Genialer Blick auf den Hafen – nicht auf den Job

Wie gesagt, hat mich die Aufforderung zur Kündigung nicht verwundert, was mich eher wunderte, war das zur schaugestellte Wohlwollen…na klar soll die Jahresabschluss-Prüfung noch reibungslos über die Bühne gehen.

Aber ich hatte ja noch 2 Asse im Ärmel… denn Aschermittwoch-Abend hatte ich noch ein 2. Vorstellungsgespräch…direkt in Hamburg, quasi oberhalb vom Alten Elbtunnel….mitten drin.

Ich hab nach dem Gespräch mit meiner Chefin normal weiter gearbeitet…immerhin war Reporting-Zeit….und so musste ich mich tatsächlich etwas sputen ,um rechtzeitig mit dem Auto bis ins Herz von Hamburg zu fahren…ich war wie immer in Jeans auf der Arbeit und erst als ich einen Parkplatz an meinem Zielort gefunden habe, hab ich mich im Auto umgezogen. Es ist erstaunlich wie wenig vorbei-laufende Menschen in geparkte Autos schauen… zum Glück Niemand….so konnte ich mich in Ruhe umziehen: Strumpfhose, Rock, Bluse und Blazer, Stiefel….etwas schminken, noch einmal kurz etwas über die Firma nachlesen und dann ging es zum Gespräch.

Die Aussicht aus dem 11.Stock des Gebäudes war überwältigend……der Leiter der Abteilung war dagegen schon etwas speziell…so speziell das eigentlich nicht genau klar war, welchen Job die eigentlich zu besetzen haben (das wusste auch der Personalvermittler im Vorfeld nicht…sehr merkwürdig)….Aber immerhin war das Gespräch zu Dritt nett und offen und lustig…

…und am Ende des Gesprächs waren sich meine beiden Gesprächspartner einig und haben mir sofort ein Jobangebot gemacht….für einen Teamleiter-Posten…und die hätten es gerne gesehen, das ich dieses sofort annehme, damit ich noch im Februar kündigen kann…

Da hab ich erst einmal den Druck rausgenommen…Nein, das klappt so schnell nicht, immerhin hab ich noch weitere Bewerbungsgespräche und entscheide mich dann – in Ruhe. Okay – aber das Angebot steht und ich soll es mir überlegen.

Nun war mir bereits auf dem Rückweg klar…das ist eigentlich nicht der Job den ich suche… 1 Stunde Fahrt mit der Bahn pro Strecke, einen Teamleiter-Posten mit Vertrauensarbeitszeit, eine Firma die noch nicht einmal den 1. Schritt in Richtung Digitalisierung unternommen hat, offene enge Büros, viele Gesellschaften, ein neues ERP-System das aufgebaut werden soll, eine Zwischen-Hierachie die neu eingezogen wird, und dazu ein Gehalt das der Aufgabe nicht gerecht wird….. hmmm nöööö

Und auf einmal hab ich einen inneren Druck verspürt einen Job finden zu müssen…nein, nein, nein…ich hab noch Zeit… und am Donnerstag hab ich noch einen Termin mit einem weiteren Vermittler und am Freitag noch ein weiteres Bewerbungsgespräch…. ich brauche nichts zu überstürzen…
Ausserdem warte ich schon seit Tagen darauf, das sich die Firma meldet ,bei der ich mich als erstes vorgestellt habe…die wollten mich ja zu einem 2. Gespräch einladen…aber bisher war nichts ….manno. DA würde ich nämlich sofort ja sagen.

Los geht`s

…mit der Suche nach einem anderen Job.

Obwohl ich noch vor knapp 2 Wochen davon überzeugt war, es noch eine Weile in der Firma auszuhalten, gab es eine weitere blöde Situation…eine Zuviel  (noch vor dem „Probezeit-Endgespräch“ mit meinen Chefinnen) und so hab ich den Personalvermittler gebeten mein Profil in seiner Firma zu reaktivieren.

