Doch etwas zu viel Trubel – ich bin platt

Es war genau richtig Hamburg am Freitag schon vor 12 Uhr verlassen zu haben…denn obwohl man dem Kalender kaum glauben möchte….es ist Hochsommer…es sind sogar die „Hundstage“ und Ferien in allen Bundesländern…und der hochsommerliche Verkehr auf der A24 Richtung Berlin nahm dann auch sehr schnell zu.

Aber immerhin floss der Verkehr noch…auch wenn er öfter mal drohte zu stocken. Mit einer kurzen Pause war ich dann nach 3 Stunden am Zielort: Neuruppin. Die Stadt mit dem Beinamen: Fontane-Stadt….denn hier wurde Theodor Fonatane geboren.

Bisher kannte ich die Stadt gar nicht…bin nur beruflich ein paar Mal hindurch gefahren…aber die Architektur und die vielen Pflasterstein-Straßen haben mich gereizt, mir die Stadt einmal genauer anzuschauen.

Zuerst hab ich mal in dem kleinen Hotel eingecheckt und mich auf dem Zimmer entspannt…später hab ich mich dann für meine Verabredung mit der Brandenburgerin und ihrer Familie frisch gemacht und bin hin gefahren. Wie immer in solchen Situationen, hab ich mir während des Nachmittags mehr als einmal gewünscht, ich könnte wieder nach Hause fahren….hahaha.. Was natürlich nichts mit der Kollegin zu tun hatte, sondern nur mit meiner eigenen Unzulänglichkeit mich bei solchen Verabredungen zu entspannen.

Ich wurde auch gleich sehr herzlich von Allen empfangen von ihr, ihrem Freund, ihrer Mutter und dem Hund…zum Glück waren die Kinder aber dann doch nicht da…sonst wäre es mir schnell zu viel geworden in der kleinen Wohnung. Also wie gesagt, alle waren sehr herzlich, freundlich und es hat mir sehr gut gefallen…wir hatten einen schönen Abend…später bin ich dann noch mit der Kollegin alleine eine Weile am Ruppiner See entlang gelaufen….da haben wir uns noch etwas intensiver über ihre Arbeitssituation unterhalten.

Es war fast 22 Uhr als ich zum Hotel zurück fuhr…dann war ich noch ein paar Minuten in der Nähe vom Hotel spazieren, bevor ich super gut geschlafen habe.

Samstag war ich dann bereits früh auf und bin nach einem tollen Frühstück durch die Stadt und vor allem durch die Wallanlagen mit dem Tempelgarten gelaufen und gelaufen (mehr als 11km und tags zuvor auch schon) und es war mir warm, und kalt und wieder warm…es war windig, ich hab gefroren…dann war es schwül und ich hab überhaupt nicht gemerkt wie sehr mir das Alles zusetzte…ich wurde nur immer müder.

Nach dem Mittag hab ich mich noch einmal mit der Kollegin am See getroffen und wir sind noch etwas gelaufen bevor wir uns in einem Cafè niederließen…Auch das war ein nettes Treffen…aber die Kollegin war auch etwas gedrückt und mir machte das Wetter zu schaffen.

Und dann bin ich die knappen 245 km wieder nach Hause gefahren…und war einfach nur platt. Den Rest des Wochenendes hab ich dann quasi nur auf dem Balkon und auf der Couch verbracht und fühlte mich, als ob ich einen Marathon gelaufen wäre…nicht das ich das jemals getan hätte…aber ich könnte mir vorstellen, das ich mich so fühlen würde….mir taten die Muskeln in Armen und Beinen weh, ich war schlapp und sehr müde…und fand meine eigene körperliche Reaktion auf dieses Wochenende selber übertrieben…aber was sollte ich machen.

Als dann noch meine Schwester anrief, um mir mitzuteilen, was wir zu Dritt am kommenden Wochenende machen werden, war ich hoffnungslos überfordert….ich konnte und wollte nicht sprechen und schon gar nicht in dem Moment Pläne schmieden…sie hat es sogar schnell verstanden und es zum Glück nicht auf sich selbst bezogen….wir telefonieren in den nächsten Tagen…erhol Dich gut…und weg war sie…Ich war ihr in dem Moment sehr dankbar.

War aber selber verwundert, wie sehr mich die Fahrt, die Treffen und das Wetter und die intensiven beruflichen Wochen jetzt ausgelaugt zurück gelassen haben, aber gut…ich blieb also den Sonntag ziemlich stumm und nahezu regungslos und hatte bei dem Dauerregen mit Wind auch keine Lust, das Haus zu verlassen.

Zum Glück startete diese Woche wieder ganz regulär mit meinen Homeoffice-Tagen und ich konnte mich um einige stille Themen kümmern…erst gegen Mittag verschwand diese bleierne Müdigkeit und ich fühlte mich so langsam wieder normal und hab mich dann auch gezwungen 2-3 berufliche Telefonate zu führen….meine Schwester hab ich dann am Nachmittag auch noch kurz angerufen, um unsere Ausflugspläne zu fixieren…das kommende Wochenende hatten wir schon vor einem Monat beschlossen…aber gestern konnte ich mich an einige Einzelheiten gar nicht mehr erinnern….jajaja – heute funktioniert das wieder mit dem Denken.

