Freundschaft lernen

Freundschaft lernen

Durch die Pandemie sind es jetzt tatsächlich fast genau 2 Jahre, die ich nicht mehr in Frankfurt und Umgebung war.

Ich hatte anfangs Bedenken, wegen meiner Verabredungen mit ehemaligen Kollegen, Freunden und meinem Ex-Team. Wie wird es sein, ist da schon eine innere Barriere zu spüren?

Ich hatte ganz tolle Verabredungen….emotional, lustig, ungezwungen, vor allem jedes Treffen sehr lange, informativ, locker plaudernd, Seele-streichelnd nah und Herz-berührend, überhaupt nicht komisch oder anstrengend….innerhalb von Minuten hatte ich das Gefühl, nie weg gewesen zu sein…..Menschen die mich einfach in den Arm nehmen und sich wirklich freuen, mich zu sehen.

In diesen Treffen habe ich den Unterschied gemerkt, zwischen echter Freundschaft und allem Anderen….Wenn ich mich mit Menschen 4-6 Stunden treffe und danach denke…ach schade, der Abend ist schon vorbei….und es war kein einseitiges Erzählen, sondern eine Unterhaltung auf Gegenseitigkeit, dann ist das einfach toll.

Ich hab auch nach den Treffen schöne kleine Nachrichten bekommen und selber versendet…in denen wir uns gegenseitig für die schöne Zeit des Zusammentreffens bedankt haben.

…..und dann war noch das Treffen mit 3/4 meines Ex-Teams….Da hab ich es auch endlich begriffen….das hier ist anders…das hat es leider nicht geschafft Freundschaft zu werden….und ich kann unser Verhältnis zueinander jetzt nach dem Treffen endlich richtig einordnen.

Dabei war auch das ein schönes Treffen…es war lustig und fröhlich….aber anders….auch ungezwungen, aber nicht so ganz. Da sind alle Drei (die Vierte hatte schon vorher gesagt, sie will sich lieber zurück ziehen, wegen Corona) viel zu sehr mit sich selber und auch untereinander beschäftigt, um mehr als nur oberflächliches Interesse zu haben. Jeder will sich profilieren und sich gut darstellen….da merkt man auch die unterschwelligen Konflikte untereinander…es fühlte sich alles weit weg an….Es war schön auch diese Drei zu treffen…als ehemaliges Team, als ehemalige Kollegen….mehr nicht.

Ich musste tatsächlich erst mal wieder lernen, Freundschaften zu erkennen und diese auch zuzulassen…und das ist aber kein Ergebnis der Pandemie, sondern ein Produkt meiner langjährigen Beziehung, in der mein heutiger Ex-Freund sehr auf mich fixiert war, ich deshalb (freiwillig) viele Freundschaften/Bekanntschaften habe einschlafen lassen und meines damaligen Stress-Jobs, durch den ich eh kaum Zeit hatte….

Emotional noch weiter gestärkt bin ich wieder nach Hause gefahren…

Freundschaft – oder nicht

Wer immer am gleichen Ort gelebt hat und Freundschaften seit der Schulzeit immer noch hat, der braucht sich um das Wesen von Freundschaften keine Gedanken zu machen.

Ich dagegen musste von Klein auf an immer wieder an neuen Orten neu anfangen (Als Erwachsene hab ich mir das dann aber mit den Wohnort-Wechseln selber ausgesucht)….mir fehlt daher dieses tiefe verwurzelt sein mit einem Ort, mit einem Freundeskreis…Zusammen mit einer tief in mir wohnenden Schüchternheit, die mich heute eher als Einzelgänger kennzeichnet, fiel es mir schon immer schwer Freundschaften zu schließen.

Leider neigen gerade meine Freundschaften mit Frauen dazu, das ich immer wieder enttäuscht wurde…spätestens sobald es um Männer ging waren diese Frauen auf einmal gar nicht mehr solidarisch….und ich sollte immer Verständnis haben für abgesagte Verabredungen usw. …und so hab ich das Prinzip „Beste Freundin“ für mich im Laufe der letzten Jahre ad acta gelegt.

