und dann der nächste Tiefschlag

(Achtung nur langweiliges Arbeitszeugs – es geht weiter mit den Dramen)

Ab Donnerstag war ich dann wieder im Büro….so schnell kann eine Woche vorübergehen, wenn man faulenzt…aber es tat gut…richtig gut…und auch diese Energielosigkeit ist scheinbar vorüber. Ich sprudele zwar noch nicht wieder vor Energie…aber zumindest schlafe ich nicht alle naselang ein, sobald ich mich auf die Couch setze.

Die beiden Tage im Büro waren aber auch aufregend genug….immerhin habe ich jetzt meinen Teamleiter mit im Büro sitzen…nachdem in den letzten Tagen Kollegin Katrin sich seiner angenommen hat, war ich nun wieder dran.

Ich erkenne immer noch nicht seinen Wissensstand…er lässt nichts raus, sondern er beobachtet, hört zu und schreibt mit…und bestätigt meine/unsere Aussagen…mehr nicht. Er selber übernimmt bisher nicht einmal bei einem fachlichen Austausch die Führung. Ich bin wie ich bin, sage was ich denke und erkläre was hier hier machen, wie wir es hier machen und was die Zentrale von uns verlangt, das wir machen…auch wenn es für einen deutschen Buchhalter manchmal schwer zu akzeptieren ist.

Und deshalb hab ich am Freitag auch mal meinen Ärger über die nächste Einschränkung unserer buchhalterischen Freiheiten, laut zum Ausdruck gebracht…und dann auch gemässigter in einer Mail.

Da wurde mir am Donnerstagabend mit einer Mail aus der Zentrale mitgeteilt, das ab sofort ein weiterer Teil der angeblichen Standard-Arbeiten, nun auch von der Zentrale übernommen wird. EINE EINZIGE Person übernimmt nun auch das Buchen der Stromerlöse für mehr als 100 Gesellschaften.

Ab jetzt heißt es also ich muss warten, bis diese Person die Zeit findet meine Gesellschaften zu buchen…ich kriege die Abrechnungen quasi erst dann zu Gesicht, wenn sie gebucht sind. Ich finde diese Vorgehensweise fahrlässig….aber nun gut…inzwischen hab ich mich schon wieder abgeregt und es grummelt nur noch in meinem Bauch….habe eine Mail an die Teamleitung in DK zurück geschrieben, was ich davon halte….und meinen neuen Teamleiter in cc gesetzt.

Es würde zu weit führen, jetzt zu erläutern warum ich es für fahrlässig halte…und es ist scheinbar auch nur meine Meinung.

Fakt ist, so schaffe ich es niemals rechtzeitig vor Monatsende die dann, hoffentlich richtig, verbuchten Umsätze weiter zu berechnen und das Geld noch im Abrechnungsmonat fließen zu lassen. Aber dann ist das eben so – ich werde mir dafür auch kein Bein mehr ausreißen.

Vernünftige Buchungstexte und das richtige Benennen von Dateien spielt auch keine große Rolle…aber wozu soll man auch die richtigen Dateien vernünftig wiederfinden wollen. Das spielt aus dänischer Sicht überhaupt keine Rolle. Ich hatte noch keine Gelegenheit mit den Kollegen aus der Zentrale darüber zu sprechen…aber laut Aussage der Finanzchefin schon vor einer Weile würden die es begrüssen, sich damit nicht mehr beschäftigen zu müssen.

Für mich dagegen ist es die Basis all meiner Arbeit. Wenn die Basis nicht stimmt, kann am Ende auch nichts Ordentliches dabei rauskommen…außer das man ständig damit beschäftigt sein wird, die Fehler anderer auszubügeln und versucht zu verstehen, was die da eigentlich gemacht haben, denn auch diese vermeintliche Standard-Arbeit hat so ihre Tücken und führt immer wieder zu Problemen.

Damit gehen wir den nächsten Schritt in die bereits seit 2 Jahren andauernde Richtung alles zu verändern, was diese Firma einmal ausgemacht hat. Weg von der Verantwortung der Controller für eine Firma, zu immer kleinteiliger aufgesplittete Aufgabenteilung.