  • ich hab meinen Lebenslauf aktualisiert
  • mein Xing-Profil für Recruiter freigegeben
  • mein Stepstone-Profil aktualisiert

Letzten Samstag hab ich dann vier Bewerbungen geschrieben und über die Online-Portale verschickt…und bereits am Montag hatte ich

  • eine Absage
  • eine Einladung zum Vorstellungsgespräch
  • zwei Einladungen von Recruitern zum Telefongespräch (die haben mein Profil gesehen)

Und immer wenn etwas schneller passiert, als ich es erwarte, war ich im ersten Moment geschockt…lach….die Woche im Job war schon anstrengend (Monatsabschluss) und dann noch die Telefongespräche. Solche Erstgespräche dauern ja auch schon mal 1 Stunde…und die Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch in Hamburg musste ich ja auch noch durchziehen.

Ich hab mich also wieder mal auf ein Bewerbungsgespräch komplett in Englisch vorbereitet: meinen Lebenslauf, Berufliche Sachgebiete usw….Nicht das das nötig ist, aber so bin ich bestens auf Fachfragen vorbereitet und gleichzeitig kommt immer ein Gespräch auch auf Englisch und da ich ja nicht weiß für welches Themengebiet hab ich so zumindest alle notwendigen Vokabeln und Phrases schneller parat.

Das Gespräch war lange, fast 1,5 Stunden und es war eine lockere Atmosphäre…ich kann es mir gut vorstellen dort zu arbeiten, mit dem Auto wären es ca.25 Minuten nach Hamburg rein….Parkplätze kann man morgens dort auch noch finden, das Bürogebäude ist neu…es wäre mit der neuen Stelle ein 2er Team in einem Büro…es ist eine moderne Firma, mit einem nachhaltigen Geschäftsfeld,  die zu einem skandinavischen Konzern gehört. Die Eckdaten passen auf beiden Seiten….aber ich bin natürlich nicht die einzige Bewerberin. Aber ich habe gute Chancen in die 2. Runde zu kommen.

Und wenn nichts daraus wird, hab ich immerhin schon mal wieder die erste Hürde genommen…ich habe mich aus der Starre des „man müsste sich mal umschauen“ gelöst und bin aktiv dabei….das ist doch auch schon mal etwas.

Allein diese Perspektive macht mir das weiter arbeiten in der jetzigen Firma leichter…

..to be continued….

 

 

 

 

Schockiert – warum eigentlich

Bereits seit Donnerstagabend hab ich die Rückmeldung auf mein Bewerbungsgespräch bekommen…und ich bin seitdem in leichter Schockstarre….und weiß gar nicht wieso.

Ich hab nicht wirklich mit einer Zusage gerechnet…wie auch, immerhin war es nach mehr als einem Jahrzehnt das erste Bewerbungsgespräch und dann auch noch mit einem schriftlichen Test.

Dann kam der Anruf, (ich war gerade in einem Einkaufszentrum unterwegs)  …sie würden mir in der kommenden Woche ein Angebot machen… … …

In dem Moment hab ich mich echt gefreut, wir haben ein paar Minuten noch über Einzelheiten gesprochen. Nachdem das Gespräch beendet war, hab ich meinen Einkauf fortgeführt. Ich stand nämlich im Deichmann und hab mir gerade ein Paar Sneaker fürs Fahrradfahren gekauft.

Emotional war ich überhaupt nicht in der Lage das Gespräch zu verarbeiten…und das blieb auch bis zum nächsten Tag so… ich bin irgendwie in Schockstarre.

Warum eigentlich?  Okay – ich hab bisher nur eine mündliche Zusage, also „richtig“ ist der Vertrag noch nicht … Wenn ich das Ding erst einmal schriftlich mit Unterschrift vor mir liegen habe, DANN wird es real… Es kommt zu unerwartet, zu schnell. 