Jetzt hab ich wieder einmal feststellen dürfen, wie schwer es ist, über hunderte von Kilometern so etwas wie Freundschaft aufrecht zu erhalten…und ich hab bisher immer gedacht, es liegt an mir….aber das stimmt so nicht…. Ich war immer diejenige die hunderte Kilometer gefahren ist, um Freunde zu treffen und ich überwinde sogar meine Abneigung gegen das Telefonieren um Kontakt zu halten…und auch jetzt wieder hätte ich die „Unannehmlichkeit“ von 2,5 Stunden Fahrt auf mich genommen, um eines meiner Mädels zu treffen, die hoch im Norden Urlaub macht….

Wir hatten uns quasi verabredet, wenn sie mit ihrem Freund am Urlaubsort angekommen ist, meldet sie sich und ich komme dann mit dem Auto zu ihr, damit wir uns für 2-3 Stunden zum Kaffee trinken treffen können…..Alles schien soweit in Ordnung.

Freitag vor 1 Woche rief sie an…sie läge jetzt so faul mit ihrem Freund am See….und es wäre soooo toll, ich solle nicht böse sein aber…..das mit dem Treffen….sie würde es jetzt so genießen, das es mit ihrem Freund gerade mal ganz entspannt läuft.

Wie viele Stunden während und nach der Arbeit hab ich ihr zugehört, sie getröstet, sie ermutigt, sie bestärkt, Rücksicht auf sie genommen…na egal. ich hab ihr noch einen schönen Urlaub gewünscht….

Gestern aber, hab ich mich bereits zum 2. Mal mit meinem ehemaligen Kollegen, der jetzt schon 4 Jahre in Rente ist, und seiner Frau in der Lüneburger Heide getroffen…. Wir haben fast 10 Jahre lang sehr gut zusammen gearbeitet…er für die Konzernmutter…ich für 4 Tochtergesellschaften….und das Treffen war soooo schön.

Wir haben uns in einem Cafè getroffen und zu Dritt einen angeregten und schönen Nachmittag verbracht, wir haben viel gelacht, Jeder hat erzählt mal ernsthaft – mal lustig….ich mag die Beiden sehr und es hat sich inzwischen eine schöne Freundschaft daraus entwickelt….

Und wir haben bereits beschlossen, das es bald das nächste Treffen geben wird……denn die Beiden kommen öfter im Jahr nach Norddeutschland und wenn ich im Herbst für ein Wochenende nach Hessen zurückkomme, soll ich mich vorher melden….

Manchmal kommt Freundschaft auf sehr leisen Pfoten daher….von einer Seite, die man so eigentlich nicht erwartet hätte. Wir reden interessanterweise auch nur noch selten über die Firma, dafür über das Leben und die Welt….ich telefoniere inzwischen öfter mit dem ehemaligen Kollegen, als mit meinen Mädels…..

….und ihm geht es mit der Firma genauso …es gibt eben doch nur wenig Kollegen aus denen sich eine Freundschaft entwickelt….wenn man dann doch nicht mehr zusammen arbeitet. Wir sind eben nicht mehr Teil des Alltags…Wir sind die Exoten ( Er: Rentner / Ich: hab freiwillig die Firma verlassen) und alle Anderen sind in ihrem Alltags-Trott geblieben….Die können mit unseren neuen Lebenswegen nichts anfangen…

Es gibt sie bestimmt, diese Freundschaften fürs Leben….uneigennützig und selbstlos…mir sind solche Freundschaften nicht in die Wiege gelegt und ich reagiere entsprechend empfindlich, wenn ich das Gefühl bekomme, wieder nur als Seelentröster und Helfer in der Not wichtig gewesen zu sein….

…das tut mir weh und dann ziehe ich mich wieder zurück…so bleiben für mich nur sehr wenige, aber überaus wichtige Freundschaften…die ich pflege und die mir den Glauben erhalten, das Freundschaften doch toll sein können….

Frauen-Gespräche

Eine meiner liebsten Kontakte hier ist die Kollegin mit der ich mich bereits ein paar Mal getroffen habe….ich nenne sie jetzt einfach Birte (natürlich heißt sie anders, aber ich nenne sie hier so, weil ich zu ihr irgendwie kein Synonym finde, welches sie gut beschreibt).

