Der Abschied

Letzten Dienstag, der Tag meines letzten Arbeitstags vor dem Urlaub und damit mein letzter gemeinsamer Arbeitstag mit dem Controller, bin ich ins Büro gefahren, anstatt wie üblich, im Homeoffice zu bleiben.

So ein letzter Tag vor dem Urlaub ist bei mir immer trubelig und das war auch dieses Mal nicht anders. Wieso sind in der Zentrale wieder einmal ALLE Entscheidungsträger und Unterschriftsberechtigten GLEICHZEITIG in Urlaub? Es war also ein kleiner Kampf eine sehr wichtige und sehr hohe Rechnung für eine neue Investition unterschrieben und im nächsten Schritt diese auch bezahlt zu bekommen (die Zahlung musste von einem Bankkonto erfolgen, auf das ich keinen direkten Zugriff habe, sonst wäre es ja einfach). Der Kollege aus der Projektentwicklung hat sich um eine unkomplizierte Rechnungsfreigabe per Mail, ich habe mich um die Zahlungsfreigabe gekümmert (denn auch hier waren die normalerweise zuständigen Personen bereits im Sommerurlaub). Zusammen haben wir es dann doch noch hin bekommen…puhhh. Wie in jedem Sommer scheinen 90% der Mitarbeiter in der Firmenzentrale im Kollektiv-Urlaub zu sein.

Nun gut, durch all diese kleinen und größeren Probleme, blieb mir kaum Zeit mit dem Controller zu quatschen…aber dann hab ich mir dann doch ein wenig Zeit dafür genommen.

Am Morgen hatte ich bereits seinen Arbeitsplatz leicht geschmückt, eine große Topfpflanze mit Naschpaprika und meine persönliche Abschiedskarte auf seinem Schreibtisch drapiert. Er war sichtlich gerührt und hat sich sehr gefreut. Es war nur mein Abschied an ihn, denn sein eigentlich letzter Arbeitstag sollte ja erst am Freitag sein.

Am Abend sind wir dann zu Viert in eine spanische Tapas-Bar in der Nähe gegangen. Der Controller hatte uns eingeladen. In der Tapas-Bar gab es genau DAS: Tapas…und zwar ausschließlich Tapas. Da war schon der Bestellprozess lustig und etwas trubelig, bis Kollegin Katrin die Führung übernommen hat.

Es war ein lustiger und unterhaltsamer Abend. Der Controller und ich haben noch mal ein paar Anekdoten aus der Corona-Zeit erzählt und über „die guten alten Zeiten“ sinniert und auch über den Zeitpunkt, seitdem sich so Vieles verändert hat und seine Unzufriedenheit immer größer wurde. Der Teamleiter und Katrin sind ja noch nicht so lange da.

Vom Essen waren wir alle ein bisschen enttäuscht….es war reichlich – ja, aber teilweise war die Qualität wirklich nicht gut…und die meisten Tapas waren in Olivenöl ertränkt, ohne das es dem Geschmack geholfen hätte. zum Beispiel die „Hackbällchen in Tomatensoße“ von der Karte, kamen als Hackbällchen in Öl mit ein paar Tomatenstückchen. Am Besten schmeckten mir die Datteln im Speckmantel….hmmmmm lecker.

Und auch die Lokation war jetzt nicht optimal…der größte Teil des Restaurants bestand aus Glaswänden und Glasdach und es war proppevoll. Die Geräuschkulisse war derartig laut, das wir uns teilweise anbrüllen mussten…meine Stimme versagte zwischenzeitlich.

Wir blieben trotzdem von 18 Uhr bis weit nach 22 Uhr…dann wurde es Zeit für uns. Die Kollegen mussten am nächsten Tag wieder arbeiten und ich wollte früh am Morgen schon in Richtung Hessen fahren….

Jaaa ein paar Tränchen flossen bei mir dann doch…ich hab den Controller umarmt und ihm und seiner Frau noch einmal alles Gute gewünscht. Wir sind quasi jetzt schon zum Grünkohl-Essen auf dem Weihnachtsmarkt verabredet hahaha…mal sehen ob das dann auch klappt.

Auf der Fahrt nach Hause konnte ich mich gut in den Controller hineindenken…bei mir sind es jetzt knappe 6 Jahre her, seitdem ich mich in Hessen von meinen langjährigen Kollegen verabschiedet habe, um in den Norden Deutschlands zu ziehen.

Es ist schwer sich nach 13 Jahren von einer Firma zu trennen. Man kennt alle Kollegen, kennt sein Aufgabengebiet in- und auswendig, kennt alle Abläufe (ob sie einem nun gefallen oder nicht). Beim Abschied bekommt man noch einmal gespiegelt, wie einen die Kollegen schätzen und ist überrascht von all den positiven Meldungen (hahahaha wie ehrlich die alle gemeint sind, sei mal dahin gestellt). Unwillkürlich fragt man sich: war die Entscheidung jetzt richtig?

