Stempeln und am Nachmittag ist frei

Freitag Nachmittag um 14.20 Uhr…und ich bin ins Wochenende gegangen….hahaha wie herrlich. Unter der Woche müssen wir mindestens bis 15 Uhr im Büro sein, an Freitagen dürfen wir bereits ab 13 Uhr Feierabend machen.

Ich finde die Zeit-Erfassung (oder altmodisch: Stempeluhr) echt klasse…nur sie bietet einen unbestechlichen Nachweis über die geleisteste Arbeitszeit. Es werden einfach alle Zeiten erfasst, die Pausenzeiten sind normiert und es gibt klare Regeln… an die sich alle halten müssen. Auch die Chefs.

Wer sich durch eine Zeit-Erfassung eingeschränkt fühlt,  sollte sich mal über Erfahrungen mit Vertrauensarbeitszeit erkundigen…das ist dann nicht mehr so lustig.

Nach 13 Jahren mit Vertrauensarbeitszeit kann ich sagen: das klingt zwar gut mit dem Vertrauen und so…aber das sind nur schöne Worte. In der Realität wird jeder Arbeitnehmer aufgefordert trotzdem einen eigenen Nachweis zu führen, der von Chefs zu bestimmten Gelegenheiten (eben wenn das Vertrauen nicht echt ist) angefordert werden darf.

Schwierig wird es auch immer, wenn es darum geht zu sagen die Arbeit ist zu viel, zu wenig, das Gehalt ist nicht stimmig zur Arbeitsbelastung…IMMER geht es dabei auch um die geleistete Zeit…

Und wenn man außer der Reihe mal einen Gleittag haben möchte, um Überstunden abzubauen wird es zum echten Problem… Als Arbeitnehmer ist man ständig in der Beweispflicht ,das man seine Stunden geleistet hat – da ist dann auf einmal nicht mehr die Rede vom Vertrauen….und wer nur jeden Tag 10 Minuten früher kommt und 20 Minuten später geht merkt kaum, wie er im Laufe der Jahre der Firma Unmengen an Stunden schenkt.

Wer trotzdem früher geht, dem wird von Chefs und Kollegen oft ein subtiles Schuldgefühl vermittelt. – obwohl man weiß das man genügend gearbeitet hat…allein aus diesem Grund ist es wichtig seine eigene Zeiterfassung zu machen, damit das eigene Selbstbewusstsein unter den ständigen Sticheleien und Neckereien nicht leidet… Denn keiner der Kollegen sieht wenn Du bereits um 6.30 Uhr angefangen hast und wenn Du dann um 15.30 Uhr gehst, sehen die Kollegen nur das es noch früh am Nachmittag ist: aaach arbeitest Du nur noch halbe Tage…dabei sind das auch 9 Stunden ./. 45 Minuten Pause = 15 Minuten mehr gearbeitet als eigentlich notwendig… und keiner sieht es. Die Kollegen sind dabei die größten Kontrolleure.

Auf der anderen Seite wird natürlich bei der reinen Anwesenheit mit der Stempeluhr NICHT die Arbeitsaus- oder Belastung gemessen…oder wieviel Zeit jemand am Tag mit Kollegen gequatscht hat… Hier hat die Vertrauensarbeitszeit einen weiteren emotionalen Vorteil für die Arbeitgeber…je nach Arbeitnehmer wird der sich an solchen Tagen eher beschämt fühlen, weil er 2 Stunden des Tages nur gequatscht hat…und evtl. fühlt er sich moralich verpflichtet deshalb etwas länger zu arbeiten….solche Kollegen hatte ich in meinem Team… Es gibt natürlich auch die Kollegen, die davon unbeeindruckt bleiben und minutiös abgezählt den PC herunter fahren.

Aber nirgendwo in den Arbeitsverträgen steht geschrieben, wie produktiv ein Arbeitnehmer eigentlich zu sein hat. Die Hauptpflicht des Arbeitnehmers besteht darin seine Arbeitsleistung dem Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen und die geforderten Arbeiten zu erledigen !!

Ich liebe also die klaren Regeln der Arbeitszeit-Erfassung und konnte so um 15 Uhr bereits im Wald sein…bei Sonnenschein und ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

 

 

Arbeiten für Umsonst und gute Worte

Da sitze ich nun hier und überlege was ich eigentlich schreiben möchte….zu schreiben gäbe es eigentlich genügend…aber über einige Themen möchte ich mir einfach keine Gedanken machen…

…ich bin heute früh am Nachmittag in den Feierabend gegangen….trotz meiner 130 Überstunden der letzten Monate (nicht mit gerechnet die mehreren Hundert die ich im Laufe der letzten Jahre gemacht habe und nie auch nur ansatzweise abfeiern konnte) hatte ich mal wieder ein schlechtes Gewissen, weil ich früh gegangen bin.

Warum eigentlich?

Vertrauensarbeitszeit ist selten zum Vorteil der Arbeitnehmer, auch wenn es erst einmal gut klingt zu sagen: es gibt keine Zeiterfassung. Und obwohl ich genügend Arbeit habe, gehe ich heute früher als die Anderen, denn die Zeit kann ich mir ja selber einteilen, wann ich das erledige, Hauptsache die ist fertig, wenn sie fertig sein muss.

Schon muss ich mich wieder rechtfertigen warum ich neue Projekte ablehne oder nicht noch andere Aufgaben übernehme….ich muss ja Zeit haben, sonst würde ich nicht früher gehen. Das ich aber i.d.R.  täglich mehr Stunden arbeite, als ich eigentlich muss und dazu noch zusätzliche Überstunden während der Abschlüsse mache, das sieht kaum einer….

Das ist doch ein blödes Gefühl sich immer schuldig zu fühlen….so ganz ohne Grund…na klar kann ich mir alles selber einteilen, aber die Blicke und so manche Äußerung der Kollegen zeigen ein anderes Bild…Und es macht ja überhaupt keinen Sinn ständig bei den Kollegen zu sagen: ich habe genügend Überstunden…lach….

Und dann meine eigenen Gedanken: also eigentlich könntest Du Dich jetzt damit und damit und damit beschäftigen…aber das reicht auch bis Ende der Woche,  Ende nächster Woche oder Ende des Monats…also nichts ist dringend…..aber alles ist wichtig.

Meine Chefin hat erst letzte Woche gefragt ob ich noch ein Projekt zusätzlich in diesem Jahr übernehmen kann…. NEIN – kann ich nicht….und dann der kritische Blick wenn ich sage ich gehe früher…. Lach….da wäre mir eine überprüfbare Zeiterfassung, die jederzeit von den Chefs eingesehen werden kann, fast lieber….denn dann würden Überstunden auch mal  sichtbar und vor allem auch ausbezahlt werden können…so arbeite ich quasi für „umsonst und gute Worte“.