Zwischen Mitgefühl und eigenem Frust

Der Controller ist mal wieder hochgradig unzufrieden. Womit? Natürlich mit dem Job und seiner gesamten Situation.

Und wieder bricht diese Unzufriedenheit aus ihm heraus…wie schon so oft…es kommt und geht in Wellen. Mal will er endlich, das sich für ihn jetzt endlich etwas ändert, mal gibt er auf und möchte alles einfach so hinnehmen…bis zum nächsten Ausbruch.

…und wieder einmal überlegt er zu kündigen. Ich bin echt gespannt, wie es dieses Mal ausgeht…man kann ja nicht immer nur damit drohen…irgendwann muss man es dann auch machen.

Während er mir erneut seine Situation gestern geschildert hat, hatte er noch mein volles Mitgefühl…das ist an vielen Stellen echt blöd für ihn…andererseits sind einige seiner Probleme auch hausgemacht…d.h. er könnte sie selber ändern – tut es aber nicht.

Nach unserer Diskussion heute allerdings, weiß ich nicht, was ich ihm tatsächlich wünschen soll…das er doch bleibt und es besser wird oder das er jetzt lieber doch gehen soll. Ich bin da ganz schön ambivalent….denn wenn er kurzfristig geht, befürchte ich, das bei der aktuellen Knappheit an Buchhaltern, die Chefs zu mir schauen werden und denken, ich könnte das ja machen. Will ich aber überhaupt nicht. Neeeee – auf keinen Fall will ich seinen Job. Wenn ich Stress will ja – will ich aber nicht.

Naja, also heute war ich wieder einmal wie vor den Kopf gestoßen, als er SCHON wieder eine Grundsatzdiskussion um die Freigabe von Zahlungen anzettelte. Er würde das „Geschäft hinter der Zahlung nicht verstehen“.

Hallo? das brauchst Du auch nicht zu verstehen….es gibt eine von 2 Personen freigegebene Rechnung (die Freigabe ist sichtbar) und jetzt soll er nur noch Betrag und Bankverbindung in der Zahlung prüfen, die ich initiiert und unterschrieben habe und dann in der Bank online freigeben. Er hat die Berechtigung für diese Bankverbindung…aber auf einmal fühlt er sich nicht mehr berechtigt, weil er in seinen Augen mit der Firma nichts zu tun hat.

Ich hab sehr schnell genervt reagiert…und sein herausfordernder Ton, auf Grund welcher Basis er denn angeblich die Berechtigung habe, diese Zahlung freizugeben hat mich sprachlos gemacht. Meine Antwort: Ich verstehe die Frage nicht…Du hast in der Banking-Software die Berechtigung für diese Firma und machst es doch sonst auch…was willst Du denn noch?

Er wurde lauter, ich immer genervter….bis ich dann nach einigem hin-und-her meinte, wenn Du es nicht freigeben willst, dann schick mir die Mail zurück mit einem entsprechenden Hinweis und ich frage die dänischen Kollegen, ob die es freigeben. Bei seiner letzten Aktion dieser Art, hat eine der Teamleiterinnen in DK eine entsprechende Mail an ihn geschrieben, das wir deutschen Controller uns gegenseitig die Freigaben geben sollen.

Zum Schluß meinte er, er würde es jetzt doch freigeben…aber nur auf „Vertrauensbasis“ – also weil ich es bin. Wieso vertraut er MIR jetzt dann doch, aber nicht den von Vorgesetzten freigegebenen Rechnungen? Also ich verstehe einfach sein Problem nicht.

Aber ich glaube ich ahne es. Wie immer stehen Aktion und Reaktion bei ihm nicht unmittelbar im Zusammenhang. Also die Reaktion ist schon so weit weg von Aktion, das man schon keinen Zusammenhang mehr herstellen kann und dann passt sie einfach nicht wirklich…aber er hat sich in einem Satz darauf bezogen.