Birte ist nur 1-2 Jahre jünger als ich, sehr hübsch, fraulich gerundet an den richtigen Stellen, hat ein ausgesprochen freundliches Wesen und ein quirliges Naturell…auf den ersten Blick wirkt sie unglaublich zufrieden und in-sich-ruhend. Sie ist gerade Oma geworden, ist vom Mann getrennt, kurz vor der Scheidung und hat seit ein paar Monaten einen neuen Mann in ihrem Leben.

Und genau da fangen ihre Probleme an…mit ihrer  ausgesprochen fürsorglichen Art und dem starken  Bedürfnis nach Bestätigung und Halt stößt sie bei ihrem pragmatischen und viel beschäftigten Freund auf einen kompletten Gegensatz.

… es war für mich  so herrlich erfrischend den ganzen Abend bei einer Flasche Sekt und leckeren Kleinigkeiten alles zu bereden…und ihr tat es gut einfach mal zu reden…und sich dabei auch mal im Kreis zu drehen (also mit den Themen)…. es war ein schöner Abend … und wir haben auch viel lachen müssen…also kein Tränen-Geklüddere…. und natürlich hatten wir noch andere Themen…Frauen-Themen eben…

wie schon die Mal zuvor ist uns der Gesprächsstoff nicht ausgegangen…

Schöner Abend in Hamburg

Ich war seit Jahren nicht mehr im Theater und hab es sehr genossen. Das werde ich jetzt öfter wieder machen.

Und es ist für mich auch besser im Theater, als im Kino. Warum? Man sitzt zwar genau so eng. Aber man hat nicht ständig diese Menschen die dazwischen reden oder sich mit dem Handy beschäftigen, Popcorn oder Nachos essen oder lauthals mit einem Strohhalm Cola schlürfen…lach…es ist eine etwas gediegene Form der Unterhaltung.

Dazu stehen da echte Menschen die bis zu 2 Stunden eine ECHTE Leistung vor Deinen Augen vollbringen. Es ist echt, es ist jetzt, da kann man nicht einfach das Band anhalten und eine Szene neu machen. Man kann ein Stück mögen oder nicht…aber es passiert vor Deinen Augen und bei manchen Szenen weiß man nicht, war das Stolpern nur ein Fehler oder war das eine Regieanweisung. Das finde ich spannend und schön.

Fast hätten wir es nicht mehr rechtzeitig geschafft. Meine Kollegin kam ein paar Minuten zu spät bei mir an und musste dann erst noch mal auf die Toilette…wir sind dann mit meinem Auto weiter gefahren und es lief auch richtig gut kein Stau, keine Verzögerung…aber ALLE Parkhäuser rund um das Theater waren BESETZT…..also sind wir die Seitenstraßen hoch und runter gefahren…und so langsam wurde die Zeit knapp…fast wäre ich, wie alle anderen, an dem EINEN Parkplatz vorbeigefahren. Im ersten Moment war ich mir auch unsicher…darf man da parken? es wirkte erst wie ein Platz vor einer Einfahrt…zwischen 2 Bäumen…erst bei näherem Hinsehen entpuppte sich die „Einfahrt“ als auf eine Backsteinfront aufgemalt…hahaha….also schnell die Spur gewechselt und eingeparkt…okay – das Einparken hat etwas gedauert, weil die Parklücke etwas eng war und es unangenehme Eisenpfosten gab…aber nach 3x kurbeln war ich drin…und wir erstaunlicherweise wieder ganz nah am Theater – über diesen Parkplatz hab ich mich noch stundenspäter riesig gefreut, so kamen wir noch rechtzeitig und konnten in aller Ruhe die Jacken an der Garderobe abgeben.

Nach dem Theaterbesuch sind wir noch ins „Cafe May“ gegangen…das weniger ein Cafe als ein Szenelokal für jüngere Leute war. Es war urgemütlich mit vielen alten Sofas und Sesseln, sehr hohen Decken, alten Dachbalken…dazu eine ausgiebige Getränkekarte mit allem was das Herz an Alkohol so begehren könnte… ich hab mich für Cuba Libre entschieden. Als Dankeschön für die Einladung ins Theater hat meine Kollegin uns den ganzen Abend mit Getränken versorgt…und dann haben wir das gemacht, was Frauen so gerne machen…wie haben geklönt, geschnackt, gebabbelt…bis weit nach Mitternacht.

