Kundendienst-Bürokratie

Hatte ich bisher immer geglaubt, das Bürokratie ein vorherrschendes System des Staates ist, Bürgern das Leben oft schwieriger zu machen, als nötig, weil sie aufgrund von Gesetzen und Verordnungen dazu gezwungen sind, sich langsam und kompliziert zu verhalten..

Nun erlebe ich aber zum wiederholten Male, das große Firmen, die NICHT-staatlich sind, das mit der Bürokratie oft noch doller treiben.

Als Beispiel bietet sich bei mir, aus gegebenem Anlass, wieder einmal der Bauknecht-Kundendienst an, bei dem auch die Marken Indesit und Whirlpool vertreten sind…und bei meinem Indesit-Herd hatte ich in der alten Wohnung genau den gleichen komplizierten Service.

Ich habe nach langem Hin-und her vor 2 Monaten, endlich einen Reparatur-Termin meines Induktions-Kochfeldes für den Bauknecht-Herd für kommenden Montag bekommen und auch brav in meinen privaten Kalender eingetragen, nur um in dieser Woche festzustellen, das ich kommenden Montag und Dienstag auf Dienstreise sein werde.

Hab also zum Telefonhörer gegriffen….bei guter Planung sollte eine Firma 1-2 Tage im Voraus einen Arbeitsplan vorliegen haben, der aussagen sollte wann der Besuch des Monteurs nun stattfindet: also MORGENS oder Nachmittags.

Bis ich jedoch meine Frage stellen konnte, hat es gedauert…nein es war kein Automat, ich hatte sogar ziemlich schnell einen Menschen am Hörer, der sich jedoch wie ein Automat verhielt.

Hotleine: Nennen Die die ersten 3Buchstaben Ihres Nachnamens

Ich: Ich kann Ihnen auch die Auftragsnummer nennen

Hotline: NEIN – nennen Sie die ersten 3 Buchstaben Ihres Nachnamens

Ich antworte und danach fragt die Damen ALLE Einzelheiten nacheinander ab….ALLES – bis auf die Auftragsnummer, denn sie hat den Auftrag bereits vor sich am Bildschirm:

Vornamen, Nachnamen, Adresse, Telefon-Nummer (hören Sie ich will doch nur eine Auskunft zum Reparatur-Termin), E-Mail-Adresse, Welches Gerät, wie das Ersatzteil heißt und welche Nummer das Ersatzteil hat, ob ich eine Zusatzversicherung habe (BITTE, ich hab doch bloß eine Frage)….

Aussage der Dame von der Hotline: Sie ist verpflichtet vorher alle Daten abzufragen.

Nach gefühlten Minuten dann endlich die Frage: um was geht es jetzt….ich möchte nur wissen ob der Monteur Vormittags oder Nachmittags kommen wird.

Antwort der Hotline: Der Termin geht von 8-17 Uhr – eine Eingrenzung ist nicht möglich.

Nach einer kurzen Äußerung meinerseits, das so eine Art doch echt veraltet ist und das man dabei auch nicht wirklich von Service reden kann, gebe ich frustriert auf und möchte den Termin verlegen.

Und dann der Knaller. Also wenn es Montag nicht bei mir geht, dann wäre Dienstag noch ein Termin frei. Tut mir leid Montag und Dienstag bin ich auf Dienstreise…ab Mittwoch ging es wieder.

Nächster dann freier Termin wäre der 20. JUNI….also noch einmal einen weiteren Monat warten. ich sage entnervt zu…ist jetzt ja auch schon egal.

Den Termin hab ich jetzt in Firmen- und Privatkalander vermerkt und ich wäre schon längst losgezogen und hätte das gesamte Induktionskochfeld komplett neu gekauft, wenn es das denn noch geben würde.