Für mich gesprochen, nach diesen 6 Jahren: Es war die beste Entscheidung meines Lebens (auch wenn nicht alles glatt lief) und genau das wünsche ich dem Controller auch. Das er in den nächsten Jahren rückblickend sagen kann: ja – das war eine gute Entscheidung.

Für uns, die wir zurück bleiben und uns weiterhin durch das Chaos der nicht enden wollenden Umstrukturierungen kämpfen, kann es auch besser werden. Dann, wenn wir endlich einen einen Ersatz für den Controller gefunden haben.

Leider geht die Suche langsamer als gedacht…was zum Teil wieder einmal hausgemacht ist, denn der Teamleiter kämpft aktuell mit der HR-Managerin über die Deutungshoheit, wer was zu entscheiden hat….unfassbar…inzwischen musste auch schon unser GF eingreifen, um unseren Teamleiter zu stärken. Die HR-Managerin ist der Meinung wir haben doch keinen Zeitdruck. Sag mal – geht`s noch? Der Controller ist Ende der Woche weg und Kollegin Katrin auch bald für mehrere Wochen im Sommerurlaub.

Naja – ich will mich nicht aufregen – ist ja zum Glück nicht meine Verantwortung…aber letztlich bleibt dann ein Teil der Arbeit auch bei mir hängen.

Aber wenn auch das überwunden ist, DANN kann es bei uns im Team endlich wieder aufwärts gehen…dann kann Ruhe einkehren und wir ziehen dann hoffentlich bald wieder alle an einem Strang.

Hauptsache gut Aussehen

Also heute kann ich mit tiefster Überzeugung sagen: Ein Veganer werde ich nie!

Ich hab für die Verabschiedung meines Kollegen morgen, eine Blitzkäse-Torte „gebacken“ (auch bekannt unter dem Namen: Philadelphia-Torte)…die besteht hauptsächlich aus Sahne, Butter, Zucker, Zitrone und Philadelphia-Frischkäse…saulecker – aber weit davon entfernt für eine diätische Lebensweise und schon gar nichts für unseren einen veganen Kollegen.

Schon vor Tagen hab ich im Internet ein Rezept für vegane Torteletts mit Früchten gesucht….heute war ich in einem Bio-Supemarkt und hab noch ein paar Dinge dafür besorgt und meine Kollegin hatte mal Hafer-„Milch“ mit gebracht, die dann aber doch unangetastet stehen geblieben ist.

Nun gut…Also der Teig für die Torteletts war ein relativ einfacher Rührteig eben ohne Milch und Ei, dafür mit Hafermilch und Pflanzenöl….der Teig ist gut gelungen und schmeckte im rohen Zustand ganz okay….Während also die kleinen Teig-Küchlein im Ofen backten, hab ich aus dem veganen Vanillepudding-Pulver von Alnatura zusammen mit der Hafermilch einen Vanillepudding gekocht…hmmm also die Farbe ist jetzt nicht helles Vanille-gelb, sondern eher bräunlich. Na gut – also der normale Pudding- ist ja auch nicht auf natürlichem Wege so hell …das ist ja auch eher ein Kunstprodukt.

Ich hab den Pudding probiert..ohhha..also er hat weder nach Pudding, noch nach Vanille geschmeckt…echt schräg… also so gar nicht mein Geschmack…dazu diese Konsistenz und die Farbe…hmmm neeee…

Okay…sieht jetzt nicht so doll aus, aber er soll ja direkt auf meine Törtchen und darüber kommt das Obst…sieht man also nicht…das Obst hab ich gewaschen, abgetrocknet und die Weintrauben halbiert, danach auf den mit Vanille-Pudding bedeckten Törtchen verteilt….und jetzt kommt der Clou:

Auf meine Nachfrage wie ich dann jetzt noch einen Tortenguss ohne Gelatine mache, bekam ich im Supermarkt eine Sprühflasche in die Hände mit dem Hinweis (steht auch drauf) es sei ein veganer Sprüh-Tortenguss auf Agar-Agar-Basis….aha ! …..?? Für Anfänger sei es eine gute Idee….na gut…ich probiere es aus

Also mal im Ernst….die Törtchen sehen gut aus, auch wenn ich von dem Sprühlack…ähmmm Sprüh-Guss nicht so viel sehe…aber ich wollte es nicht gleich zu dick haben ….aber ob das gesamte Törtchen auch schmeckt? Allein der Gedanke an den Pudding lässt mich gruseln….

Ich freue mich dann doch mehr auf meine Blitz-Käsetorte (die ist im Kühlschrank und noch nicht präsentabel), die mich bestimmt nicht dünner werden lässt….aber für einen Moment bestimmt glücklich machen wird ….hahaha