Der Stachel…

Der Stachel…

Neben dieser Leichtigkeit mit der mein Leben gerade verläuft, bleibt immer auch der Gedanke das es eine temporäre Leichtigkeit ist. Ich bin mir sehr bewusst das ich bisher viel Glück gehabt habe, jetzt ein so unbeschwertes Leben haben zu dürfen.

Meine körperliche Konstitution, meine Gene und meine Lebensweise mit jahrelangem Sport und einigermaßen gesunder Ernährung und einer gehörigen Portion Glück haben es mir ermöglicht, nur leicht beschädigt über 50 Jahre alt zu werden.

Mit Fleiß und Disziplin und auch hier mit einer guten Portion Glück an den richtigen Stellen und auch mit einigem Mut hab mich im Laufe von 30 Jahren beruflich so etabliert, das ich relativ gut verdiene und mich  auch durch Corona nicht einschränken muss.

Wäre da nicht der Krebs bei meinem Ex-Freund auf so hinterhältige Art erneut ausgebrochen, könnte ich mein Leben tatsächlich komplett unbeschwert geniessen…

… so aber ist es wie ein Stachel, der immer mal wieder piekst….so ein beständiges kleines unangenehmes Erinnern, wie fragil doch unsere Leben sind. Wie schnell sich alles ändern kann…wie ungerecht die Welt ist…und doch vergesse ich es immer wieder und dann ist da dieser kleine Stachel…der mich wieder daran erinnert…unangenehm erinnert…

…und ich atme tief ein und spüre das Leben….bin dankbar und versuche alles andere zu verdrängen…bis es wieder unvermittelt da ist…das miese kleine pieksen …dieser kleine Stachel mit Widerhaken…

 

 

Haarscharf dran vorbei….

Haarscharf dran vorbei….

….am aktuellen Unwetter in Hamburg.

Bereits kurz vor 15 Uhr  war für mich heute Feierabend und da ich mein Rad immer noch im Auto habe, wollte ich jetzt endlich mal mit dem Rad bis zu den Landungsbrücken fahren.

Meine Kollegen meinten, es soll bereits ab 16 Uhr regnen…okay also hab ich zügig Feierabend gemacht…mit einem ruhigen Gewissen, da meine Datenübernahme ja FERTIG ist.

Extra für die Fahrt in Hamburg hab ich mein sonst übliches Cäpi gegen den Fahrrad-Helm getauscht…den trage ich normalterweise nicht wenn ich Über-Land oder in meiner kleinen Stadt hier unterwegs bin…aber der Verkehr in Hamburg ist schon ein anderes Kaliber…

Bis zu den Landungsbrücken waren es nur knappe 6km….und inzwischen hatte sich das strahlende Blau am Himmel schon etwas gewandelt…..Mit Blick auf die Elbphilharmonie und eines der Museumsschiffe hab ich mich am  „Alex“ nieder gelassen…draußen und es war ….. HIMMLISCH.

Gemütlich im Cafe bei Kaffee  und einem kleinen Sorbet hab ich die Atmosphäre entspannt auf mich wirken lassen…erst als es am Himmel bedrohlich dunkel wurde, hab ich mich wieder aufs Rad geschwungen und bin noch kreuz und quer gefahren…

Zurück am Auto war es: 17.01 Uhr,  4 Minuten später kamen unvermittelt Blitz und Donner, weitere 5 Minuten später kam der Starkregen….das war haarscharf…. ich hab keine regentauglichen Klamotten dabei und wäre minutenschnell vollkommen durchnässt gewesen…Glück gehabt.

Jetzt regnet es seit knapp einer Stunde ununterbrochen…also Warten hätte mich auch nicht weiter gebracht.

Und so hab ich zu meiner Feierabend-Erholung  so nebenbei ganz locker zusätzliche  knappe 12km für mein  wöchentliches  „Fitness-Konto“ erhalten…Auch nicht schlecht.

 

 

 

 

Vom Glück arbeiten zu DÜRFEN

Diese Corona-verseuchten Zeiten stellen tatsächlich vieles, was wir seit vielen Jahren als selbstverständlich für unser Leben ansehen, auf den Kopf.

Hätte ich nicht schon im letzten Jahr radikal die Geschwindigkeit in meinem Leben runter gefahren, wäre ich wahrscheinlich mit den Änderungen der letzten Wochen, die extreme Entschleunigung, gegen die Wand gefahren.

Das gesamte öffentliche Leben steht still, Familien und Freundschaften sind maximal reduziert….das Leben läuft auf Sparflamme. Viele arbeiten nur noch in Kurzarbeit, im Homeoffice oder sogar gar nicht mehr.

Das ist erschreckend und beängstigend. Die Sicherheit eines Jobs mit geregeltem Einkommen ist für mich die Basis eines geordneten Lebens.

In so einer Situation auch noch den Arbeitgeber zu Wechseln ist ein hohes Risiko….aber ich hatte ja schon für den neuen Job unterschrieben und den alten Job gekündigt BEVOR es mit der Corona-Krise so richtig los ging. Und wie geht es jetzt weiter?

Das Gefühl bald arbeitslos werden zu können war nicht schön…und der Job fing am 1.4. auch damit an, das ich erst einmal 3 Tage „Corona-Frei“ bekam…Wollen die mich überhaupt noch? oder ist das der Einstieg in einen schnellen Ausstieg.

Mein 1. tatsächlicher Arbeitstag in Hamburg war also diesen Montag….und was soll ich sagen: ich hab echtes GLÜCK gehabt.

Diese Firma arbeitet weiter, auch wenn fast alle im Home-Office sind. Es gibt keine Kurzarbeit und auch sonst keine Einschränkungen der Geschäftstätigkeit, da es weder um ein klassisch produzierendes noch um ein klassisch verkaufendes Gewerbe handelt…und es wurde auch nicht darüber nach gedacht diesen Job, den ich nun mache, einzusparen.

Das ist ein so krasses Gefühl: GLÜCK gehabt, ich DARF arbeiten….und mein Job ist notwendig und ich werde gebraucht:

Der bisher einzige Buchhalter kann die Arbeitsmenge schon länger nicht mehr alleine bewältigen….es gab bisher auch Niemanden der die Arbeit während Urlaubs- oder Krankheitszeiten behelfsweise aufrecht erhalten konnte…es blieb einfach liegen. Das kenne ich tatsächlich auch noch aus früheren Zeiten …und das ist eine ganz gefährliche Situation für ein Unternehmen….fällt der einzige Buchhalter einmal ungeplant länger aus kann es für ein Unternehmen schnell brenzlig werden wenn Rechnungen nicht mehr bezahlt und steuerliche Dinge nicht rechtzeitig angemeldet werden….

Ich hab tatsächlich Glück gehabt und bin mir dessen bewusst, das es auch anders hätte Enden können…..