen konnte….so brauchte ich bei meinem IT-Kollegen nur einmal nach den Reports fragen…Drei auf einen Streich eben….und jetzt hab ich 1 Woche Ruhe, bevor ich die nächsten Abschlüsse abgeben muss. Und sollte es bis dahin keine Lösung geben, dann werde ich zumindest meine 2,5 Chefs in Dänemark informieren und um Unterstützung bitten und den neuen Chef im Hamburger Büro gibt es ja auch noch…hahaha…ich hab gar keinen Grund mich so unter Druck zu fühlen.

Die Erkenntnis des Tages über mich, hat mich doch etwas entsetzt:

  • wie leicht mich doch wieder mein Verantwortungsbewusstsein in alte Fahrwasser lenkt, mich für alles verantwortlich zu fühlen
  • wie schnell ich mich wieder in ein Problem verbeiße und nach Lösungen suche, wo ich doch hier gar keine Entscheidungs-Befugnis habe und auch keine Handhabe in andere Abteilungen reinzugrätschen
  • die sehr sich mein Pflicht-Bewusstsein drängt, alles möglich zu machen, was gefordert wird
  • ich bin immer noch nicht wieder so stress-resistent, wie ich dachte….

Nachdem ich das also realisiert und wieder abgeschüttelt habe, geht es mir auch von emotionalen Seite wieder gut. Meine Nerven haben sich beruhigt, meine Seele hat sich wieder entspannt.

Na, zumindest das hab ich gelernt: Solche Situationen schneller zu erkennen (als früher) und mich auch daraus zu befreien…trotzdem…ich dachte, ich wäre schon viel weiter….grummel

Arbeit und die Folgen

Und kaum KÖNNTE ich mal wieder durchatmen, mal wieder normale Stunden am Tag arbeiten, um alles für das Jahr 2018 vorzubereiten (Der Januar ist ja schon fast vorbei und bisher hab ich ausschließlich für den Jahresabschluss 2017 gearbeitet) – da macht mir die Grippewelle einen Strich durch die Rechnung…und nicht nur die.

Montagmorgen – Mein Viererteam:

1 in Urlaub / 1 krank / 1 Kind krank / ICH bin da…..und so bleibt es bis Mittwoch

1 Kollegin wollte noch länger Urlaub – musste ich leider ablehnen / 1 krank / 1 krank mit Kind / ICH bin da….und so bleibt es noch den Rest der Woche…

Dumm nur das ich ja eigentlich Donnerstag und Freitag frei machen wollte, um mich endlich mal wieder zu erholen.

Ich bin wütend – nicht auf die kranken Kolleginnen – sondern auf die Tatsache dass ich einfach keine normalen Arbeitszeiten in diesem Laden hin bekomme. IMMER ist irgendetwas. Und so wird es auch in den nächsten Jahren bleiben.

Inzwischen ist klar das in diesem Jahr noch 2 Großprojekte starten werden – und wir dazu voraussichtlich noch eine weitere Tochtergesellschaften gründen….na super – ich schaffe das jetzt schon nicht mehr mit 3 Gesellschaften – wie immer wird davon gesprochen :

1. Es wird alles gaaanz klein und simpel gehalten / das wird nicht viel Arbeit sein

2. Es wird schon für Abhilfe gesorgt werden

Na toll – noch eine Teilzeitkraft mehr – immer nur ½ Sachen und keine wirkliche Entlastung…denn das würde ja echt teuer werden – gute Leute kosten eben Geld.

Ich wollte bewusst in dieser Firma NICHT in eine Führungsposition….bin aber letztendlich trotzdem dort gelandet– weil es sich organisatorisch sonst sehr schwer gestaltet hätte…und nun hab ich das Dilemma…inzwischen sind es 3 Mitarbeiter….und das sind schon mehr als ich wollte. Wir wachsen und mein zeitlicher Einsatz ist wieder auf einem Level den ich nie wieder erreichen wollte….okay okay es macht ja auch Spaß und ich verdiene gutes Geld….und ICH hab eben ja gesagt….also ist es mein selbst gewähltes Schicksal….

Und hier wieder raus zu kommen, müsste ich wieder einmal mein Leben radikal auf den Kopf stellen. Ich müsste kündigen – mir einen Job als Alleinbuchhalter suchen oder eben einen Job ganz ohne Verantwortung…und damit auch mit wesentlich weniger Geld ….. aber Ich ziehe Verantwortung an – weil es in meiner Natur liegt mich verantwortlich zu fühlen….und würde woanders eben auch Verantwortung übernehmen – auch wenn ich das dann nicht vergütet bekäme….

Also mein Dilemma heißt: Akzeptiere ich endlich die ständige Verantwortung die ich in meinem Job quasi natürlich übernehme – immer mit der Gefahr das es mehr und mehr wird und ich immer weiter hineingezogen werde …. Oder steige ich komplett aus diesem Hamsterrad aus?

Wahrscheinlich würde ich jetzt mit fast 50 tatsächlich noch einmal das Hamsterrad anhalten und aussteigen …. WENN ….. wenn ich noch alleine wäre…bin ich aber nicht….ich trage ja auch Verantwortung in und für meine Beziehung…und mein Job ist eben ein sicherer Hafen.

Meine Chefin ist auch überlastet und krank und hat kleine Kinder und wohnt auch noch gut 100km entfernt vom Büro – pendelt also mehrmals die Woche – und ist auf der Karriereleiter ziemlich weit oben…..und damit immer im Fokus der männlichen Führungsriege….immer im Kampfmodus……aber sie ist 36 Jahre und sie hat sich dieses Leben ausgesucht…. ihre Mitarbeiter bekommen ihre Unzufriedenheit sehr oft zu spüren…das macht es mir auch nicht gerade leichter.

Mein einziger aktueller Vorteil ist eine erstaunliche Gelassenheit …lach….na sagen wir mal es ist eher ein innerer Schutz nicht durchzudrehen das ich denke: mehr geht eben nicht – und jetzt eines nach dem Anderen – ich versuche mich gerade nicht aufzuregen und auch nicht hektisch zu werden….und es gelingt mir….dann bleibt die Arbeit eben liegen…ach ja …und ich hab mir trotzdem Freitag und Montag frei genommen…dann bleiben die Plätze eben unbesetzt…auch wenn ich davon ausgehen muss, das am Montag der Krankenstand immer noch genauso hoch ist, wie heute…dann ist das eben so…ist nicht zu ändern.

Nach 9 Stunden Arbeit ist aktuell auch Schluss bei mir…der Rest muss eben warten. Ich arbeite nach dem Ordnungs-Prinzip: „Vom Dringenstens zum Wichtigsten“. Es nutzt ja keinem etwas, wenn ich jetzt hektisch werde oder gar Durchdrehe…also nehme ich mir meine Auszeit und dann schaue ich mal weiter….