lieber Gestalten – statt hinnehmen

(ACHTUNG – nur langweiliges Arbeitszeugs !)

Manchmal ist es schwierig seinen eigenen Gedanken zu entkommen.

Schon seit ich den Termin für mein jährliches 1to1-Gespräch mit meinem Chef bestätigt hatte, hab ich mir merkwürdigerweise Sorgen gemacht.

Warum bin ich z.Z. die Einzige, die schon ihren Termin hat? Und warum hat er mit mir den Termin freiwillig gemacht…normalerweise muss man ihn mehrfach bitten, endlich mal einen Terminvorschlag zu schicken. Selbst die Controller-Kollegen in der Zentrale haben noch nicht alle ihre Termine erhalten. Dazu noch der Hinweis vom Controller er hätte gehört, das unser Chef diese Verpflichtung zu den Gesprächen gerne an den Deutschen GF abgeben würde.

Ich war also besorgt und das nicht weil ich glaube schlechte Arbeit geleistet zu haben, sondern eher weil ich befürchtete er schiebt mich jetzt in eine der anderen Verantwortungsbereiche ab und genau DAS möchte ich auf keinen Fall. Ich mag seine lockere unkomplizierte Art und das er mir so viele Freiheiten lässt.

Ich brauche nicht viel Betreuung, eigentlich brauche ich nur jemanden der meine Urlaubsscheine abzeichnet, einmal im Jahr das Gespräch mit mir sucht und wenn irgend möglich, eine Gehaltserhöhung genehmigt. Ansonsten funktioniere ich ohne weiteres Zutun des Chefs. Wenn ich Fragen habe, frage ich per Mail (dann kann er schauen, wann er antwortet)….wenn er Fragen hat, ruft er an und fragt mich direkt. Was will ich mehr.

Ich hab mir also mehr Sorgen gemacht, als dem Anlass entsprechend…weil ich etwas zu verlieren habe…meine Unabhängigkeit und Freude am Job. Im Nachhinein war es schon interessant, wie mich meine Gedanken immer weiter in das Thema reingezogen haben…Normalerweise bin ich bei solchen Gesprächen relativ entspannt: ich weiß was ich kann und ich weiß was ich leiste….und mein Chef weiß es ja auch.

Nun gut…an dem Tag war ich im Büro und hatte für das Teams-Meeting mit meinem Chef einen Meetingraum reserviert, alle Themen stichwortartig aufgeschrieben: was war gut, was war schlecht, was wird kommen, was liegt bei mir an, was brauche ich usw.

Worauf ich mich bei meinem Chef verlassen kann, sind die ca. 10 Minuten, die er immer zu spät ist…hahaha…aber dann hatten wir 1,5 Stunden ein wirklich tolles Gespräch. Vor allem ging es in in der ersten Hälfte der Zeit fast nur darum wie es mir geht (also gesundheitlich mit dem Herzen usw.) und wie ich mit dem aktuell ansteigendem Arbeitslevel und Druck klar komme und es bei mir mit der psychischen Gesundheit aussieht.

Er hätte wohl mitbekommen, das ein Teil der dänischen Kollegen mit dem gestiegenen Arbeitspensum so langsam auch der psyche Druck steigt und manche nicht so gut damit umgehen können. Da konnte ich ihn beruhigen…mir geht es körperlich z.Z. so gut, wie es mir eben mit der Diagnose und mit den Tabletten gehen kann und die nervliche Belastung während der ersten Monate ist zwar auch für mich deutlich spürbar, hat sich aber jetzt wieder einigermaßen normalisiert. Zumal der psychische Stress ja auch durch die OP meiner Schwester noch dazu kam.

Nichts anderes hatte er auch angenommen und er hätte von allen Seiten nur Positives über mich gehört und wie im letzten Jahr ist er hochzufrieden mit mir, unserer Kommunikation und unserer Zusammenarbeit….also eine volle Breitseite Lob – jaaa ich gebe zu, das tat mir mehr als gut….das tat mir sehr gut.

Ganz kurz vor Ende des Gesprächs kam dann noch das Thema Gehalt und sein Angebot einer 8%igen Gehaltserhöhung. Wow – das ist ja klasse. Ich hatte so auf 7% Inflationsausgleich gehofft, aber eher mit 5% gerechnet…immerhin bekommen wir ja auch noch einen Erfolgsbonus seit dem letzten Jahr. Also – alles ist gut – er bleibt mein Chef, ist zufrieden mit mir, ich zufrieden mit ihm und es gibt sogar mehr Geld als erwartet.

Ja es werden noch eine ganze Menge Änderungen auf uns zukommen….und ich hab angeboten bei dem bald anstehenden System-Wechsel unserer Buchhaltungs-Software den deutschen Teil zu testen, wenn es soweit ist…nicht weil ich soviel Zeit dazu habe, sondern eher aus Selbstschutz.

Wenn ich von Anfang an mit teste, kann ich noch Einfluss auf die Ausgestaltung nehmen, Bedenken äußern oder Vorschläge machen…immerhin hab ich schon so einige Software-Änderungen in anderen Unternehmen mit begleitet…ich weiß also genau, wo die Fallstricke liegen zwischen IT-Grundeinstellungen und den Anforderungen für die tägliche Arbeit der Buchhalter. Gerne hat er mein Angebot angenommen…der zuständige dänische Kollege, ist derselbe mit dem ich schon eng bei der Rechnungssoftware zusammen arbeite. Wir kommunizieren auf Augenhöhe und freundschaftlich. Das macht es für uns Beide einfach.