Kommunikation von Höcksken auf Stöcksken

Meine Arbeitswoche war schön…schön ruhig an den Homeofficetagen, schön kommunikativ und wenig produktiv am Mittwoch im Büro und schön produktiv an den folgenden Tagen im Büro.

Mittwoch saßen der Controller und ich wieder einmal zusammen im Büro. Es ist mehrere Wochen her, dass wir uns gesehen haben und so blieb auch nur wenig Gelegenheit miteinander zu plaudern…erst war er im Stress, dann krank, dann wieder im Stress, dann war ich krank, dann er im Urlaub….so und jetzt sitzen wir letztmalig als 2er-Team zusammen im Büro. Ab der nächsten Woche sind wir dann zu Dritt.

Wir hatten also viel zu besprechen und haben uns ausgiebig unterhalten: über den Job, die Zukunft mit dem neuen Kollegen, unsere Sitzplatz-Situation, über seinen Urlaub, seine Frau und die Kinder, über Sinn- und Jobsuche der Jugendlichen, über die Lage in der Welt, die Pandemie, über Aktienanlagen, über Atomstrom und -bomben, über (essbare) Pilze, über Inflation und Klimawandel und Wanderurlaub in den Bergen, über italienisches Essen und den Gardasee…also eigentlich über Gott-und-die Welt.

Im Ruhrpott sagt man dazu: Wir kamen von Höcksken auf Stöcksken.

Das hat vor allem Spaß gemacht, weil wir Beide in Redelaune waren und wir auch die Zeit dazu hatten….Effektiv habe ich zwar nur sehr wenig gearbeitet…aber das musste auch mal sein. Im Homeoffice bin ich dafür ja meistens extrem produktiv, weil ich so gar keine Ablenkung habe.

Aber auch die restlichen Tage im Büro waren super. Was vor allem an den anwesenden Kollegen lag, mit denen ich mich sowieso gerne unterhalte… alles lief entspannt und es gab auch einiges zu Feiern.

Ich hab es aber geschafft alle meine Quartalsabschlüsse bis Freitagmittag fertig an die Zentrale zu melden und bin dann auch zügig ins lange Wochenende gegangen.

Donnerstagabend hatte ich ein Telefonat mit einem Ex-Kollegen aus Hessen….wir schreiben in großen unregelmäßigen Abständen mal eine Whatsapp-Nachricht und seine Letzte beinhaltete viel Frust. Kernaussage: Es wird alles nicht besser – sondern immer chaotischer. Damit meinte er seine Arbeit…und er leitet eine inzwischen auf 8 Personen angewachsene technische Abteilung. Er war sich unsicher, ob ich den Arbeitskram überhaupt noch hören möchte, also schlug ich vor doch mal wieder zu telefonieren, das letzte Mal ist bestimmt schon ein Jahr her.

Und so hab ich mal wieder ein paar Neuigkeiten aus der alten Firma erfahren und wie es sich für ihn anfühlt. Wir hatten uns schon vor meinem Weggang über die Konzernstrukturen und die Ignoranz mancher Abteilungen aufgeregt. Für ihn hat sich zwar einiges verbessert und er ist glücklich mit seinem Team…aber die Kommunikation mit den anderen Abteilungen und den anderen Firmen innerhalb des Konzerns ist genauso schlecht, wie früher…hinzu kommen jetzt akute Personalprobleme in den Handwerksbetrieben, mit denen er schon seit Jahren gut zusammenarbeitet. Jetzt rächt es sich, dass der Konzern immer auf externe Handwerker gesetzt hat, anstatt intern eine eigene Abteilung für diesen Bereich aufzubauen. Denn wenn diese spezialisierten Handwerksbetriebe keinen Nachfolger finden, dann wird so ein Betrieb eben geschlossen, sobald der Inhaber in Rente geht…da kann die Auftragslage noch so gut und gesichert sein…es muss auch Menschen geben, die das ausführen können.

Vor allem kritisiert er die extrem schlechte Kommunikation mit „meiner“ Abteilung….und er vermisst meine strukturierte Arbeitsweise und die enge Abstimmung zwischen uns, die es unseren beiden Abteilungen ermöglichte, reibungslos zu funktionieren. Wie ich es schon befürchtet hatte, ist im Anlagevermögen inzwischen das reinste Chaos ausgebrochen und die neue Chefin kümmert sich nicht. Das tut mir zwar leid für ihn und für all die Zeit, die ich da reingesteckt habe, als ich diese Aufgabe einem Teammitglied übergeben habe…aber es tritt mich nicht mehr…dazu bin ich inzwischen zu weit entfernt.

Wir haben fast 1,5 Stunden telefoniert und auch über andere Themen gesprochen…und wieder einmal freue ich mich über meinen gelungenen Absprung aus diesem Stressjob. Ich bin mehr als zufrieden mit meinem jetzigen Leben und vermisse das alles gar nicht…bis auf 2-3 Kollegen, wie den, mit dem ich gerade telefoniert habe.