Es war ein klasse Abend..mit ihr fällt es mir nicht schwer mich zu unterhalten…ich brauche nicht nach Themen zu suchen…die Themen finden wir automatisch…lach…

Wir sind uns einig, das war nicht unser letzter gemeinsamer Abend…es gibt noch so viel zu entdecken (sie hat gerade an dem Tag ihre Scheidungspapiere erhalten und 33 Jahren Ehe schiebt man nicht innerhalb von ein paar Monaten beiseite) und es gibt noch so viel Leben zu leben….

Netter Besuch vom Kollegen

Donnerstag hab ich Besuch bekommen… mein Kollege aus einer entfernten Dependance… Er arbeitet quasi  in der gleichen Funktion für eine der anderen Gesellschaften im Konzern…

Vor mehr als 10 Jahren waren wir mal kurzzeitig zusammen…das waren keine 3 Monate….dann verschwand er von heute auf morgen für mich in der Sprachlosigkeit und ich wusste nicht warum…hab es nicht verstanden…

Ca. ¾ Jahr später haben wir es dann geschafft das Ganze mal aufzuklären….Bei ihm wurde Prostata-Krebs festgestellt und er hatte gerade Schwierigkeiten bei der Trennung von seiner  Frau und mit seinen Kindern…..und er hat Angst bekommen, das ich das ich deshalb nicht mehr mit ihm zusammen sein möchte….für ihn war es ein „Makel“  Aber geredet hat er mit mir vorher nie darüber….Männer. Jahre später hat er es mal als einen seiner größten Fehler genannt und es bereut mich einfach so ziehen gelassen zu haben. Na  das ist immerhin ein Kompliment.

Na gut….wer weiß wofür es gut war…zumindest haben wir uns später ausgesprochen und haben daraus eine seit Jahren dauernde Freundschaft gemacht….wenn auch nur aus der Ferne….

Immer wenn er bei uns am Standort war, haben wir uns zusammen gesetzt und geredet, oft nur bei einer Tasse Kaffee im Büro, manchmal sind wir auch Mittags zusammen essen gewesen…ansonsten nur per Telefon oder Mail…. Jede Verabredung für den Abend hab ich aber abgelehnt, da ich ja wieder in einer Beziehung war. Davor waren wir eine Weile oft abends aus….Das ist der Kollege der mich noch vor 2 Jahren als hübsch, aktiv und unternehmungslustig bezeichnet hat (s.https://wirbelwind68.com/2017/02/18/aktiv-und-unternehmunglustig-ich/)

 

Nun also hat er sich wieder angekündigt. Er weiß ja das ich die Firma und die Gegend verlassen werde und es ist das letzte Mal das wir uns vor meinem Weggang sehen können.

und dieses Mal sind wir  nach Feierabend erst mal spazieren gewesen und später waren wir bei einem guten Italiener.  Und wir haben von 17-22 Uhr ununterbrochen geredet. Haben uns mal wieder auf den neusten Stand gebracht…bei uns Beiden passiert ja ständig etwas Neues.

Er hat von den Problemen seiner inzwischen erwachsenen Kinder geredet, von seinen Beziehungen die kommen und gehen,…bei ihm halten die Beziehungen immer noch nur für eine paar Monate :-). Über Hausverkauf und Wohnungskauf….über die Firma und die gestiegenen Anforderungen. Über Gesundheit und Krankheiten…und natürlich über mein Beziehungs-Aus und meinen bevorstehenden Umzug nach Norddeutschland.

Es war ein herrlich entspannter Abend….so viel gelacht hab ich schon lange nicht mehr…Als das Restaurant dann endlich schließen wollte, war ich auch ziemlich müde und so  haben wir uns verabschiedet und ich bin in mein Zuhause  auf Zeit gefahren (und mein Kollege ist in sein Hotelzimmer gegangen).

Ach war das schön mal wieder so über alte und neue Zeiten quatschen zu können….unbekümmert und unbeschwert.