Der Rosa Elefant im Raum

Nach den 3 schönen Urlaubstagen in der letzten Woche, hatte ich ja noch in dieser Woche 2 weitere Urlaubstage.

Vor ca. 2 Monaten, hatte meine Schwester mal wieder einen Tiefpunkt und meinte, sie müsste mal raus von allem…als ich daraufhin meinte: sag wohin zu fahren möchtest und ich Buche etwas für Dich…wollte sie aber dann noch nicht ganz alleine weg…also gut – dann für uns Beide.

Nun jetzt war es also soweit und so ist sie Samstagabend zu mir gekommen, damit wir Sonntagmorgen gleich losfahren konnten. Wir haben Sushi bestellt und geredet. Das war auch mal wieder nötig, so ein paar Dinge aufzuklären..es waren 2 Themen: ihre Lüge und unsere Kommunikation…es war kein wirklich schöner Abend…aber das hatten wir auch nicht wirklich erwartet.

So richtig nett waren meine Aussagen wahrscheinlich für sie nicht…dafür aber klar und unmissverständlich…dachte ich zumindest…aber wie immer, jeder hört nur das aus den Worten, was er hören will…geht mir ja genauso.

Sie hat sich durch meine Worte angegriffen und verletzt gefühlt, obwohl ich sie nicht mit Vorwürfen bombardiert habe, sondern „Ich-Botschaften“-gesendet habe („Mir geht es nicht gut damit…“ „Es verletzt mich das…“) Ich habe versucht ihr, wieder einmal, zu erklären, das ich nicht ihr Partner bin, sondern ihre Schwester…und eben auch, das ich anders funktioniere, als sie…so das unsere Bedürfnisse in Sachen Kommunikation sich diametral unterscheiden.

Aber auch der Ton macht die Musik und ich war schon aufgebracht und ungeduldig, weil ich ihre offensichtliche Lüge einfach nicht mehr hinnehmen wollte – was der Stimmung an dem Abend auch nicht zuträglich war. Sie war im Verteidigungsmodus was bei ihr bedeutet, immer und immer wieder das Gleiche zu sagen…ohne wirkliche Erklärung…was ich so nicht durchgehen lassen wollte…letztlich habe ich bei dem Thema kapituliert…es bringt ja nichts…sie sagt zwar Entschuldigung und gleichzeitig auch, das es keine Lüge war.

Beim Thema Kommunikation hab ich mich klar positioniert: Ich bin da, wenn sie mich braucht, aber nach 1,5 Jahren muss der „Krisenmodus“ jetzt endlich auch mal beendet sein und es wird Zeit für etwas mehr Normalität in unserer Kommunikation.

Wenn ich mich zwischen ihren und meinen Bedürfnissen entscheiden muss, dann muss ich natürlich langfristig auf meine eigenen Bedürfnisse achten. Ich entscheide mich also eher für das, was mir gut tut (Stille, Ruhe, Rückzug), auch wenn sie etwas anderes braucht (ständige Kommunikation, Ansprache und Bestätigung). Ich entscheide mich also nicht GEGEN sie, sondern FÜR mich.

Aber mit dieser Argumentation, bin ich schon vor Jahren, bei meinem Ex-Freund gescheitert…der Unterschied kommt nicht durch…denn im Endeffekt heißt es, ich ziehe mich etwas zurück und nur das wird wahrgenommen….weil: vorher ging es ja auch…jaaa aber das tut mir eben nicht so gut, wie Dir.

Egal…der Abend war also nicht gerade entspannt lustig…aber wir haben eben geredet und ich hoffe zumindest einigermaßen klärend. Ich zumindest habe danach gut geschlafen.

Meine Schwester hat am nächsten Morgen, den vorherigen Abend mit keinem Wort erwähnt und ich hab noch einmal versucht, nach einer Nacht drüber schlafen, ein Feedback von ihr zu bekommen…aber nein, ich hätte meine Standpunkte klar gemacht und mehr gibt es aus ihrer Sicht dazu nicht zu sagen.

Und so wurden diese Themen in den folgenden Tagen beharrlich ignoriert…waren aber unterschwellig immer noch da und wurden somit zum Rosa Elefanten im Raum.

Ein Streit – der mich belastet

Nun hab ich tatsächlich ein paar Tage Urlaub. Es begann mit einem ruhigen Wochenende…einem seeeehr ruhigen Wochenende…ich hab tatsächlich nicht viel gemacht und genau DAS, sehr genossen.

Mir geht es jedoch gerade seelisch nicht ganz so gut, was hauptsächlich an meiner Schwester liegt…über die Einzelheiten möchte ich gerade nicht reden…nur, das mir der Gedanke an unseren mehrtägigen Kurzurlaub gerade gar nicht behagt.

Ich habe mich vor ein paar Tagen etwas zurückgezogen, weil ich enttäuscht von ihr bin und ihr das Ganze auch erläutert habe…Sie hat meine Worte jedoch übel genommen, sich ertappt gefühlt und reagiert wie sie es immer tut: sie hat sich zwar entschuldigt, aber eher mit dem Unterton des Unverständnisses, mit Erklärungsversuchen und merkwürdigen Erläuterungen – ich erkenne es jedoch in ihrer Art alles abzustreiten und sich raus-zu-winden…also so eine Entschuldigung ist nicht echt…weil es in ihren Augen NICHTS war.. und jetzt hat sie sich erst einmal „gekränkt“ ebenfalls zurück gezogen.

Mich jedoch beschäftigt dieses Verhalten, vom nunmehr vorletzten Wochenende, schon seit vielen Tagen und nach 3-4 Tagen des Nachdenkens, hab ich es ihr dann geschrieben…zum Telefonieren war ich nicht in der Lage. Außerdem würde sie nur eines verstehen: Ablehnung …auf die Einzelheiten, die ich ihr versuche mitzuteilen, würde sie nicht hören…selbst jetzt, wo ich es schriftlich gemacht habe, merke ich, sie versteht nur das, was sie daraus hören will: Ablehnung.