Ich war es schon früher gewohnt das es bei mir schnell geht, aber  mit nur einem Vorstellungsgespräch, das hatte auch ich noch nie. Ich hab Angst mich jetzt schon darauf zu freuen…noch ist nichts unterschrieben.

Ich hab es bisher noch nirgendwo erzählt…nur mein Vermittler rief mich am Freitag an, obwohl er frei hatte. Es gibt da noch einen Punkt der noch geklärt werden muss….das klären wir am Montag, wenn er wieder im Büro ist.

Also – so wie es aussieht – werde ich tatsächlich im Oktober eine neue Stelle antreten können…hier schon mal ein verhaltenes (weil ungläubiges Erstaunen mich  bremst) „hurra“.

Wieder auf der Schulbank – also fast

Ich hatte Anfang der Woche, nach 13 Jahren das 1. Bewerbungsgespräch und dazu gab es dann auch gleich einen schriftlichen Test. Alles zusammen war es eine Bewerbung über 4,5 Stunden. Das war zwar ein gutes Gespräch….puh aber auch sehr anstrengend. Seit dem Hinweis des Personalvermittlers auf einen schriftlichen Test, war ich doch etwas angespannt…Einen Einstellungstest hab ich das letzte Mal vor 33 Jahren gemacht, als ich mich um einen Bewerbungsplatz bei einer Bank beworben habe…lach…und bin damals durch gefallen. Ich war also sehr verunsichert, WAS wollen die von mir wissen.
Also hab ich mich 1,5 Wochen jeden Abend hin gesetzt, Fachbücher gewälzt, habe im Handelsrecht und Umsatzsteuer-Gesetz nach gelesen, mich mit Barwert-Ermittlungen, Finanzierungsleasing und Abzinsungen beschäftigt, habe lange nicht benötigte Englisch-Vokabeln gelernt und meinen Lebenslauf und viele Antworten zu Fachfragen gleich auf Englisch laut referiert. Wann war das BilMoG, wann das BilRUG, was sind die GOBD . Dazu habe ich mich im Internet mit den Bilanzierungs- Vorschriften nach US-GAAP und dem SOX-Compliance (Beides absolutes Neuland für mich) beschäftigt. Mit anderen Worten, Ich hab mich gefühlt wie ein Schüler der sich auf eine Abschlussprüfung vorbereitet. Mal ehrlich – das hat mir sogar richtig Spaß gemacht. Nur da ich nicht wusste aus welchen Themengebieten die eigentlich Fragen stellen werden, kam immer wieder eine gewisse Unruhe auf.
Schlecht war diese Vorbereitung nicht, so schnell kann mich jetzt nichts mehr aus der Ruhe bringen…ich bin jetzt auch für weitere Bewerbungsgespräche gut gerüstet….aber erst einmal bin ich froh, das ich diesen TEST hinter mir habe.
Ob ich den Job bekomme? Keine Ahnung. Die Gesprächs-Atmosphäre war locker und entspannt und an vielen Stellen war es auch mehr ein richtiges Gespräch mit gegenseitigem Informationsaustausch, als ein Frage-Antwort-Spiel – was vor allem daran lag, das ich auch Gegenfragen gestellt habe….und so kam es nicht zu den berühmten Standard-Fragen: „Was sind Ihre Stärken“ oder „Wo sehen Sie sich in 5 Jahren“.
Was ich interessant finde: es wird sehr viel Wert auf Funktionstrennung gelegt, nicht wie jetzt, wo ich vieles selber mache, weil wir einfach zu wenig Leute sind. Und es wird viel Wert darauf gelegt das Mitarbeiter KEINE Überstunden machen. Das klingt geradezu paradiesisch….und ist kaum zu glauben.
Na –abwarten. Letztlich wird sich die Entscheidung auf die folgenden Themen reduzieren:
1. Passe ich mit meinem Selbstbewusstsein ins Team
2. Glaubt mir das Unternehmen, das ich auch ohne Teamleiter-Funktion längerfristig zufrieden sein könnte.
3. Können die sich damit anfreunden, das ich erst zum 01.10. eine neue Stelle antreten kann.
Wenn das Unternehmen diese 3 Fragen positiv beantwortet, dann könnte ich den Job bekommen…also heißt es abwarten
Also den 1. Teil (Gespräch) und. 2.Teil (Test) hab ich in einem Rutsch absolviert, weil ich eben die lange Anreise habe. Bis Ende der Woche bekomme ich Bescheid, ob es für mich eine 3.Runde (Besprechung der Einzelheiten) geben wird.
Ich war bereits Samstag mit dem Auto angereist….30 Km oberhalb von Hamburg. Hatte in einem kleinen Ort ein einfaches Hotelzimmer gemietet und mich neben der intensiven Vorbereitung auf das Gespräch und den Test noch gut erholt. Das heißt ich war bei dem tollen Wetter viel im Wald unterwegs und hab einfach die Stille genossen…dazu bin ich durch viele kleine Ortschaften gefahren um mich ein wenig mit der Umgebung anzufreunden.
Denn nicht nur die Firma muss sich entscheiden …auch ich frage mich: würde ich dort arbeiten wollen und könnte ich mir vorstellen hier in der Umgebung zu leben… Das ist schon sehr spannend…

