kleine seelische Krise

Ihr glaubt es nicht, der Wiedereinstieg in den normalen Arbeitsalltag ist mir nach diesem Urlaub so unglaublich schwer gefallen. Es hat mehrere Tage gekostet, bis ich tatsächlich bereit war, mich wieder all den Alltagsproblemen zu stellen.

In dem festen Glauben, jetzt nach dem Urlaub, kommt nur noch der normale Arbeitsalltag und mein „Über-Engagement“ kann ich endlich wieder auf ein Normalmaß zurück fahren und doch kam es ganz anders.

Von Mail zu Mail war ich entsetzt, welche Probleme sich da vor mir auftürmten…wo die Kollegen in der Zentrale auf einmal von mir Unterstützung haben wollen. Viele Themen, die mich eigentlich nicht direkt betreffen und dazu dann noch meine eigenen Aufgaben mit einigen neuen Herausforderungen…ich fühlte mich blockiert…wollte und konnte vor allem, auf all das gar nicht reagieren.

Die ersten 2 Tage habe ich es mit einer Art Realitäts-Verweigerung probiert…habe ALLES, was nicht unmittelbar lösbar oder nicht zu meinen Aufgaben gehört, ignoriert und mich ausschließlich um das Tagesgeschäft gekümmert, welches ich nach 8 Tagen Abwesenheit, jetzt erst einmal wieder auf Vordermann bringen musste. Es ist ja nicht so, als ob die Arbeitswelt während meines Urlaubs stillgestanden hätte.

War ich am Montagmorgen noch mit viel Lust und Schwung im Homeoffice gestartet, endete ich bereits Dienstagnachmittag um 15 Uhr in einer kleinen seelischen Krise, ausgerechnet während eines Telefonats mit einer Kollegin die sehr fordernd auftrat, die mir viele Fragen stellte und meine Antworten nicht akzeptieren wolle…. und habe sofort danach Feierabend gemacht…und mich auf die Couch verzogen.

Eigentlich fühlte ich mich doch super erholt…doch nun fühlte ich mich sofort überrannt und unendlich schlecht. Blockiert….wie eingefroren. Mir liefen die Tränen über die Wangen, ich wollte mich weder bewegen, noch mich NICHT bewegen. Bewegung hilft mir in der Regel so einen Stress zu kompensieren.

Dabei war gar nichts Schlimmes passiert – außer das Ihr meine Antworten nicht zusagten und sie weiter bohrte…da habe ich etwas ungehalten reagiert, denn die Fragen betrafen gar nicht meine Arbeit und die Antwort war einfach: Ich weiß es nicht – wende Dich ans Helpdesk….was sie aber nicht wollte.

Ich war wütend über mich selbst und wunderte mich gleichzeitig über meine Reaktion, mich so gar nicht mit irgendeiner Art von beruflichen Problemen auseinander setzen zu wollen. Ich wollte einfach nicht aus meiner Urlaubs-Blase gestoßen werden. Wollte einfach in Ruhe meine Arbeit machen.

Habe ich mich nicht schon lange genug mit den eigenen Problemen im Job herum geschlagen und mit denen der Anderen dazu? Hatte ich nicht das Recht, jetzt einfach mal einen NORMALEN Job zu machen. Gleichzeitig habe ich mit mir geschimpft: nun kümmere Dich doch darum, tauche wieder ein in Deine Welt der Zahlen und der Logik Deines Jobs….das kannst Du doch, darin bist Du richtig gut.

Mittwoch ging es dann wieder ins Büro…und das war auch gut so….so konnte ich mich mal wieder mit Kollegin Kathrin und einigen anderen Kollegen unterhalten…etwa mehr Normalität…und bereits am Nachmittag lief es dann wieder besser bei mir.

Ich habe also zögerlich angefangen, mich wieder mit den Problemen (Meine Eigenen und auch ein paar der Anfragen von Anderen) zu beschäftigen….und seit Donnerstag arbeite ich also wieder ganz normal ohne irgendeiner inneren Sperre…reagiere normal und arbeite wieder genau so, wie ich es von mir kenne.

Jetzt im Nachhinein kommt es mir echt schräg vor…so als ob ich Angst davor gehabt hatte, den Problemen nicht mehr gewachsen zu sein. So einen Zustand kenne ich sonst eigentlich nicht…ich weiß immer, wie ich an eine Problemlösung herangehe, manchmal muss ich mich langsam herantasten – es ist wie früher in Mathematik mit Textaufgaben: Als Erstes muss ich verstehen: was habe ich und was wird gesucht:

  1. Wie ist die Ausgangslage, was für Daten und Zusatzinfos habe ich dazu
  2. Was soll am Ende das Ergebnis sein, was für eine Antwort sucht der Fragesteller
  3. Welche Programme, Formeln und Listen stehen mir für die Verarbeitung der Daten zur Verfügung
  4. Was fehlt noch an Informationen und wo kann ich diese her bekommen
  5. Welche Zwischenschritte sind bei komplexen Aufgaben notwendig
  6. Wer ist in dem gesamten Prozess involviert und wer braucht am Ende das Ergebnis
  7. Welcher Zeitrahmen steht mir für die Lösung zur Verfügung

Ich bin von Mittwoch bis Freitag ins Büro gefahren….hatte viele nette Gespräche mit den Kollegen und lustige Mittagspausen…man bin ich froh, das ich jetzt wieder ganz normal reagiere und ja das hineintauchen in Zahlen und Probleme funktioniert wieder einwandfrei…

4 Gedanken zu “kleine seelische Krise

  1. Kein schöner Anfang, gut, dass es wieder besser ist. Der Kollegin würde ich schreiben, dass sie sich bei solchen Fragen einfach nicht an dich wenden soll. Und wenn – dann schriftlich. Dann kannst du die Fragen (mit ihr im CC) ans Helpdesk schicken 😉

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  2. Hui, so kenne ich dich ja gar nicht.
    Aber du bist schließlich auch keine Maschine.

    Ich muß Hanne recht geben, laß dich von solchen Leuten nicht ausnutzen, sondern verweise sie konsequent an die passende Stelle.
    Im Endeffekt dankt es dir keiner.
    Du hast schon genug mit deinen eigenen Aufgaben und denen, die dir deine Abteilung zusätzlich aufgedrückt hat, zu tun.

    Liebe Grüße
    Trude

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    1. Juuup, ich habe mich auch über mich selber gewundert…und ja ich muss das abblocken, aber manchmal ärgere ich mich über Menschen, die mich solch eine Lage bringen, immer wieder ablehnen zu müssen…ich mache das ja auch – aber zu dem Zeitpunkt wollte ich einfach in Ruhe gelassen werden….hahahaaa …. es hat ja nur 2-3 Tage gedauert…seitdem ist ja auch alles wieder okay mit mir

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