Während der ersten industriellen Revolution, als die Arbeit automatisiert wurde, war es das gleiche Prinzip…im Namen der Effizienz wurde jeder Mitarbeiter nur noch mit wenigen Handgriffen betreut, die er dann tagaus-tagein immer und immer wiederholen musste.

Heue weiß man, das diese Form der Arbeit krank macht, wenn der einzelne Mitarbeiter nur noch ein kleines Zahnrad ist.

Aber genau das machen wir gerade im geistigen Sinne. Aus einer vielfältig und breitgestreuten Aufgabe, werden mehr und mehr Aufgaben zentral übernommen…es gibt Kollegen die machen den ganzen Tag nichts anderes als Daten für hunderte Gesellschaften zu speichern, ein anderer übernimmt das Verteilen von Mails und uploaden von Rechnungen…der nächste übernimmt das Vorkontieren…es gibt inzwischen sogar schon jemanden der für alle möglichen Gesellschaften nur noch Zahlläufe generiert.

Aber wenn man die Zusammenhänge in einer Firma nicht mehr sieht…kann bei einzelnen Schritten eben auch keiner mehr Wissen ob das richtig ist oder eben nicht…Nicht jede offene Rechnung im System darf bezahlt werden…nicht jede Abrechnung vom Direktvermarkter ist richtig und wenn die Kontrolle der Abrechnung vom Controller erst dann erfolgt, wenn sie schon verbucht ist…dann müssen wir diese dann wieder stornieren oder korrigieren…nicht jede Rechnung in einer Mail ist echt….und wenn dann noch die sprachliche Barriere hinzukommt, dann laufen Rechnungen auch schon mal komplett in falsche Abteilungen und es dauert Wochen, bis ich sie zu Gesicht bekomme, nur um dann sagen zu müssen: den Freigabeprozess müssen wir jetzt doch noch einmal von vorne starten…auch wenn die Rechnung dann schon überfällig ist.

Ich habe ja gar nichts dagegen, bestimmte Arbeitsschritte auszulagern…aber das muss gut überlegt sein. Es hat ja auch Gründe warum gerade so viele Controller in der Zentrale die Firma wieder verlassen oder sich in andere Abteilungen versetzen lassen. Viele sind unzufrieden, was insgesamt mit der Arbeitsbelastung zu tun hat…aber ich glaube nicht, das es die Lösung ist, die Aufgaben einfach zu splitten, anstatt mehr Leute einzustellen, die sich um die Firmen komplett kümmern. Es mag durchaus sein, das es eben nicht mehr genügend Fachkräfte gibt, die solche Firmen komplett übernehmen können…gute Buchhalter sind knapp…aber warum können wir unsere internen Prozesse nicht verschlanken, anstatt es mit jedem Monat komplizierter zu machen.

Wir alle möchten doch mehr sein, als nur ein dressierter Affe. Immerhin haben wir langjährige Ausbildungen und Erfahrungen mit dieser Art von Arbeit, weil wir genau diese Vielfalt mögen.

Ich werde es akzeptieren wie es jetzt ist…habe mich ja entschlossen zu bleiben…also darf ich mich nicht beschweren, das es genau so kommt, wie uns schon im letzten Jahr angekündigt wurde…aber ärgern tut es mich trotzdem.

Wie immer liegt es an meiner Einstellung zu der Arbeit….es ist eben nur ein Job und genau so sollte ich es handhaben…immer wieder nehme ich solche Entscheidungen fast persönlich hahahha… Das ist jetzt mein nächstes Ziel: es ist nur ein Beruf, keine Berufung…ich werde dafür bezahlt die Arbeit zu machen, die man mir gibt und das werde ich weiterhin tun.

Aber das Herz und die Passion für diesen Beruf….die werde ich Stück-für-Stück in dieser Firma zurückschrauben…warum soll ich mich über Dinge ärgern, wenn ich sie nicht ändern kann und gleichzeitig auch nicht gehen möchte. Ich bekomme gutes Geld für weniger Verantwortung…und meine freie Zeit kann ich auch anders verbringen…also ohne mich über den Job zu ärgern.