Außerdem erspare ich mir durch dieses Angebot noch weitere Firmen übernehmen zu müssen, die dann auch noch mit allen anderen gleichzeitig fertig sein müssen (der Chef hatte auf meine Frage schon abgewunken), gerne würde er mich mehr noch als zusätzliche Unterstützung für die dänischen Kollegen einsetzen, also das was ich jetzt schon außerhalb der Buchhaltungssoftware mache: Briefe auf Deutsch schreiben, Anrufe tätigen um Sachverhalte zu klären. Mails auf Deutsch schreiben.

Manchmal hilft so ein formell formuliertes Schreiben auf Deutsch echt dabei, bessere und schnellere Informationen zu bekommen. Englisch ist gerade in deutschen Ämtern eben oft nicht hilfreich und unsere saloppen Kollegen haben mit den formalen Beamten bei uns, so ihren Kultur-Clash.

Nur innerhalb der alten Software kann ich die Kollegen nicht unterstützen, da die Versionen so weit auseinander liegen. Die deutsche Software hat noch einen Stand von 2009 und die dänische ist bei 2016….und wir arbeiten mit komplett unterschiedlichen Kontenplänen….Das alles soll sich ja bald ändern…Ein Konzern, eine Software für alle Landesgesellschaften, ein Kontenplan, eine Struktur….DAS wird spannend. Und bevor ich das passiv über mich ergehen lasse, arbeite ich lieber aktiv daran mit.

Auto – S-Bahn – Fahrrad

Regelmässig mit der S-Bahn zur Arbeit zu fahren, bringt ganz neue Routinen….und ich bin überrascht…

Die ganze Woche bin ich jetzt mit meinem Wochenticket von Pinneberg nach Hamburg zur Arbeit gependelt, wie es wahrscheinlich sehr viele Menschen regelmäßig überall machen…nicht nur hier.

Als überzeugter und freiheitsliebender Autofahrer hab ich bisher noch keine Variante gefunden, die mich langfristig zum Umsteigen auf die Öffis überzeugen konnte….Das Haupt-Hindernis ist für mich, das ich zwischen 6-9 Uhr Morgens mein Fahrrad nicht mit in die Bahn nehmen darf. So könnte ich morgens mit dem Rad die knappen 2km zur Bahn zurücklegen, dann die Bahn nehmen und dann noch einmal knapp 1km mit dem Rad bis zum Büro. Das wäre also ideal.

Die Alternativ jeden Tag die insgesamt 6km bei Wind und Wetter zu laufen, kommt für mich nicht in Frage…schon gar nicht im Winter….Busse sind für mich auch keine wirklich machbare Variante, da stehe ich immer und warte auf den nächsten Bus, neee – in der Zeit kann ich auch Laufen.

In dieser Woche hab ich es mit Park+Ride probiert und finde, das ist eine schöne und machbare Alternative: Ich fahre mit dem Auto zu der S-Bahn Station die einen großen kostenlosen P+R Parkplatz bietet…laufe das kurze Stück bis zum Bahnsteig, fahre mit der S-Bahn nach Hamburg und laufe den knappen km bis zum Büro. Die Bahn fährt alle 10 Minuten !!

DAS ist praktikabel und auch bei schlechtem oder heißem Wetter durchzuhalten…

…und es ist aktuell auch sehr entspannend, da die Züge nicht so voll sind, wie ich es z.B. von Frankfurt her kenne…wenn ich da Morgens von Frankfurt nach Bad Soden in der S-Bahn saß, war es oft ooo eng, das ich öfter kurz vor einer Panikattake stand…die 1. Station in diese Richtung ist eben eine Bürostadt mit großen Unternehmen und seeeeehr vielen Mitarbeitern, die scheinbar alle zwischen 6-7 Uhr ins Büro wollten. Der Nachteil hier, die Bahn fährt nur alle 30Minuten und im Winter kam es immer wieder zu massiven Verspätungen und Zugausfällen, das war dann nicht mehr spaßig…

Was ich in dieser Woche noch feststelle, ich halte mich nach Feierabend länger in Hamburg auf…laufe noch nach Ottensen oder in Richtung Volkspark, schlendere durch die Gegend…setze mich wieder mal in Cafés und laufe einfach herum….Ist ja egal von welcher Station ich dann in Richtung Zuhause mit den Öffentlichen fahre.

Mit dem Auto ist es anders, erst einmal ist die morgentliche Parkplatzsuche etwas schwieriger geworden, da gerade rund um das Büro sehr viel gebaut wird und damit eine ganze Menge Parkplätze für längere Zeit ausfallen, bisher hab ich immer noch einen gefunden – aber es bedeutet etwas mehr Zeitaufwand.

Und nach Feierabend fahre ich meistens sofort zurück…oder unternehme andere Touren mit dem Auto, meistens raus aus Hamburg, und gerade am Nachmittag staut sich der Verkehr manchmal sehr.

Aktuelles Fazit: mir macht das Bahnfahren im Moment sogar Freude, weil es insgesamt entspannter für mich ist….und mit einem 10-Minunten-Takt fühle ich mich auch Morgens nicht so gehetzt….

Hmmm – mal sehen, ich werde es wohl noch weiter ausprobieren….und fange jetzt mal an, das finanziell durch zu rechnen…