Meine Schwester hat ihres in der letzten Woche ebenfalls zerstört, die haben sich innerhalb von 2 Tagen ein neues gekauft, das am 3. Tag eingebaut wurde. Erledigt. Bei ihr war es jedoch so schlimm, das sie es gar nicht mehr benutzen konnte, während ich noch mit 2 Herdplatten arbeiten kann.

Deutschland und die Bürokratie

In den letzten 1,5 Monaten habe ich viel gelernt…über die Bürokratie in Deutschland.

Wenn ALLES normal funktioniert merke ich die Bürokratie nicht wirklich, ich lebe in geordneten Bahnen und bin mit einem gewissen Maß an Bürokratie groß geworden…bin es gewohnt das alles klappt, weil ich mich an Alles halte…Ich KENNE also meine notwendige Bürokratie (nicht bei Rot über die Ampel fahren, Steuererklärung jährlich abgeben, Personalausweis beantragen wenn dieser abläuft) und fühle mich nicht davon eingeengt.

Aber wenn ein Pensionär stirbt, bekommt man die volle Breitseite an Bürokratie zu spüren…und als Kind eines Beamten im Ruhestand ist man doppelt gestraft, vor allem wenn man weder selber Beamter ist, noch Privatpatient.

Ich hab mich also mit dem Prinzip Private Krankenkassen-Abrechnungen, Beihilfe, Testamentseröffnung, Erbschein, Sterbegeld, Bankvollmacht und die Folgen im Erbfall beschäftigt. Und mit jedem weiteren Formular, mit jeder weiteren Bescheinigung, mit der nächsten beglaubigten Abschrift aus dem Stammbuch, den Scheidungsurteilen, Geburts- und Heiratsurkunden wächst in mir die Frage wozu besitze ich eigentlich einen Personalausweis der doch meine Identität bescheinigt, wenn die Echtheit meines Daseins doch nur über beglaubigte Abschriften von allen Urkunden bewiesen werden kann?

Krass finde ich auch wie man als Kind eines verstorbenen Beamten an das Sterbegeld kommt. Jeder Deutsche Rentner der stirbt bekommt 3 Monate seine Rente weiter gezahlt….Bei einem pensionierten Beamten läuft das anders. Der bekommt nur den aktuellen Monat seine Rente und dann noch 2 Monate Sterbegeld…die müssen aber beantragt werden …UND  !!!! alle Erben müssen sich einig sein und schriftlich zustimmen das das Sterbegeld an einen der Erben ausgezahlt wird….!!!!! UND dieser Erbe – der das Sterbegeld ausgezahlt bekommt muss das mit Steuerklasse 6 auch noch versteuern. (Steuerklasse 6 ist für Nebenjobs und hat einen sehr hohen Steuerabzug)….und das was dann dabei übrig bleibt muss dann ja auf alle Erben aufgeteilt werden….

Seufz….ja,ja die Bürokratie hört aber da noch lange nicht auf. Weil die Erben für den Verstorbenen auch noch bis zum Todestag die Steuererklärung abgeben müssen….und das Recht auf Erstattung der Arztrechnungen wir mit vererbt, d.h. wir müssen bei Krankenkasse und Beihilfe die Rechnungen zur Erstattung reinreichen….Was ja positiv ist, weil wir nicht auf den Kosten sitzen bleiben….

Nun inzwischen fühle ich mich etwas sicherer im Umgang mit diesen Themen und reagiere auch etwas gelassener und routinierter beim Ausfüllen der Anträge…lach….aber geheuer ist mir das Ganze immer noch nicht. Es geht um viel Geld… (solche Krankenhausrechnungen gehen schnell man in die Tausende und wenn dann die Beihilfe oder auch die Krankenkasse Beträge kürzt, dann muss man Widerspruch einlegen, Begründungen schreiben….manchmal dachte ich, ich verliere den Überblick und an einigen Tagen war ich einfach nur noch verzweifelt, weil nichts voran ging. Immerhin verbringen wir auch noch die Wochenende in der Wohnung meines Vaters und eigentlich brauche ich auch noch viel mehr Zeit für meinen Job….zum Glück kann ich gut organisieren…und noch hab ich alles im Griff.

