mit dem Rad zum Hofladen

Was für ein herrlicher Pfingstsonntag war das. So unglaublich ruhig und entspannt und ich war den ganzen Tag munter und aktiv ohne zu merken, wie der Tag vergangen ist.

Am Nachmittag hab ich das Fahrrad aus dem Fahrradkeller geholt, nur um festzustellen das ich den Schlüssel für das Fahrradschloss nicht mehr am Schlüsselbund habe. Da ich im Winter nicht mit dem Rad fahre, hatte ich den Schlüssel, wie in jedem Jahr, abgemacht. Also noch einmal zurück in die Wohnung…alles andere hatte ich eh schnell parat…und nach einer kurzen Aktion: Luft in die Reifen pumpen, ging es auch schon los.

Ich wollte bei dem Sonnenschein mit etwas Wind, nur ein paar Kilometer in der Nähe fahren, um meinen Hintern wieder an den Sattel zu gewöhnen…letztlich waren es auch nur 16,5 km…teilweise fand ich es durch den Wind allerdings auch anstrengend…aber die meiste Zeit war es herrlich so zwischen 16-20kmh über die Wege rund um Quickborn zu fahren….ob beschattet von schönen Bäumen und nur selten musste ich ein Stück entlang der großen Straßen fahren.

Und genau auf einem dieser kurzen Stücke an der B4 bin ich an einem Hofladen vorbeigefahren….der hatte auch am Sonntag geöffnet. Mit dem Auto bin ich schon öfter daran vorbei gefahren, aber wie immer, wenn ich im Auto unterwegs bin, dachte ich nur: ja – da sollte ich mal irgendwann hin, um dann doch weiter zu fahren.

Aber jetzt mit Rad hab ich angehalten und mich in dem Laden umgeschaut…die haben viel…also auch Backwerk, Milchprodukte, Eier, Fertiggerichte in Gläsern, Honig, viel Gemüse und Obst. Vor allem die Bananen haben mich aber irritiert. Die Inhaberin kam dann auch, nachdem ich geklingelt hatte…(immerhin ist Pfingstsonntag und da kann ja niemand verlangen das den ganzen Tag jemand auf Abruf im Laden steht).

Ein wenig hab ich mich mit ihr unterhalten….vor allem wegen der Bananen: also vieles machen sie auf ihrem Bauernhof selber, sie haben einen Hühnerhof, der Sohn kümmert sich um die Rinder (Rindfleisch kann man vorbestellen), die Tochter um den Honig usw. und sie kaufen teilweise auch zu, wie z.B. Bananen, Orangen und Zitronen. Warum? weil die meisten Kunden gerne eine Rundum-Versorgung haben wollen. Wie immer eben, der Konsument ist bequem.

Ich hab ihr erzählt, das mich das eher abschreckt, aber ich kann es natürlich verstehen…Anschließend hab ich Eier, Kartoffeln und Lauch gekauft…und 1/2 Leib Roggenbrot (meines kommt ja erst am nächsten Tag in den Ofen). Der Laden ist angenehm, die Inhaberin (ich scheue mich ein wenig „Bäuerin“ oder „Landwirtin“ zu sagen) sehr nett und engagiert…sie lebt für ihre Produkte, das merkt man. Da fahre ich jetzt öfter mal hin.

Mein bisheriger angestammter Gemüse-Bauernhof-Wagen ist nämlich weg. Im wahrsten Sinne des Wortes…der Platz vor der Scheune ist leer, der Anhänger der immer das stand ist fort. Bereits im letzten Jahr war der Wagen monatelang leer, die sehr alte Bäuerin (hier passt der Ausdruck) die ich mal durch Zufall beim Auffüllen traf, hatte erzählt, das ihr Mann sehr krank war und sie deshalb den Verkaufsstand nicht füllen konnten, aber zum Glück ging es ihm im Herbst wieder besser.

Dann vor ca. 2 Monaten war der Wagen zwar wieder leer, aber er stand noch an dem Platz…und jedes Mal beim Vorbeifahren, war ich enttäuscht ihn leer zu sehen. Die haben wirklich nur das verkauft, was sie selber geerntet haben bzw. was aus der direkten Umgebung kommt, vor allem Kohlgemüse, Möhren und Kartoffeln, mit etwas Glück gab es auch Eier….bezahlt wurde bar in eine angeschweisste Geldkassette..so konnte man rund um die Uhr dort einkaufen.

