Bisher gehörte ich zu den Glücklichen, die sich über hohe Stromkosten keine Gedanken machen musste…denn ich hatte eine „Strompreis-Garantie“ für 2 Jahre, die jetzt demnächst erst ausläuft. Für das komplette Jahre 2022, mit den extrem gestiegenen Stromkosten, brauchte ich mir also keine Sorgen zu machen.
Jetzt hat mir mein Stromanbieter, eines der Unternehmen das bereits wegen sehr hoher neuen Strompreise unangenehm aufgefallen ist, einen Anschluß-Vertrag angeboten. Aber zu was für Preisen.
Bisher hab ich es nur von Anderen oder aus den Nachrichten gehört, das es tatsächlich immer noch Stromanbieter gibt, die neue Verträge mit über 0,50 EUR pro kWh anbieten und das bei sinkenden Strompreisen am Markt. Da ich mich ja aus beruflichen Gründen jeden Monat über die aktuellen Strompreise für Erneuerbare Energien erkundigen muss, hab ich auch immer einen Blick auf die Spotmarkt-Preise…und die sind aktuell so niedrig wie das ganze letzte Jahr nicht, bin ich ehrlicherweise schockiert über das mir vorliegende Angebot.
Ja klar zu der Markprämie oder den Sportmarktpreisen kommen noch die ganzen Zuschläge hinzu, bis der endgültige Preis pro kWh dann für den Kunden feststeht. Trotzdem ist es modernes Raumrittertum…denn ohne Strom wollen wir ja alle nicht leben – also ist es nichts auf das man so ohne weiteres verzichten kann.
Mein Stromanbieter offeriert mir ab Juni 2023 nun einen Bruttoarbeitspreis von: 0,5709 €/kWh anstatt der bisherigen 0,3051 €/kWh, zusätzlich wurde der Grundpreis angehoben. Das ist eine Preissteigerung des Arbeitspreises von mehr als 87%.
Ich hab mich also auf die Suche nach einem anderen Stromanbieter gemacht und bin über eines der Stromvergleichsportale gegangen, denn auch die örtlichen Stadtwerke hatten keinen vernünftigen Preis anzubieten. Als ich mich dann endlich für einen anderen großen Anbieter entschieden hatte, hab ich den Wechsel-Service beauftragt und innerhalb von nur ein paar Minuten kam eine sehr interessante Rückmeldung- auch über den Wechselservice:
Mein bisheriger Stromanbieter würde mich gerne behalten und hat mir ein neues Angebot gemacht, welches nur leicht über dem anderen Stromanbieter lag, damit würde sich der Arbeitspreis von bisher 0,3051 €/kWh nur noch auf 0,3772 €/kWh erhöhen und auch der Arbeitspreis läge nicht mehr ganz so hoch. Damit liegt die Preiserhöhung nur noch bei knappen 24%.
AHA – sehr interessant. Da sich das alles spät am Abend abspielte, also außerhalb normaler Bürozeiten, denke ich mir, das mein Stromanbieter für genau so einen Fall tatsächlich ein automatisch generiertes Gegenangebot schon vorausgeplant hatte.
Mit anderen Worten hier lohnt es sich tatsächlich nicht einfach stillschweigend den neuen Preis hinzunehmen, sondern tatsächlich aktiv zu werden und sich nach günstigeren Tarifen umzuschauen…ich hab mich jetzt dafür entschieden bei meinem alten Anbieter zu bleiben, aber eben zu den besseren Konditionen mit einer Preisgarantie von einem Jahr. Damit kann ich gut leben.
Das ist schon ganz schön dreist, denn immerhin zahlt der Staat (und damit wir Steuerzahler) die Strompreisbremse für Arbeitspreise über 0,4000 €/kWH (für 80% des Vorjahresverbrauchs). Mit anderen Worten bei Preisen über den 40Cent verdienen die Stromanbieter von uns Bürgern zusätzlich und das obwohl es nicht an den Marktwerten liegt, denn die sind ja wieder massiv gesunken…wenn auch noch nicht so niedrig, wie vor der Energiekrise.
Der Staat will zwar die „Erlösabschöpfung“, aber ich sehe ja, wie die berechnet wird – da bleibt immer noch genügend Gewinn bei den Stromanbietern hängen. Den richtigen Gewinn machen so auch nicht die Erzeuger von Strom, obwohl es denen auch besser geht als zuvor (die sind ja an die offiziellen Marktwerte gebunden zu denen sie ihren Strom an die Direktvermarkter verkaufen) sondern den richtigen Reibach machen die großen Energieunternehmen, die den Strom an die Endverbraucher verkaufen.
Und obwohl ich kein Freund dieser Vergleichsprotale bin, muss ich in diesem Fall sagen, hat es sich für mich in diesem Fall doch gelohnt.