Aber es kostet eine Menge Zeit und Lauferei und ich hab so viel telefoniert, wie in den letzten Jahren nicht….

Ich wäre gerne wieder unsichtbar oder Die Mühlen der Verwaltung

Wer, wie ich, glaubt man kann doch ohne Probleme leben, wenn sich alle an ungeschriebene Gesetzte hält…gemäß dem Spruch „Was Du nicht willst das man Dir tu, das für auch keinem Anderen zu“….dem darf ich getrost mitteilen…VERGISS ES

Ich hab nämlich damit eine Bauchlandung hingelegt. Bisher fühlte ich mich in meiner kleinen Oase rundherum geschützt und zufrieden. Wer sollte sich schon um mich kümmern. Ich mach doch nichts weiter. Zahle meine Miete, bin nett, höflich, arbeitsam und vor allem ruhig.  Also fühlte ich mich ziemlich unsichtbar.

Doch versuch das mal in einem Haus, in dem sehr viele ältere Menschen und Pensionäre wohnen. Ich habe unterschätzt wie interessant da jede Veränderung sein kann und gleichzeitig wie bedrohlich.  Oder liegt es einfach nur daran das sie meine Zufriedenheit und Gelassenheit hier als unpassend finden, weil sie selber nichts mehr zu lachen haben? Na gut…das ist Spekulation  und auch etwas unfair…

Aber seit dieser Woche fühle ich mich eben nicht mehr unsichtbar, sondern so als ob ich im Zirkus mitten in der Manege stehe und jede meiner Bewegungen registriert und beurteilt wird.  Ich habe meine Unbeschwertheit verloren und hoffe ich finde sie recht bald wieder.

Und im Zirkus bin ich tatsächlich…gut das ich im Vorstand eines Vereins war und WEIß wie wichtig für viele so eine selbstgemachte Bürokratie ist….in die bin ich jetzt hineingeraten.

Jetzt  also zur Hausordnung: Es gibt eine….schön…und inzwischen sind mein Vermieter und ich im Besitz der selbigen. Und was steht da drin…um ehrlich zu sein ich war ja fast enttäuscht wie wenig und wie allgemein und doch gemein die ist:

  • Grillen ist generell verboten
  • Tierhaltung ist generell erlaubt…enthält aber nichts zum Thema füttern von Vögeln

Hahaha und das ist der Lacher: Wäsche trocknen ist auf dem Balkon nicht verboten, der Wäscheständer darf aber nur bis zur Brüstung gehen,  so das es von außen nicht sichtbar ist…..Nun gut, mein Wäscheständer geht auch nur bis zur Brüstung : ABER……

…..alle Balkone haben ein Balkongeländer aus Eisenstangen, durch die man natürlich durchschauen kann.

Nun der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit Markisen und Sichtschutz. Wenn ich also einen Sichtschutz um das Balkongeländer anbringen will brauche ich eine schriftliche Genehmigung vom Hausverwalter, der dann natürlich mit einem NEIN tatsächlich das Wäschetrocknen faktisch verbieten kann.

Ich könnte in die Tischkante beißen….mein Vermieter hat jetzt also in meinem Namen bei der Hausverwaltung eine Genehmigung für das Anbringen eines Sichtschutzes beantragt, damit ich dann dort meine Wäsche auch offiziell trocknen darf….na da bin ich ja mal gespannt.

In die Mühlen der Justiz (ach ne der Hausbürokraten) bin ich also geraten und warte gerade auf der Urteil des hohen Gerichts (ach ne der Hausverwaltung).

Mein Vermieter hat außerdem geschrieben das ich mich dazu bereit erklärt habe die Hausordnung einzuhalten….lach….na da steht wie gesagt ja nichts zum Füttern der Vögel drin….also kann ich weiter füttern ohne gegen die Regeln zu verstoßen…oder??