Entweder man liebt sie oder man lehnt sie ab…etwas dazwischen kennt sie nicht…sie geht immer in die Extreme. Wer sagt, das nur ich einen Knacks durch unsere merkwürdige Kindheit habe, bei ihr ist ebenfalls einiges kaputt gegangen…nur sie wollte sich das nie eingestehen und hat nie wirklich versucht, es richtig zu verarbeiten.

Und all ihre unerfüllten Sehnsüchte nach Nähe und Geborgenheit in einer Familie, die ihr Mann ihr nur bedingt geben kann, versucht sie nun über ständigen Kontakt zu mir, diese Lücke zu schließen. Ich bin jedoch nicht ihr Partner, sondern ihre Schwester und ich kann und will nicht ihr Haupt-Anker sein. Dazu bin ich nicht geeignet, denn es engt mich ein und überfordert mich.

Leider sieht sie nicht, das Ihre Bedürfnisse sich nicht mit meinen Bedürfnissen decken. Sie ist, genau wie mein Ex-Freund, extrovertiert, laut – liebenswert ja, aber sie vereinnahmt einen völlig und ist dabei total unsicher. Ich bin introvertiert und hab mir mein Selbstbewusstsein mühselig im Laufe von mehr als 50 Jahren aufgebaut…ich komme mir mir wunderbar klar und liebe mein Leben, so wie ich es lebe.

Sie ist immer unsicher, braucht ständig Bestätigung und seelischen Zuspruch und kann nicht ohne diesen leben…und wirklich zufrieden und sie selbst, ist sie nur in wenigen Momenten in einem Jahr…die meiste Zeit ist das Leben für sie eine Last…während ich mir mein Leben so aufgebaut habe, das ich meistens sehr zufrieden bin und mir mein Job auch viel Freude macht.

Ja klar, in der Zeit wo es ihr mit der Herz-OP usw. schlecht ging, hatten wir täglich Kontakt…aber das war der Krisenmodus…darin bin ich gut und das war für mich auch extrem wichtig, sie in der Phase nicht allein zu lassen, als mein Schwager das einfach nicht abdecken konnte…aber jetzt, nach fast 1,5 Jahren…jetzt ist auch mal wieder gut und ich möchte wieder einen für MICH akzeptableren Kontakt.

Soo und gestern nun hab ich unseren Urlaub, auf ihren Wunsch hin, präziser geplant…gebucht ist eben gebucht, aber ich habe gerade so gar keine Lust auf diesen Urlaub…weil ich Angst habe, das er mir nicht gut tun wird.

Denn diese ganze Aktion hat mich verletzt und mich wieder in ein Tal der Stille katapultiert…ich will nicht kommunizieren, will Niemanden sehen und eigentlich möchte ich nur meine Ruhe…seelische und körperliche Ruhe. Nach den vielen Wochen der beruflichen Anspannung, brauche ich einfach wieder einmal viel Zeit für mich.

Würde ich den Urlaub aber einseitig absagen, bzw. meiner Schwester Vorschlagen statt mit mir, mit meinem Schwager zu fahren (das Hotel ist immerhin gebucht + bezahlt), würde das einem Bruch gleichkommen. Also muss ich jetzt dadurch und versuchen es in einem persönlichen Gespräch zu klären.

Sooo eigentlich wollte ich in diesem Beitrag über meinen „Back-Tag“ schreiben…aber wie schon so oft, hab ich einfach drauflos geschrieben und bin dabei bei einem ganz anderen Thema gelandet.

Introvertiert – leere Energiespeicher

Auf einmal fühle ich mich verstanden…da gibt es tatsächlich Menschen, denen es genauso geht und es ist nicht mehr so freaky anders zu sein.

Durch Zufall hab ich einen Artikel über die Autorin Eva Lohmann und ihr Buch „So schön still“ gelesen und die wiederum bezieht sich auf den amerikanischen Autor Jonathan Rauch, der in seinem Buch „caring for your introvert“ darüber spricht, wie Introvertierte und Extrovertierte Menschen funktionieren.

Und DA steht auf einmal ziemlich genau analysiert, was ich schon oft mit anderen Worten beschrieben habe….warum ich es als introvertierter Mensch nicht geschafft habe mit einem extrovertierten Menschen auf Dauer zusammen zu bleiben (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel…aber ich habe es eben nicht geschafft).

Um es in eine Kurzformel zu bingen:

-ein extrovertierter Mensch benötigt immer Menschen um sich herum und zieht aus der ständigen Kommunikation und Interaktion mit ihnen, Energie und Wohlbefinden.

-ein introvertierter Mensch verliert durch viel Kommunikation mit anderen Menschen seine Energie und benötigt danach Ruhe, Stille und viel Zeit für sich, um die leeren Energie-Speicher wieder aufzufüllen.

In so einer Beziehung kommt auf jeden Fall immer EINER zu kurz, ich würde sogar behaupten BEIDE. Ich hab ja immer gesagt, das mein Ex-Freund und auch meine Schwester Energie-Vampire sind (beides sehr extrovertierte Menschen)….die mich ausgesaugt zurück lassen…ein Grund warum ich es auch heute noch nicht schaffe, mehr als 1-2 Tage am Stück mit meiner Schwester zusammen zu sein.

Und bei mir treffen gleich mehrere im heutigen Sinne nicht sozial-konforme Aspekte aufeinander: introvertiert, als Kind extrem schüchtern, mit einer Tendenz zum Spektrum des Asperger Syndrom…und einem leichten Hang zur Melancholie….