Und nun ist der gesamte alte Anhänger fort…stattdessen steht dort eine Blumenschale…wenn ich es positiv betrachten möchte, dann sind die alten Herrschaften nun hoffentlich im Ruhestand…so möchte ich es zumindest glauben. Wahrscheinlicher ist, das der alte Bauer entweder wieder sehr krank ist oder seine Krankheit nicht überlebt hat.

Ich bin dort seit fast 2 Jahren regelmässig einkaufen gewesen…bin öfter den Umweg gefahren, nur um dort einzukaufen, denn ich mag diese Form der absolut direkten Direktvermarktung…weil sie bei wenig Verkaufsaufwand, ganz direkt bei den Bauern / Landwirten ankommt. Sie brauchten dafür nur den Anhänger und die Geldkassette…kein Strom / kein Verkaufspersonal / keine Öffnungszeiten…der Anhänger wird mit Ware gefüllt, ausgepreist und der Kunde kommt, nimmt was er braucht und bezahlt auf Vertrauensbasis den ausgewiesenen Preis in bar. Altmodisch – aber so herrlich direkt.

Enttäuschung im Hofladen

Nun endlich haben wir es geschafft bei uns im Ort in einen Hofladen zu gehen….etwas außerhalb gelegen…ein großer Parkplatz und viele Blumen vorne dran…dahinter eine alte Scheune und ein großes Gewächshaus…

Mit Vorfreude auf Gemüse und Obst aus heimischen (zumindest deutschem) Anbau…dazu Eier und Milch direkt vom Bauernhof, sind wir dorthin gefahren… das zumindest war meine Vorstellung.

Der Laden selber war größer als ich erwartet hätte und als erstes fallen mir  Ockstädter Kirschen auf….LECKER….die sind tatsächlich aus der Region….und gleich danach die Äpfel  „Pink Lady“….tja und DIE gibt es hier nicht,  Herkunftsländer sind Neuseeland, Chile oder auch Italien…und so ging es dann auch weiter.

Chiquita-Bananen…., Kartoffeln aus Frankreich….Limetten aus Italien…..und alles was es sonst auch im Supermarkt gibt…es waren so ziemlich alle Länder vertreten die Obst und Gemüse produzieren.

Daneben gab es auch Gurken, Tomaten, Zwiebeln, Möhren und auch Kartoffeln aus Deutschland…teilweise stand auch „aus eigenem Anbau“ mit dran….Aber alles wurde entweder schon in durchsichtigen Plastiktüten angeboten…oder man konnte es selber in diese Plastiktüten  portionieren…z.B. bei den Bohnen. Es gab überhaupt keine Alternative für die Verpackung….gibt es diese dreieckigen Papiertüten eigentlich gar nicht mehr? Nicht mal mehr hier?…die gab es früher immer auf dem Markt oder eben im Bauernhof-Laden.

Im nächsten Raum gab es dann eine große Kühltheke mit allen Arten von Bio-Produkten….aber keine konventionelle Milch vom Bauern…schade!!! Dafür aber Landeier.…es gab jede Menge Wein und anderen Alkohol…dazu Wurst in Dosen und auch eine Wurst-und Fleischtheke und einen kleinen Thekenbereich für Bauernbrot….

Tjaaaa…meine Vorstellung eines Hofladens wurde damit von der Realität  überfahren…und rein wirtschaftlich ist es ja auch sinnvoll  so einige Produkte dazu zu kaufen um das Sortiment abzurunden und es für die Kunden so angenehm wie möglich zu machen.

Die romantische Variante eines Bauernhof-Verkaufs mit fast ausschließlich eigenen Produkten gehört damit genau so der Vergangenheit an, wie die frische Milch vom Bauernhof im 1L-Henkel-Eimer…oder etwas moderner in der 1l-Mehrweg-Glasflasche.

Aber wir werden noch nach anderen Läden Ausschau halten…Das kann doch nicht alles gewesen sein…