Ist das arrogant oder dumm (2.Teil)

Update zu meinem Eintrag v. 16.08.

Die Bewerberin hat uns tatsächlich mit geteilt, das der Vertrag jetzt okay wäre – aber sie inzwischen bei einem anderen Unternehmen unterschrieben hätte.

Das kam jetzt nicht  mehr wirklich überraschend.  Letztlich waren wir erleichtert, weil wir jetzt das Angebot nicht mehr zurück ziehen mussten….aber es macht mich auch wütend, weil die Dame uns tatsächlich nur hingehalten hat.

Sooo und auch der nächste vielversprechende Kandidat hat nach dem 2.Gespräch ein Angebot von uns erhalten …aber auf einmal wusste er nicht, ob er überhaupt noch die Firma wechseln wollte….grrrrr…..sagt mal…ich mach das hier doch nicht zum Zeitvertreib….also okay er wollte es sich in Ruhe überlegen und wir haben ihm Zeit gegeben. Sein Versprechen sich auf jeden Fall am 25.09. zu melden hat  er aber auch nicht gehalten…. Damit war für mich klar…egal wie er sich entschieden hat – ich will nicht mehr. Die Absage von ihm kam dann  (sehr nett verpackt) 1,5 Tage später….

Ich werde langsam härter in meiner Art zu reagieren und verliere das Vertrauen in die Ehrlichkeit der Menschen und damit ist ein wichtiger Pfeiler in meinem Leben beschädigt…das Vertrauen…

Ich weiß schon seit ein paar Jahren, das es weniger auf die Worte als auf das drum herum ankommt um zu erkennen, was Menschen wirklich aussagen wollen. Ich lerne … aber es fällt mir schwer. Ich vertraue auf das gesprochene Wort und auf die Ehrlichkeit der Menschen.

Scheinbar kommt mein Problem mit der eingeschränkten Fähigkeit das Sozialverhalten von Menschen richtig zu interpretieren hier voll zum Tragen…es fällt mir schwer das einzugestehen… immerhin arbeite ich seit Jahren daran mit Empathie und wachem Verstand die Menschen einschätzen zu können. Es gelingt mehr inzwischen sehr gut, bei Menschen die ich kenne und mittels Beobachtung kann ich in Gestik und Verhalten von fremden Menschen, die sich unbeobachtet fühlen klare Aussagen treffen.

Aber in Situationen wie einem Bewerbungsgespräch, wo sich die Menschen nicht ungezwungen geben und versuchen  sich von ihrer besten Seite zu zeigen, sie also bewusst oder unbewusst  Verhalten verstecken wollen, fällt es mir tatsächlich schwer hinter die Fassaden zu blicken.