Theater (1)

Sonntagnachmittag ging es also mit dem Auto in Richtung Winterhude….habe das Auto an der großen Allee, weiter weg vom Theater abgestellt, um noch in aller Ruhe an der Alster entlang zu schlendern, ehe es Zeit für das Theater wurde. Es war aber auch ein wunderschöner Sonntag…das genaue Gegenteil vom Tag zuvor.

Zuhause hatte ich schon den obligatorischen inneren Kampf mit meinem „Flucht-Reflex“ ausgefochten und gewonnen. Die Karte ist gekauft und ich freute mich auch auf das (mir unbekannte) Stück. 2 der 4 Schauspieler kannte ich aus dem Fernsehen. Ich weiß wo das Theater ist und wo ich parken kann….immerhin bin ich da schön öfter an der Alster entlang geschlendert..außerdem hatte ich im Theater einen Platz eher am Rande.

Es gab also keinen Grund für einen Rückzug. Aber so ist es bei mir immer öfter…ich muss mich zwingen unter ´Menschen zu gehen. Im Theater kommt man sich ja auch relativ nahe.

Und ich muss sagen, das Winterhuder Fährhaus hat mir sehr gefallen…das Gebäude, das ganze Ambiente, die Vorräume waren großzügig, die Atmosphäre war, trotz der vielen Menschen, gediegen gedämpft ….jaaa das passte alles für mich. Auch mein Platz war okay.

Das Stück war echt schräg konstruiert, aber gut gespielt und ich habe viel gelacht…auch wenn die andauernden neuen Wendungen gegen Ende des Stücks eher unsinniger Klamauk waren….aber bei einer Komödie kann ich auch nicht auf eine logische Handlung hoffen. Das Stück gilt als Boulevard-Komödie – also eine eher leichte Unterhaltung und genau das tat sie – sie hat mich gut unterhalten.

Da mir das Theater an sich und das Ambiente dort gut gefallen hat, überlege ich nun, mir evtl. einmal ein Abo zu besorgen, das Theater bietet dafür verschiedene Variationen an….im aktuellen Programm habe ich auch schon mehrere Stücke entdeckt.

Aber mal sehen wie am darauf folgenden Sonntag, das Altonaer Theater auf mich wirkt…dann entscheide ich mich.

Der innere Kampf

Ich bin mal wieder in der Stille angekommen. Auslöser war, glaube ich, das hin-und her mit der geplanten und letztlich abgesagten kleinen Feier bei mir Zuhause.

Das Ganze hat mich dann doch nicht losgelassen und seit langer Zeit bin ich mal wieder ins Grübeln gekommen und das hat mich zurück geworfen…in die Stille. In ein Gefühl ich, sollte mein Herz nicht auf der Zunge tragen.

Meine schon fast permanent gute Laune ist zwar irgendwie immer noch da….aber gedämpfter und auch nur wenn ich mich in meinem eigenen Kosmos bewege oder wenn ich ganz zufällig mit Menschen in Kontakt komme…beim Spazieren gehen, im Supermarkt usw.

Aber bei fast jeder Kommunikation mit Kollegen und Freunden bin ich auf der Hut…werde unsicher und versuche mich zurück zu nehmen…und plappere ich trotzdem einfach drauf los…ärgere ich mich über mich selbst und denke nur: ach Mensch – halt doch einfach deinen Mund….das interessiert doch nicht. Ich will doch Niemandem auf die Nerven fallen.

Ich bin (eigentlich) stark und unabhängig, bestreite mein Leben mutig, mit viel Energie, viel Freude und ohne Furcht….aber manchmal kommt, ganz unerwartet, das extrem schüchterne Kind wieder zum Vorschein das überall auf Ablehnung gestoßen ist, und gewinnt mit seiner Furcht vor Zurückweisung Oberhand.

Mein ganzes Leben kämpfe ich dagegen an, hatte es in vielen inneren Kämpfen niedergerungen…und in fast 2,5 Jahren ist es das erste Mal, das dieses Gefühl innerer Verletzlichkeit so massiv die Oberhand gewinnt.

Das Interessante ist…solange ich meine Tage ohne Kontakt zu Anderen gestalte, geht es mir richtig gut…hab nur eine leicht melancholische Stimmung, was ich als nicht schlimm empfinde… und auch per Telefon und Teams fällt es mir trotzdem leicht, locker und lustig mit Kollegen aus den anderen Standorten zu kommunizieren.

Aber sobald es um Kontakte zu Menschen geht mit denen ich eine Art Bindung habe (engere Kollegen – Freunde – Familie) wird es für mich extrem schwer…..was aber nach Außen kaum jemand bemerken würde…denn ich kann es gut verstecken.

Meine inneren Antennen sind in Alarmstimmung…nehmen auch die kleinsten Schwankungen im Verhalten anderer Menschen wahr und diese Abweichungen bewerte ich…das ist nicht gut, das weiß ich selber….aber mein Verstand hat hier leider gerade nicht das Sagen.

Das wird jetzt noch ein paar Tage so bleiben, dann normalisiert sich alles wieder….So kam es mir heute sehr gelegen, das ich einen 3. Homeoffice-Tag wegen Platzmangel im Büro einlegen musste.