Vor ein paar Wochen gab es einen Vorfall, von dem ich nur über meinen Chef erfahren habe. Der Controller und sein Zuarbeiter haben eine Zahlung initiiert und freigegeben, die aufgrund einer angeblichen E-Mail vom deutschen GF getätigt werden sollte. Das war ein seehr hoher Betrag und der ist jetzt wohl verloren. Zum Glück war ich hier nicht involviert, weil wir jetzt ja zu Dritt in der Abteilung sind.

Natürlich ärgert er sich im Nachhinein die Zahlung so leichtfertig, ohne weitere Nachfragen, beauftragt und freigegeben zu haben und es hat wohl auch einige Wellen in den oberen Etagen geschlagen.

Dabei wurden wir schon vor einigen Monaten von der IT-Abteilung gewarnt, Zahlungen nicht aufgrund einer einzigen Mail von irgendwelchen Chefs zu tätigen, sondern in solchen Sonderfällen lieber noch einmal per Telefon Rücksprache zu halten.

Aber jetzt meine regulären Rechnungen MIT Freigabe aus dem entsprechenden System zu verweigern, weil er mal einen anderen Fehler gemacht hat, ist wie das Kind mit dem Bade auszugießen….es ist eine Über-Reaktion. Ja er wolle jetzt vorsichtiger sein und deshalb hinterfragt er jetzt diese Zahlung…wobei die Höhe meiner Zahlungen jetzt nicht wirklich relevant war….die Rechnung die er nicht verstand betrug weniger als 200 EUR.

Was erkenne ich jetzt daraus: er ist hochgradig verunsichert und seine Gedanken schaukeln ihn immer weiter in eine Enge, aus der er sich gerade nicht lösen kann und das Schlimmste: er sieht es nicht und ich kann es ihm momentan auch nicht verständlich machen. Alles sehr frustrierend.

Angst runter schlucken – und aktiv werden

Ich bin mal wieder mit einer Aufgabe beschäftigt, die ich gut kann und wo ich immer schon Freunde und Familie unterstützen konnte…Ich stelle gerade für meine Schwester eine moderne „Bewerbungs-Mappe“ zusammen. Also ich hab per PC ein modernes Design für den Lebenslauf erstellt, Fakten ergänzt und ansprechend aufbereitet. Ein schönes aktuelles Foto hab ich auch gleich mit in den Lebenslauf kopiert.

Nun schreibe ich noch ein Bewerbungs-Anschreiben und dann schauen wir mal, wie es weiter geht.

Sie hat ihren Job noch und ein Verlust des Arbeitsplatzes steht auch gerade nicht an, aber Ihr habt sicherlich schon öfter gehört, das viele Krankenschwestern und in der Altenpflege angestellte Menschen gerade aus dem Beruf wegbrechen. Und genau das ist in der mobilen Altenpflege, bei der meine Schwester arbeitet, gerade passiert.

Erst hat die Pflegedienstleistung gekündigt….dann viele der Altenpfleger und jetzt auch noch die stellvertretende Pflegedienstleitung, die kommissarisch die Leitung übernommen hatte. Und keiner hat es lange vorher angekündigt….alles ging in den letzten 6 Monaten hoppla-di-hopp…

…und Niemand weiß so Recht, wie es dort weiter gehen soll….die ausscheidende Stellvertretung hat allen Kollegen geraten sich mal auf dem freien Markt umzuschauen…das macht natürlich Angst. Wird der mobile Pflegedienst evtl. sogar aufgelöst? Eigentlich nicht vorstellbar, weil der Träger eine der ganz großen karikativen Einrichtungen ist…aber wenn die kein Führungspersonal mehr finden? Was dann? Nun gut – in der kommenden Woche findet wohl eine Mitarbeiter-Versammlung statt, von der sich alle eine Klärung der Situation erhoffen.

Meine Schwester ist da, genau wie ich, sehr pragmatisch…Die Angst wird runter geschluckt und dann wird gehandelt. Sie hat schon ein paar Adressen heraus gesucht und nach einem Telefonat mit mir auch dort angerufen, um zu erfragen ob eine Bewerbung aktuell Sinn macht und welche Unterlagen diese Firmen haben wollen.

Soooo und so sitze ich schon den Vormittag hier und beschäftige mich mit Ausdrücken, die in meinem Berufsleben so gar nicht vorkommen….